Nemeton

Nemeton / Foto: Spieltroll

Unter Nemeton versteht man einen heiligen Ort in der alten keltischen Religion. Dabei ist eigentlich egal, ob es sich um einen Schrein, Tempel oder sonstwas handelt. Diese oftmals für Rituale genutzten Plätze nannten die Kelten Nemeta. Im Spiel Nemeton beschäftigen wir uns ein wenig mit der keltischen Mythologie und insbesondere dem Druidentum. Das Spiel ist erst kürzlich über die Spieleschmiede in deutscher Sprache erschienen und macht durch sein schönes Cover einiges her. Im Mittelpunkt des Covers sehen wir einen Monolithen, einen Nemeton, um die es unter anderem in diesem Spiel geht. Das Spiel versprach im Vorfeld ein interessantes Plättchenlegespiel mit vielfältigen Mechaniken zu sein. Also auf zur druidischen Kräutersuche und zum keltischen Treiben im Wald von Nemeton.

Worum geht es ?

In Nemeton schlüpfen die Spieler in die Rollen von Druiden, die einen Wald erforschen und versuchen in ihm Kräuter zu sammeln, die sie benötigen um Tränke zu brauen, für die sie wiederum Punkte am Spielende erhalten. Außerdem müssen sie versuchen sich mit den Tiergeistern in Einklang zu bringen und erhalten dafür wiederum Punkte. Wer am Ende von 10 Runden (bei zwi Spielern 11) die meisten Punkte bekommen hat gewinnt.

Wie läuft das ab?

Nemeton erfordert zunächst ein wenig Vorbereitung von seinen Spielern, denn das Spielmaterial muss wahrscheinlich ein wenig außeinandersortiert, oder aus vielen Tütchen befreit werden, denn es verfügt über keinerlei Inlay und alles liegt im nackten Karton. Die paar Tütchen und der Stoffbeutel, die mitgeliefert werden, reichen für eine vernünftige Trennung einfach nicht aus. Jeder Spieler bekommt zu Spielbeginn ein Tableau und eine Druidenspielfigur. Darüberhinaus erhält jeder Spieler einen Satz Plättchen, die mit Symbolen unterschieden werden, sowie fitzelige kleine Marker mit dem Kopf ihres Druiden. Dann bekommt jeder Spieler noch zwei besondere Bewegungsplättchen und einen Eulentiergeist zum Start. In die Mitte des Tisches werden die beiden aus vier sechsecken bestehenden Startteile des Waldes gelegt. Dabei spielt es keine Rolle, wie die Spieler die Teile aneinander legen. Eines der Startfelder zeigt kein Kräutersymbol. Auf dieses wird eine Eiche gestellt. Das Spiel enthält ein paar 3D-Elemente, die Eichen, Monolithen und Wasserquellen darstellen.

Nemeton Spielsituation / Foto: Spieltroll

Als letztes wird noch das sogenannte Zieltableau für alle sichtbar in der Mitte vorbereitet. Sämtliche Tiergeistplättchen werden zunächst im Beutel gemischt und anschließende sämtliche Felder im unteren Bereich des Tableaus gefüllt. Auf die Ziele im oberen Bereich werden Kräuter gelegt. Zu diesem Zweck werden von jedem Kraut zwei Steine, plus ein weiteres von den lila Nachtschatten in der Hand gemischt und auf die Felder zufällig verteilt. Die Trankkarten werden gemischt und drei Stück offen an die Seite des Tableaus sowie zwei oberhalb des Tableaus ausgelegt. ganz rechts oben in die Ecke kommt der verdeckte Nachziehstapel.

Nemeton Mondplättchen / Foto: Spieltroll

Die Plättchenstapel der Spieler haben zwei Seiten, auf der einen Seite ist das Waldfeld zu sehen und auf der anderen kann man nur die Art des Plättchens und einen Mond sehen. Die Spieler wissen also, was als nächstes durch den Mond beschienen wird, bevor sie es umdrehen können, aber da sind wir schon im Spielgeschehen.

Nemeton spielt sich in den vier Phasen Nacht, Morgengrauen, Tag und Dämmerung, die von jedem Spieler in seinem Zug durchlaufen werden, bevor der nächste Spieler an die Reihe kommt. Einige Phasen sind dabei recht schnell abgehandelt, der Tag aber ist die Hauptphase des Spiels und kann etwas mehr Zeit in Anspruch nehmen. Ist ein Spieler an der Reihe beginnt er mit der Nacht und nimmt das oberste Teil seines Plättchenstapels und legt es mit der Mondseite nach oben neben zumindest eines der Waldfelder in der Mitte. Der Mond bescheint ausgehend von dem Feld was man anlegt in jeder der sechs Richtungen soweit, bis er auf ein Plättchen der selben Sorte trifft. In Reihen, in denen aber kein solches Plättchen liegt, scheint der Mond gar nicht. Auf den ausliegenden Waldfeldern sind Kräutersymbole zu sehen. Wird eines von ihnen beschienen und es liegt noch kein Marker auf dem Plättchen oder eine andere Figur steht auf ihm, so werden Kräuterplättchen dort ausgelegt. Löcher in der Auslage des Waldes beenden ebenfalls den Mondschein. Auf manchen Feldern ist ein Kräutersymbol mit Fragezeichen zu sehen und hier darf der Spieler sich aussuchen welches Kraut wächst.

Nemeton 3D-Elemente / Foto: Spieltroll

Dann beginnt die Morgengrauenphase und das Mondplättchen wird vom Spieler umgedreht und der Spieler schaut, ob sich ein Baum-, Quellen- oder Monolithensymbol auf dem Plättchen befindet. Sollte das so sein, so wird ein entsprechendes Spezialplättchen an den Spieler gegeben und er muss es ebenfalls an den Wald anlegen. Dieses muss aber so gelegt werden, dass es zumindest zwei andere Waldplättchen berührt. Löcher dürfen nicht entstehen. Anschließend wird das Plättchen umgedreht und das entsprechende 3D-Teil auf das Feld gestellt. Bei den Monolithen und Quellen wird zusätzlich noch ein Triskelenplättchen mit dazugelegt. Dann ist das Morgengrauen auch schon beendet und die Tagphase beginnt.

Nemeton Spielerbereich mit Tableau / Foto: Spieltroll

Ist es die erste Tagesphase des Spiels, wird in diesem Moment die Druidenspielfigur des Spielers auf das gerade gelegte Mondplättchen gestellt. Ein Druide kann sich am Tag ein oder zwei Felder in gerader Linie bewegen. Zusätzliche Spezialbewegungen sind durch ein paar Auslöser möglich. Jeder Spieler besitzt zwei Bewegungsplättchen, die nach Benutzung umgedreht werden müssen und erst nach Reaktivierung wieder verfügbar sind. Ein Plättchen erlaubt einen Extraschritt und das andere einen Richtungswechsel. Beide Plättchen können auch zusammen in einem Zug benutzt werden. Die dritte Spezialbewegung ist durch das lila Nachtschattenkrut möglich. Der Druide kann es verbrauchen und in den allgemeinen Vorrat zurücklegen, um sich in einen Vogel zu verwandeln, der zu einer beliebigen Eiche im Wald fliegt. Diese Bewegung ist maximal einmal pro Zug möglich und der Druide darf sich, wenn er sich ab der Eiche weiter bewegen möchte, neu ausrichten. Nach jeder getätigten Bewegung (jedes Feld zählt) hat der Spieler folgende Möglichkeiten zu handeln: Als erstes schaut er , ob ein anderer Druide auf dem Feld steht, sollte das der Fall sein, so kann er Kräuter mit ihm tauschen. Jeder Spieler hat acht Beutelfelder auf seinem Tableau, in die er seine Kräuter legen kann. Das erste Feld ist mit einem Dornenbeutel gekennzeichnet. Ein Spieler kann eines seiner Kräuter gegen ein beliebiges Kraut des anderen Druiden tauschen und der andere kann nichts dagegen tun. Nur das Kraut im Dornenbeutel ist sicher.

Nemeton Kräuterspielsteine / Foto: Spieltroll

Als zweites wird geschaut auf welcher Art Feld der Spieler steht und was er dort tun kann. Grundsätzlich gibt es vier Sorten Felder und Möglichkeiten. Auf Feldern mit Kräutern sammelt er sie ein und legt sie in seine Beutel. Sind seine Beutel voll kann er immerhin noch Kräuter austauschen. Auf Feldern mit einer Eiche hat er zwei Möglichkeiten, entweder tauscht er Kräuter im Verhältnis 2 zu 1 mit dem Vorrat oder er reserviert sich einen der drei Tränke neben dem Zieltableau und nimmt die Karte verdeckt auf die Hand. Auf den Nemetonfeldern kann der Spieler einen der drei neben dem Zieltableau aufgedeckten Tränken brauen und/oder einen reservierten Trank brauen. Um einen Trank zu brauen legt man die geforderten Kräuter in den Vorrat zurück und den trank offen vor sich aus. Betritt man ein Feld mit einer Quelle, so kann der Druide das Vertrauen von den Tiergeistern des Waldes zurückgewinnen und legt dazu die auf dem Zieltableau geforderten Kräuter ab. Auf dem Zieltableau gibt es jeweils zwei Zweiergrüppchen von Tiergeistern, für die man die entsprecchenden Kräuter abgibt und anschließend die Teirgeisterplättchen erhält und auf seinem Tabelau ablegen kann. Es gibt insgesmt fünf verschiedene Tiergeister, von denen der Druide auf verschiedenste Arten profitieren kann. Das führ ich aber hier nicht näher aus.

Nemeton Trankkarte / Foto: Spieltroll

Die nächsten beiden Schritte werden von dem Spieler nur abgehandelt, wenn er einen Trank gebraut oder die Tiere für sich gewonnen hat. Falls auf dem Feld mit Nemeton oder Quelle, die er benutzt hat, noch keins seiner Druidenplättchen liegt, legt er eines seiner Plättchen dort ab und zu guter letzt, bekommt er noch eine Belohnung, sollte noch eine Triskele dort liegen, kann er sich entscheiden, entweder diese als Belohnung zu nehmen oder eins seiner Bewegungsplättchen wieder zu aktivieren. Dann folgt nur noch die Dämmerungsphase in der er das Zieltableau wieder auffüllt und eines der Ziele für sich beanspruchen kann, wenn er es geschafft hat eines zu erfüllen. Hier gibt es viele Möglichkeiten eines zu erfüllen, wie z.B. das Brauen von zwei gleichwertigen Tränken, das Sammeln eines kompletten Tiersets usw. Wenn man ein Ziel erfüllt hat markiert man dieses ebenfalls mit eienm seiner Marker und derjenige der ein Ziel als erster erfüllt, bekommt das auf dem Ziel liegende Kraut als Belohnung.

Nemeton Zieltableau / Foto: Spieltroll

Nachdem alle Spieler all ihre Plättchen ausgelegt haben endet eine Partie mit dem Zählen der Punkte. Die Spieler bekommen Punkte für gebraute Tränke, gesammelte Tiersets, Triskelen und abgeschlossene Ziele. Minuspunkte gibt es für reservierte und nicht gebraute Tränke.

Das Fazit

Nemeton wirkt zunächst total harmlos. Man denkt sich, das Thema ist ganz nett und man legt ein paar Teile aus und sammelt Kräuterein, braut Tränke und dann ist es vorbei. Da kann man sich leicht täuschen schon die Spielzeit die mit 75 Minuten angegeben ist, sollte einen da warnen. Nemeton entpuppt sich recht schnell als sehr verzahntes taktisches Spiel, bei dem man ohne eine gewisse generelle Planung überhaupt nicht gut voran kommt. Einfach so durch den Wald zu stapfen, hier mal ein Kraut zu sammeln und da mal mit den Tieren zu reden, ist nämlich nicht drin. Um überhaupt irgendwas hinzubekommen braucht man die richtigen Kräuter und muss immer aufpassen, dass einem nicht ein anderer Druide begegnet, der einem eins wegschnappen könnte, was man dringend benötigt, oder aber man plant gleich an dem Nemeton einen Trank zu brauen und just vorher braut ihn der Druide vor mir und ich habe nur noch Kräuter die zu gar nichts ausliegendem mehr passen. Die Möglichkeiten bei Nemeton sind vielfältig und ihr habt es schon an der Beschreibung gemerkt, die etwas länger ausgefallen ist, man kann gar nicht alles anreißen, was passieren könnte.

Nemeton ist somit auf gar keinen Fall ein einsteigerfreundliches Spiel, sondern schon eines das ich in der taktischeren Ecke ansiedeln würde und nur Leuten empfehlen kann, die etwas mehr Herusforderung suchen. Aber dann auch eben wieder nicht zu viel erwarten sollten. Die Mechniken von Nemeton funktionieren alle recht gut und wirken insgesamt als gutes Paket, aber beim Spielen kam das ein oder andere Mal schon der Gedanke auf, dass es ein wenig zu kompliziert gedacht ist. Nemeton macht auf eine seltsame Art Spaß, die ich nicht ganz in Worte fassen kann. Man sollte sich nur bewusst sein, das die Downtime recht lange dauern kann, wenn die Kollegen Druiden am Tisch Bandwurmzüge durchdenken, bei dem sie erst einen Schritt gehen, dann zu einer Eche fliegen, sich weiter bewegen, einen Trank brauen, ihr Plättchen für einen Richtungswechsel benutzen und dann noch einen weiteren Zug mit dem nächsten Spezialplättchen machen um noch an einer Quelle mit Tiergeistern zu sprechen, dann wieder ihr Spezialplättchen als Belohnung bereitmachen usw. Sowas ist bei Nemeton möglich und wird passieren, wenn die Spieler die Mechaniken erst ganz in sich aufgenommen haben. Selbst bei einer Zweispielerpartie mit Regelerklärung vorweg, haben wir die zwei Stunden Spielzeit angekratzt, denn es gibt immer etws zu überlegen und zu durchdenken.

Ich kann Nemeton allen Leuten ans Herz legen, die ein gehobeneres, thematisches Spiel Rund um Druiden suchen und spielen wollen. Alle anderen sollten sich bewusst sein dass es kein Einsteigerspiel ist und man durchaus Längen am Tisch haben wird, besonders in einer Partie zu viert. Allerdings spielt es sich anders als man es erwartet, also vielleicht irgendwie innovativ? Muss man selbst erleben!


  • Verlag: Giant Roc, Blam!
  • Autor(en): Johann Favazzo
  • Illustrator(en): ann&seb
  • Erscheinungsjahr: 2019
  • Spieleranzahl: 2 – 4 Spieler
  • Dauer: 75-120 Minuten

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