Arkham Horror – Das Kartenspiel

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Arkham Horror – Das Kartenspiel / Foto: Spieltroll

An Cthulhu komm ich nicht vorbei. Ich habe früher schon das Rollenspiel immer sehr genossen, wobei es glaub ich am ehesten an der Verbindung von Lovecrafts Mythos mit der Zeit der 20er Jahre zusammenhängt. Das übt eine wahnsinnige (haha) Faszination auf mich aus. Es gab oder gibt ja auch Spiele, die versuchten den Mythos in andere Zeiten zu transportieren, was mir aber irgendwie immer gar nichts gibt. So war ich denn auch schon total von dem damals angekündigten neuen Arkham Horror Kartenspiel gehyped, wie man jetzt neudeutsch sagt. Ich habe dem Hype aber lange standgehalten und mir zunächst einige Meinungen dazu angehört und angelesen. Fast einhellig waren sich ja alle einig das es ein wahrlich großartiges Spiel sei, nur der Preis wurde immer wieder als einer der wenigen Kritikpunkte hervorgehoben, wurde es doch als Living Card Game veröffentlicht. Für all diejenigen die nicht wissen was das ist, sei es hier kurz erklärt, im Gegensatz zu einem normalen Kartenspiel, das man erwirbt und dann den Regeln entsprechend spielt und einem Trading-Card-Game, oder Sammelkartenspiel, bei dem man von Anfang an immer nur einen Teil der Karten hat, mit dem man bereits spielen kann, aber das darauf ausgelegt ist durch Nachkäufe die Sammlung zu vergrößern und zu verbessern, ist das Living Card Game irgendwo in der Mitte anzusiedeln. Man erwirbt ein komplettes spielbares Spiel, aber dieses wird immer wieder durch neues Material erweitert. Eignet sich also in diesem Fall besonders gut um Geschichten zu erzählen. Darum, wie das hier bei Arkham Horror gelungen ist, soll es nun gehen.

Worum geht es ?

Wie bei nahezu fast allen Spielen mit der Beteiligung des Cthulhu-Mythos geht es auch in Arkham Horror – Das Kartenspiel, um seltsame, übernatürlich Vorgänge, auf die wir als Spieler in Form eines Ermittlers stoßen und zu ergründen versuchen. Wir schlüpfen dabei in eine von fünf vorgegebenen Rollen und untersuchen Orte nach ihren Geheimnissen und schreiten innerhalb einer Geschichte voran, um schließlich eine Lösung herbeizuführen. Das Spiel ist also storybasierend und wird nicht dadurch beendet das wir zum Beispiel eine bestimmte Anzahl Siegpunkte erspielen müssen, nein, es geht nur darum die Geschichte abzuschließen ohne dabei zu sterben, oder dem Wahnsinn zu verfallen.

Wie läuft das ab ?

Das Spiel kann man Solo oder zu zweit Spielen, möchte man es mit mehr Leuten spielen, was prinzipiell möglich ist, benötigt man allerdings bereits eine zweite Version des Spiels, da man nicht genügend Karten für mehr Ermittlerdecks hat. Alles in Arkham Horror basiert auf Karten. Es gibt für jeden Spieler ein Kartendeck, dieses wird aus diversen kleineren Decks zusammengestellt, zum Start sollte man hier durchaus auf die vorgefertigten Versionen der Charakterdecks aus dem Spielheft zurückgreifen, da man am Anfang einfach noch nicht alle Mechanismen des Spiels überschauen kann. Grob gesagt, es gibt eigene Karten für jeden Ermittler, die nur genau dieser Charakter benutzen darf, dann werden die Charaktere aber auch immer noch zwei Deckklassen zugeteilt, wie zum Beispiel dem Arkanen-Deck oder dem Schurken-Deck. Von diesen Klassendecks gibt es in der Grundversion des Spiels erstmal fünf verschiedene, aber es ist nicht auszuschließen, dass noch weitere folgen werden. Zu guter Letzt gibt es dann noch ein neutrales Deck auf das alle Charaktere zurückgreifen dürfen. So werden die Decks der Charaktere zusammengebaut. Die Karten der verschiedenen Deckklassen sind eben nicht in ausreichender Anzahl vorhanden, so dass man mehr als zwei Charakterdecks erstellen kann. Jeder Spieler sucht sich also einen der fünf Charaktere aus und erhält seine Charakterkarte, auf der ein bißchen Flavourtext, sowie die Werte und die Decks stehen, aus denen er auswählen darf. Die Charaktere verfügen über sechs Werte, die sie definieren, zum einen wären da die Werte für körperliche und geistige Gesundheit, sowie Willenskraft, Wissen, Stärke und Bewegung. Zusätzlich zu seinem Deck und der Charakterkarte gibt es noch eine kleine Karte die als Spielstein fungiert, damit man weiß in welchem Raum man sich gerade befindet.

Anstatt eines Spielbretts gibt es auch hier wieder Karten, es werden zwei weitere Stapel in der Mitte des Tisches bereitgelegt, zum einen das Szenendeck, das uns beschreibt was wir tun müssen um für uns positiv im Spiel voranzukommen und zum anderen das Agendadeck in dem negative Ereignisse auf uns warten. Diese Stapel bestehen meistens nur aus drei Karten, denn sonst würde die Spiellänge ausufern. Das gespielte Szenario gibt uns darüber hinaus noch vor welche Orte ausgelegt werden. Die Anzahl hier kann erheblich varrieren. Ortskarten kommen zunächst mit ihrer verhüllten Seite ins Spiel und werden erst umgedreht, wenn man sie betreten kann. Auf Ortskarten gibt es meistens noch zwei weitere Werte den Schleierwert, der angibt gegen welchen Wert wir unsere Ermittlungsprobe machen müssen und den Hinweisert, der angibt wieviele Hinweismarker auf dem Ort platziert werden. Wenn wir im Spielverlauf an einem Ort ermitteln machen wir eine Probe und bekommen bei Erfolg einen Hinweismarker. Auf den Szenenkarten ist meistens ein Wert angegeben der uns verrät wieviele Hinweismarker wir sammeln müssen um in der Szene voranzuschreiten, in dem Moment in dem wir genug Marker gesammelt haben oder auch ein bestimmtes Ereignis eintritt, schreiten wir in der Szene voran und die Szenenkarte wird umgedreht und ein Effekt tritt ein, danach befinden wir uns auf der nächsten Szenenkarte und müssen diese bewältigen. Kommen wir hier irgendwann unversehrt am Ende an haben wir das erste „Abenteuer“ bestanden.

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Spielsituation Arkham Horror / Foto: Spieltroll

Damit wir das nicht so einfach schaffen sind natürlich nicht nur wir dran, indem wir uns mit unserem Charakter von Ort zu Ort bewegen Karten ausspielen die uns helfen sollen Ressourcen sammeln, damit wir Karten ausspielen und benutzen können, gibt es natürlich auch Phasen in denen das Spiel dran ist und uns Steine in Form von Monstern Gefahren und ähnlichem in den Weg räumt. Das Spiel schreitet zum Beispiel unaufhörlich in seiner Agenda voran. Auf den Agendakarten ist ein Wert angegeben der uns sagt wieviele Mythosmarker auf der Karte liegen müssen damit das Agendadeck voranschreitet und den Spielern negative Effekte in die Quere kommen. Ein Mythosmarker wird jede Runde auf das Deck gelegt, aber es gibt auch weitere Effekte die uns veranlassen solche Marker dort abzulegen. Darüberhinaus gibt es auch in jedem Szenario ein Begegnungsdeck das aus wiederum diversen kleineren Decks vor Spielbeginn zusammengabut wird, ähnlich dem Deckbau der Ermittler. Auch hier gibt es viele verschiedene Kartenstapel zum Beispiel gewisse Monstersorten, Fallen spezielle Mythosereignisse und so weiter und so fort. Von diesem Deck werden in der Mythosphase dann auch Karten gezogen und den Ermittlern um die Ohren gehauen. Dabei kann es auch zu kämpfen kommen durch die wir körperlichen oder geistigen Schaden nehmen.

Bei allen zufälligen Sachen müssen wir Proben ablegen und da wird das Spiel dann tatsächlich sogar richtig innovativ. Wir benutzen keine Würfel, sondern regeln das über Plättchen in einem Beutel auf denen Zahlenwerte und auch verschiedene andere Symbole abgebildet sind und so läßt sich der Schwierigkeitsgrad des Szenarios und der Spielerfahrung wirklich sehr fein justieren. Will man es schwieriger, so legt man quasi die höheren negativen Zahlenchips in den Beutel. Es gibt natürlich auch jeweils Chips für automatische Erfolge und Mißerfolge. Ein wirklich sehr schönes System, um Zufallsergebnisse zu generieren. Einziges Manko, einen Beutel sucht man beim Spielmaterial vergeblich und das ist wirklich eine Frechheit.

Ich will hier gar nicht zu sehr ins Detail gehen, denn das sprengt definitiv den Rahmen. Aber zur groben Umreißung sollte es reichen, nur soviel noch, die Szenarios die im Grundspiel dabei sind ergeben alle nacheinander ein Größeres Ganzes und bauen aufeinander auf. Man muss sogar seine Charkatere mit in das nächste Szenario nehmen und bekommt Erfahrungspunkte durch die man Karten aufwerten kann, sodaß man stärkere Versionen mancher Karten mit in das nächste Szenario nimmt. Auch gewisse Ereignisse innerhalb eines Szenarios können Auswirkungen auf spätere Ereignisse in anderen Szenarios haben.

Das Fazit

Wow! Dieses Spiel erschlägt einen zunächst einmal mit eigentlich allem, seiner Komplexität, seinen Regeln, seiner Art, seinem Preis und auch seiner Frechheit. Arkham Horror – Das Kartenspiel ist nichts für normale Spieler diese werden definitiv überfordert sein, lediglich Rollenspieler könnten gefallen daran finden, die sind komplexe Systeme ja gewohnt. Ich kann es auch als kooperatives Spiel für zwei bis vier Spieler nur bedingt empfehlen, wenn die Leute alle wissen worauf sie sich einlassen ist es bestimmt eine schöne Spielerfahrung aber ist nur einer dabei der mit der Komplexität, mit storybasiertem Spiel oder mit dem Cthulhu-Mythos nichts anfangen kann, könnte der Spielspaß arg leiden. Uneingeschränkt und absolut empfehlen kann ich es aber Leuten die auch gerne mal Solospielen und sich gerne in solchen Geschichten verlieren, da kenne ich in der Tat auch nichts besseres. Dieses Spiel funktioniert Solo so super auch wenn man immer wieder in der Anleitung nachschlagen muss wie es an manchen Stellen funktioniert, deswegen ist der Glossar auch sehr hifreich auch wenn es bei mir sogar manchmal vorkam das auch der nicht weiterhalf, weil einige Regeln sich auch in irgendwelchen Halbsätzen der Anleitung verbergen. Bei der Anleitung könnte man definitv nochmal ansetzen um einiges besser zu machen, aber ich möchte nicht falsch verstanden werden. Das Spiel ist wahrscheinlich das beste Solospiel das ich kenne aber ich finde die Spielerfahrung mit mehreren Spielern tatsächlich nicht ganz so gut. Abzüge in der B-Note bekommt das Spiel dann tatsächlich auch noch dafür, dass es die Frechheit besitzt und keinen Beutel für die Probenplättchen beilegt und das bei dem wirklich nicht gerade günstigen Preis. Das ist in der Tat der zweite Kritikpunkt. Das Spiel ist nicht gerade billig, auch für die durchaus hohe Qualität. Inzwischen sind ja auch weitere Schachteln mit neuen Hauptszenarien erschienen die das Spiel weiter ausbauen, darüberhinaus sind auch für jeden sogannten Zyklus noch Mythosboosterpacks erschienen, die den Zyklus um jeweils ein weiteres Szenario erweitern und die für den Preis von zum Teil 15 bis 17 Euro im Handel erhältlich sind, einfach viel zu teuer daherkommen.


  • Verlag: Fantasy Flight Games
  • Autor(en): Nate French / Matthew Newman
  • Illustrator(en): Christopher Hosch, Marcin Jakubowski, Ignacio Bazán Lazcano, Henning Ludvigsen, Mercedes Opheim, Zoe Robinson, Evan Simonet
  • Erscheinungsjahr: 2016
  • Spieleranzahl: 1 – 2
  • Dauer: 60 – 120 Minuten

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