Imperial Settlers Roll & Write

Imperial Settlers Roll & Write / Foto: Spieltroll

Als ich vor einiger Zeit davon gehört habe, dass es ein Roll & Write Spiel von Ignacy Trzewiczek im Imperial Settlers Universum geben soll, war ich hin und weg, denn ich bin großer Fan des Basisspiels. Dann kamen allerdings die ersten Reaktionen und Rezensionen zum Spiel und die waren zumindest meistens recht negativ. Nur vereinzelt wurden ein paar positive Dinge gesagt, ansonsten war es doch viel Negatives, von dem ich auf anhieb aber nicht alles so ganz nachvollziehen kann. Also legte ich es mir zu, um es selbst auszuprobieren. Imperial Settlers Roll & Write ist Ignacy Trzewiczeks Beitrag zum Roll & Write Genre und inwiefern das mit den Imperial Settlers zu tun hat bleibt zu klären. Also fangen wir wie immer Vorne an.

Worum geht es ?

Ein Roll & Write ist erstmal immer das gleiche: Ich würfle und dann schreib ich was. Wie ich das tue und was das bewirkt ist natürlich immer anders. Hier bauen wir wie in Imperial Settlers unser Volk aus, indem wir bestimmte Gebäude auf unseren Zetteln bauen. Ja, richtig gehört, Zetteln! Wir haben hier in jeder Partie zwei Zettel zu bearbeiten. Auf einem bauen wir immer die gleichen Dinge und je nach Szenario auf einem zweiten ein anderes sogenanntes Dorf. Die beiden Dinge gehören aber untrennbar zusammen und das Dorf beeinflußt das Spielgeschehen auf unserem Hauptzettel. Am Ende gibt es natürlich für alles was wir gebaut haben Punkte und derjenige der die meisten gesammelt hat gewinnt.

Imperial Settlers Roll & Write Reichzettel / Foto: Spieltroll

Wie läuft das ab ?

Zunächst einmal zum Spielmaterial, das ist wie bei Roll & Writes üblich, immer recht überschaubar. Imperial Settlers Roll & Write macht da schon fast eine Ausnahme, denn wir finden drei unterschiedliche Blöcke in der Box. Ein paar Pappkärtchen (fünf), vier Würfel und vier Bleistifte befinden sich noch zusätzlich in der Schachtel. Zu Beginn jeder Partie erhält ein Spieler immer je einen Zettel vom großen Hauptblock, sowie je einen vom Dorfblock und einen Stift. Die Pappkarten werden verdeckt gemischt und dann Spieleranzahl plus eins aufgedeckt in die Mitte gelegt. Mehr Vorbereitung ist nicht nötig. Der dritte Block ist erstmal nur für die Solovariante angedacht, was aber nur bedingt stimmt. Später aber dazu mehr, den blenden wir erstmal aus.

Imperial Settlers Roll & Write Würfel / Foto: Spieltroll

Im Imperial Settlers Roll & Write würfeln die Spieler abwechselnd für genau 10 Runden lang mit den vier Würfeln. Einer der Würfel ist größer und rosa und gibt die Anzahl der Arbeiter/Aktionen vor, die alle Spieler zur Verfügung haben. Dies sind immer zwischen 3 und 5. Die anderen drei Würfel sind Rohstoffwürfel und zeigen die schon aus Imperial Settlers bekannten Rohstoffe Nahrung, Stein und Holz sowie Gold, das als Jokerrohstoff fungiert, an. Nach dem Würfeln sucht sich zunächst der Startspieler eines der Pappkärtchen, den sogenannte Gunstplättchen, aus. Auf ihnen sind Rundenboni abgebildet die für diese Runde nur für den entsprechenden Spieler gelten. Danach wählen alle Spieler reihum eines aus. Hier gibt es Boni, wie eine zusätzliche Aktion, ein zusätzliches Gold, oder den Verkauf von Rohstoffen gegen Siegpunkte.

Haben alle Spieler ein Gunstplättchen gewählt, so dürfen sie parallel ihre Aktionen und Rohstoffe auf ihren Zetteln ausgeben. Grob gesagt ist jede Aktion auch ein Kreuz das man setzen darf. In manchen Feldern sind Rohstoffe abgebildet, die man zusätzlich haben muss, um dort ein Kreuz zu setzen. Nun wird es Zeit sich die Zettel einmal näher anzuschauen.

Imperial Settlers Roll & Write Gunstplättchen / Foto: Spieltroll

Der Hauptzettel, sozusagen das Reich, verfügt über zwei große Bereiche, wenn wir die Spalte ganz vorne für Notizen und die Punktefelder ganz rechts mal weglassen. Im oberen Bereich befinden sich vier Zeilen, die für vier Bereiche in unserem Reich stehen. Ganz oben eine Reihe in der oft Steine in den Feldern abgebildet sind, sie stehen für die Mauern, darunter der Holzbereich repräsentiert die Hütten, dann kommen die Lagerhäuser mit Nahrung und darunter die Brücken unseres Reiches, für die wir Hoz und Steine benötigen. Jeder Schritt verfügt auch über eine Siegpunkteangabe und je weiter wir uns hier in einer Zeile von links nach rechts bewegen, desto mehr Punkte erhalten wir am Spielende. Der letzte Schritt ist gelb hinterlegt und zählt nochmal als königlicher Bereich und Fähigkeiten von Gebäuden können sich auf diesen Bereich beziehen.

Der untere Bereich ist nochmal in vier „Inseln“ unterteilt, die mit den abgebildeten Brücken verbunden sind. Diese schalten wir erst nach und nach frei, wenn wir die entsprechenden Brücken gebaut haben. Auf den Inseln finden sich Ankreuzfelder mit Rohstoffen drin, diese sind im Gegensatz zu den oberen eckigen Feldern rund und geben uns die Rohstoffe, sobald wir sie hier ernten/ankreuzen. Auf den unteren Inseln werden die Rohstoffe pro Feld dann auch zahlreicher.

Imperial Settlers Roll & Write Dorfzettel / Foto: Spieltroll

Wenn wir also unsere Aktionen auf unserem Zettel ausgeben wollen, so können wir entweder Dinge im oberen Bereich bauen/ankreuzen oder im unteren Bereich Rohstoffe ernten. Aber hier ist Vorsicht geboten, denn wer Imperial Settlers kennt weiss, dass man Rohstoffe nicht in die nächste Runde mitnehmen kann und sie am Ende der Runde verliert, wenn man sie nicht ausgibt. Zusätzlich darf man auch auf dem kleineren Dorfzettel, auf dem sechs spezielle Gebäude abgebildet sind Aktionen ausgeben um diese zu bauen. Im Grundspiel benötigt man nur fünf der Gebäude, der Architekt ist nur für das fortgeschrittene Spiel verfügbar. Jedes Gebäude das man komplett errichtet, also alle Felder angekreuzt, hat, bringt einem irgendetwas ein. Die Farm z.B. bringt einem jede Runde einfach eine Nahrung als Rohstoff, die ich zur freien Verfügung habe.

Das ist das Grundspiel und so wird bis zum Ende durchgespielt und die Punkte werden gezählt und ein Sieger ermittelt. Die fortgeschrittenen Regeln machen es dann noch ein wenig interessanter, hierzu bekommt der Dorfzettel eine noch wichtigere Bedeutung, denn die Gebäude liefern einem Blaupausen, die neben den Gebäuden klein eingezeichnet sind. Diese kann man sich wie Tetrissteine vorstellen, die wir auf unserem Reichzettel in den Zeilen des oberen Bereichs einzeichnen können, wenn wir die entsprechenden Felder schon freigespielt haben. Diese sogenannten Siedlungen dienen dazu den Effekt mancher Gebäude zu erhöhen, so werden zum Beispiel aus der einen Nahrung pro Runde durch die Farm, für jede Farm die wir auf dem Reichzettel eintragen können die Nahrungsrohstoffe jeweils um eins erhöht. Hier kommt dann auch der schon erwähnte Architekt zum tragen, für dessen Gebäude wir jeweils 7 Siegpunkte am Ende des Spiels bekommen. Die Formen dürfen allerdings niemals gedreht oder gespiegelt werden, sie müssen so eingezeichnet werden, wie sie auf dem Dorfzettel abgebildet sind.

Imperial Settlers Roll & Write Schachtel zum Würfeln mit Rundenabfolge / Foto: Spieltroll

Zum Schluß werden die Punkte für jede Zeile mit den Punkten für spezielle Gebäude und eventuelle Siegpunkte durch die Gunstplättchen zusammengezählt und der Spieler mit den meisten Punkten gewinnt.

Natürlich lässt sich Imperial Settlers Roll & Write auch als Solospiel spielen und zu diesem Zweck gibt es einen ganzen Abenteuerblock voll mit 48 verschiedenen Dorfzetteln. Auf jedem Zettel sind sechs andere Gebäude zu sehen, die alle über andere Fähigkeiten verfügen und sich anders spielen. Natürlich kann man das nur solo spielen, aber was hindert einen daran das auch zu zweit oder mit mehr Leuten so zu spielen, dass bringt mehr Abwechslung und Spaß. Der Kopierer ist hier dein Freund und Portal Games haben auch angekündigt den Abenteuerblock zum Nachkauf anzubieten. Weitere Dorfzettel sowie der Reichzettel stehen zum Download auf der Seite bereit und können ausgedruckt werden.

Das Fazit

Ich Reihe mich jetzt mal nicht in den Reigen derer ein, die Imperial Settlers Roll & Write schlechter reden, als es ist. Ich finde es eigentlich sogar sehr spaßig und verstehe einige Kritik, teile sie aber nur bedingt. Viele kritisieren die Unübersichtlichkeit die durch das hin und her der Aktionen mit den Rohstoffen entsteht. Man muss sich eventuell drei Rohstoffsorten plus Gold merken und dafür Aktionen planen. Das ist schon heftig für den Kopf (Bazinga!), aber manche scheinen das tatsächlich nicht mehr im Kopf zu können. Wahrscheinlich sind sie zu sehr damit beschäftigt auf ihre Gegner zu schauen, um zu kontrollieren was die gerade machen und ob sie nicht beschissen werden. Keine Ahnung ich finde das nicht zu unübersichtlich und wenn ich damit Probleme hätte gibt es ja ein paar Hilfsmittel die ich benutzen könnte. Erstens, ich nehme verschiedene Marker, vielleicht idealerweise sogar die aus Imperial Settlers, oder verschiedenfarbene Würfel oder irgendwas um das anzuzeigen. Zweitens, ich mache mir Notizen mit den mitgelieferten Stiften und dem Notizbereich des Zettels. Was ist denn heutzutage los. Hat irgendwer schonmal Dominion kritisiert, weil man sich merken muss wieviel Gold, Aktionen und Käufe man hat. Den Kritikpunkt kann ich nicht anerkennen. Ich finde auch nicht, dass man entsprechendes Material beifügen müsste. Der zweite Kritikpunkt ist der mit den unbalancierten Gunstplättchen und da muss ich teilweise zustimmen, wenngleich ich ihn nicht so gravierend finde, wie er gemacht wird. Ja, die Fähigkeiten sind unterschiedlich mächtig, der Aktionsbonus ist meistens gut und wird eigentlich immer genommen. Im Spiel zu viert ist es am schlimmsten und außerdem ist jeder nicht gleich oft zuerst dran, was man als ungerecht einstufen kann. Zu zweit ist das aber gut machbar, denn man kann ihn einfach weglassen oder wechselt sich eh jede Runde ab. Aber ich finde manch anderes Gunstplättchen sogar manchmal hilfreicher.

Imperial Settlers Roll & Write bietet mir genug Neues um es zu mögen und ich verzeihe ihm seine Ecken und Kanten, die es durchaus hat, aber es als einen Totalausfall oder Flopp zu bezeichnen finde ich wirklich unfair. Den einzigen wirklichen Kritikpunkt den ich habe ist der, dass das Spiel an sich nicht viel mit den Imperial Settlers zu tun hat und das ganze ein wenig drübergestülpt wirkt, denn keiner spielt hier ein unterschiedliches Volk und die Fähigkeiten der Völker kommen nicht zum tragen. Das ist für mich der Kern, den die Imperial Settlers Reihe ausmacht. Aber meiner Frau und mir gefällt es gut. Wir spielen gerade den kompletten Abenteuerblock durch und haben eine Menge Spaß dabei.


  • Verlag: Pegasus Spiele
  • Autor(en): Ignacy Trzewiczek
  • Illustrator(en): Roman Kucharski, Tomasz Jędruszek, Grzegorz Bobrowski, Denis Martynets, Maria Pekina
  • Erscheinungsjahr: 2019
  • Spieleranzahl: 1-4 Spieler
  • Dauer: 20-30 Minuten

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