Zombicide Black Plague

Zombicide Black Plague / Foto: Spieltroll

Es gibt ziemlich viele Zombiespiele da draußen und so richtig gefallen hat mir bislang noch keines. Das führte sogar soweit, dass ich mir schon ständig über ein eigenes Zombiespiel Gedanken gemacht habe. Es kann doch nicht sein, dass es gefühlt anscheinend Millionen Zombietitel gibt und keines gut sein soll. Einen Namen hörte man allerdings immer wieder ein bißchen lauter und das war Zombicide und dort im speziellen die Black Plague Version. Aufgrund des doch recht hohen Preises und meinem Vorhaben, eigentlich nie wieder mit irgendwelchen Miniaturenspielen anzufangen, macht ich lange Zeit einen großen Bogen um die ganze Zombicide-Geschichte. Im Frühjahr dieses Jahres war es dann aber doch soweit und ich kaufte mir Zombicide Black Plague. Was dann folgte habe ich bis heute nicht bereut, obwohl es mit einer schmerzhaften Erkenntnis zu tun hat.

Worum geht es ?

In Zombicide geht es generell darum, dass eine Gruppe Überlebender einer Zombieapocalypse versucht sich mehr recht als schlecht durch eine städtische Umgebung zu bewegen. Die Black Plague Version verlegt das Geschehen dabei allerdings in ein mittelalterliches Fantasysetting mit Bögen, Schwertern und Zauberei. Das Spiel ist szenariobasiert und behandelt in einer Partie meist die Flucht der Helden durch einen Stadtabschnitt in dem sie noch bestimmte Aufgaben erfüllen müssen, bevor sie entgüldig vor dem immer größer werdenden Zombiemob fliehen können. Das Spiel ist dabei kooperativ angelegt und die Gruppe gewinnt, wenn sie die gestellte Aufgabe erfüllt oder verliert, wenn die Zombies sie überrennen.

Zombicide Black Plague Spielaufbau / Foto: Spieltroll

Wie läuft das ab ?

Zombicide Black Plague ist eine Art Dungeoncrawler, bei dem der Gamemaster vom Spiel selbst gesteuert wird. Das passiert sogar relativ dynamisch und das Spiel steuert die Bedrohung einer sich zuspitzenden und immer gefährlicher werdenden Zombieapokalypyse geschickt selbst. Der Spielaufbau benötigt aber etwas Zeit, da man zunächst das Szenario aufbauen muss. Es gibt ein Szenarioheft in dem man ganz langsam an das System mit einer Einführungsmission herangeführt wird. Diese ist für den Anfang sehr sehr übersichtlich und einfach gehalten. Das Spielfeld wird aus bis zu neun modularen Quadraten zusammengebaut. Diese sind beidseitig bedruckt und zeigen Straßen und Räume. Durch Türenplättchen werden bestimmte Zugänge zu den Räumen platziert. Figuren ziehen immer einen Straßenabschnitt oder Raum weit mit einer Bewegung. Alles wird genauso vorbereitet, wie es das Szenarioheft vorgibt. Es gibt Zonen die als Brutzonen für die Zombies ausgewiesen werden, von dort drängen später die Zombiehorden auf das Spielfeld. Es gibt Marker, die Ziele für die Helden vorgeben und eingesammelt werden müssen, Geheimtüren durch die man über einen Kellerraum in einem anderen Bereich des Spielfeldes wieder herauskommen kann und vieles mehr. Das Szenario beschreibt dabei, worum es genau geht.

Zombicide Black Plague Charaktere / Foto: Spieltroll

Die Helden spielen alle zusammen und jeder Spieler schlüpft hier eventuell nicht nur in eine Rolle, sondern muss je nach Spieleranzahl mehrere Helden übernehmen. Auch die Anzahl der Helden gibt das Szenario nämlich vor (meistens sind es sechs). Das stellt für die Spieler aber überhaupt kein Problem dar, denn die Helden spielen sich recht überschaubar. Jeder Spieler sucht sich die Helden aus, die er spielen möchte. Im Grundspiel gibt es nur sechs recht Fantasytypische Charaktere. Jeder erhält die Charakterkarten seiner Charaktere, sowie jeweils ein Plastikstecktableau mitsamt farbiger Markierungsstifte und einer Figurenbase in seiner gewählten Farbe. Die Base kommt über die Figurenbase uns macht den Charakter kenntlich. Die Stifte werden in das Tableau gesteckt unzwar neben die Startfähigkeit und in die Lebenspunktleiste. Drei weitere Stifte warten am oberen Rand auf ihren Einsatz. Unten am Tableau befindet sich ein Schieberegler zur Erfahrungspunktanzeige. Jeder Spieler bereitet sein Material so vor und platziert seine Figuren in der ausgewiesenen Heldenstartzone. Zum Schluß erhalten die Helden noch ein paar Startgegenstände und müssen entscheiden welcher Held welche Gegenstände bekommt. Die Gegenstands- und Zombiekarten werden gemischt und bereitgelegt. Die Zombiehorden sollten auch nicht zu weit neben dem Tisch platziert werden, denn man benötigt recht schnell recht viele von ihnen.

Zombicie Black Plague Charaktertableau / Foto: Spieltroll

Dann geht es auch schon los. Das Spiel ist total schnell erklärt und eigentlich recht simpel, nur in den Details ein wenig komplexer. Es gibt drei Spielphasen: zuerst sind die Spieler dran, dann kommen die Zombies und zum Schluß wird aufgeräumt und vorbereitet. In der Spielerphase hat jeder Spieler für jeden seiner Helden drei Aktionen und muss diese erst komplett abhandeln, bevor er einen weiteren Helden aktiviert. Nachdem ein Spieler alle Helden, die unter seiner Kontrolle stehen abgehandelt hat aktiviert hat, ist der nächste Spieler dran usw. Dabei sollten sich die Spieler natürlich möglichst sinnvoll absprechen, denn sonst überleben sie die Zombies spätestens ab Szenario zwei nicht mehr. Aktionen für die Helden sind z. B. das Bewegen von einem Feld zum nächsten, möchte sich ein Held aus einem Feld mit Zombies wegbewegen, so kostet das pro Zombie eine extra Aktion. Suchen ist die nächste Möglichkeit und diese Aktion kann nur in Gebäuden stattfinden und man zieht dabei einfach eine Gegenstandskarte vom Stapel. Eine Tür öffnen ist ebenfalls eine Aktion. Da wir uns in einer Zombieapokalypse befinden sind die meisten Türen natürlich verrammelt, so dass wir sie gewaltsam mit unseren Waffen öffnen müssen. Dazu würfeln wir ganz einfach ein paar Würfel und müssen einen bestimmten Wert erreichen. Ein solches Öffnen macht natürlich Lärm und Lärm ist nciht gut, denn die Zombies können gut hören und dort wo sie am meisten hören, gehen sie hin. Zu diesem Zweck legen wir Geräuschmarker an die Stellen, wo die Geräusche verursacht wurden. Jeder Held macht grundsätzlich immer ein Geräusch und zählt genauso wie ein Marker. Weitere Aktionen sind das Gegenständetauschen und Umrüsten oder aber auch der Kampf, Lärmmachen oder einfach Nichts tun.

Zombicide Black Plague Ausrüstungskarten / Foto: Spieltroll

Das Kämpfen ist auch relativ simpel und hängt von den Waffen ab die wir so mit uns führen. Es gibt Nah- und Fernkampf, aber auch Magieattacken, wenn wir Spruchrollen ausgerüstet haben, die über solche Attacken verfügen. Die Waffen geben die Anzahl der Würfel und die Zahl des Erfolges an, die man würfeln muss, um einen Treffer zu landen. Für jeden Treffer erzeugt man einmal den Schaden der Waffe und das ist entscheidend, es gibt Waffen die einen Schadenspunkt machen und welche die zwei erzielen. Manche Zombies (Fettbrocken und Monstren) sind aber immun gegen Treffer mit nur einem Schadenspunkt. Hier bringt es auch nichts mehrfach mit einem Schadenspunkt zu treffen, man benötigt schlicht weg eine Waffe die mehr Schaden anrichtet. Für jeden Treffer kann man allerdings einen Zombie in der Zone der durch entsprechenden Schaden getötet werden kann, entfernen.

Zombicide Black Plague Spielsituation / Foto: Spieltroll

In der Zombiephase dann sind logischerweise die Zombies dran und verfügen jeder über eine Aktion mit Ausnahme der Läufer, die zwei Aktionen haben. Zombies bewegen sich immer auf den lärmensten Punkt zu und greifen an was sie können. Für sie muss allerdings nicht gewürfelt werden. Wenn sie mit einem Gegner in einer Zone stehen greifen sie an und verletzten sofort. Deswegen sollte man nie mit Zombies auf einem Feld stehen bleiben, weil man sonst recht schnell das Zeitliche segnet. Nachdem sich alle bewegt haben, findet die Brut statt und über die Zonen strömen neue Zombies auf das Feld. Die Spieler gehen die Brutfelder der Reihe nach durch und ziehen für jedes eine Zombiekarte vom Stapel und führen sie aus. Es sind verschiedene farbliche Bereiche angegeben, die vorgeben welche Art und wieviele Zombies das Feld betreten. In der Regel wird es immer schlimmer. Über diesen Farbcode regelt das Spiel den Schwierigkeitsgrad, denn: Das wirklich besondere an Zombicide ist das Erfahrungssystem der Charaktere. Auf jeder Charakterkarte sind farblich unterschiedliche Fähigkeiten angegeben. Man Startet mit der blauen Fähigkeit zum Start und auch der Erfahrungsbalken ist zuerst blau. Für jeden Zombie den man tötet erhält man einen Erfahrungspunkt und für manche Ziele in den Szenarios bekommt man fünf. Wenn man seinen Regler in einen andersfarbigen Bereich schiebt, so erlernt man eine neue Fertigkeit, die man mit einem Markierstift markiert. Jedesmal wird der Charakter ein kleines bißchen stärker und somit gleicht das Spiel über die Zombiekarten den Schwierigkeitsgrad wieder an. Vorsicht ist aber geboten, denn es reicht bereits ein Held im farblich höheren Bereich um die Zombies schlimmer werden zu lassen. In der Aufräumphase wird im wesentlichen dann noch der Lärm zurückgesetzt und dann startet eine neue Runde.

Es gibt noch viele kleine Details, wie Sichtlinien, Gewölbe, Totenbeschwörer und so weiter und so fort, aber das sprengt den Rahmen. Für das grobe Spielgeschehen und einen kleinen Einblick reicht das so.

Zombicide Black Plague Zombiekarte / Foto: Spieltroll

Das Fazit

Zombicide Black Plague hat mich und fesselt mich immer noch. Es ist tatsächlich auch für mich das bisher beste Zombiespiel, wobei man darüber streiten kann, was ein Zombiespiel ist, aber hier sind die Zombies eine Bedrohung, die mittelalterliche Fantasydörfer und Städte dahinrafft und uns als Helden zurücklässt. Die Miniaturen sind dabei von CMON über jeden Zweifel erhaben. Absolut großartig, weckten sie in mir doch wieder das Bedürfnis nach über zehn Jahren zum ersten mal wieder Miniaturen anmalen zu wollen. Zum Zeitpunkt des Reviews bin ich immer noch dabei, aber habe es aus Zeitmangel momentan etwas Hinten an gestellt, aber immerhin hat es in mir den Impuls ausgelöst es wieder tun zu wollen. Allein die Erkenntnis bleibt, dass ich es einfach nicht mehr so gut kann wie früher, weil mir einerseits die Übung fehlt und es andererseits wahrscheinlich mit dem Alter zusammenhängt und die Augen schlechter geworden sind. Schade! Das Spiel an sich ist natürlich kein taktischer Leckerbissen und verfügt über ausgefeilte Mechanismen, nein aber es macht einfach saumäßig Spaß sich durch die Zombiehorden zu schnetzeln, seinen Charakter, wenn auch nur marginal, aber zu verbessern und mit Hängen und Würgen ein Szenario zu schaffen. Der Schwierigkeitsgrad ist immens hoch. Das erste Szenario gaukelt einem ganz schön was vor, denn dort ist noch alles ganz einfach, selbst etwas größere Zombieanordnungen sind noch gut im Team zu bekämpfen. Aber bereits ab dem zweiten Szenario werden die Anforderungen an die Charaktere immens gesteigert und lassen uns manchmal in ausweglosen Situationen zurück, so dass ein Held geopfert werden muss. Aber dennoch ist es immer schaffbar und hinterlässt bei den Spielern immer diesen wir haben es gerade noch geschafft Eindruck und das macht Zombicide Black Plague echt großartig und zu einem Ereignis.

Zombicide Black Plague Spielsituation / Foto: Spieltroll

Das Spiel ist teuer, ohne Frage, aber es kommt auch mit 70 Miniaturen und ansonsten sehr hochwertig produziertem Material daher. Der Spielspaß überwiegt hier deutlich über den Mechaniken, wie es sich für guten Trash gehört. Wer gerne Zombies töten will und außerdem ein Fantasysetting mag, sollte hier wirklich zugreifen. Man ist schon ein bißchen beschäftigt wenn man ein Szenario überleben will, aber die Zeit vergeht wie im Flug. Ich habe das investierte Geld bisher nicht bereut.

  • Verlag: CMON, Guillotine Games, Asmodee
  • Autor(en): Raphael Guiton, Jean-Baptiste Lullien, Nicolas Raoult
  • Illustrator(en): Nicolas Fructus, Jérémy Masson
  • Erscheinungsjahr: 2015
  • Spieleranzahl: 1-6 Spieler
  • Dauer: 60-180 Minuten

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