Pharaon

Pharaon / Foto: Spieltroll

Kurz vor der Spiel 19 in Essen bin ich letztes Jahr auf das Spiel Pharaon gestossen, dass sich für mich so interessant anhörte, dass ich mir gleich ein Exemplar in Essen sichern wollte. Das war tatsächlich auch überhaupt kein Problem, denn anscheinend war ich mit meiner Meinung fast alleine. Catch Up Games hatten schon im Jahr davor mit Fertility/Min-Amun ein Spiel mit ägyptischem Thema herausgebracht, was ich ganz gut fand. Pharaon schien mir auf den ersten Blick ein wenig komplexer und war vor allem schön anzuschauen, zumindest ließen das die ersten Bilder erahnen. Was Pharaon aber für mich zu einem wirklich interessanten Spiel macht, ist die Mischung des Ressourcen-Managements mit Worker-Placement-Mechanik. Soll heißen, in diesem Spiel sind die Ressourcen gleichzeitig auch unsere Arbeiter, die wir benötigen, um bestimmte Aktionen ausführen zu können. Darüber hinaus sollten alle Solospieler bei Pharaon hellhörig werden, denn es verfügt über einen phantastisch gut funktionierenen Solomodus, den man in verschiedenen Schwierigkeitsgraden absolvieren kann.

Worum geht es ?

In Pharaon representieren die Spieler die Kinder eines Pharaos, dessen Aufgabe es ist sich in ihrem Leben auf die Reise in Totenreich vorzubereiten, damit sie auch angemessen hinüberkommen, wenn es so weit ist. Dazu müssen verschiedenste Dinge erfüllt werden, wie zum Beispiel eine angemessene Grabkammer hergerichtet, Künstler beauftragt, sowie Adlige auf seine Seite gebracht werden und natürlich dürfen auch die Opfergaben für die Götter nicht fehlen. Wer all diese Aufgaben am besten erledigt (die meisten Siegpunkte hat), wird am Ende bei der Wiegung des Herzens gewinnen.

Pharaon – Spielaufbau / Foto: Spieltroll

Wie läuft das ab ?

Das Material von Pharaon besticht durch Hochwertigkeit. Sämtliche Pappteile sind aus dicker beschichteter Pappe, die sich sehr gut in der Hand anfühlen. Das ganze Design ist dabei stimmig und praktikabel. Das ungewöhnlichste an Pharaon dürfte das Runde Spielbrett sein, das aus einzelnen Teilstücken lose zusammengesetzt und durch einen mittleren Kreiseinsatz mit drehbarem Oberteil zusammengehalten wird. Insgesamt benötigt auch Pharaon relativ viel Tischplatz, wobei der Platz den die Spieler selbst benötigen eher minimal ist. Fast alles spielt sich tatsächlich mal auf dem Spielbrett ab. Zusätzlich zum zentralen Spielbrett wird noch ein dreieckiges Tableau, die sogenannte Pyramide der Zeit, aufgebaut. Im Spiel gibt es sechs verschiedenfarbige Ressourcen die griffbereit sortiert werden sollten. Zwei Kartenstapel in verschiedenen Größen, die jeweils die Adligen und Handwerker repräsentieren, werden gemischt und bereitgelegt. Jeder Spieler erhält einen Satz verschiedener Holzmarker in seiner gewählten Farbe. Die Vasenplättchen, mit denen man später im Spiel Ressourcen erhält werden verdeckt gemischt und als Stapel bereitgelegt. Sämtliche kleinen Bonusmarker kommen in den beiliegenden Sack und werden gut gemischt. Der Startspieler bekommt den Startspielerstein, der bei Pharaon nicht nur die Bewandnis hat den Startspieler anzuzeigen, nein auf der Rückseite ist ebenfalls vermerkt, dass derjenige der ihn besitzt, 3 Siegpunkte bekommt.

Pharaon Pharao-Marker und Startspielermarker / Foto: Spieltroll

Es gibt noch zwei weitere Marker die in Pharaon eine Rolle spielen, zum einen wäre dort der Pharao-Marker der ebenfalls Extrasiegpunkte erzeugt, wenn man ihn im Spiel erspielt und das ist nur einem Spieler möglich, der das Spiel zuerst erreicht. Der andere Marker ist ein Richtungsmarker, der am besten für alle sichtbar im mittleren Rondell abgelegt wird, damit die Spieler immer sehen können, in welche Richtung das Rondell gedreht wird.

Pharaon – Pyramide der Zeit / Foto: Spieltroll

Das Spielbrett ist die sogennante Tafel der Götter und wirkt zunächst einmal ziemlich voll und mit viel Symbolik beladen. Das wirkt aber nur so, denn sämtliche Symboliken erschließen sich recht schnell, tauchen sie doch in allen Bereichen ständig wieder auf. Das Spielbrett ist in fünf Bereiche geteilt. Zwischen den Bereichen sind jeweils Göttersäulen angeordnet, die diese Bereiche eindeutig trennen. Über jedem Bereich ist für diesen Bereich geltendes Symbol angebracht. So ist über dem Grabkammerbereich zum Beispiel eine Pyramide zu sehen und das Symbol kann auf Karten und Plättchen später wieder auftauchen und bezieht sich dann nur auf diesen Bereich. Zur Spielvorbereitung gehört natürlich noch die Verteilung der Spielermarker. Die Spieler besitzen eine große runde Scheibe, die auf das erste Symbol der Pyramide der Zeit gelegt werden. Diese Anzeige dient der Rundenanzeige, denn Pharaon geht genau fünf Runden lang. Jeder Spieler besitzt weiterhin einen kleinen Holzwürfel, der auf das erste Feld des Grabkammerbereichs gestellt wird. Außerdem gibt es noch sechs kleine Runde Scheiben, von denen eine als Farbanzeiger vor den Spielern liegenbleibt und je eine unter die farbigen Leisten im Nilgebiet gelegt wird. Zusätzlich werden soviele Vasen unter die Pyramide offen ausgelegt, wie Spieler im Spiel sind.

Pharaon – Handwerkergebiet / Foto: Spieltroll

Im Handwerker- und im Amtsträgergebiet gibt es noch Kartenauslagen, die mit der jeweiligen Kartenart befüllt werden müssen und im Opfergabengebiet werden auf die verschiedensten Felder jeweils aus dem Beutel gezogene Bonusplättchen platziert. Die Spieler erhalten jeder noch zwei silberne Ressourcen (Joker), sowie zieht jeder eine Vase vom Stapel und erhält die drei auf ihr angegebenen Ressourcen. Als letztes zieht jeder noch zwei Amtsträger vom Stapel und sucht sich eine Karte aus, die er offen vor sich ablegt. Die Amtsträger sind Karten die einem am Spielende Punkte bringen und über eine Fähigkeit verfügen. Manche sind einmal pro Runde nutzbar, manche haben einen Soforteffekt und wieder andere wirken sich permanent aus. Die andere Karte wird abgeworfen.

Pharaon – Vasen mit Ressourcen / Foto: Spieltroll

Die Spieler sind nun alle immer abwechselnd an der Reihe und können eine Aktion machen oder Passen. Wer gepasst hat ist für den Rest der Runde raus aus dem Spielgeschehen, was sich aber durchaus lohnen kann, aber dazu später mehr. Das mittlere Rad zeigt an seinen Rändern Felder für die verschiedenen Ressourcen. Zu beginn wird das Rad zufällig eingestellt, so dass eine Ressource zu jedem Bereich gehört. Möchten die Spieler jetzt in einem bestimmten Bereich eine Aktion ausführen, so müssen sie als Aktionskosten immer eine Ressource der entsprechenden Art auf eines der Felder legen. Ist kein Feld mehr frei, kann die Aktion auch nicht gewählt werden. Die Ressourcen fungieren quasi als Zugangskosten für ein Gebiet. Sollte die Aktion im Bereich selbst dann aber eine Ressource der Art der Zugangskosten als Bezahlung benötigen, so ha man sie mit den Zugangskosten bereits bezahlt und erhält einen Rabatt. Das führt dazu, dass man immer schön drauf achten sollte welche Ressourcen, wann in welchem Gebiet gebraucht werden, denn je weniger man bezahlen muss, desto mehr kann man im Endeffekt machen. Als kleines Beispiel sei hier der Grabkammerbereich erwähnt, für dessen erstes Feld man eine gelbe und rote Ressource benötigt, hat man als Zugangsberechtigung bereits gelb bezahlt, so muss man für den ersten Schritt auf dieser Leiste nur noch eine rote Resoource bezahlen, um voran zu schreiten.

Pharaon – Grabkammergebiet / Foto: Spieltroll

Die fünf Bereiche sind sehr individuell und ich werde sie kurz erläutern. Der Opfergabenbereich kostet eine beliebige Ressource, für die man sich dann eines der Bonusplättchensets nehmen darf. Für eine weitere Ressource der gleichen Sorte erhält man sogar noch ein drittes Plättchen, wenn man das möchte. Im Amtsträgergebiet muss man jede Ressource genau einmal bezahlen und darf sich dann eine der Karten aus der Auslage nehmen, die uns mit Siegpunkten und Spezialfähigkeiten versorgen. Im Nilgebiet gibt es die verschiedensten Farbkombinationen von jeweils zwei Ressourcen, die man bezahlen kann. Auch die Belohnungen sind sehr unterschiedlich, aber hauptsächlich geht es im Nilbereich darum, seine farbigen Scheiben auf den Leisten nach oben zu bringen, weil die höheren Positionen auf den leisten Siegpunkte bringen. Zusätzlich kann man hier aber auch Ressourcen bekommen. Das Handwerkergebiet kostet dreimal die gleiche Ressource und bringt einem einen Handwerker, der ebenfalls Siegpunkte wert ist und Ressourcen bringt und das letzte Feld ist das schon erwähnte Grabkammergebiet, in dem jeder weitere Schritt zur Verbesserung der Grabkammer ganz individuelle Kosten hat.

Pharaon – Nilgebiet / Foto: Spieltroll

Sollte ein Spieler keine Aktion mehr machen wollen odeer können, so muss er Passen und damit wird seine große Scheibe in der Pyramide der Zeit auf die nächst höhere unbesetzte Ebene ganz links verschoben. Falls er wieder an die Reihe kommen sollte und noch immer nicht alle Spieler gepasst haben, schiebt er seinen Stein nach rechts ein Feld weiter und erhält die abgebildete Belohnung. Das geht solange so weiter bis alle gepasst haben. Das erste Feld auf der untersten Ebene ganz links verteilt immer den Startspielerstein neu. Zusätzlich nimmt sich ein Spieler beim Passen eine der noch offen ausliegenden Vasen und erhält die Ressourcen in seinen Vorrat für die nächste Runde. Nachdem alle gepasst haben wird die nächste Runde vorbereitet. Neue Vasen werden aufgedeckt, sämtliche Ressourcen aus dem mittleren Rondell werden abgelegt und das Rondell wird in eine Richtung um ein Gebiet weiter gedreht. Die Scheiben in der Pyamide wandern alle wieder nach unten auf das nächste Feld.

Pharaon – Opfergabengebiet / Foto: Spieltroll

Nach fünf absolvierten Runden werden die Punkte der Spieler gezählt und hier gibt es nochmal einiges zu beachten. Eine der wichtigsten Wertungen ist die der Vorgaben der Götter. Durch das modulare Spielbrett sind die Vorrausssetzungen immer wieder anders, denn diese Wertung hat mit den gebietsbegrenzenden Göttersäulen zu tun. Diese Säulen haben links und rechts von sich jeweils eine Vorgabe stehen für was diese Gottheit Punkte verteilt. Das kann zuzm Besipiel der Besitz von Handwerkerkarten oder Bonusplättchen sein, oder aber mann muss auf mehreren Leisten des Nilgebiets vorgerückt sein. Jede dieser Vorgaben ist zweimal vorhanden und möchte man eine Säule mit den entsprechenden Vorgaben für sich werten, so muss man beide Seiten erfüllen. Dann erhalen die Spieler natürlich Punke für ihre gesammelten Karten und ebenso für den Fortschritt auf der Grabkammerleiste. Außerdem bringt jede Nilleiste entweder drei oder sieben Punkte, je nachdem wie wei man nach oben gekommen ist und auch Ressourcen und Bonusplättchen, die man zu Spielende noch besitzt bringen Punkte. Nicht zu vergessen der Startspielerstein und der Pharao-Marker, den der Spieler bekommt der als erster zwei Amtsträger besitzt und gleichzeitig die dritte Baustufe der Grabkammer erreicht hat. Wer hier nun am meisten Punkte besitzt ist der Gewinner.

Pharaon – Solospiel / Foto: Spieltroll

Bevor ich zum Fazit komme, möchte ich noch den Solomodus hervorheben, denn Pharaon funktioniert als Solospiel ziemlch gut wie ich finde. Zu diesem Zweck bringt Pharaon gleich noch extra Spielmaterial in Form von fünf Leisten mit. Das Spiel funktioniert natürlich weitestgehend so wie zuvor beschrieben. Zusätzlich werden aber die fünf Leisten aufgebaut und jeder Leiste zufällig eine der Ressourcen zugewiesen. Der simulierte Gegner sammelt nur Karten und Bonusplättchen und belastet sich mit den Ressourcen gar nicht erst. Auf diesen Leisten ist ganz unten eine Anzahl Vasenplättchen angegeben, die unser Gegner erhält. Man legt also eine gewisse Anzahl für ihn verdeckt bereit. Wann immer ich als Spieler meinen Zug absolviert habe, drehe ich eine Vase für ihn um. Die unterste gezeigte Ressource wird dann der entsprechendne Leiste hinzugefügt und löst eine Reaktion aus. Das kann so ziemlich alles mögliche sein, wie das man einen Stein im Nilgebiet hochsetzen muss, in der Grabkammerleiste aufsteigt oder aber einen Amtsträger entfernt. Von den beiden Ressourcen oben auf der Vase suche ich mir dann eine aus, die ich auf das Rondell legen muss und somit ein Zugangsoption blockiert wird. Die nicht gewählte Ressource wandert danach ebenfalls auf die Leisten und löst erneut eine Aktion aus. Das mach mein Gegenspieler solange, bis er keine Vasen mehr hat, dann passt er und erhält ebenso Belohnungen. Das funktioniert wirklich richtig gut und stellt eine echte Herausforderung dar. Man kann um den Schwierigkeitsgrad zu erhöhen eine oder mehrere Leisten noch umdrehen um härtere Herausforderungen zu haben.

Pharaon – Handwerkerbereich / Foto: Spieltroll

Das Fazit

Pharaon ist ein richtig gutes Spiel, dass für mich auch in jeder Spieleranzahl funktioniert. Solo macht es mir tatsächlich genauso viel Spaß wie zu zweit oder mit vier Spielern. Es skaliert unglaublich gut und die Mischung aus Ressourcen-Management und Worker-Placement funktioniert ebenfalls gut und wirkt auf mich irgendwie frisch. Man spart sich den Zwischenschritt durch einen Worker erst Ressourcen zu generieren, die man später wieder ausgeben muss, indem man hier gleich die Ressource als Arbeiter einsetzt. Ein cooles Konzept das mir richtig gut gefällt, auch wenn Pharaon im Grunde natürlich nichts Neues erfindet, denn am Ende geht es nur darum Ressourcen in Siegpunkte umzuwandeln. Das Thema ist dabei natürlich auch nur aufgesetzt und könnte ein jedes sein, aber das Konzept ist gut und schön umgesetzt. Die Symbolik wirkt zwar erst einschüchternd, ist einem aber nach ein paar Spielminuten durchaus klar. Lediglich einige der Amtsträgerkarten sind nicht auf den ersten Blick verständlich und bedarfen weiterer Erklärung, die man aber im Regelheft schnell findet. Pharaon ist ansonsten komplett sprachneutral gehalten und kommt ohne umfangreiche Regeln aus. Auf der Messe in Essen wurde eine deutsche Anleitung dazu gereicht, aber wie das im Handel ist kann ich leider nicht sagen.

Pharaon ist ein Spiel von dem ich hoffe, dass es einige Freunde da draußen finden wird, damit Catch Up Games weitere kleine Perlen wie diese veröffentlichen werden. Spiel topp! Material topp! Für mich eine der Überraschungen des letzten Jahres und ein Spiel das lange in meiner Sammlung bleiben wird.


  • Verlag: Catch Up Games
  • Autor(en): Sylas, Henri Pym
  • Illustrator(en): Christine Alcouffe
  • Erscheinungsjahr: 2019
  • Spieleranzahl: 1 – 5 Spieler
  • Dauer: 45 – 60 Minuten

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