Spielejahrgang 1997 – Spieledepression ?

Etwas länger ruhig gewesen in dieser kleinen Serie von Spielegedanken zu den Spielejahrgängen der Vergangenheit. Andere Dinge hatten einfach vorrang. Jetzt geht es aber wieder frisch ans Werk oder vielleicht sage ich lieber nicht frisch, denn der Zeitraum nach der Eurogame Invasion 1995/96 mit Catan ist ein spielerisch eher bescheidener. Fast so, als hätte sich soetwas wie eine Art Depression breitgemacht. Eine Spieledepression. Aller Orten wurde eigentlich nur gesiedelt oder Magic gespielt. Diverse Erweiterungen für Catan kamen recht schnell auf den Markt und hielten das Spiel auch für eine große Masse an Spielern interessant. 1996-1998 waren eher schlechte Spielejahrgänge, wie ich hier mit 1997, hoffe ich, beweisen möchte. Natürlich gibt es in jedem Jahr auch Perlen, keine Frage, aber das Groß der Spiele war doch eher bescheiden.

Natürlich geht so ein Rückblick für mich auch nicht, ohne mich mit meiner persönlichen spielerischen Geschichte auseinanderzusetzen. Leider muss ich sagen, waren die Jahre 95 bis 97 einige der schwierigsten in meinem Leben überhaupt, so dass sich mir aufdrängt, das es vielleicht ja auch an mir liegen könnte, dass ich diese Jahre als weniger gute Spielejahrgänge empfinde. Das Leben entschied sich mich in dieser Zeit auf eine Probe zu stellen, mit der ich nicht gut klar kam. Einer meiner besten Freunde starb bei einem Autounfall unzwar auf dem Weg zu mir. Das warf mich für einige Zeit komplett aus der Bahn und viele andere Dinge gewannen die Oberhand. Schule lief nicht mehr, Panikattacken und solche Dinge waren in dieser Zeit lebensbestimmend. Heutzutage bin ich drüberweg, aber damals… Das einzige was ich zu dieser Zeit sehr häufig spielte war Magic, alles andere nur sporadisch, wenn sich irgendwo eine Gelegenheit ergab. Eigentlich wollte ich schon von der Schule abgehen und das Abi schmeißen, weil es mir eh nicht so gut ging. Die Schule ging mir tierisch auf den Sack, aber 1997 habe ich es dann mit Hängen und Würgen doch geschafft. 1997 bleibt mir persönlich also immer als das Jahr meines Abiturs in Erinnerung. Ein paar Spiele aus diesem Jahrgang habe ich aber trotzdem bis heute, auch wenn sie nicht so oft auf den Tisch kommen.

Wie ich schon oben kurz angedeutet habe, ging es 1997 bei mir hauptsächlich um Magic und einige andere Sammelkartenspiele, die zu dieser Zeit einfach der große Hit waren. Vielleicht ist auch das ein Grund dafür, dass es so wenig gute Spiele zu dieser Zeit gab, weil alle den Riesenerfolg der Sammelkartenspiele sahen und sich dachten, wir müssen etwas ähnliches entwickeln. Klappte aber in den meisten Fällen nicht. Queengames hatte mit dem Herr der Ringe-Sammelkartenspiel für uns Fans ein tolles Spiel am Start, mit dem ich damals tatsächlich über Ebay sogar Geld verdient habe. Das Spiel war bei einem kleinen Spielerkreis sehr beliebt, aber im Mainstream kam es nicht an.

Schauen wir mal zuerst auf Boardgamegeek.com nach, welche zehn Spiele sich aus 1997 am höchsten platzieren konnten:

  1. Euphrat & Tigris
  2. For Sale
  3. Bohnanza
  4. Ursuppe
  5. Colossal Arena
  6. Löwenherz
  7. Land Unter
  8. Quoridor
  9. Arriba! (Jungle Speed)
  10. Njet!

Uiuiui, da hauen wir ja richtig in die vollen nicht wahr? Euphrat & Tigris kenne ich und habe ich meine ich seinerzeit auch irgendwo schonmal gespielt, aber hängen geblieben ist irgendwie nicht viel. Wenn man sich mit Rainer Knizia beschäftigt, kommt man aber an diesem Spiel nicht vorbei, denn viele Spieler halten es für eines seiner besten. Ich aber nicht. For Sale ist dann eines dieser Spiele, dass ich leider noch nie selbst gespielt habe und mich da besser raushalte. Viele finden es aber ganz toll und wenn sich die Gelegenheit ergibt, werde ich es mal ausprobieren. Erwähnen muss man es noch, weil es von Stefan Dorra ist, der in dieser Liste von Boardgamegeek gleich dreimal vertreten ist. Zum dritten Spiel braucht man dann glaube ich nicht mehr allzu viel zu erzählen, wer möchte kann sich hierzu gerne mal mein Bohnanza Klassiker Review durchlesen. Uwe Rosenberg mit einem tollen Spiel, das seitdem immer noch mit Erweiterungen und anderen Versionen gefüttert wird und auch bei uns besonders in der Urlaubszeit immer gerne auf den Tisch kommt. Ursuppe ist ein weiterer durchaus bekannter Titel aus dieser Zeit. Ich kann mich an viel Zeitungswerbung erinnern, in der das Spiel beworben wurde. Außerdem dachte ich damals immer das es ein echt häßliches Spiel ist, dass sich mit einem unattraktiven Thema (Amöben) beschäftigt. Leider habe ich Ursuppe nie gespielt. Colossal Arena sagt mir dann tatsächlich überhaupt gar nichts. Löwenherz von Klaus Teuber habe ich sogar mal selbst besessen. Aber ich glaube ich habe es damals blind gekauft, weil es von Klaus Teuber ist. Leider fand ich es nie so gut, dass es sich lange in meiner Sammlung halten konnte. Land unter ist dann eher ein Kinderspiel von Stefan Dorra und auch Arriba! bringe ich eher mit einem Kinderspiel in Verbindung. Beide habe ich nie gespielt. Zu guter letzt wäre da noch Njet!, das dritte Spiel von Stefan Dorra, welches ein durchaus lustiges Stichspiel ist, dass mich vor allem durch seine Optik begeistern konnte.

Abseits dieser zehn Spiele gibt es für mich persönlich noch drei weitere Spiele, die ich erwähnen muss. Metro von Queen Games, dass ein schönes Familienspiel mit nicht zu hohem Anspruch ist, dass aber auch Vielspielern Spaß bringt, sowie Caesar & Cleopatra aus der Kosmos 2 Spielerreihe, dass ich auch für ein gutes Spiel halt, sowie muss auch Mississippi Queen erwähnt werden, dass ich höher platziert erwartet hätte.

Beim größten/bekanntesten Spielpreis der Welt, dem Spiel des Jahres, sind wie gewohnt ein paar andere Vertreter am Start. 1997 gibt es den Preis für das Kennerspiel noch nicht, und auch Nominierte werden nicht extra hervorgehoben, alle weiteren Spiele stehen hingegen auf der Empfehlungsliste. Der Preisträger 1997 ist das schon erwähnte Mississippi Queen, dass sich gegen fünf andere Titel durchsetzt und den Preis tatsächlich zurecht trägt, auch wenn man aus der heutigen Sicht sagen muss, dass es eher ein durchschnittliches Spiel ist. Aber die Konkurrenz war nicht besser. Empfohlen wurden Visionary von Schmidt Spiele, das man mit den neuen Team 3 Spielen vergleichen kann. Hier gab es zwei Teams bei denen jeweils einer mit Augenbinde etwas bauen musste, was ihm das Team erklären musste. Natürlich nicht das gleiche wie Team 3, aber ähnlich. Showmanager und Expedition waren dann genauso auf der Empfehlungsliste, wie auch das schon erwähnte Teuberspiel Löwenherz und das kleine Kartenspiel Manitou, dass ich sogar auch besaß. Löwenherz finde ich bis heute nicht besonders gut und auch das Manitou war nur ein eher mittelprächtiges Kartenspiel. Beim Spiel des Jahres Preis 1997 wird die Lage noch viel deutlicher und Mississippi Queen trägt hier den Preis wirklich zurecht, denn das Spiel habe ich tatsächlich mit Abstand auch am meisten von allen Neuen aus diesem Jahr gespielt.

Der Deutsche Spielepreis ist 1997 auch noch fest in der Hand der Familienspiele. Heutzutage ist der Preis eher in die Kennerecke gerückt, da man sich in der Mitte zwischen Kinder/Familien- und Expertenspielen trifft. In den Top Ten finden wir zeimlich viele genannte Titel wieder. Hier liegt allerdings Löwenherz vorn und gewinnt den Preis. Das war seinerzeit auch der Kaufimpuls für das Spiel von Klaus Teuber. Nach dem Motto: „Kann ja nicht schlecht sein!“ Ist es auch nicht, aber gut ist es eben auch nicht. Auf Platz zwei haben wir dann etwas noch nicht Genanntes, das Catan Kartenspiel für zwei Spieler, was in meinen Augen auch eines der besten Spiele aus dieser Zeit ist. Die nächsten Plätze sind dann mit Showmanager, Mississippi Queen und Bohnanza wieder bekannt. Bohnanza kam für den Spiel des Jahres Preis einfach zu spät und ging erst in den nächsten Jahrgang mit in die Bewertung. Auf Platz 8 finden wir Expedition und auf 10 Manitou wieder. Dazwischen gibt es noch Serenissima, eines der besseren Handelsspiele aus der Zeit und das bei Kindern sehr beliebte „Der zerstreute Pharao“, das sich für Ravensburger wahrscheinlich seinerzeit sehr gelohnt haben dürfte. Gefühlt stand das in jedem Geschäft seinerzeit rum und war der Seller vor dem Herrn. Es wird immer weider neu aufgelegt und ist bis heute im Protfolio von Ravensburger zu finden.

Welche Spiele aus diesem Jahr sollte man nun also zu den historisch relevanten Spielen rechnen. Rein Spielmechanisch gab es erstmal nichts wirklich innovatives. Bohnanza ist hier wahrscheinlich am ehesten zu nennen, denn die Mechanik mit Karten auf der Hand, deren Spielreihenfolge man aber nicht verändern darf, ist wahrscheinlich noch das bemerkensweteste. Tristesse, oder wie ich am Anfang schon schrieb, Depression herrschen in diesem Jahr vor. Woran es nun genau lag, kann ich nicht sagen, ich bin mir aber ziemlich sicher, dass meine Wahrnehmung dieses Jahrgangs nicht der Grund dafür ist, dass es wenig gute Titel gab. Es gab wirklich wenig gute Titel in diesem Jahrgang und auf die Jahre 1996 und 1998 trifft das genauso zu. Erst 1999 hatte diese Depression ein Ende und zahlreiche Spiele mit wiederum neuen Konzepten zeigten sich am Markt. Fast schon könnte man denken, dass Catan und Co. der Welt gezeigt haben, wie man auch spielen kann und danach haben sich überall Autoren und Erfinder hingesetzt und sich neue und innovative Spiele überlegt, die dann auf die Welt losgelassen wurden. In der Zwischenzeit saßen alle nur und tüftelten und ein paar Dürrejahre waren die Folge.

Meiner Meinung nach gehören in eine gute Ludothek aus dem Jahr 1997 nur ein paar Titel hinein. Bohnanza gehört auf jeden Fall dazu. Auch das Siedler Kartenspiel für 2 Spieler als das bessere Catan würde ich nicht missen wollen. Letzters spielt sich auch heutzutage noch recht gut, nicht so wie der große Vertreter an dem der Zahn der Zeit seine Spuren hinterlassen hat. Als drittes würde ich dann schon das Spiel des Jahres Mississippi Queen wählen, aber auch nur, weil wirklich nicht viel Gutes im Jahr 1997 zu verorten ist.

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