Klassiker – Bang!

Auch diesen Monat möchte ich wieder über einen echten Klassiker berichten. Ein Spiel das über all die Jahre seit seinem Erscheinen nicht nur Jubel und Beifall geerntet hat, sondern auch von vielen Spielern nicht gemocht wird. Einige Elemente von Bang! sind für moderne Spiele NoGos. Dennoch hat Bang!, meiner Meinung nach, den Status eines Klassikers verdient, denn es brachte immer schon Jung und Alt, Spieler und Nicht-Spieler, sowie Western-Fans an einen großen Tisch zusammen, um ihren eigenen Italowestern nachzuerleben. Emiliano Sciarra, der Designer von Bang! hat bis zum Erscheinen von Bang! 2002 noch kein anderes Spiel veröffentlicht und trifft mit dem Italowestern-Kartenspiel anscheinend auf Anhieb den Zeitgeist kurz nach der Jahrtausendwende, denn auf jeder Convention und jedem Spielertreffen wird zu dieser Zeit Bang! gespielt. Eine Runde Bang! geht einfach immer und es ist egal ob jemand ausschiedet oder nicht. Bei Spielertreffen geht der Spieler einfach weiter und macht was anderes. Allerdings darf man nicht verschweigen, dass eine Runde Bang! auch lange dauern kann.

Für diejenigen die es nicht kennen erkläre ich einmal kurz worum es geht, in Bang! erhält jeder Mitspieler verdeckt eine Rollenkarte. Es gibt nur vier verschiedene Rollen die ein Spieler einnehmen kann: den Sheriff, den Deputy, den Outlaw oder den Kopfgeldjäger. Der Spieler der die Sheriffkarte bekommen hat deckt sie als einziger auf. Alle wissen wer der Sheriff ist, er ist die Hauptperson einer Partie Bang!. Die Deputys sind seine Gehilfen und spielen mit ihm zusammen und müssen ihn schützen. Die Outlaws, also die Verbrecher sind seine Gegner. Sie müssen versuchen den Sheriff zu erschießen, um zu gewinnen. Der Kopfgeldjäger hat die schwierigste Aufgabe, denn er gewinnt nur, wenn er alle anderen Spieler ausschaltet, was bedeutet das er zunächst alle Outlaws und Deputys ausschalten muss, oder noch besser sie sich gegenseitig erschießen lässt, um zum Schluß den Sheriff auszuschalten. Das ist also die Grundidee des Spiels. In Bang! spielt also jeder, außer dem Sheriff, verdeckt eine Rolle. Außerdem bekommt jeder Spieler eine Charakterkarte mit einem an einen Westernheld angelehnten Charakter mit einer besonderen Fähigkeit und 3 oder vier Lebenspunkten dargestellt durch eine Patronenkarte, die man unter seine Charakterkarte schiebt. Der Sheriff bekommt, egal welchen Charakter er zieht, einen Bonuslebenspunkt, da er ja das Hauptziel ist.

Bang! – The Bullet / Foto: Spieltroll

Bang! ist ein Kartenspiel und jeder Spieler hat Handkarten, die er in seinem Zug ausspielen kann. Das Spiel hat seinen Namen von den Bang!-Karten, die nichts anderes sagen, dass der ausspielende Spieler auf den Spieler zu seiner linken oder rechten schießt und ihm einen Lebenspunkt abzieht, wenn dieser nicht irgendwas zu seiner Verteidigung ausspielen kann, wie zum Beispiel, ein Fass, in das er hineinspringt und eine Chance hat nciht getroffen zu werden. Oder er hat einen Fehlschuß auf der Hand und der Schütze schießt daneben. Es gibt alle mögliche Ausrüstung, zum einen Waffen, die es erlauben mehr als einen Nachbarn weiter zu schießen, was bei Bang! das in sehr großen Runden den meisten Spaß bereitet, natürlich sehr von Vorteil ist. Es gibt Pferde mit denen man immer weiter weg erscheint und und und. Durch Alkohol heilt man wieder Lebenpunkte usw.

Das ist das ganze Spielkonzept und es wirkt in der Tat wie ein konfuser Italowestern indem man als Spieler mittendrin sitzt. Eine durchaus spaßige Angelegenheit, wenn man als Spieler nicht sofort ausscheidet und in einer großen Runde den Rest der Zeit zum Zuschauen verdammt ist. Deshalb wird es von vielen Spielern auch gehaßt, ähnlich wie bei den Werwölfen vom Düsterwald. Außerdem ist der Glücksfaktor natürlich relativ hoch, weil die Karten einen riesen Einfluß auf das Spielgeschen haben. Aber all diese Kritikpunkte kann ich nur gelten lassen wenn man ein Spiel wie Bang! zu ernst nimmt. Wenn du dich in einer großen Runde drauf einlässt und nicht permanent nur ausgechieden danebensitzt, ist es in der Tat egal und auch das Zuschauen kann durchaus Spaß machen, wenn sich mal wieder Dynamitkarten im Umlauf befinden und bei irgendwem einfach hochgehen.

2002 erschien die erste Version von Bang! und bis heute sind über 500000 Exemplare verkauft worden. 2005 erschien die erste deutsche Version bei Abacusspiele, die es bis heute in ihrem Programm haben. Inzwischen sind wir bei der 4. Edition angekommen und es gibt 7 Erweiterungen (The Valley Of Shadows, High Noon, Dodge City, A Fistful Of Cards, Wild West Show, Gold Rush und Armed & Dangerous) mit neuen Karten und Charakteren. Die erste Sonderedition in Form einer Sargschachtel erschien bereits im Jahr 2004 und nannte sich Wanted: Dead Or Alive. Im Jahr 2007 bekamen dann auch die Deutschen Fans die möglichkeit eine Sonderedition mit allen bis dato erschienen Erweiterungen zu erwerben: The Bullet, eine Metallschachtel in der Form einer überdimensionalen Patrone.

Bang! – The Bullet Inhalt / Foto: Spieltroll

Emiliano Sciarra nahm sich der Player Elimination Kritik sogar an und veröffentlichte eine Samurai-Variante im Jahr 2012 mit dem Namen Samurai Sword. 2015 kam eine Zweispielervariante mit dem Titel Bang – The Duel auf den Markt und im Jahre 2014 wurde Bang! mit diversen Franchises neu aufgelegt. Darunter eine Halo-Variante, eine Heros Of The Storm Variante und eine The Walking Dead Version, die sogar eine Erweiterung erhielt.

Besonderer Beliebtheit erfreut sich aber ein anderes Produkt in der Spielercommunity, das aber nicht aus der Feder von Sciarra stammt, sondern von Michael Palm und Lukas Zach entwickelt worden ist und das Konzept in ein Würfelspiel verwandelt: Bang – The Dice Game.

Bang! ist in meinen Augen ein Spiel, das jeder mindestens einmal in seinem Leben ausprobiert haben sollte. Ich werde nie vergessen, wie Bang! es als bisher einziges Spiel geschafft hat die träge Verwandschaft an einem Sonntagnachmittag rund um den Tisch dazu gebracht hat sich gegenseitig Bang!-Karten vor die Füße zu schmeißen und alle Spaß hatten. Sowohl die älteren, als auch die jüngeren. Wenn ein Spiel soetwas vermag, dann kann es kein schlechtes sein und hat seinen Zweck voll und ganz erfüllt.


  • Verlag: Abacusspiele
  • Autor(en): Emiliano Sciarra
  • Erscheinungsjahr: 2002
  • Spieleranzahl: 4-7 (mit Erweiterungen auch mehr)
  • Dauer: 20 – 30 Minuten

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