Adventure Island

Es klang auch im Vorfeld einfach zu gut, als das es wahr sein konnte. Adventure Island sollte eine bezahlbare, nicht so komplexe und nicht so umfangreiche Version von 7th Continent sein. Das war wohl etwas zu hoch gegriffen. 7th Continent würde ich gerne mal ausprobieren, leider sind mir die Preise für das Spiel viel zu hoch, so dass ich mir dazu wohl keine Meinung bilden kann. Adventure Island ist ebenso ein storygetriebenes Survival-Spiel auf Kennerniveau, zumindest verspricht uns das die Verpackung. Ich war wirklich sehr gespannt auf Adventure Island und habe mir ein wenig Zeit gelassen, um dem anfänglichen kleinen Hype zu entgehen. Nun bin ich aber soweit meinen Senf zum Spiel von Michael Palm und Lukas Zach abzugeben.

Worum geht es?

Die Spieler schlüpfen in Adventure Island in die Rolle von Schiffbrüchigen, die auf dem Weg nach Indien in einen schweren Sturm geraten sind und sich nach dem Untergang ihres Schiffs auf eine Insel retten konnten. Hier setzt das Spiel dann unvermittelt ein und simuliert den Überlebenskampf der Überlebenden, die sich darum kümmern müssen Essen aufzutreiben, Feuer zu entfachen und die Insel zu erkunden. Das gesamte Spiel ist dabei in fünf Abenteuer unterteilt, von denen wir jedes so oft spielen müssen, bis wir es bewältigt haben und neue Teile des Spiels sich uns öffnen.

Spielsituation Adventure Island / Foto: Spieltroll

Wie läuft das ab?

Das Spielmaterial von Adventure Island besteht aus vielen Karten und sehr vielen Markern und Plättchen. Ein paar Spielfiguren und Würfel gibt es auch noch und das alles hat eine gewisse Wertigkeit. Die Marker sind aus dicken Pappen und die Karten haben eine gute Qualität. Nur die Würfel wirken mit ihren Farbfeldern irgendwie billig. Jeder Spieler wählt einen von fünf Charakteren (insgesamt gibt es sechs, aber den muss man erst auf der Insel finden). Die Charaktere verfügen über drei Werte, eine Spezialfähigkeit und ein bißchen Hintergrundgeschichte. Am Rand der Charaktertableaus befinden sich halbrunde Kreise für das Anlegen von Erschöpfungsmarkern.

Charaktertableaus Adventure Island / Foto: Spieltroll

Jeder Spieler wählt einen Charakter und legt ihn vor sich ab, wählt eine Spielerfarbe und legt den entsprechenden Farbmarker auf sein Tableau, damit die anderen Spieler wissen, wer welche Farbe hat und stellt seine Spielfigur auf das Lager das in der Mitte ausgelegt wird. Ich beschreibe hier den Aufbau der Erstpartie, in späteren Partien und anderen Abenteuern kann der Aufbau durchaus variieren. Die ersten vier Karten mit den Nummern 101 bis 104 werden dann in einer Reihe in die Mitte gelegt. Ganz links liegt nun die Karte „Strand“ neben die wir den Stapel mit der Bezeichnung Treibgut legen. Rechts neben den Strand legen wir die Karten „Nahrung suchen“, „Unterschlupf bauen“ und „Umgebung erkunden“. Rechts neben der Reihe platzieren wir den Stapel mit den Ortskarten. Den Unheilstapel mischen wir und legen ihn ebenfalls bereit. Auf die „Nahrung suchen“-Karte kommen 10 Nahrungsmarker und alle anderen Marker werden bereitgelegt.

Es gibt noch viel mehr Karten als die, die hier gebraucht werden, sie werden alle in die Box einsortiert. Einige Karten sind als kleine Decks sogar eingeschweißt und werden erst geöffnet, wenn ein bestimmtes Ereignis uns dazu auffordert sie ins Spiel zu bringen.

Kartendecks Adventure Island / Foto: Spieltroll

Der Spielablauf ist dann so extrem simpel, dass ich mich wundere, warum auf der Schachtel Kennerspiel steht. Das Spiel ist unterteilt in die zwei Phasen Tag und Nacht. Am Tag stehen jedem Spieler zwei Aktionen zur Verfügung und die Spieler entscheiden selber darüber in welcher Reihenfolge sie diese Aktionen benutzen wollen. Adventure Island ist ein kooperatives Spiel und die Überlebenden müssen sich schließlich ergänzen. Die Aktionen können dazu benutzt werden die Aktion einer der ausliegenden Karten, oder um eine der Spezialfertigekeiten der Spieler zu benutzen. In der Nacht müssen die Spieler zunächst Essen. Dazu müssen pro Spieler der isst, je ein Nahrungsmarker vom Lager zurück in den Vorrat gelegt werden. Jeder Spieler der nicht isst bekommt einen Erschöpfungsmarker und kann ein Spieler keinen Marker mehr an sein Tableau anlegen und erhält einen weiteren, so endet das Spiel als verloren für alle. Nach dem Essen muss jeder Spieler noch eine Karte vom Unheilstapel ziehen und sie ausführen. Ist der Stapel mit den Unheilkarten aufgebraucht, ist das Spiel ebenfalls verloren.

Farbwürfel Adventure Island / Foto: Spieltroll

Bei vielen Aktionen auf den ausliegenden Karten muss man eine Würfelprobe ablegen und entsprechend seiner Fähigkeitswerte Würfel werfen, weswegen sich manche Charaktere für gewisse Aufgaben mehr eignen. Man muss immer eine von drei Farben in einer bestimmten Anzahl würfeln, um eine probe zu schaffen. Die Farben sind in verschiedenen Häufigkeiten auf den Würfeln zu sehen. Also letzlich reines Glück, ob man eine Probe besteht oder nicht. Vielmehr möchte ich über das Spiel gar nicht verraten, um nichts zu spoilern. Aber wie gewinnt man Adventure Island? Nun, irgendwann steht auf irgendeiner Karte das man das Abenteuer bezwungen hat und mit dem nächsten Abenteuer weitermachen kann.

Das Fazit

Oh man, hier muss ich definitv etwas weiter ausholen. Das grobe Spielprinzip habe ich erklärt und es ist wirklich nicht mehr. Ist das ein Kennerspiel? Auf gar keinen Fall! Wo bitte sind die fordernden Mechanismen und die gewisse Komplexität, die ein Kennerspiel ausmachen sollen? Die gibt es nicht. Jede Runde mit seinen Mitspielern darüber zu beratschlagen wer jetzt als erster auf eine Karte stiefelt um die Aktion zu nutzen, die dann immer noch vom Zufall abhängt ist kein fordernder Mechanismus. Das ist für den Kennerspieler selbsterklärend, wenn ein Charakter einen Vorteil wegen eines Charakterwertes hat und deshalb einen Würfel mehr würfeln darf. Im späteren Verlauf des Spiels gibt es dann nur mehr Möglichkeiten, bei denen man Pech haben kann und zwischen denen man auswählen muss. Adventure Island ist in meinen Augen kein Kennerspiel. Erzählt es eine gute Geschichte? Kann ich nicht beurteilen, denn es war uns leider nicht möglich mehr als zwei Abenteuer zu spielen, bevor uns die Hutschnur hochgekommen ist über dieses Spiel. Die Story am Anfang ist halt null acht fünfzehn Survival und man kann Entdeckungen auf der Insel machen, ob das dann aber in interessanten Geschichten mündet weiss ich schlichtweg nicht.

Marker Adventure Island / Foto: Spieltroll

Normalerweise würde ich tatsächlich über ein solches Spiel erst etwas schreiben, wenn ich es durch gespielt hätte. Ich finde aber die Tatsache das niemand am Tisch mehr Lust hatte Adventure Island zu Ende zu spielen, sagt ebenfalls eine ganze Menge über das Spiel aus. Deshalb mache ich mal weiter: Die Spieler können begrenzt durch den Unheilskartenstapel nur eine begrenzte Menge von Aktionen überhaupt durchführen, bevor das Spiel bereits beendet ist. Dazu haben sich die Entwickler gedacht muss man eine bestimmte Menge von Aktionen in einer bestimmten Reihenfolge auf den Karten überhaupt erstmal machen, bevor man eine Chance hat das Abenteuer zu schaffen. Ich möchte das abstrakt nachzeichnen, ohne das die Aktionen näher benannt und die Zahlen korrekt sind und ich irgendetwas über das Spiel verrate. Aber stellt euch vor es gibt zwei Spieler und der Unheilsstapel besteht aus 10 Karten, dann haben die Spieler insgesammt sechs Runden bis sie eine Karte ziehen müssten und sie verloren hätten. In der Zeit haben sie also 24 Aktionen mit denen sie agieren müssen bevor sie verloren haben. Sie müssen auf jeden Fall Nahrung organisieren, denn sonst haben sie bereits eine Runde vorher verloren. Man hat vorgesehen, dass sie eine Aktion auf einer Karte machen müssen, um es überhaupt schaffen zu können, um diese machen zu dürfen benötigen sie aber einen Rohstoff den sie nirgendwo ersichtbar herbekommen können, also müssen die die Stapel durch Aktionen durchsuchen, bis sie auf diesen Rohstoff in ausreichender Menge stoßen, das ist schon total wahllos und entweder man findet es in kurzer Zeit oder man verliert einfach, weil man nicht den richtigen Ort oder das richtige Treibgut findet. Die Aktionen sind dabei so knapp bemessen, dass es eher einem Trial and Error-Prinzip, als vorrausschauender Planung entspricht.

Wir haben das erste Abenteuer erst im dritten Anlauf geschafft, weil wir dann die Karten bereits alle gesehen hatten und wussten, welche wir ignorieren können und welche uns weiterhilft. Wenn man den optimalen Weg kennt, ist es auch möglich es zu schaffen. Aber das kann doch nicht das Spielprinzip sein. Außerdem wächst der Unheilsstapel nicht im gleichen Maß, wie wir mehr Aktionen mit mehreren Spielern erhalten. Mit drei oder vier Spielern ist Adventure Island einfacher als mit zwei oder fünf, theoretisch wohl gemerkt. Das Spiel ist insgesamt betrachtet aus meiner Sicht spielerisch ein Graus. Wer Spaß daran hat sein Spiel zu optimieren, aber in einem angeblich storygetrieben Spiel immer wieder das gleiche erleben möchte, bis er weiss, wie man eine Situation mit seinen Mitteln lösen kann, der hat vielleicht Spaß mit Adventure Island, aber allen anderen kann ich es nicht empfehlen. Vielleicht seh ich es so negativ, weil ich mich tatsächlich auf Adventure Island gefreut habe, aber ich muss sagen, ich wahr schon lange Zeit nicht mehr so dermaßen enttäuscht von einem Spiel. Finger weg!


  • Verlag: Pegasus Spiele
  • Autor(en): Michael Palm, Lukas Zach
  • Erscheinungsjahr: 2018
  • Spieleranzahl: 2 – 5
  • Dauer: 45 – 90 Minuten


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.