Die Tavernen im Tiefen Thal

Die Tavernen im Tiefen Thal / Foto: Spieltroll

Auch in diesem Jahr kommt man an einem Autor einfach nicht vorbei. Die Rede ist von Wolfgang Warsch, der bereits im letzten Jahr für Furore gesorgt hatte, weil er gleich mit drei Spielen für die Spiele des Jahres-Auszeichnungen nominiert war. Mit den Tavernen im Tiefen Thal legt er dieses Jahr nach und bringt einen, nach der Beschreibung recht seltsam klingenden, Mischmasch an den Start. Die Tavernen im Tiefen Thal vereint nämlich sowohl die Mechaniken des Deckbuilding, als auch des Dice Drafting und einer in diesem Fall Dice-Placement zu nennenden Komponente. Dabei geht es hier im wesentlichen um das Betreiben einer lukrativen Taverne. Das Spiel ist dabei recht einfach zu erlernen, weil Herr Warsch sich ein modulares System überlegt hat, mit dem man das Spiel nach und nach komplexer machen kann und es so Schritt für Schritt erlernt.

Worum geht es?

Die Spieler sind Gastwirte im Tiefen Thal und betreiben eine Taverne, wer hätte das bei dem Titel erwarten können? Letzlich geht es wieder um Siegpunkte, die wir hauptsächlich in unserem Kartendeck sammeln. Hier tummeln sich neben Gästen auch noch unser Personal, Bierlieferanten und Tische. Jede Runde ziehen wir solange Karten vom Deck bis alle Tische in unserer Taverne gefüllt sind und haben dabei hoffentlich genug Personal und Bier um alle Gäste, oder zumindest die gut zahlenden zu Versorgen, denn nur so können wir mehr Personal und Bier in die Herberge bekommen, was uns zu weiteren Gästen verhilft. Ein normaler Deckbuilder also? Mitnichten, denn im nächsten Schritt müssen wir noch unsere Würfel werfen und auf die Karten verteilen die uns am lukrativsten in dieser Runde erscheinen. Na neugierig geworden?

Die Tavernen in Tiefen Thal Spielertableau / Foto: Spieltroll

Wie läuft das ab?

Ich werde erstmal nur was zum einfachen Spiel schreiben und danach auf die Module eingehen, die ich nur anreiße. Die Module erweitern nicht nur das vorhandene Spiel ab und an werden Kleinigkeiten auch ersetzt und verändern sich mit der Hinzunahme eines Moduls. Hier gehts also erstmal nur um das normale Spiel.

Die Tavernen in Tiefen Thal Klosterplan / Foto: Spieltroll

Die Tavernen im Tiefen Thal benötigt einiges an Zeit für den Aufbau. Das Spielmaterial ist zahlreich und durch die Module muss man einiges auch aussortieren. Das sollte man schon berücksichtigen, wenn man nicht allzu viel Zeit hat. Es gibt keinen zentralen Spielplan, das Spiel findet auf den Tableaus der Spieler statt. In der Mitte gibt es nur den sogenannten Klosterplan, auf dem man den Rundenmarker weiterzieht und eine Leiste, auf der man seinen farbigen Klostermarker platziert. Auf dieser Leiste erhält man im Laufe des Spiels ein paar Boni. Das Spiel geht insgesamt über acht Runden und ähnlich wie bei Warschs Quacksalbern bekommt jeder Spieler etwas, wenn der Rundenmarker auf ein neues Feld zieht. Für jeden Mitspieler wird noch ein Bierdeckel mit vier weißen Würfeln in die Mitte gelegt und die für einen Deckbuilder übliche Auslage muss noch vorbereitet werden. Dazu gibt es zwei Reihen in der Auslage. Zum einen die Reihe mit den Gästekarten, in der von links nach rechts zuerst der Nachziehstapel, dann alle Gäste die drei Bier kosten als Stapel, dann vier vom Nachziehstapel gezogene Gäste offen und der Adligenstapel ausgelegt werden. Darunter kommt die Reihe mit den Tavernenkarten. Hier liegen Tellerwäscher, Kellnerin, Lieferant, Tische und Bierhändler offen zum Kauf aus. Die Tavernenkarten werden mit Geld gekauft, die Gäste mit Bier.

Die Tavernen in Tiefen Thal Tresen / Foto: Spieltroll

Jeder Spieler erhält, wie für einen Deckbuilder üblich, ein Startdeck, dass in diesem Fall aus sieben Stammgästen, sowie einer Kellnerin, einem Lieferanten und einem Tisch besteht. Dieses platziert er links neben neben den Tischen seines Tableaus. Das Tableau ist soetwas wie der besondere Clou dieses Spiels, denn es ist modular. einzelne Teile können aufgewertet werden. Zu diesem Zweck sind sie abnehmbar und man dreht sie dann einfach um. Wichtig zu Beginn ist, dass alle Teile mit der Seite sichtbar sind, auf der oben ein Geldbetrag abgebildet ist, der die Kosten der jeweiligen Aufwertung zeigt. Oben am Tableau angedockt sind die Tische. Zu Beginn hat jeder Spieler drei davon. Darunter kommt dann mittig der Tresenbereich, wo sich die Kasse befindet und ein Mönch am Tresen sitzt. Neben ihm drei freie Stühle für Tresengäste. Darunter befinden sich der Tresor, in dem man sein Geld aufbewahrt, der Wirt und rechts davon das Fass mit der Hausbiermarke. Auf der linken Seite des Tableaus befinden sich noch zwei Arbeitsbereiche die zu Beginn des Spiels noch verwaist sind. Oben der Platz für die festangestellte Kellnerin und darunter der Platz des Tellerwäschers. Auf der rechten Seite befindet sich das Bierlager und darunter die Laderampe für die Bierlieferanten. Alle Teile bis auf den Mittelteil können Ausgebaut und somit gewändet werden. Die Kasse und der Mönch im Mittelteil sind aber ebenfalls rausnehmbar und können genauso aufgewertet werden.

Die Tavernen in Tiefen Thal Bierdeckel / Foto: Spieltroll

Die Vorbereitungen werden dadurch abgeschlossen, dass die farbigen Würfel in der Mitte bereitgelegt werden und jeder spieler einen gelben und braunen Marker bekommt, den er jeweils auf Feld Null seines Tresors und Bierlagers stellt. Alle anderen Komponenten und das ist noch eine ganze Menge, wird erstmal nicht benötigt.

Die Tavernen in Tiefen Thal Modulares Spielertableau / Foto: Spieltroll

Der eigentliche Spielablauf ist dann aber trotz sieben Phasen die durchlaufen werden wollen, recht einfach und die Spieler handeln vieles davon parallel ab, so dass sich das Spiel ganz schnell anfühlt und bei den Spielern keine Langeweile aufkommen kann, weil man eigentlich immer beschäftigt ist. Gehen wir die Phasen kurz durch. Die erste Phase besteht erstmal nur daraus den Rundenmarker um ein Feld nach vorne zu schieben, woruafhin alle Spieler entsprechende Boni erhalten. In Phase zwei wird die Taverne gefüllt und das tun alle Spieler gleichzeitig. Dazu decken sie solange Karten von ihrem Stapel auf, bis alle Tische ihrer Taverne voll besetzt sind. Ziehen sie einen Gast, so wird er auf einen leeren Tisch platziert. Ziehen sie später einen Adligen so kommt auch er an einen Tisch. Weitere Adlige kommen dann aber immer an den Tisch an dem schon ein Adliger sitzt. Zieht man andere Tavernenkarten, so legt man sie an ihren entsprechenden Platz neben das Tableau in einer Reihe an, so dass jeder Spieler immer sehen kann, wieviele Karten ausliegen. Kellnerinnen und Tellerwäscher kommen neben ihre jeweiligen Arbeitsplätze, Tische werden rechts neben der Tischreihe platziert und Bierhändler kommen neben das Bierlager. Die Lieferanten an die Rampe. Sind alle fertig kommt Phase drei, in der überprüft wird wer wieviele Würfel in seiner Farbe bekommt. Für jede Kellnerin gibt es einen Würfel bis zu einem Maximum von drei. Diese Würfel werden gewürfelt und bereitgelegt.

Die Tavernen in Tiefen Thal Spielsituation / Foto: Spieltroll

In Phase vier nimmt sich jeder Spieler seinen Bierdeckel mit den vier weißen Würfeln und würfelt sie. Dann platziert er sie wieder auf dem Deckel und sucht sich einen aus. Anschließend werden die Bierdeckel im Uhrzeigersinn weitergeschoben und die Spieler suchen sich solange Würfel aus und schieben weiter, bis alle Würfel verteilt sind. In der nächsten Phase werden die gewählten Würfel plus die gewürfelten Würfel der Kellnerinnen verteilt. In dieser Planungsphase spielen alle parallel und überlegen sich was sie mit den Würfeln machen. Auf allen Gästen sind Würfelzahlen abgebildet und auch auf Bereichen der Taverne gibt es welche. Dabei gibt es Würfelsymbole mit Augenzahlen und hier dürfen nur die entsprechenden Würfel abgelegt werden und welche mit Fragezeichen, die jeden Würfel aufnehmen können. Auch gibt es sowohl Felder für nur einen Würfel und welche die beliebig viele aufnehmen können. Alle Felder auf denen Würfel liegen bringen uns irgendeinen Ertrag. Geld oder Bier. Nachdem alle mit der Planung fertig sind wird nun nacheinander beginnend mit dem aktuellen Startspieler reihum die Taverne abgehandelt. Man entfernt nacheinander wieder alle Würfel und zählt sein Geld und sein Bier zusammen. Für das Geld darf man sich etwas kaufen oder aufwerten und für das Bier erwirbt man ebenfalls Gäste. Überzähliges Geld oder Bier kann bis zur entsprechenden Größe des Tresors bzw. Lagers eingelagert werden und in späteren Runden genau in dieser Phase mitverwendet werden. Gekaufte Karten werden auf den Nachziehstapel gelegt, so dass man sie in der nächsten Runde auf jeden Fall zieht. Die Aufwertungen werden auch sofort vollzogen und können sofort benutzt werden. An dieser Stelle sei erwähnt, dass Aufwertungen sehr attraktiv sind, weil sie uns einen gratis Adligen bescheren, den wir in unser Deck aufnehmen.

Die Tavernen in Tiefen Thal Kellnerinnen / Foto: Spieltroll

In der letzten Phase wird dann nur noch aufgeräumt und alles kommt wieder vom Tableau. Karten kommen auf den Ablagestapel und werden erst wieder gemischt, wenn man neue Karten vom Nachziehstapel ziehen müsste und dieser leer ist. So kennt man es ja von vielen Deckbuildern.

Nach der achten Runde ist das Spiel vorbei und die Spieler zählen die Punkte in ihrem Deck aus, denn jede Karte hat einen bestimmten Siegpunktewert der in der rechten oberen Ecke vermerkt ist. Am meisten Siegpunkte bringen hierbei die Adligen. Übriggebliebenes Geld und Bier bringen keinerlei Siegpunkte.

Die Tavernen in Tiefen Thal Modul 3 bzw. 5 / Foto: Spieltroll

Das Spiel an sich funktioniert so schon super aber für die Leute die es ein wenig komplexer mögen, kann man das Spiel Schritt für Schritt durch vier Module erweitern. Das Basisspiel selbst wird hierbei als Modul 1 bezeichnet. Die Module bauen aufeinander auf, so dass man immer alle vorherigen Module benutzen muss wenn man eines implementieren möchte. Mit Modul 2 kommen Schnäpse und Gaukler ins Spiel. Der Klosterplan wird auf die sogenannte Winterseite umgedreht und zeigt nun andere Boni. Außerdem sind zwischen den einzelnen Runden ab uns zu Schnapssymbole abgebildet. Schnaps ist neben Bier und Gold eine weitere Ressource, die man hauptsächlich dafür benutzt um die Gaukler zu bezahlen, die sich jetzt in der Taverne breitmachen und uns lukrative Bonis bringen können. Mit Modul 3 kommt eine Rufleiste auf dem Wirt ins Spiel, auf der wir einen Marker immer im Kreis ziehen, wenn wir Ruf bekommen. Dieser bringt uns beim Überqueren bestimmter Felder ebenfalls Boni ein und bringt die größten Neuerungen ins Spiel. Ein paar neue Gäste sowie Bardenkarten, die wir in unserer Taverne ebenfalls als personal einstellen können. Es wird sogar eine neue Phase ins Spiel integriert, in der der Ruf behandelt wird.

Die Tavernen in Tiefen Thal Modul 5 / Foto: Spieltroll

Modul 4 bringt nur unterschiedliche und variable Startbedingungen für die sich die Spieler vor Spielbeginn entscheiden müssen und Modul 5 bringt uns ein Gästebuch in dem wir im Spielverlauf Unterschriften sammeln und indem uns komplette Reihen und Spalten ebenfalls Boni bringen. Die Unterschriften erhalten wir hier auch hauptsächlich über die zuvor eingeführte Rufleiste.

Das Fazit

Wolfgang Warsch hat echt einen Lauf und ich Frage mich, ob ihm die Ideen bald ausgehen. Die Tavernen im Tiefen Thal ist bei all den unterschiedlichen Mechaniken ein wirklich stimmiges und erstaunlich gutes Spiel. Die Illustrationen von Dennis Lohausen vervollständigen den Eindruck eines sehr schönen Spiels noch zusätzlich. Natürlich ist der Deckbuilding Aspekt nicht neu, sondern inzwischen eher gewöhnlich, aber dieser ist hier nicht das Spiel, sondern nur ein Mittel zum Zweck. Er bestimmt wann und wieviele Karten wir im Spiel haben werden und mit diesen Karten machen wir dann weiter und setzen Würfel auf ihnen ein, die wir vorher auch noch draften müssen. Das ganze Spiel steckt nur so voll mit Entscheidungen, die man zu treffen hat und wie weit man hier im voraus planen kann, enscheidet dann auch über den Sieg. Das verstärkt sich dann sogar noch, wenn man die Ruf- und Gästebuchmodule miteinbaut.

Die Tavernen in Tiefen Thal Prost! / Foto: Spieltroll

Natürlich ist die Tavernen im Tiefen Thal wieder eines dieser solistisch anmutenden Spiele, da die Spieler hier viele Aktionen parallel aneinander vorbei planen und ausführen müssen. Hier wird es sogar sehr deutlich, denn sowohl das Kartenaufdecken als auch die Planungsphase passieren ohne die Mitspieler. Aber das wäre auch schon der einzige Kritikpunkt den man anführen könnte, wenn man solche Spiele nicht mag. Das ist aber nur eine Geschmacksfrage, denn das Spiel an sich funktioniert super und macht auch jede Menge Spaß. Wir haben es direkt mit allen Modulen gespielt und empfanden es als nicht zu komplex, auch wenn dann bei der Erklärung alles ein bißchen durcheinander gehen kann, weil man einiges austauschen und anderes ergänzen muss. Die Module wirken hier nicht deplaziert aber irgendwie doch angeflanscht, wenn man das so sagen darf, denn das Basisspiel an sich trägt sich schon alleine. Aber als Erweiterung machen sie schon Sinn und ich finde es gut, das man sie hier gleich mit im Grundspiel bekommt und nicht als Erweiterung erwerben muss. Ein neuer sehr gelungener Warsch!


  • Verlag: Schmidt Spiele
  • Autor(en): Wolfgang Warsch
  • Illustrator(en): Dennis Lohausen
  • Erscheinungsjahr: 2019
  • Spieleranzahl: 2 – 4 Spieler
  • Dauer: 60 Minuten

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