Half-Pint Heroes

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Half-Pint Heroes / Foto: Spieltroll

Half-Pint Heroes wurde durch die Spieleschmiede zum Leben erweckt und ist bis heute, meines Wissens nach, das einzige Spiel, dass über offizielle Trinkregeln verfügt. Es fand reichlich Unterstützer, die an die Idee glaubten, ein Stichspiel mit Poker zu kreuzen. Mit Maura Kalusky fand man auch einen kultigen Illustrator, der den meisten durch die Spiele von Friedemann Friese bekannt sein dürfte und der diesem Spiel einen ebenso kultigen Kneipenanstrich verpasst hat. Das Spiel bekam viele Vorschußlorbeeren und gehört angeblich zum Besten, was man im Sektor der Stichspiele finden kann. Rein optisch stimmt das schon einmal auf jeden Fall, denn die Artworks passen zu diesem Spiel wie die Faust auf das besagte Auge. Und da wären wir auch schon beim Thema, in Half-Pint Heroes kann sowohl eine einzelne Runde, als auch das gesamte Spiel vorzeitig beendet werden, wenn es einem Spieler gelingt, drei Stiche in Folge zu erlangen oder sechsmal in Folge seine Stichansage richtig vorauszusagen. Dann kommt es in der Kneipe zu Keilereien und eventuell auch zu einer Schießerei und der Spieler gewinnt sofort die Runde oder gar die ganze Partie. Ihr merkt schon eine richtig harte Angelegenheit. Da geht ganz schön was ab bei den Half-Pint Heroes.

Worum geht es ?

Half-Pint Heroes ist eigentlich ein ganz einfaches Stichansagespiel, das aber Elemente vom Poker miteinbezieht. In jeder Runde wird zunächst eine der Spielkarten umgedreht und diese gibt vor, wieviele Handkarten jeder Spieler bekommt und wieviele Karten in der Mitte als Gemeinschaftskarten, ähnlich dem Texas Hold’em Poker ausgelegt werden. Die Spieler machen dann alle parallel eine Ansage über die Stiche, die sie in dieser Partie bekommen werden und wetten auch noch darauf welcher Spieler seine Ansage wohl nicht schaffen wird. Dann wird gespielt und die Spieler müssen mindestens eine Karte ausspielen, dürfen aber auch mehrere auslegen, die zusammen mit den Gemeinschaftskarten eine der gängigen Pokerkombinationen ergeben. Im schlechtesten Fall nur eine hohe Karte, im besten Fall, ein Royal Flush. Dabei ist zu beachten, dass die Karten in fünf Spielfarben vorhanden sind und die Werte 1 bis 13 tragen. Man spielt über eine Dauer von zehn Runden und wer am Ende die meisten Punkte hat gewinnt, wenn das Spiel nicht durch eine Schießerei beendet wurde.

Wie läuft das ab ?

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Half-Pint Heroes Spielsituation / Foto: Spieltroll

Jetzt also nochmal ins Detail, bei Half-Pint Heroes gewinnt man durch die meisten Punkte, die man am Schluß auf dem Punktezettel stehen hat, wenn man nicht durch die alternative Siegbedingung der Schießerei gewonnen hat. Der Geber deckt zunächst eine der Karten vom gemischten Stapel auf, die auch zugleich die erste Karte der Gemeinschaftskarten darstellt. In der linken unteren Ecke einer jeden Karte steht, mit wievielen Karten in der offenen Auslage in dieser Runde gespielt wird und in der unteren rechten Ecke, wieviele Karten die Spieler auf die Hand erhalten. Offen ausgelegt werden immer zwischen einer und fünf Karten und auf die Hand bekommen die Spieler drei bis sieben Karten. Ansonsten verfügen die Karten immer noch über eine von fünf Farben und einen Zahlenwert von 1 bis 13. Alle Spieler bekommen zunächst ihre Handkarten, bevor der Geber die restlichen Gemeinschaftskarten aufdeckt.

Dann sind die Spieler an der Reihe und müssen sich überlegen, wieviele Stiche sie wohl bekommen werden. Zum Zweck der Ansage verfügt jeder Spieler über vier kleine Ansagekarten mit den Werten 0 bis 3. Die Spieler legen ihre Ansagen verdeckt vor sich ab, dabei ist es erlaubt, wenn man denkt auch mehrere Stiche als drei zu bekommen, mehrere Ansagekarten abzulegen, aber die „Null“ darf nicht mit anderen Karten kombiniert werden. Nachdem alle ihre Ansagekarte verdeckt gelegt haben, wird gemeinsam umgedreht und die Spieler sehen die Ansagen. Im Anschluß legt jeder Spieler noch seinen Pokerchip vor einen Spieler seiner Wahl, von dem er glaubt, dass er seine Ansage nicht erfüllen wird.

Jetzt geht es los und der Ausspieler spielt Karten in die Mitte, unzwar darf er eine oder auch mehrere Karten auslegen, zum Beispiel ein Paar Fünfen, wenn das seine Hand hergibt. Liegt in der Mitte noch eine weitere Fünf, so hätte er bereits einen Drilling. Der nächste Spieler kann sich nun überlegen, ob er etwas mit seinen Karten und den Gemeinschaftskarten erreichen kann, dass den Drilling schlägt, oder, ob er, wie bei Stichspielen üblich, etwas abwirft. Die Farben spielen nur für die Kombinationen eine Rolle, es gibt keinen Farbbedienzwang bei Half-Pint Heroes. Alle müssen nur zumindest eine Karte in den Stich legen, sofern sie noch Karten haben. Sollten sie in einem früheren Stich schon mehrere Karten gebracuht haben, müssen sie bei späteren Stichen eventuell passen. So spielen die Spieler einen Stich nach dem nächsten, bis keine Karten mehr im Umlauf sind, oder aber ein Spieler drei Stiche in Folge gewinnt. Tut er das, endet die Runde sofort, denn der Spieler zettelt eine Keilerein an. Keine weiteren Stiche werden gespielt und nur er bekommt eine Punktwertung für diese Runde.

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Half-Pint Heroes Spielmaterial / Foto: Spieltroll

Am Ende einer Runde werden die Punkte ausgezählt und auf dem Punkteblock notiert. Ein Spieler bekommt für jeden gewonnen Stich 10 Punkte. Dazu addiert werden die Punkte für die jeweilige Ansage des Spielers, wenn sie denn stimmte. Die Ansagen sind immer soviele punkte wert wie die Ansage mal 10 entspricht. Für eine Ansage „Null“ bekommt man im Spiel mit 2 bis 4 Spielern 30 Punkte und im Spiel mit mehr Spielern 20 Punkte. Zusätzlich wird auf dem Punkteblock ein Kreuz gemacht, wenn der Spieler seine Ansage richtig vorhergesagt hat. Hat ein Spieler durch Keilerei gewonnen wird dort ein kleines K notiert und nur er bekommt Punkte für diese Runde, egal wieviele Stiche die anderen Spieler gewonnen haben, unzwar bekommt er je 10 Punkte für jeden Stich plus 30 Bonuspunkte, also mindestens 60 Punkte für einen Sieg durch Keilerei. Zu guter letzt wird noch geschaut, ob ein Spieler richtig gewettet hat und der entsprechende Gegenspieler seine Ansage tatsächlich nicht erfüllt hat, dann erhalten die Spieler, die hier richtig lagen, nocheinmal je 20 Punkte.

Sollte es einem Spieler gelingen sechs Runden in Folge seine Ansage richtig vorherzusagen oder durch Keilereien zu gewinnen, also auf dem Punkteblock stehen in diesem Fall in sechs Runden hintereinander, kleine Kreuze oder K’s, so löst er eine Schießerei aus und gewinnt einfach das ganze Spiel, ohne das die Punkte ausgezählt werden. Kommt es aber zu einem „normalen“ Ende durch auszählen der Punkte, erhält jetzt jeder Spieler noch Bonuspunkte in Höhe der längsten Kreuzchen und K-Serie mal 10 Punkte zu seiner Gesamtsumme hinzu. Sieger ist in diesem Fall natürlich der Spieler mit den meisten Punkten.

Das Fazit

Half-Pint Heroes ist ein Spiel, an das man sich erst gewöhnen muß und das gilt tasächlich irgendwie für jeden, Pokerspieler müssen in die Stichmechanik reinkommen und die Skat- und Sonstwasspieler brauchen ein wenig Zeit, um das Konzept mitt der verschiedenen Kartenmenge während eines Stichs zu erfassen. Eigentlich ist es nicht kompliziert, aber es erfordert irgendwie eine Umgewöhnung im Kopf, damit es flüssig von der Hand läuft. Ist man dann aber ersteinmal drin, fängt es an Spaß zu machen und man beginnt sich Taktiken für die Stiche zu überlegen. Die Artworks sind zwar total cool und ich stehe drauf, aber die Karten sind ein wenig bunt, so übersieht man gerne mal die ein oder andere Zahl, die da in der Mitte liegt. Ansonsten kann ich aber nichts Negatives über Half-Pint Heroes sagen und empfehle es allen Stichspiel-Enthusiasten. Ach doch, eine Sache noch: der Punkteblock ist zu dünn!


  • Verlag: Corax Games
  • Autor(en): Roland Goslar, Johannes Goslar, Søren Schaffsteint
  • Erscheinungsjahr: 2017
  • Spieleranzahl: 2 – 7
  • Dauer: 30 Minuten

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