Hero Realms

Hero Realms / Foto: Spieltroll

Mit Hero Realms und der Veröffentlichung des Reviews habe ich lange gehadert, denn ich muss hier eine Neuerung einführen: Das Zwei-in-Eins-Review! Hero Realms als einzelnes Spiel zu rezensieren kann man machen, muss man aber nicht. Alleine betrachtet wäre es ein generischer Fantasy-Deckbuilder, der seinen Spielern ein bißchen zu wenig bieten würde. Seltsamerweise verwandelt sich Hero Realms durch die hinzugenommenen Charakter-Pack Erweiterungen, die jeweils nur ein paar Karten hinzufügen in ein so viel besseres Spiel, dass es mir unmöglich erscheint diese beiden Dinge zu trennen. Ich nehme es vorweg: Niemand sollte Hero Realms ohne die Charakter-Packs spielen! Deswegen werde ich diese beiden Dinge hier zusammenfassen und sie als eins betrachten. Natürlich werde ich im Text darauf hinweisen, was Bestandteile des Grundspiels sind und was Ergänzung, aber diese sind wirklich nur minimal.

Worum geht es?

In Hero Realms übernehmen die Spieler die Rolle eines Fantasyhelden und haben nur zwei Ziele. Überleben und ihren Gegenspieler töten. Dabei wird die Rolle des Helden im Grundspiel überhaupt nicht näher thematisiert. Man hat einen Satz von grundsätzlicher Ausrüstung und einen Lebenspunktewert und danach gilt es draufloszuspielen. Durch die Charakter-Packs von denen es bislang fünf Stück gibt, definiert man seine Rolle. Man ist entweder ein Kämpfer, der auf körperlichen Schaden setzt, oder man ist ein Kleriker, der versucht durch massive Heilung länger am Leben zu bleiben. Das Spiel funktioniert dabei wie ein Standard Deckbuilder. Man hat sein Dec, zieht jede Runde Karten und kann diese einsetzen, um dem Gegner Schaden zuzufügen, sich zu heilen und um neue Karten vom Marktplatz zu kaufen. Dadurch wächst das Deck an und es entstehen Wechselwirkungen durch die Karten. Wer es schafft seinen Gegner auf Null Lebenspunkte zu bringen, gewinnt sofort.

Hero Realms Spielaufbau / Foto: Spieltroll

Wie läuft das ab?

Jeder Spieler erhält zu Beginn ein Startdeck. Spielt man nur das Grundspiel, so sind beide Decks identisch und bestehen aus dem üblichen Gold, ein paar Waffen und Fähigkeiten. Nimmt man die Charakterdecks hinzu, so ändert sich der Start ein wenig und das obwohl eigentlich nur ein paar Karten ausgetauscht werden und eine Ergänzung hinzukommt. Bei den Charakterdecks erhält jeder Spieler zwei Fähigkeiten, die die Rolle seines Charakters definieren. Diese werden offen vor den Spielern ausgelegt und können fortan im Spiel benutzt werden. Eine der Fähigkeiten erfordert das Erschöpfen der Karte und die Zahlung von zwei Gold um sie einsetzen zu können, die andere, etwas mächtigere, Fähigkeit kann man nur durch das Opfern, also dem aus dem Spiel entfernen, benutzen. Im Falle des Zaubereres ist dies zum Beispiel ein Feuerball der auf sämtliche Gegner fünf Schaden macht. Zusätzlich zu diesen Fähigkeiten bekommt jeder Held eine passende Charakterkarte mit unterschiedlichen Lebenspunkten, die für mein dafürhalten recht gut ausbalanciert zu sein scheinen. Der Rest des Decks umfasst das übliche Gold und Gegenstände/Fähigkeiten, die zum jeweilgen Charakter passen. Nicht mehr und nicht weniger fügen diese Charakterdecks hinzu.

Hero Relams Charaktere / Foto: Spieltroll

Wenn jeder seinen Charakter vor sich ausgelegt hat, mischt man sein Deck und zieht fünf Handkarten. Von den anderen Karten des Spiels, sortiert man die Feuerjuwelen heraus und legt sie beiseite. Alle restlichen Karten werden zu einem Deck zusammengemischt und in der Tischmitte platziert. Anschließend werden fünf Karten in einer Reihe daneben von oben aufgedeckt. Diese Karten bilden den Markt und können gekauft werden. Immer wenn eine Karte gekauft wurde, wird sie sofort durch eine neue Karte vom Stapel ersetzt. Zum Schluß legt man nun noch den Stapel mit den Feuerjuwelen offen an das Ende der Reihe. Auch sie sind Teil des Marktes und können gekauft werden.

Hero Realms Champions / Foto: Spieltroll

Der Spielverlauf teilt sich in drei Phasen. In der Hauptphase spielen die Spieler Karten von ihrer Hand aus, benutzen Fähigkeiten, kaufen Karten vom Markt und greift seinen Gegner mit Kampfpunkten an. In der Abwurfphase legen die Spieler alle Karten die sie benutzt haben auf den Ablagestapel, verlieren alles Gold und alle Kampfpunkte, die nicht ausgegeben wurden und legen alle Karten ab, die sie noch auf der Hand halten. In der letzten, der Nachziehphase, ziehen die Spieler erneut fünf Karten und geben das Spiel an den Gegenspieler ab. Das machen sie solange, bis einer der beiden Spieler keine Lebenspunkte mehr hat.

Das Ausspielen der Karten kostet nichts. Die Spieler können also immer die ganze Hand leer spielen, wenn es Sinn macht. Die Karten geben den Spielern Gold und Kampfpunkte. Mit dem Gold können sie Karten im Markt kaufen. Die Karten haben alle einen Wert. Wann immer eine Karte aus dem Markt gekauft wird, wird sofort eine neue Karte vom Zugstapel aufgedeckt. Die gekauften Karten kommen auf den Ablagestapel und werden das nächstemal, wenn der Zugstapel aufgebraucht ist, mit in den neuen Zugstapel gemischt. Mit den Kampfpunkten richten die Spieler Schaden bei gegnerischen Kreaturen oder dem Helden an. Wenn man Schaden auf Kreaturen machen will, so muss man sie komplett töten. Schaden merkt man sich ansonsten nicht. Reicht der Schaden nicht, um eine Kreatur zu töten, so ist sie am Ende der Runde voll geheilt. Kreaturen, die sogenannten Champions sind die einzigen Karten, die am Ende der Runde nicht abgelegt werden. Champions bleiben solange vor den Spielern liegen, bis sie getöten wurden.

Hero Realms Karten / Foto: Spieltroll

Neben den Champions gibt es noch Aktionskarten und Gegenstände. Aktionskarten werden einfach gespielt und ihre Aktionen ausgeführt. Ebenso verfährt man mit Gegenständen. Am Ende der Runde werden die Karten abgelegt. Sollten sie durch eine Fähigkeit geopfert werden, so kommen sie auf den Abwurfstapel in der Mitte und müssen erst erneut gekauft werden. Ausnahme hierbei sind die Feuerjuwelen, die generell einen Goldwert bringen oder, wenn sie geopfert werden Schaden machen. Die Feuerjuwelen kommen nach Opferung wieder auf ihren eigenen Stapel.

Sämtliche Karten gehören einer von vier Fraktionen an. Diese sind farblich gekennzeichnet. Manche Karten haben Extrafähigkeiten, die erst benutzt werden können, wenn man weitere Karten dieser Fraktion vor sich ausliegen hat. Manche Champions haben Fähigkeiten, für dessen Benutzung man sie verbrauchen muss. Andere wiederum sind als Wächter gekennzeichnet. Sollten Wächter Champions vor einem Spieler ausliegen, so kann dem Spieler kein Schaden zugefügt werden und die Wächter müssen zunächst getötet werden.

Das Fazit

Hero Realms ist ein klassisches Duellspiel, wie Magic the Gathering. Der Twist ist halt nur, das sich die Spieler ihr Deck erst im Laufe des Spiels aus einem gemeinsamen Pool zusammenkaufen müssen. Das Spielprinzip ist dabei sehr gut gelungen. Hero Realms macht jede Menge Spaß, aber ich würde jedem empfehlen das Spiel tatsächlich nur mit den Charakterpacks zu spielen. Das Grundspiel ohne die Packs wirkt ein wenig zu generisch, auch wenn die Veränderungen durch die Packs nur sehr gering sind, verleihen sie dem Spiel aber doch erst die richtige Würze. Böackfire und White Wizard Games sollten darüber nachdenken, eine Version des Spiels herauszubringen, in der die Charakterpacks gleich enthalten sind, aber die verkaufen sich ja auch so ganz gut. Im Moment sind die Charakterpacks so gut wie vergriffen und wenn man noch welche ergattern kann, dann sind sie zwei bis dreimal so teuer, wie normal. Das Spiel bietet neben dem normalen Duellmodus auch noch mehrere Spielvarianten für Mehrspielerpartien, aber die kann ich alle nicht empfehlen. Es ist ein Zweipersonenspiel. Anders sieht das vielleicht inzwischen mit den Raiderweiterungen aus. Diese habe ich aber selber noch nicht gespielt. Sie klingen aber ganz interessant und machen Hero Realms vielleicht doch noch zu einem Spaß für mehr als zwei Spieler.

Für Leute die Deckbuilder mögen und die gerne mal ein schnelles Duellspiel spielen wollen und vor komplexeren Spielen wie Magic oder Ashes zurückschrecken, sollten Hero Realms auf alle Fälle einmal ausprobieren.


  • Verlag: Blackfire Games
  • Autor(en): Darwin Kastle, Robert Dougherty
  • Erscheinungsjahr: 2016
  • Spieleranzahl: 2 (-4)
  • Dauer: 20 Minuten

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