Tiny Towns

Tiny Towns / Foto: Spieltroll

Inzwischen habe ich in diversen Vorschauen schon des öfteren auf Tiny Towns hingewiesen und sogar die Behauptung aufgestellt, dass es im nächsten Jahr den Preis für das Spiel des Jahres gewinnen könnte, oder zumindest nominiert wird, wenn noch etwas anderes am Horizont auftaucht. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich es aber noch nichtmal selbst gespielt, sondern nur die Regeln gelesen und anderen Leuten dabei zugesehen, wie sie mit Prototypen gespielt haben. Ich möchte vorwegnehmen, dass sich meine Meinung mit dieser Review nicht ändern wird und ich nach wie vor daran glaube, dass es bisher der heißeste Kandidat für diesen Preis ist. Peter McPherson ist dabei ein völlig neuer Autor, der meines Wissens nach zuvor kein Spiel veröffentlicht hat. Tiny Towns ist ein genial einfaches Puzzlespiel, das aus einer sehr minimalistischen Idee eine ganze Menge herausholt.

Worum geht es?

Tiny Towns hat natürlich auch eine Hintergrundgeschichte und die erinnert ein wenig an Everdell, denn auch hier leben Tiere im Einklang miteinander in kleinen Städten. Bei Everdell findet das ganze in kleinen Behausungen im Wald statt, hier wird es sozusagen vermenschlicht und die Tiere leben in menschlichen Behausungen. Das ist aber nur nebensächlich, denn in Tiny Towns geht es eigentlich um ein Puzzle. Die Spieler müssen versuchen auf einem sechzehn Felder großen Raster eine Stadt mit verschiedenen Gebäuden über den Verlauf des Spiels zu errichten. Jede Runde erhalten sie dafür einen von fünf Rohstoffen und können wenn sie gut planen so viele Punkte machen.

Tiny Towns Spielmaterial / Foto: Spieltroll

Wie läuft das ab?

Das Spielprinzip von Tiny Towns ist wirklich genial einfach. So genial, dass ich mich tatsächlich Frage, warum das noch keiner so umgesetzt hat, oder warum mir das nicht bekannt ist. Das Spielmaterial das aus jeder Menge verschiedenen schönen Holzspielsteinen besteht wird in der Tischmitte ausgebreitet und bereitgelegt. Die Mitspieler erhalten jeder ein kleines Tableau, dass aus sechzehn Quadraten besteht auf dem man im Verlauf des Spiels seine Stadt baut. Zusätzlich bekommt jeder von ihnen noch einen rosa Turm, sein Monument. Als letztes werden noch die Karten für das Spiel vorbereitet. Insgesamt gibt es acht verschiedene Gebäudetypen, die man bauen kann. Das Spiel liefert mit Ausnahme des Landhauses für jeden Typ mindestens drei verschiedene Versionen. speziell von den Monumenten gibt es besonders viele. Das Landhaus spielt in jeder Partie mit und ist soetwas wie das Standard-Wohnhaus in einer Stadt. Aus den restlichen Gebäudetypen, mit Ausnahme der Monumente suchen sich die Spieler ein Set zusammen, mit dem sie gerne spielen möchten, so dass für jeden Gebäudetyp genau eine Karte offen ausliegt. Diese Karten unterscheiden sich in der Bauanordnung der Ressourcen und durch verschiedene Fähigkeiten, die meistens irgendwie mit dem Punkten zu tun haben.

Tiny Towns Monumentkarten / Foto: Spieltroll

Die ganzen Monumentkarten werden dann aber gemischt und an jeden Spieler verdeckt zwei Karten ausgeteilt. Die Spieler schauen sich die Karten an und suchen sich dann eine davon aus, die sie behalten möchten. Diese können sie im Spielverlauf in ihrer Stadt errichten.

Mehr ist beim Spielaufbau gar nicht zu tun. Das Spiel bietet den Spielern noch zwei Varianten an, in der man die Ressourcen unters Volk bringt. Die eine ist die normale Grundspielvariante, in der man von einem weiteren Ressourcenkartenstapel jede Runde eine Karte aufdeckt und die Spieler die angezeigte Ressource erhalten. Diese Variante ist mit jüngeren Spielern zu empfehlen, da sie weniger taktisch ist. Dafür ist die andere dann auch ein wenig fordernder, denn hier wird ein Startspieler bestimmt und derjenige benennt einfach eine der fünf Ressourcen des Spiels und alle Mitspieler müssen diese Ressource dann verbauen. Anschließend ist der nächste Spieler dran und wählt aus und so weiter und so fort.

Tiny Towns Spielsituation / Foto: Spieltroll

Jetzt hat man eine Ressource in der Hand und muss sie nun auch noch irgendwo auf seinem Tableau platzieren. Will heißen, man setzt sie in eines der Quadrate. Dies macht man dann so lange so weiter, bis man die Ressourcen in der richtigen Anordnung auf seinem Tableau liegen hat, um eines der ausliegenden Gebäude bauen zu können, die man in dieser Partie errichten darf. Das Muster der Ressourcen muss also mit dem Muster auf der Karte übereinstimmen, dabei ist es egal, ob es gedreht oder gespiegelt ist. Sind alle Ressourcensteinchen auf den richtigen Positionen, so baut man auf einem dieser Felder das finale Gebäude. Völlig egal auf welchem Quadrat. Die Ressourcen werden entfernt und auf einem der Felder wird der entsprechende Gebäudespielstein eingesetzt.

Tiny Towns Spielsituation / Foto: Spieltroll

Tiny Towns wird dann solange weitergespielt bis beim letzen Spieler alle Felder auf dem Tableau von Gebäuden oder Ressourcen bedeckt sind. Das kann durchaus bedeuten, dass jemand der nicht so gut geplant hat schon etwas früher ausscheidet, was aber nicht schlimm ist, da die Spielzeit insgesamt recht kurz ist.

Am Ende werden dann die Punkte der Gebäude gezählt auf die man natürlich schon hinbauen sollte. Das Landhaus zum Beispiel, dass ja in jeder Partie mitspielt, bringt einem zum Beispiel 3 Punkte ein, wenn es versorgt wird. Versorgt wird es in der Regel durch das rote Gebäude, welches aber unterschiedliche Regeln haben kann, wie es gebaut werden muss, manchmal versorgt es alle orthogonal anliegenden Landhäuser, manchmal reicht es wenn die Landhäuser mit ihm über Ketten von Landhäusern verbunden sind usw. Hier ist durchaus auch Spielraum für eigene Ideen oder zukünftige Erweiterungen. Die Punkte werden am Ende auf einem Block zusammengerechnet. Nicht verbaute Ressourcen werden entfernt und jedes freie Feld zählt in der Endabrechnung einen Minuspunkt. Wer die meisten Punkte hat gewinnt natürlich.

Tiny Towns Landhaus / Foto: Spieltroll

Das Fazit

Wie? Das war es schon? Japp! Mehr ist es nicht und das reicht auch völlig. Tiny Towns ist in 5 Minuten erklärt und in zwanzig bis dreißig Minuten gespielt. Ressource sagen, einbauen, eventuell Gebäude bauen und weiter. alle Spielen gleichzeitig, es gibt keine Downtime, außer ein Spieler muss lange nachdenken, aber so schwierig ist es vordergründig erstmal nicht. Wer es zufälliger und nicht so taktisch mag, der sollte mit den Ressourcenkarten spielen, denn gerade in Partien mit mehr als vier Spielern kann es schon hakelig werden, wenn man nur Ressourcen bekommt, die einem nicht in den Kram passen. Aber im Grunde bauen ja alle die gleichen Gebäude und haben ähnliche Pläne. Das einzige was unterschiedlich ist, ist das ausgewählte Monument, dass man irgendwie unterbringen sollte. In den meisten Fällen bringt es nämlich Sondersiegbedingungen oder eine gute Punktzahl für die Schlussrechnung.

Ich würde es eher in kleineren Runden von drei bis vier Spielern bevorzugen, aber auch zu zweit ist es ein schönes Spiel. Die Solovariante habe ich nicht ausprobiert. Die Spielzeit ist mit 45-60 Minuten angegeben und das ist sehr großzügig bemessen. Zu zweit brauchen wir kaum mehr als 20 Minuten für eine Partie.

Tiny Towns Monumente / Foto: Spieltroll

Das System von Peter McPherson ist wirklich so einfach wie genial, so dass man sich wirklich fragt, warum es das so noch nicht gab. Das macht Tiny Towns in meinen Augen zu dem idealen Gateway Game. Die Spieler sitzen nicht zwischen den Zügen der anderen Spieler rum, nein, sie agieren alle gleichzeitig. Mit dem tetrisartigen Puzzle können die meisten Spieler auch noch auf den ersten Blick etwas anfangen und das Material ist dazu auch noch großartig. Man braucht ja gar nicht soviel Material, aber die Gebäude haben sie wunderschön hinbekommen. Die Farben und Formen sind gut gewählt. Die Spielertableaus sind zweckmäßig und die Illustrationen auf den Gebäudekarten sind sehr gelungen. Tiny Towns trifft genau den richtigen Punkt, der auch Vielspieler, wie mich, nicht abschreckt und Spieler die selten bis gar nicht spielen an den tisch holen könnte. Ein ideales Familienspiel, was mich wieder zum roten Pöppel der Spiel-des-Jahres-Jury zurückbringt. Ich bleibe dabei, wenn nichts anderes am Horizont auftaucht mein bisheriger Toppfavorit.


  • Verlag: AEG, Pegasus Spiele
  • Autor(en): Peter McPherson
  • Illustrator(en): Matt Paquette
  • Erscheinungsjahr: 2019
  • Spieleranzahl: 1 – 6 Spieler
  • Dauer: 30-45 Minuten

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