Revolution of 1828

Revolution of 1828 / Foto: Spieltroll

Revolution of 1828 ist der zweite 2-Spieler Titel in der bisher drei Spiele umfassenden kleinen Geschichtsreihe von Frosted Games. Diese Spiele sind allesamt auf Kennerspielniveau angesiedelt und versprechen durch ihre Aufmachung und die ausführlichen Informationen in der Anleitung zum Thema einen hohen geschichtlichen Informationsgehalt. Ich bin Fan solcher Spiele und befürworte ausdrücklich auch einen Einsatz von Spielen im Schulunterricht, um jungen Menschen solch komplexere Sachverhalte zu vermitteln. Deswegen hoffe ich das in Zukunft noch viel mehr Titel dieser Art erscheinen werden, die Themen behandeln, mit denen man spielerisch Wissen vermitteln kann. Zugegeben, das Thema von Revolution of 1828 ist jetzt nicht unbedingt etwas das im normalen Geschichtsunterricht vorkommt, aber die Ausrichtung des Spiels stimmt. Hier geht es nämlich um den amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf aus dem Jahre 1828.

Worum geht es ?

Die beiden Kontrahenten im Wahlkampf John Quincy Adams und Andrew Jackson kämpften in diesem zum ersten Mal mit der Presse im Rücken und somit mit allen Bandagen die sie nur finden konnten. Dieser Wahlkampf ging somit als erste Schmierenkampagne in die Geschichte ein und die Spieler erleben dieses Tauziehen um die meisten Stimmen am eigenen Leibe. In vier Durchgängen versuchen sie die meisten Stimmen zu ergattern und möglichst wenig Angriffsfläche für die Presse zu bieten, aber der Gegner hat da auch immer noch ein gehöriges Wörtchen mitzusprechen.

Revolution of 1828 – Spielaufbau / Foto: Spieltroll

Wie läuft das ab ?

Der Spielaufbau ist schnell erledigt. Das Spielbrett, das sieben farblich getrennte Bereiche zeigt wird mittig zwischen die Kontrahenten gelegt. Für sechs der Bereiche gibt es jeweils einen gleichfarbigen Meeple, der auf einen kleinen Punkt in den farblich entsprechenden Bereich gestellt wird. Danach werden sämtliche Wahlplättchen in den Beutel geworfen und gut durchgemischt. Der Startspieler zieht für die Bereiche mit Meeple jeweils drei der Wahlplättchen aus dem Beutel und platziert sie in den Bereichen. Der sogenannte Kampagnenbereich am Rand bleibt frei. Wo im Bereich welches Plättchen liegt ist für das Spiel unerheblich. Die Punktestimmplättchen werden ebenfalls für beide griffbereit in der Mitte bereitgelegt. Mehr gibt es im Vorfeld nicht zu tun.

Revolution of 1828 – Spielsituation / Foto: Spieltroll

Das ziehen der Plättchen ist bereits die erste Phase einer jeden Runde. Wir spielen insgesamt vier Runden. Die zweite Phase nennt sich Wahlkampf und in dieser bekommen die Spieler abwechselnd jeweils einen Zug. Das läuft solange, bis alle Plättchen vom Spielplan genommen worden sind. Dann endet die jeweilige Runde und die Stimmen werden gezählt. Jeder bekommt dementsprechend Punkte-/Stimmplättchen.

Revolution of 1828 – Wahlplättchen / Foto: Spieltroll

Klingt nicht besonders schwierig und das ist es auch nicht, das Salz in der Suppe sind natürlich die unterschiedlichen Wahlplättchen die da so ausliegen und alle verschiedene Fähigkeiten mitbringen, wenn man eine von ihnen auswählt. Zunächst aber noch einmal kurz zum Spielbrett und den farbigen Bereichen. Zu dem Zeitpunkt des Spielgeschehens haben die USA nur 22 Bundesstaaten und diese gliedert Revolution of 1828 in fünf farbige Bereiche (weiß, grün, blau, gelb und rot). Dazu gesellt sich ein schwarzer Bereich, der für die Presse reserviert ist, die ja in diesem Spiel besonderen Einfluss auf die Kampagnen hatte. Der Kampagnenbereich ist in einem Braunton gehalten und hier gibt es ja auch keinen Wahlmann zu ergattern, weshalb der Bereich auch in der Mitte durch einen Strich in zwei Bereich getrennt wird.

Revolution of 1828 – Schmierenkampagnen-Plättchen / Foto: Spieltroll

Die schon erwähnten Wahlplättchen gibt es jetzt ebenfalls in diesern insgesamt sieben Farben. 45 von ihnen sind in den fünf Farben der Bezirke mit jeweils dem Konterfeit eines Wahlmannes für die Region versehen. Für jeden Wahlbezirk gibt es also 9 von diesen Plättchen. Wählt ein Spieler ein solches Plättchen, so legt er es an seiner Seite des Brettes unterhalb des entsprechenden Wahlbezirks ab, um anzuzeigen wieviel Einfluß er in diesem Bezirk hat. Außerdem gibt es noch 9 schwarze Plättchen mit unterschiedlichen Bildchen daruf, die für die Schmierenkampagnen des Wahlkampfes stehen. Spieltechnisch sind diese Plättchen trotz der unterschiedlichen Illustrationen alle gleich, wer aber wissen möchte wofür diese Illustrationen stehen, kann im Regelheft Hintergrundinformationen finden. Sollte ein Spieler ein solches Plättchen nehmen, so ist dieses eine Art Joker mit sowohl einem postiven und eventuell einem negativen Effekt. Der Spieler darf das Plättchen als eines jeder Farbe benutzen und legt es dafür in einen der fünf farbigen Bereiche ab. Später zählt es so, als wäre es eines dieser Farbe. Nachdem das Ergebnis abgeräumt wurde wandern die schwarzen Plättchen allerdings alle in den schwarzen Pressebereich auf der Seite des Spielers. Nachdem die anderen Bereiche mit Stimmen belohnt wurden, wird der Pressebereich ausgezählt und wer hier mehr Plättchen hat und den Pressewahlmann auf seiner Seite stehen hat, muss entsprechend Stimmen an seinen Gegner abgeben, denn diese haben in der Öffentlichkeit großen Einfluß. Im Gegensatz zu den anderen Bereichen bleiben diese Plättchen auch bis zum Spielende in diesem Bereich liegen.

Revolution of 1828 – Kampagnenplättchen / Foto: Spieltroll

Von den braunen Plättchen gibt es insgesamt 24 Stück und auch diese gibt es mit unterschiedlichen Illustrationen. Sieben verschiedene Sorten mit unterschiedlichsten Fähigkeiten. Manche haben Soforteffekte, andere kann man für später im Zug aufheben und wieder andere blockieren einen Bezirk und man muss zuerst dieses plättchen aus einem Bezirk nehmen, bevor ein anderes genommen werden kann. Nachdem die Soforteffekte ausgeführt wurden, werden diese Plättchen in den Kampagnenbereich eines Spielers platziert und auch für diese bekommt man später eventuell Punkte.

Revolution of 1828 – Spielsituation / Foto: Spieltroll

Die Spieler wählen nun also abwechselnd jeweils ein Plättchen und platzieren es. Wann immer ein Spieler das letzte Plättchen eines der sechs Bereiche mit einem Wahlmannmeeple nimmt, so erhält er ebenfalls den Meeple und stellt ihn auf seine Seite des Brettes. Sofort erhält der Spieler einen weiteren Zug und nimmt ein weiteres Plättchen. Sollte er so die Chance auf ein weiteres letzten Plättchen haben, so kann er natürlich nehmen und erhält einen weiteren Zug, so sind Kettenreaktionen von Zügen möglich. Das macht Revolution of 1828 zu einer sehr taktischen Veranstaltung. Eine runde endet, wenn alle Plättchen aus der Mitte genommen wurden. Die sechs Wahlmänner stehen dann auch auf jeweils einer der beiden Seiten.

Revolution of 1828 – Rundenende mit gezählten Stimmen / Foto: Spieltroll

Nun werden noch die Stimmen ausgezählt und die Spieler erhalten entsprechend Punkteplättchen. Man beginnt mit dem Kampagnenbereich, indem einfach geschaut wird, wer von beiden mehr braune Plättchen hier liegen hat. Bei Gleichstand gibt es keine Stimmen ansonsten erhält derjenigen mit mehr Plättchen drei Stimmen. Dann sind die bunten Bezirke dran hier wird zunächst geschaut wer mehr Plättchen hat. Derjenige bekommt eine Stimme. Hat man Plättchen und der Gegner gar keine, so bekommt man sogar zwei Stimmen. Auch hier bekommt keiner Stimmen bei einem Gleichstand. Anschließend wird noch überprüft wer den Wahlmann hat, das muss ja nicht unbedingt derjenigen mit den meisten Plättchen sein. Kontrolliert man den Wahlmann, so erhällt man zusätzlich eine Stimme pro Plättchen auf seiner Seite. Es kann also sehr lukrativ sein einen Wahlmann zu kontrollieren. Nachdem diese sechs Bereiche durch sind werden bis auf die schwarzen Schmierenkampagneplättchen alle anderen zurück in die Schachtel gelegt. Die schwarzen Plättchen wandern dann, wie bereits oben erwähnt, in den Pressebereich und wer nun hier den Wahlmann/Redakteur kontrolliert, muss soviele Stimmen an seinen Gegner abgeben. Das kann speziell gegen Ende des Spiels sehr teuer werden.

Revolution of 1828 – Stimmenplättchen / Foto: Spieltroll

Nach vier gespielten Runden zählen die Spieler ihre gesammelten Stimmen aus und ermitteln den Gewinner des Wahlkampfs.

Das Fazit

Revolution of 1828 ist ein qualitativ hochwertig produziertes Spiel, dass in erster Linie durch tolles Material besticht. Die Plättchen und Marker sind sehr dick und fest. Auch die Optik finde ich für ein historisches Spiel sehr hübsch. Über das Spielerische scheiden sich die Geister und auch ich bin ein bißchen zwiegespalten. Ich spiele es tatsächlich zwischenzeitlich mal ganz gern, denn es ist kein sehr aufwenidig zu spielendes Spiel und damit meine ich nicht nur den Aufbau, nein auch beim Spielen muss man sich nicht allzu sehr anstrengen. Für viele Spieler (im besonderen Vielspieler) ist Revolution of 1828 wahrscheinlich fast ein wenig zu seicht und man könnte sich zu gespielt fühlen, da viele Entscheidungen welches Plättchen man als nächstes nehmen sollte klar auf der Hand liegen, wenn man an einem gewissen Punkt in einer Runde angekommen ist. Das dürfte vielen nicht gefallen. Aber so ab und zu finde ich sowas mal ganz nett zu spielen und da spricht mich Revolution of 1828 irgendwie an. Schnell mal eine Partie, die man mit geübten Spielern in deutlich unter einer halben Stunde absolvieren kann. Ich kann aber verstehen, warum gerade Vielspieler sich hier ein wenig von der Mechanik gegängelt fühlen oder zuwenige Möglichkeiten haben einen Gegenspieler auszumanövrieren.

Es gibt allerdings noch zwei Dinge die ich gegeneinander aufwiegen möchte und das sind einerseits Design und Funktionalität, sowie auf der anderen Seite der historische Lerneffekt. Ich denke nicht viele in anderen Ländern außerhalb der USA werden sich mit einem historisch relevanten Präsidentschaftswahlkampf in den USA auskennen. Von daher bieten Spiele, die ein Thema so schön aufbereiten für mich einen erkennbaren Mehrwert und ich wünsche mir viel mehr davon und das darf man hier vielleicht nicht vergessen, wenn man das Spielprinzip sieht. Gerade Spieler, die nicht viel Spielen, haben hier einen leichten Einstieg und werden sich schnell zurechtfinden. Sie müssen an bestimmten Stellen ein wenig überlegen oder werden schnell verstehen, warum es eine schlechte Entscheidung war, ein bestimmtes Plättchen zu nehmen. Vielspieler kennen sowas natürlich zur Genüge und für die ist es ein alter Hut. Das große Manko von Revolution of 1828 bleibt für mich aber die Funktionalität der Kampagnenplättchen. So hübsch sie auch aussehen, sie sind nicht funktional, gerade im Hinblick auf Spieler die solche Spieler sonst eher nicht spielen. Ständig muss man in die Anleitung schauen, wofür welches der Bilder auf den Plättchen steht, weil es nicht sofort ersichtlich ist, sondern sich wahrscheinlich erst nach unzähligen Partien einstellt. Hier wären Abbildungen besser gewesen, die einem Verraten was das Plättchen eigentlich bewirkt.

Trotzdem finde ich Revolution of 1828 gelungen und würde jederzeit eine Partie spielen wollen. Nicht das beste Spiel von Stefan Feld aber in meinen Augen ein doch gelungenes.


  • Verlag: Frosted Games, Pegasus Spiele
  • Autor(en): Stefan Feld
  • Illustrator(en): Alexander Jung
  • Erscheinungsjahr: 2019
  • Spieleranzahl: 2 Spieler
  • Dauer: 30 Minuten

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