Chronicles of Crime

Chronicles Of Crime / Foto: Spieltroll

Bisher fand ich viele Spiele, die versucht haben eine App auf einem Smartphone in ein Spiel zu integrieren meist nicht besonders gelungen. Irgendwie wirkte es oft aufgesetzt, manchmal überflüssig oder einfach schlecht umgesetzt. Als ich das erste mal von Chronicles of Crime hörte schwante mir Schlimmes. Ich bin ein großer Fan des Klassikers Sherlock Holmes Criminal-Cabinet und Vergleiche ließen mich aufhorchen, aber dann dieses Appding, dem ich mehr als skeptisch gegenüberstand. Aber nachdem ich es selber ausprobieren konnte war die Skepsis wie weggeflogen und ich kann nur sagen, dass David Cicurel sich hier mächtig was hat einfallen lassen und es für meinen Geschmack sogar schafft das Feeling des Klassikers in die Neuzeit zu transferieren. Genau so, muss eine Appanbindung an ein Spiel sein.

Worum geht es ?

Ganz einfach gesagt, geht es um das Aufklären von Kriminalfällen anhand von Hinweisen, die wir von Personen oder Gegenstände an bestimmten Orten bekommen. Aus diesen müssen wir Tathergänge rekonstruieren und zum Schluß Fälle lösen, indem wir Fragen beantworten. Das Ganze passiert interaktiv über eine App, die das Spiel steuert und von den Spielern als Werkzeug benutzt wird.

Chronicles Of Crime Spielaufbau / Foto: Spieltroll

Wie läuft das ab ?

Chronicles Of Crime ist in dieser Hinsicht ein wirklich bemerkenswertes und bisher nahezu einzigartiges Spiel. Das Spiel besteht sowohl aus analogen Elementen, die man auf dem Tisch wie eine klassische Szene aus einem Kriminalfilm ausbreitet. Eine Szene in der die Kommissare vor einer Pinnwand stehen und Gesichter von Verdächtigen, mit Bildern von Tatorten, Hinweisen und Beweismitteln über Pfeile, Linien oder was auch immer in Verbindung bringen. Sowie auch aus einer digitalen Komponente, einer App, auf einem Smartphone oder Tablet, auf deren Funktion ich gleich zu sprechen komme und erkläre, warum das so besonders ist.

Chronicles Of Crime Karten / Foto: Spieltroll

Zunächst einmal gibt es ganz klassisch ein Spielbrett, dass aber nur als Sortierhilfe und Grundgerüst für den gespielten Kriminalfall auf dem Tisch liegt. Auf dem Spielbrett gibt es viele kleine Ablagefelder für die Hinweiskarten. Am Rand des Bretts befinden sich diverse Anlegemöglichkeiten für die großen Ortstafeln, von denen das Spiel mit insgesamt 17 Stück daher kommt. Ans untere Ende wird in der Regel der Ausgangspunkt (Scotland Yard) ausgelegt. Die sieben verbliebenen Plätze füllen sich während des Falles nach und nach. Auf jeder Ortstafel wiederum sind drei Anlegemöglichkeiten für Personenkarten, die man an den Orten antreffen kann. Auf dem Spielbrett gibt es ebenfalls nocheinmal drei Felder für Personen, von denen man eventuell noch nicht weiss, wo man sie verorten muss. Zusätzlich zu den Hinweiskarten, den Personen- und Ortskarten gibt es auch noch einige Sondergegenstandskarten sowie insgesamt vier forensische Kontakte, die wir jederzeit anrufen können und die uns mit Informationen über das Verbrechen versorgen.

Chronicles Of Crime Hinweiskarten / Foto: Spieltroll

Mehr Spielmaterial gibt es erstmal nicht und jeder der Fälle stellt sich aus diesen Karten zusammen. Funktionieren tut das ganze dann nur über eine App, die wir auf Smartphones oder Tablets installieren. Dort wählen wir einen der sechs Fälle, die im Grundspiel enthalten sind aus und das Spiel startet. Einer der Fälle ist ein Tutorial, anhand dessen ich hier Erklärungen machen werde. Die App erzählt und in diesem Fall was passiert ist. Zunächst werden wir gebeten die Scotland Yard Ortstafel auszulegen und uns bei unserem Chefinspektor zu melden. Die App sagt uns in diesem Fall, welche Personenkarte wir nehmen sollen. Die Karten sind alle nummeriert. Wir legen die entsprechende Personenkarte auf den Ort. Beide Karten verfügen über einen QR-Code, den wir mit der App scannen können. Zunächst müssen wir uns nach Scotland Yard bewegen, das machen wir indem wir den QR-Code des Orts scannen. In der App sehen wir, das wir dort angekommen sind und dann können wir die Personenkarte scannen, von der wir wissen, das es unser Chefinspektor ist. Der erzählt uns dann von einem Kriminalfall und dem Todesfall einer alten Frau in einer Wohnung in einem anderen Stadtteil. Soviel zur Vorgeschichte und dann geht es richtig los.

Chronicles Of Crime Spielaufbau / Foto: Spieltroll

Wir legen dann den Stadtteil ans Brett an und auf den Stadtteil die Personenkarte des Opfers. Wir scannen den Ort und bewegen uns also an den Ort des Verbrechens. Das kostet uns Zeit, denn die App zählt für jeden Ortswechsel und jede Befragung einer Person ein paar Minuten weiter. Dabei dauert ein Ortswechsel natürlich länger. Vor Ort angekommen können wir zunächst den Tatort des Verbrechens anschauen. Das machen wir, indem wir uns eine kurze Zeit in einer 3D-Umgebung auf dem Smartphone umsehen können. Haben wir uns die extra zu erwerbende VR-Brille gegönnt, können wir sogar ein besonderes 3D-Erlebnis genießen. Aber auch ohne dieses Gimmick ist das Spiel sehr gut zu spielen. Auch dieses Umsehen kostet uns Zeit. Das tolle an der App ist tatsächlich, dass sich alle am Tisch sitzenden diese Herunterladen können und sich mit dem Hauptgerät pairen können, so dass alle Spieler auf ihrem Telefon mitschauen können. Das funktioniert richtig gut.

Chronicles Of Crime Personenkarten / Foto: Spieltroll

Anschießend durchsuchen wir gemeinsam den Hinweisstapel nach Dingen, die uns afgefallen sind und scannen dann wiederum diese Hinweise. Die App verrät uns, ob sie wichtig oder unwichtig sind. Wir können nun Personen zu den Hinweisen befragen, oder Personen zu anderen Personen. Wir können unsere Forensiker über Personen oder Hinweise befragen. Man spielt als dieses Spiel auf dem Tisch, indem man die App als Werkzeug benutzt. Das fühlt sich richtig gut an und macht tatsächlich einen Heidenspaß.

Chronicles Of Crime Forensische Kontakte / Foto: Spieltroll

Nebenbei sollten wir uns natürlich ein paar Notizen machen, um nicht wieder alles zu vergessen. Zum Schluß können wir den Fall dann bei Scotland Yard lösen. Unser Chef stellt uns dann einige Fragen, die wir beantworten, indem wir die richtigen Orte, Personen oder Hinweise scannen. Wir bekommen eine Bewertung, wie gut wir waren. Erwähnt werden muss natürlich noch, dass die Zeit eine Rolle spielt. Je mehr Zeit verstrichen ist, je schlechter das Ergebnis. Außerdem ist die Zeit auch während des Spiels sehr relevant, weil man manchmal zu bestimmten Zeiten, an bestimmten Orten sein muß, um wen zu Treffen, jemand kann schon geflohen sein oder etwas ähnliches. Im Prinzip ist hier eine ganze Menge möglich. Das System lässt viel Raum für weitere Fälle und Szenarien. Für die Zukunft sind zwei weitere Szenarien in unterschiedlichen Settings geplant. Ich könnte mir aber zum Beispiel auch ein Sherlock Holmes Setting vorstellen.

Das Fazit

Chronicles Of Crime ist der absolute Wahnsinn unter den Deduktionsspielen. Mein bisheriger unerreichter Favorit in dieser Sparte ist seit Jahren das uralte Sherlock Holmes Criminal Cabinet, aber Chronicles Of Crime könnte es locker schlagen, wenn es noch ein wenig mehr Umfang hätte. Der Preis für die fünf Fälle und die schöne Ausstattung geht auf jeden Fall in Ordnung, aber wenn man ersteinmal angefixt ist, sind die fünf Fälle schnell gespielt. Innerhalb der App ist es möglich weitere Fälle zu kaufen und 6 Euro pro Fall finde ich angemessen. Zwei weitere Fälle gibt es bisher und weitere sind für die Zukunft angekündigt.

Die Fälle sind von unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden und auch alle nicht zu schwer, oder unlogisch. Die Technik funktioniert einwandfrei und besonders die Möglichkeit zusätzliche Geräte zu benutzen und mit ihnen zeitgleich die Tatorte besuchen zu können finde ich wirklich sehr gelungen. Auch ist die Zeitkomponente sehr geschickt in das Spiel integriert, so dass man nicht allzu oft hin und her Laufen und sich sinnlose Verhöre sparen sollte.

Wenn die Entwickler noch ein wenig am Umfang arbeiten und weitere Fälle veröffentlichen, ist Chronicles Of Crime der Sherlock Holmes Criminal-Cabinet Killer für mich. Ehrlich gesagt würde ich gerne die alten Fälle des Sherlock Holmes Spiels auf diese Technik umgemünzt sehen, auch wäre es sehr cool, wenn man mit der App eigene Fälle bauen könnte, aber sowas ist natürlich Zukunftsmusik. Die beiden Erweiterungen mit Noir Fällen und in den 50ern und einer 80er Jahre Erweiterung sollten erstmal genug Futter für viele Runden Chronicles Of Crime liefern. Von mir gibt es auf jeden Fall beide Daumen nach oben für dieses fantastische Deduktionsspiel, das ich als bisher gelungensten Fall von Verbindung zwischen Brettspiel und App betrachte.


  • Verlag: Corax Games
  • Autor(en): David Cicurel
  • Erscheinungsjahr: 2018
  • Spieleranzahl: 1 – 4
  • Dauer: 60 – 90 Minuten



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