Der Unterhändler

Der Unterhändler / Foto: Spieltroll

Der Unterhändler ist in der Tat das erste reine Solospiel, das ich mir jemals gekauft habe, wenn man einmal von allen Spielen absieht, die man auch alleine Spielen kann. Nein, der Unterhändler ist wirklich ein reines Solospiel und kann nicht mit mehreren Leuten gespielt werden. Das Solospielen ist meiner Meinung nach zu einem kleinen Trend geworden, denn immer mehr Spiele verfügen über einen Solomodus. Da ist es nicht weiter verwunderlich, dass es auch immer mehr Spiele gibt, die man tatsächlich nur ganz alleine spielen kann. Der Unterhändler ist also in diesem Fall mein Erstkontakt und rein von der Prämisse des Spiels war ich ersteinmal sehr angetan. Einen Unterhändler der Polizei zu spielen, der um das Leben von Geiseln verhandeln soll, kommt einem thematisch nicht alle Tage unter.

Worum geht es ?

In der Unterhändler von A. J. Porfirio schlüpfen wir tatsächlich in dei Rolle eines Unterhändlers der Polizei, dem es in einer Partie gelingen muss, Geiseln aus den Händen eines Geiselnehmers zu befreien. Dabei können wir nur gewinnen, wenn wir es schaffen mindestens die Hälfte aller Geiseln zu befreien und der Geiselnehmer getötet oder verhaftet wird. Im Umkehrschluss verlieren wir, wenn mehr als die Hälfte aller Geiseln getötet wurden, der Geiselnehmer entkommt, oder der Stapel der Eskalationskarten aufgebraucht ist.

Der Unterhändler Spielaufbau / Foto: Spieltroll

Wie läuft das ab ?

Zunächst breiten wir das Spielmaterial vor uns aus und trotz, das es nur ein Solospiel ist, benötigt es eine Menge Platz auf unserem Tisch. Als zentrales Element dient uns dabei ein kleines Spielbrett auf dem wir zu Spielbeginn sämtliche Geiseln des gewählten Szenarios und unsere Anzeiger für das Gefahrenniveau und die Verhandlungspunkte stellen. Außerdem befindet sich auf dem Spielbrett ein Feld für unseren Eskalationskartenstapel. Sämtliche anderen Karten werden im Verlauf des Spiels in besonderen Bereichen an das Brett angelegt, so dass man die Übersicht behält.

Der Unterhändler Geiselnehmerkarte / Foto: Spieltroll

Der Unterhändler spielt sich, wie schon angedeutet, szenariobasiert. Das heisst, dass wir uns zunächst für eines der Szenarios entscheiden müssen, das wir spielen möchten. Im Grundspiel sind drei unterschiedliche Einsätze enthalten und weitere werden als zusätzliche Erweiterungen verkauft. Das unkompliziertes Szenario, mit dem man auch beginnen sollte, das Spiel zu ergründen, ist das des Geiselnehmers Viktor Hades. Jeder Geiselnehmer hat eine eigene Karte, auf der man seine Hintergründe nachlesen kann und auf der steht, wieviele Geiseln er genommen hat und auf welchem Gefahrenniveau das Spiel beginnt. Außerdem kann ein Geiselnehmer über bestimmte Sonderfertigkeiten verfügen, auf die man Rücksicht nehmen sollte. Viktor Hades hat aber keine Sonderfähigkeiten, weshalb er sich als Tutorial gut eignet. Die Karte des Geiselnehmers mit seinen Fähigkeiten legt man sich zur Erinnerung links an das Spielbrett an.

Der Unterhändler verschiedene Geiselnehmer / Foto: Spieltroll

Zusätzlich zu seiner Charakterkarte, verfügt jeder Geiselnehmer über eine Hauptforderungskarte auf der steht, welches der Hauptgrund ist, warum er Geiseln genommen hat und wie wir sie erfüllen können. Im Fall von Viktor Hades kommt er mit drei Hauptforderungskarten, von der wir zu Beginn eine verdeckt auswählen, so haben wir weitere Varianz im Spiel und jeder Geiselnehmer will in unterschiedlichen Spielen, unterschiedliche Dinge. Auf der Oberseite des Spielbretts legen wir die Forderungen des Geiselnhemers an. Zunächst nur die Hauptforderung und das auch erstmal verdeckt. Wir müssen im Laufe der Verhandlung mit ihm erst rausbekommen, was er eigentlich genau will. Auf der Charakterkarte des Geiselnehmers steht zusätzlich, wieviele Fluchtforderungen er außerdem hat. Mit diesen speziellen Karten verfahren wir genauso wie mit der Hauptforderung und ziehen eine entsprechende Anzahl verdeckt und legen sie oben ans Spielbrett an.

Der Unterhändler Spielbrett / Foto: Spieltroll

Die von ihm genommene Menge an Geiseln stellen wir in da mittlere Geiselfeld ‚In Gefangenschaft‘ auf dem Spielplan. Schaffen wir es im Verlauf des Spiels eine Geisel zu befreien, so wandert sie nach links ins ‚Befreit!‘-Feld oder wenn sie getötet wird nach rechts auf das ‚Getötet‘-Feld. Als letztes Element auf dem Spielbrett befindet sich dort eine Art ‚Gefahrentachometer‘. Auf diesem wird im inneren Kreis angezeigt, wie das Gefahrenniveau der Situation zwischen Geiselnehmer und Unterhändler ist. Diese Anzeige geht von 0 bis 7. Viktor Hades startet zum Beispiel auf der 4. Die Bereiche sind farblich gekennzeichnet. Im grünen Bereich würfeln wir sämtliche Bedrohungswürfe mit drei Würfeln, im gelben mit zwei und im roten Bereich steht uns nur noch ein Würfel zur Verfügung. Sollte der Gefahrensanzeiger über Wert sieben hinaus steigen, so tötet der Geiselnehmer eine Geisel und der Wert wird wieder auf sieben gesetzt. Gleiches gilt für die Null. Würde ein niedrigerer Wert erreicht, so wird eine Geisel befreit und der Anzeiger wieder auf Null gesetzt. Um diese Anzeige herum gibt es noch eine Zählleiste mit Sprechblsen mit der Werten -4 bis 12 auf der Null starten wir jede Runde mit unseren Verhandlungspunkten.

Der Unterhändler Karten / Foto: Spieltroll

Zum Schluß bereiten wir uns noch den Eskalationskartenstapel vor, der aus zehn Karten besteht. In ihm sind Ereignisse enthalten, die während der Geiselnahme passieren können. Zum Beispiel kann eine Geiseln versuchen den Helden zu spielen und die Situation eskaliert, oder der Geiselnehmer lässt eine Geisel als Zeichen des guten Willens frei, oder es kommen weitere Forderungen hinzu, die der Geiselnehmer plötzlich als Bedingungen stellt. Der Stapel ist recht vielfältig und es gibt eine größere Anzahl, so dass nicht in jedem Spiel die gleichen Ereignisse zum Tragen kommen.

Es gibt noch ein paar weitere kleinere Elemente, die ich hier nicht erwähne, weil sie das Spiel nur geringfügig beeinflussen. Das wichtigste im Spiel sind jedoch unsere Verhandlungskarten, die wir unterhalb des Spielbretts in einer offenen Auslage bereitlegen müssen. Am besten legen wir sie mit aufsteigenden Kosten aus, so dass wir einen guten Überblick behalten. Karten mit gleichen Namen bilden dabei einen Stapel. Es gibt sechs Verhandlungskarten, die einen Wert von Null haben. Diese bilden unsere Starthand und wir sollten einen Ablagestapel auch für sie in der Auslage einplanen.

Der Unterhändler Anzeige / Foto: Spieltroll

Der Unterhändler spielt sich dann wie folgt: Wir durchlaufen drei Phasen. In der ersten Phase verhandeln wir mit dem Geiselnehmer über ein Telefon, danach dürfen wir neue Karten kaufen und dann findet eine Eskalationsphase statt. In der Verhandlungsphase spielen wir Karten von unserer Hand. Die Verhandlungskarten haben zwei Seiten. Spielen wir sie offen, machen wir einen Bedrohungswurf und führen dann das auf der Karte angegebene Ergebnis aus. Beim Bedrohungswurf würfeln wir mit sovielen Würfeln, wie uns die Gefahrenanzeige erlaubt. Die Würfel können drei mögliche Ergebnisse zeigen, eine Polizeimarke als Erfolg, eine leere Seite als Misserfolg oder zwei Karten. Würfeln wir die zwei Karten, so haben wir die Möglichkeit dieses Ergebnis durch das Abwerfen von zwei Handkarten in einen Erfolg zu verwandeln. Die Verhandlungskarten zeigen immer drei mögliche Ergebnisse: zwei Erfolge, ein Erfolg oder kein Erfolg. Alle Ergebnisse in der entsprechenden Spalte unseres Ergebnisses führen wir aus. Dabei geben diese Karten so ziemlich alles her. Meistens bringen sie uns Verhandlungspunkte, die wir auf der Leiste anzeigen, manchmal dürfen wir eine Forderung umdrehen, oder eine Geisel wird befreit oder aber das Gefahrenniveau steigt oder sinkt. Wenn wir dabei eine Leiste ausführen müssen in der ein Symbol für das beenden der Verhandlungen auftaucht, wird diese Phase beendet.

Der Unterhändler Verhandlungskarten / Foto: Spieltroll

Nach der Verhandlungsphase dürfen wir uns dann Karten im Wert unserer Verhandlungspunkte kaufen. Dabei können wir nichts sparen, denn am Ende wird die Leiste wieder auf Null zurückgesetzt. Wir nehmen uns die entsprechenden Karten auf die Hand und sortieren danach sämtliche Karten die wir gespielt haben wieder in die Auslage ein. Auch die Karten mit Wert Null, diese können wir erst in der nächsten Kaufphase wieder auf die Hand nehmen. Zum Schluß ziehen wir dann noch die oberste Eskalationsphase und führen sie aus.

So ist im Groben und Ganzen der Spielablauf, indem wir versuchen müssen die Geiseln zu befreien. Viele Ereignisse auf den Karten sind negativ, um dem entgegenzusteuern, werden wir ab und zu durch die Forderungskarten auch belohnt, wenn wir uns dazu entscheiden sie zu Erfüllen, allerdings haben sie meistens auch einen permanenten negativen Effekt, weil der Geiselnehmer das als Schwäche deuten könnte. Es ist nicht ganz einfach hier immer das richtige zu tun.

Das Fazit

Der Unterhändler ist ein zweischneidiges Schwert. Zum einen empfinde ich das Spiel als sehr spannend, wenn man sich darauf einlassen kann und es kann auch ein sehr guter Zeitvertreib sein. Aber, und das ist ein recht dickes aber, die Mechnik des Spiels basiert einzig und allein auf Würfelwürfen. Das muss ja nichts schlechtes sein, wenn man versuchen kann zuerst die Sachen zu erledigen, bei denen nichts eklatant schief gehen kann, so dass man in der Verhandlungsphase weiter machen kann und erst dann anfängt die gefährlicheren Aktionen zu machen. Aber ein verpatzter Wurf an der falschen Stelle kann extreme Folgen haben, die einem den Sieg dann schon fast unmöglich machen. Dort hätte es ein wenig mehr Feingefühl bei den Karten bedarft, da es einfach zuviele gibt, die bei einem schlechten Wurf die Phase beenden. Man sollte also wissen, dass dieses Glücksmoment einen erheblichen Teil des Spiels ausmacht.

Den Rest des Spiels halte ich für recht gelungen. Die verschiedenen Szenarios unterscheiden sich tatsächlich total und das Material des Spiels ist sehr gut, mit der Ausnahme der Artworks auf den Verhandlungskarten, die ich als nicht besonders gelungen ansehe. Der Schwierigkeitsgrad der Szenarios unterscheidet sich auch stark und so kommt bei den anderen Szenarios auch noch ein gewisser Frustfaktor hinzu, denn würfelt man ein paarmal zu schlecht, so kann man die Partie meist schon vergessen.

Der Unterhändler ist ein Spiel für zwischendurch, wenn man sich einmal beschäftigen möchte. Man kann ein durchaus spannendes Spiel erleben, wenn man über eine hohe Frusttoleranz verfügt. Sollte man allerdings mit einem zu hohen Glücksfaktor nichts anfangen können und sofort Wutanfälle kriegen, wenn ein Würfelwurf mal daneben geht, dann sollte man lieber die Finger von dem Spiel lassen. Schade, denn das Thema ist wirklich sehr erfrischend anders.


  • Verlag: Frosted Games
  • Autor(en): A. J. Porfirio
  • Erscheinungsjahr: 2018
  • Spieleranzahl: 1
  • Dauer: 15 – 30 Minuten

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