Spielejahrgang 2000 – Spielend ins neue Jahrtausend

Nachdem alle Welt die nichteingetretende Apokalypse zum Jahrtausendwechsel verdaut hatte und die Panik vor den Computern sich wieder legte, ging die Spielewelt ihren Gang einfach weiter. Es erschienen weiterhin jede Menge neue Eurogames und es hatte den Anschein das alle Welt auf das neue „Siedler von Catan“ wartete, das einen weltweiten Megaerfolg bringen sollte. Das sollten sie zur Spiel 2000 dann tatsächlich auch bekommen, aber so richtig durchstarten tat es dann erst ein Jahr später: Carcassonne. Ansonsten kamen in diesem Jahr viele erwähnenswerte Spiele heraus, aber kein richtiger Überflieger. Also allen Anschein nach ein langweiliger Spielejahrgang? Nein, denn einige der erwähnenswerten Spiele dürften bis heute bei einigen Spielern auch noch auf den Tisch kommen.

Das Jahr 2000 ist vor allem durch den Erfolg von El Grande ein paar Jahre zuvor beeinflusst. El Grande gilt als eines der ersten Spiele, die das Spielkonzept des Area Controlling einer breiten Masse zugänglich machten. Es geht darum, durch die stärkste Einheitenpräsenz in Provinzen diese zu kontrollieren und somit in bestimmten Wertungrunden Punkte zu generieren um am Schluß zu gewinnen. Ich selbst finde El Grande bis zum heutigen Tage großartig und es befeuerte bis in die Anfänge der zweitausender Jahre das Area Control Genre nachhaltig. Es erschienen jedes Jahr unzählige neue Spiele, die versuchten es El Grande gleichzutun und einige Vertreter davon werden in diesem Rückblick auftauchen. El Grande erschien ursprünglich im gleichen Jahr wie Catan, gewann den Preis für das Spiel des Jahres aber erst in 1996. Beide Spiele sind in meinen Augen wichtig für den Eurogameboom weltweit, Catan hat nur viel mehr vom Ruhm abbekommen. Beide Spiele haben die Spielelandschaft danach nachhaltig beeinflusst.

Der Spielejahrgang 2000 ist einer, der nicht von einem besonders dominanten Spiel geprägt ist. Viele gute Spiele hatten in diesem Jahr einiges zu melden. Besonders Reiner Knizia schien ein sehr gutes Jahr zu haben, wie wir gleich sehen werden, wenn ich mir die besten Spiele des Jahres aus der Boardgamegeek Liste heraussuchen werde. Hier also erstmal die zehn bestplatziertesten Spiele des Jahres 2000:

  1. Die Fürsten von Florenz
  2. Carcassonne
  3. Battle Line (Schotten Totten)
  4. Tadsch Mahal
  5. Ohne Furcht und Adel (Citadels)
  6. Blokus
  7. Kardinal & König
  8. Star Wars: The Queens Gambit
  9. Traumfabrik
  10. La Città

An dieser Stelle sei erwähnt, dass Platz Nummer 11 ein Spiel mit dem Namen Herr der Ringe ist, auf das ich gleich noch etwas genauer eingehen werde. Wenn wir Platz 11 mit einbeziehen, so sind vier Spiele aus der Boardgamegeekliste von Reiner Knizia (Battle Line, Tadsch Mahal, Traumfabrik und der Herr der Ringe), dass nenn ich mal eine gute Ausbeute für ein Jahr. Ok, über Carcassonne werde ich an dieser Stelle nichts sagen, das kommt dann irgendwann im Spielejahrgang 2001. Platz 1 und 4 sind Spiele aus der überaus beliebten Alea-Serie, die 2000 ebenfalls ein gutes Jahr vorweisen konnte. Bruno Faiduttis Ohne Furcht und Adel ist ebenfalls ein bis heute sehr beliebtes Spiel, das einzig darunter zu leiden hat, dass man es nur mit einer großen Anzahl Spieler richtig gut spielen kann, weshalb ich es zwar ebenfalls in meinem Spieleschrank liegen habe, aber bestimmt schon zehn Jahre lang nicht mehr gespielt hab. Mindestens fünf Leute braucht man schon, damit es richtig Spaß macht. Kardinal und König von Michael Schacht ist ebenfalls ein sehr guter Vertreter der Area Control Spiele.

Die letzten drei Plätze in dieser Liste entziehen sich dann meiner spielerischen Kenntnis. Bei dem Star Wars Spiel weiss ich zumindest das es von Rob Daviau, dem Erfinder der Legacy Spiele ist und ein dreidimensionales Spielfeld besitzt. Die Traumfabrik von Reiner Knizia, wollte ich mir immer mal kaufen, habe ich aber nie gemacht, obwohl mich das Thema Hollywood und Filmemachen schon immer gereizt hat. Tja, und La Città und mich verbindet irgendwie eine Königskindgeschichte, wir können einfach nicht zueinander kommen. Ich wollte es immer spielen und es mir sogar kaufen, aber damals haben wir es gemeinsam einem guten Freund zum Geburtstag geschenkt und immer wenn wir es spielen wollten ist irgendwas dazwischen gekommen und so habe ich es bis heute tatsächlich nie gespielt. Schade eigentlich…

Die beiden deutschen Spielepreise sind sich in diesem Jahr erstaunlich einig, nur die Preisträger sind in der Tat verschieden, während die Spiel des Jahres Jury Torres zum Spiel des Jahres ernennt, wird das schon erwähnte Kniziaspiel Tadsch Mahal von alea mit dem Deutschen Spielepreis ausgezeichnet. Nominierungen zum Spiel des Jahres erhalten das bisher unerwähnt gebliebene Carolus Magnus und Faiduttis Ohne Furcht und Adel. Tadsch Mahal befindet sich in der Empfehlungliste und geht somit auch hier nicht an der Jury vorbei. Ebenfalls auf der Empfehlungsliste sind Kardinal & König, La Città, Zoff im Zoo, Zertz, Vinci und Metro, das meiner Meinung nach auch zu wenig Beachtung verdiente. Alle genannten Spiele bis auf Zertz befinden sich auch in der Top Ten Liste des Deutschen Spiele Preises. Torres befindet sich in der Tat auf dem zweiten Platz und kann hier nur knapp nicht gewinnen.

Torres ist in der Tat ein meiner Meinung nach bei vielen unterschätzter Vertreter der Spiele des Jahres gewinner, weil es schon eher ein abstraktes Spiel ist, bei dem man auch hier wieder versucht Gebietskontrolle über zuvor gebaute Bauwerke zu erlangen, indem man auf den Türmen platzierte Ritter einsetzt. Auch heute noch sehr gut spielbar und fast schon zeitlos. Carolus Magnus von Leo Colivini ist ebenfalls ein sehr gelungener Vertreter der Area Control Welle und hat bis zum heutigen Tage einen Platz in meinem Spielregal.

Das meiner Meinung nach aber wichtigste Spiel dieses Jahres ist das schon erwähnte Herr der Ringe von Reiner Knizia, denn es löst in der Brettspielwelt etwas völlig neues aus und ist deshalb ein so wichtiges Spiel. Vor diesem Spiel gab es praktisch kein kooperatives Spielerlebnis. Der Herr der Ringe von Reiner Knizia setzt nicht nur die Geschichte der vier Hobbits als Gemeinschaft in ein Spielkonzept um, sondern bringt auch den Spielern am Tisch zum ersten Mal ein Erlebnis von einem Wirgefühl. Wir gegen das Spiel. Knizias Spielmechaniken machen es möglich, dass man vom Spiel geschlagen werden kann, was es zu einer spannenden Reise macht, das Spiel schlagen zu wollen. Natürlich ist nicht alles bis ins kleinste Detail perfekt an dem Erlebnis, aber es funktioniert und ich hatte damals jede Menge Spaß mit dem Spiel und meinen Freunden. Wir haben es wieder und wieder versucht zu schlagen. Wir sind oft gescheitert und haben Siege gefeiert. Lange, lange Zeit war dieses Spiel das einzige kooperative Spiel überhaupt und hat den Weg für diese Art Spiele überhaupt erst möglich gemacht. Heutzutage absolut nichts besonderes mehr, aber im Kontext seiner Zeit ein außergewöhnliches Spiel.

Zum Abschluß wie immer meine Empfehlungen dieses Jahrgangs für eine Ludothek. Auf jeden Fall und vor allen anderen Spielen nenne ich hier Knizias Herr der Ringe, das man auch heute noch gut spielen kann, auch wenn die Auswahl an kooperativen Spielerfahrungen heute so riesengroß ist. Ohne Furcht und Tadel/Citadels gehört ebenfalls in eine gute Sammlung, wenn man denn öfters in großen Runden mit fünf Mann aufwärts spielt. Mit dem Spiel des Jahres macht man ebenfalls nichts verkehrt, da es recht zeitlos ist. Also Torres pack ich auch noch dazu. Viel mehr muss man aus dem Jahr 2000 gar nicht besitzen.

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