Klassiker – Munchkin

Töte die Monster! Klau den Schatz! Erstich deine Kumpel! Diese drei Sätze sind das Motto eines Spiels das die Spielerschaft schon seit Jahren spaltet. Die einen lieben es, die anderen hassen es inbrünstig, es scheint nichts dazwischen zu geben. Die Rede ist von Munchkin. Dabei ist es egal von welchem Munchkin wir hier reden und ja es gibt viele. Sehr viele! Ich kenne tatsächlich kein zweites Spiel das soviele Fans und Hater zugleich hat. Warum aber polarisiert Munchkin die Gemüter so dermaßen? Dem versuche ich nebenbei mal auf die Schliche zu kommen, aber eines steht fest. Ein Klassiker unter den Spielen ist Munchkin inzwischen allemal, denn die erste Version kam bereits vor 18 Jahren in Amerika auf den Markt. In Deutschland ging das Ganze dann nur zwei Jahre später los und entwickelte sich zu einem Dauerbrenner.

Wie immer erstmal für diejenigen die unter einem Stein gelebt haben ein kurzer Abriss über das Spielgeschehen. Munchkin ist im Prinzip die Parodie eines Dungeoncralwers und das nahezu komplett kartengesteuert. Die Spieler starten in diesem Spiel als Menschen der Stufe 1, deren Ziel es ist sich auf Stufe 10 hochzuarbeiten. Wem es als ersten gelingt die Zielstufe zu erreichen gewinnt Munchkin. Die ursprüngliche Version ist dabei natürlich auch fantasybasiert und wir bewegen uns durch ein Dungeon und müssen eben Monster töten, mit Flüchen klarkommen, dabei Schätze erbeuten und eventuell auch unseren Kameraden in den Rücken fallen. Munchkin ist dabei ganz einfach nur in vier Phasen unterteilt, die jeder Spieler durchläuft, wenn er an der Reihe ist. In der Mitte des Tisches liegen lediglich zwei Kartenstapel, einer mit Türen und ein zweiter mit Schätzen.

Die erste Phase und die ist für jeden Spieler immer zwingend ist das Tür öffnen. Hier muss der aktive Spieler die oberste Karte vom Türenstapel umdrehen. Ist es ein Monster, muss er es bekämpfen, ist es ein Fluch, so ist er davon betroffen und ist es irgendeine andere Karte, so darf er sie auf die Hand nehmen. Die zweite Phase ist dann eine optionale: das auf Ärger aus sein. Sollte es in Phase eins nicht zu einem Kampf gekommen sein, so darf der Spieler ein Monster von seiner Hand ausspielen, um es zu töten. In Phase drei wird dann der Raum geplündert. Der Spieler erhält eine Anzahl Schätze die sein Monster dabei hatte vom Schatzstapel oder wenn es nicht zum Kampf gekommen ist, durchsucht der Spieler den Raum und zieht eine Karte verdeckt vom Türenstapel. Phase vier bezeichnet dann die Milden Gaben, in der der aktive Spieler, wenn er zuviele Karten auf der Hand haben sollte, dem Spieler mit der niedrigsten Stufe seine überzähligen Handkarten geben muss.

Die Spieler können während der Kämpfe ihre Mitspieler um Hilfe im Kampf bitten, die Monster verstärken, weil man es dem Spieler nicht gönnt durch den Kampf eine Stufe aufzusteigen. Generell gibt es drei Möglichkeiten seine Stufe zu erhöhen, man gewinnt einen Kampf, man verkauft Gegenstände für 1000 Gold oder man spielt eine „Steige eine Stufe auf“-Karte.

Kartenbeispiele Munchkin Grimme Mären / Foto: Spieltroll

Soviel nur grob zum Spielverlauf. Mehr ist es nicht. Das Spiel ist in seiner Grundausrichtung sehr simpel. Was macht Munchkin nun aber so besonders? Nun das ist recht schwer zu erklären. Zum einen liegt es an der Kombination des nerdigen Gameplays von Steve Jackson mit den Comiczeichnungen von Jon Kovalic, der in seinen Comics „Dork Tower“ Rollenspieler und ihre Klischees ordentlich auf die Schippe nimmt. Zusammen mit dem Nerdgameplay überhaupt, einer Simulation eines Fantasy-Rollenspiels, muss es in der Gamerszene einen Sweetspot getroffen haben. Die Leute haben Munchkin wegen der lustigen Comiczeichnungen und Anspielungen in der ersten Fassung sofort geliebt und fanden es großartig und man muss es in der Tat selbst gespielt haben, um zu sehen, was man von den Karten selber witzig findet, oder ob der Humor komplett an einem vorbei geht. Ich habe Munchkin schon mit Leuten gespielt die komplett gelangweilt daneben saßen und nicht eine der Anspielungen verstanden haben. So jemand kann mit Munchkin auch gar nichts anfangen. Außerdem ist das Gameplay total glücksbasiert und absolut nichts für Hardcore Gamer, die nur auf Spielmechniken aus sind. Die werden hier ebenso enttäuscht, denn Munchkin ist in keinster Weise fair, nein,es ermutigt seine Spieler sogar zum Schummeln und das ist der Grund warum manche Partien auch in der Länge extrem ausarten können. Spielt man Munchkin zu fünft oder sechst, so zieht sich das Spiel eventuell sehr extrem in die Länge und drei bis vier Stunden Spielzeit können leicht erreicht werden. Spielt man in einer Runde von drei bis vier sind 90 Minuten eine durchaus realistische Angabe.

Steve Jackson ist einer der ältesten Nerds in der Spieleindustrie und hatte schon früh in den 80ern Erfolg mit seinem Gurps-Rollenspiel und seinem Illuminati-Kartenspiel, das alles wurde aber durch seine Munchkin-Erfindung in den Schatten gestellt. 1999 erschien in seinem Verlag „The Munchkin´s Guide To Powergaming“ von John Kovalic, der hier die Rollenspielszene und die sogenannten Powergamer, die nur auf die möglichste schnelle Optimierung ihres Charakters aus sind, parodiert. Das hat Jackson dann zum Munchkin Spiel inspiriert und Jon Kovalic hat die Illustrationen dazu beigesteuert und so wurde Munchkin 2001 geboren.

Der Rest ist eine Erfolgsgeschichte, die bis heute nicht abreißt, denn bis heute sind mehr als 25 eigenständig spielbare Versionen von Munchkin erschienen, die satirisch bestimmte Szenen und Subkulturen parodieren. Angefangen hat alles mit den Fantasyrollenspielern und fand dann schnell Ableger mit einer Gothicvariante, Western, Superhelden, Agentenfilme, Science Fiction, Piraten, Zombies, Weltuntergang, Steampunk und was nicht sonst noch alles. Jeder kann heutzutage ein Munchkin spielen, mit dem er irgendwie schon mal Berührungspunkte hatte. Fast 40 Erweiterungen und über 30 Boosterpacks ergänzen die Munchkin Welt. Inzwischen sind mehr als 4000 unterschiedliche Karten erschienen und wenn man will und total abgedrehte Spielerfahrungen möchte, kann man sie alle miteinander kombinieren. Die anderen Sets ergänzen das Spiel höchstens um ein paar neue Karteneffekte oder Ergänzen mit neuen Klassen und Rassen das Spielgeschehen. Völlig abgefahren. Dazu werden auf Turnieren immer wieder reale Gegenstände als Preise ausgelobt, die im Spiel eine Wirkung erzielen können. So habe ich als Ladenbesitzer früher Munchkin-Turniere veranstaltet, bei denen man Superhelden-Unterhosen, Agentensonnenbrillen und Essstäbchen gewinnen konnte, die einem im Kampf gegen Monster im Spiel Vorteile brachten. Völlig verrückt! Und genau diese Dinge machen Munchkin für viele aus. Während andere am Verstand der Spielenden zweifeln und kopfschüttelnd danebenstehen.

Ich selber spiele es auch nicht mehr so oft wie früher, muss ich leider eingestehen, aber ich lese mir immer noch gerne die Karten der Spiele durch und muss oft nicht nur Schmunzeln, sondern Lache laut auf, wenn ich mal wieder ein kleines lustigen Detail entdecke. Definitiv kein Spiel für jedermann, aber eines das viele Spieler in guter oder schlechter Erinnerung haben.


  • Verlag: Pegasus Spiele
  • Autor(en): Steve Jackson
  • Erscheinungsjahr: 2001
  • Spieleranzahl: 3-6
  • Dauer: 60 – Minuten

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