Ecos – Der erste Kontinent

Ecos – Der Erste Kontinent / Foto: Spieltroll

John D Clair ist ein Spieleautor, den ich mir immer gerne anschaue, denn seit ein paar Jahren gehört er fest zu meinem Spielekosmos. Eines der Spiele, die bei uns sehr regelmäßig auf den Tisch kommen und das ich inzwischen auch als App auf dem Smartphone gegen Computergegner spielen kann, ist Mystic Vale. Ein Spiel bei dem er etwas total neues versucht hat, das Card-Crafting, und damit bei meiner Frau und mir ins Schwarze traf. Mit Ecos geht er diesmal aber einen anderen Weg. Er holt einen ziemlich alten Mechanismus aus der Versenkung hervor und strickt ein modernes Spiel drumherum. Die Rede ist von Bingo, ja richtig gelesen Bingo, aber bitte nicht gleich weitergehen, ihr könntet etwas verpassen. John D Clair versucht mit Ecos – Der Erste Kontinent diesem angestaubten Spielprinzip neues Leben einzuhauchen und nicht nur in meinen Augen schafft er das ziemlich gut.

Worum geht es ?

In Ecos – Der Erste Kontinent verkörpern die Spieler Naturgewalten, die eine neue Welt erschaffen. Dazu bedienen sich sich ihrer Kräfte und dürfen diese, nachdem sie vollständig „aufgeladen“ sind einsetzen, um neue Dinge in die Welt zu bringen. Dazu gehören Steppe, Wald, Wasser oder Berge und Bäume, sowie jede Menge verschiedene Tiere. Dafür bekommen die Spieler dann auch Punkte und wer von ihnen zuerst die vorher festgelegte Punktegrenze erreicht, gewinnt. Die Kräfte werden dabei durch aus einem Beutel gezogene Steine mit Symbolen aufgeladen und die Spieler können mit kleinen Steinchen die entsprechenden Symbole auf ihren Kraftkarten abdecken. Sollten sämtliche Symbole einer Karte abgedeckt sein, so kann er sie benutzen.

Ecos – Der Erste Kontinent / Foto: Spieltroll

Wie läuft das ab ?

Ecos verfügt über jede Menge hübsches Material und verschiedene Möglichkeiten das Spiel zu beginnen. Für den Anfang erläutere ich mal das Spiel, so wie es uns die Anleitung näher bringt. In der Tischmitte wird für den Start ein kleines Gebiet aus den Hexfeldern gebaut. Es gibt zwei Sorten, ein Wasserplättchen und ein Landplättchen mit zwei verschiedenen Seiten. Hier kann man sich frei entfalten, wie man diese Felder in einer Gruppe zusammenbaut. Das gesamte Spielmaterial wird irgendwo in der Nähe für alle zugänglich aufgebaut. Dazu gehören die Hexplättchen, Holzberge und -bäume, sowie Tierplättchen und eine Box mit kleinen cremefarbenen Holzwürfeln. Die Punkteleiste wird ebenfalls sichtbar für alle aufgebaut und jeder Spieler stellt einen farbigen Holzwürfel in seiner Farbe auf das Startfeld.

Ecos – Elementmarker / Foto: Spieltroll

Die Spieler bekommen zum Start jeder sieben von den cremefarbenen Holzwürfeln und ein Startkärtchen in ihrer Farbe. Dazu gesellen sich noch ihre Handkarten, die wir für das erste Spiel gleich mal vorsortiert benutzen sollen. Denn John D Clair hat sich da schonmal was ausgedacht. Es gibt zwei Sorten Karten, die eine hat eine blau-gräuliche Rückseite und die andere ein rot-bräunliche. Es gibt vorsortierte Sets mit Fussabdrücken von Tieren und abgebildeten Pflanzen. Für das erste Spiel sollen wir die Tiersets nehmen und jeder Spieler wählt eines der Sets. jeweils drei Fussabdrücke sind dann auch noch ein wenig dunkler als der Rest und diese drei Karten legen die Spieler jeweils vor sich als Startkarten aus. Der Rest bildet ihre Handkarten. Zu den Karten generell gleich mehr.

Ecos Elementmarkerbeutel / Foto: Spieltroll

Als letztes werden die 40 tollaussehenden Elementmarker in den Beutel getan und gut vermischt. Der jüngste Spieler wird zum Startspieler und hat das recht der Vorbote zu sein. So nennt das Spiel den Spieler der gerade aktiv die Elementmarker aus dem Beutel zieht. Das tut dieser solange, bis er einen von zwei im Beutel befindlichen Jokersteinen zieht. Dieser wird dann noch abgehandelt und anschließend werden alle bisher gezogenen Steine wieder in den Beutel zurückgeworfen und der Beutel wandert im Uhrzeigersinn an den nächsten Spieler, der nun der neue Vorbote ist.

Der Spielverlauf sieht nun so aus, dass der Vorbote einen Elementmarker aus dem Beutel zieht ihn vor sich auf den Tisch legt und ansagt, was er gezogen hat und alle Spieler, inklusive ihm selbst, einen ihrer Holzwürfel auf ein entsprechendes Symbol auf einer ihrer ausliegenden Karten legen und das Symbol somit verdecken. Wenn man kein solches Symbol auf seinen Karten hat, so dreht man sein Startkärtchen um 90 Grad im Uhrzeigersinn weiter. Auch zu diesem gleich mehr. Hat jemand eine Karte komplett mit Holzwürfeln gefüllt, so ruft er „ECOS!“ und bevor der Vorbote weitere Elementarmarker aus dem Beutel zieht werden alle Spieler die „ECOS!“ gerufen haben der Reihe nach abgearbeitet. Sie Spielen nämlich dann ihre Karte und lösen alle Effekte dieser Karte von oben nach unten aus. In der Regel verändern sie damit das Spielfeld oder bekommen Punkte. Das passiert solange, bis irgendeiner der Spieler die gesetzte Punktegrenze von 80 Punkten für ein Spiel erreicht.

Ecos – Startplättchen / Foto: Spieltroll

Die beiden wesentlichen Bestandteile mit denen die Spieler die ganze Zeit aggieren müssen sind ihre Karten und das Startplättchen. Das Startplättchen ist immer dann wichtig wenn man keinen Würfel auf seine Karten setzen kann. Es ist also so eine Art Ausweichaktion. Das Startplättchen führt in seiner Mitte auf wieviele Elementarmarker von jeder Sorte es im Beutel gibt. Drumherum sind an den Kanten Aktionsmöglichkeiten angegeben, die man auslösen kann, wenn man diese nach oben gedreht hat. Nach einer Drehung passiert noch nichts, aber nach zwei Drehungen darf man eine neue Karte von einem der Stapel ziehen und auf die Hand nehmen oder man wartet noch ab und darf nach der dritten Drehung einen weiteren Holzwürfel bekommen oder eine Karte von der Hand vor sich ausspielen. In beiden Fällen wird die Karte wieder auf Start gedreht. Das ist (fast) die einzige Möglichkeit neue Karten auszuspielen. So stellt Ecos aber auch sicher, das ein Spieler immer etwas tun kann.

Ecos – Spielkarten / Foto: Spieltroll

Kommen wir nun zu den Karten. Auf ihnen gibt es jede Menge Karteneffekte die wir wenn alle Symbole abgedeckt sind ausführen müssen. Manche Karten haben nur einen einzigen Effekt und manche eine ganze Reihe. Natürlich sind Karten mit vielen und/oder starken Fähigkeiten entsprechend teurer. Eine Karte kann zum Beispiel nur dazu dienen ein anderes Element zu liefern, oder aber sie bringt ein neues Landplättchen ins Spiel, dann darf man zwei unterschiedliche Tierplättchen auf benachbarten Feldern ins Spiel bringen, bekommt drei weitere Elemente und man bekommt für jeden Baum auf angrenzenden Feldern 2 Punkte. So eine Karte gibt es wahrscheinlich nicht, aber so ähnliche Karten mit vielen Effekten gibt es durchaus. Wann immer man eine Karte benutzt hat wird sie wie die Startkarte auch um 90 Grad gedreht. Jede Karte verfügt über Aufladungen. Diese werden durch Blätter an den vier Kanten dargestellt und wenn man die Karte auf eine leere beziehungsweise wieder auf vier Blätter drehen würde, kommt sie ganz aus dem Spiel. Auf jeden Fall räumt das benutzen alle Holzwürfel von der Karte und sie kann wenn sie im Spiel bleibt neu befüllt werden.

Ecos – Startkarten / Foto: Spieltroll

Die Karten sind derartig vielfältig, dass man in den ersten Partien erstmal völlig erstaunt davor sitzt, wenn jemand am Tisch eine besonders starke Karte ausführt. Das ist wahrscheinlich auch der einzige Kritikpunkt den ich habe. Die Karten sind so kleinteilig und schlecht lesbar bei den Gegenspielern, dass man den Überblick verliert und bestimmte starke Aktionen nicht verhindert, weil man es nicht bemerkt hat. Ansonsten macht es einfach wirklich Spaß den Kontinent immer mehr wachsen zu sehen und sich aus dem nichts eine Welt mit Landschaft und Tieren entwickelt. Mehr steckt auch gar nicht hinter dem Spiel. Man fährt erstmal sehr gut damit sich auf seine eigenen Karten zu konzentrieren und die Aktionen und Synergien der Karten aus dem Set zu verstehen. Neben den Tierpfotensets, gibt es auch noch Pflanzensets und das eigentliche Spiel, so wie man es spiel, wenn man geübter ist und schon versteht was es alles an Aktionen geben kann, spielt sich mit einem Kartendraft vorweg. Jeder bekommt eine Menge Karten auf die Hand, sucht sich eine aus und gibt sie dann reihum weiter usw.

Ecos Spielsituation / Foto: Spieltroll

Das Fazit

Ich spring gleichmal zum Fazit, denn das fällt bestimmt ein wenig länger aus. Ecos – Der Erste Kontinent ist fantastisch und das in nahezu jeder Hinsicht! Ich weiss gar nicht so recht wo ich anfangen soll, aber Ecos ist ein Spiel das bei mir offene Tore einrennt. Das Spielprinzip das John D Clair sich hier erdacht hat ist so wundervoll einfach und recycled das Bingoprinzip auf so tolle Weise, dass es irgendwie schon seltsam anmutet, dass das in der Vergangenheit nicht schon viel öfter passiert ist. Das Spiel ist dann aber keinesfalls seicht und bietet keinen Wiederspielreiz. Mit Nichten, Ecos ist ein Spiel, in dem man besser wird, je öfter man es spielt, weil man die Synergien auf den Karten versteht und wie man sie einsetzen kann, ja muss um mit anderen Karten möglichst viele Punkte zu erspielen. Jeder kann Ecos spielen, weil das Prinzip simpel ist, aber gut zu spielen bedarf es Übung. Das gilt im kleinen tatsächlich schon für die vorerdachten Sets mit denen man sich zu Beginn das Spiel beibringt, aber richtig los geht das erst mit den gedrafteten Karten vorweg. Wenn man sich die richtigen Sachen zusammensucht, mit denen man schnell und Effektiv viele Punkte machen kann, denn man darf nicht vergessen, Ecos ist ein Rennen. Wer zuerst die Punkte erreicht und schnell ist gewinnt das Spiel.

Alles scheint an diesem Spiel richtig erdacht worden zu sein. Man muss auf viele kleine Dinge achten, neben den Karteneffekten, auch auf die Verteilung der Elemente. Die Karten müssen gut spielbar sein, oder wie oft man einen Effekt auf der Karte ausführen kann. Auch das Startkärtchen ist gut erdacht, weil es in der Regel die einzige Möglichkeit darstellt neue Karten ins Spiel zu bringen und ich sie dazu dreimal drehen muss.

Ecos Würfelkiste / Foto: Spieltroll

Nicht nur der Spielverlauf auch die Optik und das Material sind spitze. Das Cover ist wunderschön und das Material hat zwar ein paar kleine Schönheitsfehler, ist aber auch bis hinzu kleinen Details wohl durchdacht. Das fängt schon mit den Hexfeldern an. Die beiden Sorten unterscheiden sich nicht nur optisch, nein, auch in der Dicke sind sie verschieden, so dass sich die Landmasse im Spiel ein wenig über das Wasser erhebt. Ein kleines aber sehr feines Detail. Die Berge und Bäume sehen gut aus und auch die Tierplättchen sehen super aus. Leider sind sie fast ein wenig zu klein, dass man die Habitate in denen sie vorkommen kaum sehen kann. Zusätzlich, und das finde ich sollte ein Beispiel für alle anderen Spieleschaffenden da draußen sein, spendiert AEG Ecos Materialtrays aus Pappe mit Deckeln, die man ausgestanzt zusammenbauen muss und dann im Spiel als Aufbewahrung für die Holzwürfel und die Tierplättchen dienen. Absolut großartig – Ein dickes Extralob dafür!

Ecos Tierplättchen in Aufbewahrung / Foto: Spieltroll

Ecos – Der Erste Kontinent is sicher kein Spiel für jeden, aber eins das jeder immer mitspielen kann, weil es einfach zu erlernen ist. Ich hätte vorher nicht gedacht, dass man aus Bingo noch soviel rausholen kann. John D Clair beweist mir das Gegenteil und hat mit Ecos ein weiteres Spiel erschaffen das es etwas länger in meiner Sammlung aushalten wird. Ich kann es nur jedem empfehlen, der sich gerne mit einem simplen Spielprinzip und reichlicher Spieltiefe über mehrere Partien ein Spiel erschließen möchte. Sicherlich nichts für Hardcorestrategen und Expertenspieler bei denen jeder Zug sitzen muss, aber definitv auszeichnugswürdig und deswegen gibt es auch mein Prädikat.


  • Verlag: AEG
  • Autor(en): John D Clair
  • Illustrator(en): Sabrina Miramon, Matt Paquette
  • Erscheinungsjahr: 2019
  • Spieleranzahl: 2-6 Spieler
  • Dauer: 45-75 Minuten

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