Winziges Verlies

Winziges Verlies / Foto: Spieltroll

Ich gebe zu, als ich das erste Mal von der „Tiny Epic“-Reihe des Gamelyn Verlages gelesen habe, dachte ich zunächst nur an gimmickhafte Spiele. Aber weit gefehlt. Winziges Verlies ist der kleinste Dungeoncrawler der Welt und hat tatsächlich in einer 10 mal 14 Zentimeter großen Schachtel Platz. Ich war ganz schön erstaunt wieviel Spiel in dieser Verpackung steckt. Natürlich darf man hier dann keine tollen Miniaturen und riesige Spielfelder erwarten, nein, Winziges Verlies ist tatsächlich hauptsächlich auf Karten basierend. Es eignet sich perkeft als Solospiel, ist aber auch für bis zu zwei Spieler im Koop spielbar. Wenn man ein zweites Spiel hinzunimmt, so kann man es sogar mit bis zu vier Leuten spielen.

Worum geht es?

In Winziges Verlies geht es darum, mit seiner Heldin in einen Dungeon hinabzusteigen und drei Ebenen zu überleben, bevor man auf das Bossmonster des Dungeon trifft. Sollte es einem gelingen auch dieses zu töten, bezwingt man den Dungeon und kann in einem anderen Verlies erneut sein Glück versuchen. Unterwegs trifft man Entscheidungen über Kampf oder Flucht und wirft verschiedenfarbene Würfel, die seinen Fähigkeiten entsprechen, um Fallen und Monster zu besiegen. Als Belohung erhält man die Monsterkarten, die man auf verschiedenste Arten benutzen kann.

Wie läuft das ab?

Winziges Verlies Charaktere / Foto: Spieltroll

In Winziges Verlies übernimmt jeder Spieler eine von fünf möglichen Heldinnen und versucht mit ihr und seinem Partner das Dungeon gemeinsam zu überleben. Die Heldinnen unterschieden sich durch die Anzahl verschiedener Würfel, die sie bei bestimmten Proben Würfeln dürfen und durch ihre speziellen Fähigkeiten. Grundsätzlich hat jede Heldenkarten zwei verschiedene Seiten für das Ein- oder Zweispielerspiel. Im Solomodus sind sämtliche Werte erhöht, da man sonst zuwenig Würfel werfen dürfte um bestimmte Situationen zu schaffen. Die Heldenkarte legen die Spieler vor sich ab und sämtliche anderen Karten, die man wähend der Partie erhält werden unter die Heldenkarte geschoben. In der Mitte wird die Karte der Spielübersicht ausgelegt und das entsprechende Verlies in das man sich herabwagen möchte wird ausgewählt und so unter die Spielübersicht geschoben, dass man nur noch die erste Ebene sieht mit der das Spiel beginnt.

Winziges Verlies Spielaufbau / Foto: Spieltroll
Winziges Verlies Spielmaterial / Foto: Spieltroll

Alle Begegnungskarten mit den Türen auf der Rückseite werden gemischt und als Stapel bereitgelegt. Unter den Stapel platziert man die Treppenkarte. Wenn die Spieler diese Karte erreichen, können sie in die nächste Ebene hinabsteigen. Die Erfahrungskarten werden nach Stufen von eins bis vier sortiert und aufeinander gelegt. Sie werden ebenfalls in der Mitte platziert. Die 30 Würfel werden nach Farben sortiert und bereitgelegt. Von den schwarzen Heldenmutwürfeln gibt es nur sechs, von den drei anderen Farben jeweils acht. Sie stehen für die drei Fähigkeiten der Helden: Stärke, Geschicklichkeit und Magie. Den Spielern stehen später Würfel in Anzahl der Symbole auf ihrer Heldenkarte zu. Die Kriegerin verfügt zum Beispiel über drei Schwertsymbole und ein Schuhsymbol im Zweispielermodus und erhält deswegen drei gelbe und einen roten Würfel.

Winziges Verlies Spielübersicht / Foto: Spieltroll

Der Spielablauf ist dann recht simpel. Die Spieler haben jede Runde nur zwei Phasen. Die erste Phase ist der sogennante Zeitverbrauch in der die Heldengruppe zwei Karten vom Türenstapel auf den offenen Ablagestapel legt. Wenn die Treppenkarte sichtbar wird kann man auf die nächste Ebene des Verlieses wechseln. In der zweiten Phase müssen sich die Spieler entscheiden ob sie Erkunden oder einen Raum betreten wollen. In der ersten Runde kann man natürlich keinen Raum betreten, weil man noch keinen ausliegen hat. Beim Erkunden decken die Spieler soviele Karten vom Türenstapel auf, bis genau vier Türen verdeckt im Spielbereich liegen. In späteren Runden wird die Auslage einfach wieder auf vier aufgefüllt. Wenn die Spieler sich entscheiden einen Raum zu öffnen, drehen sie eine der Türenkarten um und zum Vorschein kommt entweder ein Monster oder eine Falle und die Spieler können sich entscheiden die Falle zu überwinden/das Monster zu töten oder zu fliehen. In beiden Fällen ist die laufende Runde danach beendet und eine neue beginnt und verbraucht wieder Zeit. Das macht man solange bis man keine Zeit mehr hat (also der Kartenstapel aufgebraucht ist) oder man auf der untersten Ebene des Verlieses ankommt und den Endgegner entgegentritt.

Kämpfe und Fallen bekämpft man im Prinzip auf die gleiche Weise. Auf ihnen sind bunte Felder in den Farben der Würfel abgebildet. Diese Felder sind verscheiden groß und enthalten Symbole und Zahlen. Die Größe des Feldes gibt an, ob nur ein oder mehrere Würfel in das Feld gelegt werden dürfen. In den kleinen Feldern darf nur ein Würfel gelegt werden und mit ihm muss die im Feld befindliche Zahl abgedeckt werden. Ist es also zum Beispiel ein blaues Feld mit einer Fünf, so muss ein blauer Würfel mit mindestens fünf Augen dort platziert werden. In den größeren Feldern sind die Zahlen auch größer, so das sämtliche Würfel die dort hineingelegt werden zusammen diese Zahl ergeben müssen. Dabei ist zu beachten, das Felder mit einem Schild immer zuerst mit Würfeln versehen werden müssen, kann man das nicht komplett bewerkstelligen, so darf man andere Felder nicht bestücken. Zusätzlich zu den Feldern auf der umgedrehten Türenkarte zählen zum jeweiligen Kampf oder Bezwingen einer Falle immer noch der Schwierigkeitsgrad des Verlieses auf der Verlieskarte mit zu den bezwingenden Feldern. Sollten nicht alle Felder abgedeckt werden können, so kommen die Symbole in den nichtabgedeckten feldern zum tragen und zeigen uns an, wieviel Schaden in Form von verlorenen Lebenspunkten und Zeit wir bezahlen müssen.

Haben wir die Karte letzlich bezwungen, so bekommen wir sie und dürfen sie als Belohnung benutzen und hier wird dann eine Karte in vielerlei Hinsicht nutzbar. Wir können sie zum Beispiel links unter unsere Charakterkarte schieben und somit ein weiteres Symbol und somit einen Würfel zu unseren Charakteristika hinzufügen. In diesem Fall ist die Karte ein Gegenstand. Oder wir nehmen ihre Spezialfähigkeit indem wir sie von unten unter unsere Charakterkarte schieben und nur die Fähigkeit sichtbar bleibt. Wenn sie keine Fähigkeit sondern einen Trank beinhaltet, so können wir die Karte auch unter die Rundenübersicht schieben und uns eine neue Trankwirkung hinzufügen. Oder wir schieben sie von rechts unter unsere Stufenkarte und nehmen sie als gewöhnliche Erfahrungspunkte. Sollten wir eine bestimmte Menge von Punkten erreichen, so dürfen wir die nächste Stufenkarte aufdecken, die es uns erlaubt, weitere Fähigkeiten und Gegenstände anzulegen.

Winziges Verlies Charaktere und Belohnung / Foto: Spieltroll

Das System ist, wie ich finde recht clever. Die schwarzen Würfel fungieren als eine Art Joker und dürfen überall platziert werden, können aber auch für die besonderen Heldenmut-Fähigkeiten der Charaktere benuzt werden. Ist man dreimal hinabgestiegen, muss man nur noch den Bossgegner auf eine ähnliche Weise besiegen und hat das Verlies dann eventuell geschafft. Winzige Verliese bietet einem dazu noch einen Kampagnenmodus, in dem man seine Charaktere über mehrere Verliese hinweg steuert.

Winziges Verlies Kampagnenlog / Foto: Spieltroll

Das Fazit

Winzige Verliese ist ein cleveres wirklich winziges Spiel, wenn man bedenkt, wieviel Spiel tatsächlich in der Schachtel steckt, ist das total erstaunlich. Der kleinste Dungeoncrawler der Welt ist absolut nicht übertrieben. Dabei passen die Mechaniken mit den Würfeln und den verschieden zu benutzenden Karten perfekt in das Gesamtkonzept eines so kleinen Spiels, bei dem man ja zuerst an das generelle Platzangebot denken muss. Ich war total erstaunt, als ich das Spiel ausgepackt und die Regeln gelesen habe, wie komplex Winzige Verliese dann doch ist. Es funktioniert in der Tat sowohl als kooperatives Spiel für zwei Spieler super, als auch in der Version als Solospiel. Als Solospiel würde ich es sogar als eines der besten sehen, die ich je gespielt habe. Man kann es wohl auch mit vier Leuten spielen, benötigt dann aber zwei Grundspiele. Damit habe ich allerdings bisher keine Erfahrung gemacht.

Bei all dem Lob, muss leider auch ein bißchen Kritik sein und die trifft die Anleitung von Winzige Verliese. Bei so kleinen Spielen bin ich ja auch in diesem Bereich bereit Abstriche zu machen, aber ich bin der Meinung, dass sich die Anleitung allein durch ihren Aufbau keinen gefallen tut. Sie vermittelt zunächst zusammenhanglos Wissen über einzelne Spielmechaniken, bevor in einem zweiten Teil der Spielablauf erklärt wird. Warum man das so trennt, wird mir nicht recht klar und hilft beim Verständnis in der Tat auch kein bißchen. Das Spiel ist für seine Größe, wie schon erwähnt, recht komplex und erfordert ein gewisses Maß an Regeln, aber die Größe darf keine Entschuldigung sein, dafür das die Anleitung zu konfus geschrieben ist. Zumal die Anleitung für die Verhältnissse des Spiels gar nicht so winzig ist und über ausreichend Bilder und Platz verfügt.

Für mich war Winzige Verliese eine Überraschung und ich werde mir in Zukunft noch ein paar andere Titel der Reihe genauer anschauen.


  • Verlag: Schwerkraft Verlag
  • Autor(en): Chris Cieslik
  • Erscheinungsjahr: 2017
  • Spieleranzahl: 1 – 2
  • Dauer: 30 Minuten


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