Anleitung aus der Hölle

In letzter Zeit kommen mir immer wieder Anleitungen unter, die mich an den Rande der Verzweiflung bringen, oder aber an manchen Redakteuren bei Verlagen zweifeln lassen. Ich meine jetzt nicht das sie fehlerhaft sind und sich irgendwas eingeschlichen hat, was da so nicht rein gehört. Nein. Ich meine das sie so geschrieben sind, das man sich nach dem Lesen fragt, was man da eigentlich gerade gelesen hat. Das mag sich aus dem Munde oder der Feder eines auch nicht gerade begabten Schreibers vielleicht ein wenig komisch anhören, aber als Leser ärgert mich diese mangelnde Sorgfalt beim Bearbeiten oder auch Übersetzen der Texte einfach. Die Verlage wollen für einige Spiele wirklich eine Stange Geld, da sollte zumindest auf sowas Rücksicht genommen werden. Anleitungen werden ja auch häufig von der Spielerschaft unterschätzt. Ich glaube ich habe noch nie jemanden sagen hören: „Oh die Anleitung siehr aber cool aus!“ oder „Wirklich schön geschrieben!“. Lobende Worte hört man eigentlich nur über das Spielmaterial oder das generelle Design.

Wenn ihr euch jetzt fragt: „Was labert der Typ da eigentlich?“, dann kann ich euch auch mit ein paar Beispielen aus der jüngeren Vergangenheit bedienen. Es gab erst in den letzten Wochen zwei Spiele bei denen ich durchaus aus unterschiedlichen Gründen an den Anleitungen gezweifelt habe. Die beiden Spiele von denen ich hier Rede waren Smash Up und Puzzle Strike. Zufälligerweise sind das beides Spiele die von Pegasus verlegt werden, das soll jetzt keine Pegasus-Kritik werden, im Großen und Ganzen machen die da einen richtig guten Job, aber bei den beiden Spielen sind da echt seltsame Dinge in den Anleitungen passiert.

In deinem Spielzug darfst du immer bis zu 2 freie Karten aus der Hand spielen:
1 Kreatur oder 1 Aktion oder sowohl 1 Kreatur als auch 1 Aktion.

Zitat aus Smash Up… Ich darf also zwei Karten spielen, eine Kreatur oder eine Aktion. Klar soweit. Oder aber ich darf eine Kreatur und eine Aktion spielen. Zu diesem Zeitpunkt wusste ich auch bereits das es in dem Spiel nur zwei Sorten Karten gibt nämlich Kreaturen und Aktionen. Macht das dann überhaupt Sinn?  Danach folgt dann übrigens noch ein Satz, der einen auf die richtige Spur zurückbringt. Man darf das ganze in beliebiger Reihenfolge spielen. Das macht den kompletten Satz in der Form dann auch schon fast überflüssig. Hier hätte man einfach beides zusammenfassen können und wäre bei einem verständlichen Ergebnis gelandet.

Spiele 1 Kreatur und 1 Aktion in beliebiger Reihenfolge. 

So wäre es super. Ist übrigens auch ein Zitat. Aus der selben Anleitung. Geht doch. Der obere klingt halt zu sehr nach wörtlicher Übersetzung aus dem englischen Original und das meinte ich mit Sorgfalt. Bei dem Satz, so wie er im oberen Zitat steht, bleib ich beim lesen und verstehen des Spiels einfach hängen und frage mich: „Was ist hier los? Was genau wollen sie von mir?“.  Das ist mir einfach ein Dorn im Auge, weil heutzutage viele Spiele auch echt wirklich viel Geld kosten. Tippfehler, Erratas, alles kein Problem, kann passieren und sind zu verschmerzen. Hier wurde allerdings in meinen Augen schlampig gearbeitet.

Das zweite Beispiel ist für mich sogar noch ärgerlicher, weil es mich dazu gebracht hat die Anleitung wirklich immer wieder zur Seite zu legen und irgendwann wieder von Vorne zu beginnen. Von dem Spiel kann man eh halten was man will und ich werde da vielleicht eines Tages mit viel Muße auch eine Rezension zu schreiben, aber die Anleitung ist echt der wahre Horror und das liegt an den Begrifflichkeiten, die eigens für dieses Spiel erschaffen wurden. Eingedeutschte Anglizismen am laufenden Band und das zum Teil in einem Satz inflationär benutzt.

Führst du den Abwehrcrash mit 1 Crash- oder Doppelcrash-Juwel durch,
darfst du, wie auch beim Crashen, nur 1 bzw. 2 Juwelen aus deinem Stapel abwehrcrashen.

Geil! Die gesamte Anleitung ist durchzogen von diesen Sätzen. Immer wieder ertappt man sich dabei wie man ein und die gleiche Stelle immer wieder und wieder und wieder ließt. Geht das nur mir so? Ich habe den Satz dann einmal laut vorgelesen und sah in ungläubige Gesichter. Selbst wenn man argumentiert das gehört alles zum Thema dazu, bleibt es dennoch schlecht. Wer es nicht kennt, im Kern ist Puzzle Strike ein gar nicht mal so schlechtes Spiel, das aber total den Anschein erwecken möchte ein Computerspiel zu sein. Das beginnt schon bei den Artworks, der Schrifttype und endet bei den ganzen hippen, oder wie man es sonst nennen will, Begriffen, die einem das komplette Spiel schonmal, bevor man es überhaupt Spielen kann, versauen. Ich habe wirklich versucht, die Anleitung für Puzzle Strike in einem Ruck durchzulesen, aber vielleicht bin ich zu alt und das Spiel ist mir zu modern, ich habe es nicht geschafft. Bitte liebe Verlage verschont die Spielwelt vor solchen Anleitungen aus der Hölle und gebt euch ein bißchen mehr Mühe. Englische Begriffe einzudeutschen funktioniert oftmals sogar recht gut. Was würde bei Puzzle Strike denn dagegensprechen das Juwelen-Orb in die Juwelenkugel umzubenennen? Eben…

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