Coffee Roaster

Coffee Roaster / Foto: Spieltroll

Heute mal wieder was für die Solospieler. dlp Games bezeichnen ihr Spiel Coffee Roaster auf der Verpackung als Premium Solo-Game und das muss man auch so stehen lassen, denn man wundert sich zunächst schon darüber, dass das Spiel in einer großen Verpackung und zum Preis eines größeren Spiels daherkommt. Die Aufmachung von außen ist aber schonmal recht stimmig, soll sie doch den Anschein einer Kaffeeverpackung erwecken. Sieht gut aus. Das Thema scheint aber zunächst recht merkwürdig zu sein. Ein Spiel das sich mit der Thematik des Kaffeeröstens auseinandersetzt und das auch noch als Solospiel. Kann das funktionieren? Das Spiel ist gar nicht so neu und hat schon ein paar Jahre auf dem Buckel. In dieser Version bei dlp ist es in einer zweisprachigen Version erschienen. Das Original sah für meinen Geschmack immer sehr japanisch aus, was aber auf der Hand liegt, ist der Autor Saashi doch auch Japaner. dlp haben das Spiel, sagen wir mal, etwas internationaler gestaltet, aber ist es auch gelungen?

Worum geht es ?

Natürlich ums Kaffeerösten, wär hätte das gedacht. Der Spieler versucht eine von zahlreichen Kaffeesorten zu rösten. Dazu zieht er in jeder Runde Plättchen aus einem Sack, die verschiedene Aromen und Kaffeebohnen repräsentieren. Je länger der Vorgang dauert, also je mehr Runden man braucht, desto mehr werden einige der Bohnen geröstet. Irgendwann muss man sich dann dafür entscheiden den Kaffee auf die Probe zu stellen und wertet seine Runde aus und versucht so nah wie möglich an das beste Ergebnis heranzukommen. Das wird mit Punkten bewertet. Das Spiel hält dabei einiges an Herausforderungen bereit.

Coffee Roaster – Spielübersicht und Sortenkarten / Foto: Spieltroll

Wie läuft das ab ?

Was ich dort oben so schwammig beschreibe wirkt zunächst seltsam, ergibt aber tatsächlich alles Sinn, wenn man das ganze Spiel verstanden hat. Die Grundmechanik von Coffee Roaster ist die des Bag Building, wie bei einem Deck Builder das Kartendeck, vergrößern wir hier den Inhalt unsere Beutels und spielen mit verschiedenen Wahrscheinlichkeiten, was bei der sogenannten Tassenprobe zum Schluß in einem Push Your Luck-Mechanismus gipfelt.

Coffee Roaster – Schachtel mit Sortierhilfe / Foto: Spieltroll

Der Spielaufbau gestaltet sich recht simpel benötigt aber doch ein wenig Vorbereitung. Zunächst breitet der Spieler die drei Teile des Spielbretts vor sich aus. Diese bestehen aus dem Röstbrett, soetwas wie der Hauptteil des Spielbretts, einem tassenförmigen Spielplan für die Tassenprobe und dem Spielplan mit Thermostat und Röstzähler. Alle drei Pläne passen gut inneinander und ergeben eine kleine harmonische Gruppe. Die Spielpläne sind alle doppelseitig und werden dabei für zwei Schwierigkeitsgrade genutzt.

Coffee Roaster – Röstbrett / Foto: Spieltroll

Fünf eckige Plättchen, die sogenannten „Tasseneffekte“ müssen noch verdeckt gemischt werden und anschließend zufällig auf fünf Poitionen offen auf das Röstbrett gelegt werden. Der Röstmarker kommt auf Feld Null des Röstzählers und dann kann es auch schon losgehen, denn man muss sich zunächst eine Kaffeesorte aussuchen die man versuchen möchte. Das Spiel hält 22 verschiedene Kaffeesorten in verschiedenen Schwierigkeitsgraden bereit an denen wir uns versuchen können. In einem fortlaufenden Modus, bei dem wir drei Röstungen in Folge machen müssen, starten wir mit Anfängerröstungen und müssen uns abhängig von unserem Erfolg an weiteren Röstungen versuchen. Wir wählen also zunächst eine der Anfängerkarten und auf den Karten finden wir einige Informationen über die Kaffeesorte, die für das Spiel nicht relevant sind, sowie auf der Rückseite auch Spielmechanisch relevante Daten. Zum einen zeigt uns die Karte an, welche Startmarker wir in unseren Beutel werfen müssen und zum anderen können wir auf einer Skala ablesen, wie vieviele Punkte wir für welchen Röstgrad der Tasse bekommen. Bei den Startmarkern gibt es verschiedenste Dinge, wie zum Beispiel Feuchtigkeitsmarker, Kaffeebohnen mit Röstgrad Null, Fehlbohnen, harte Bohnen und Geschmacksmarker. Alle kommen in der entsprechenden Anzahl, die die Karte vorgibt in den Beutel. Die Feuchtigkeitsmarker geben uns zusätzlich noch an auf welchem Feld des Thermostates wir mit dem Röstvorgang beginnen müssen. Je mehr Feuchtigkeit, desto mehr Zeit haben wir für die Röstung. Zusätzlich gibt uns das Feld noch an, wieviele Marker wir überhaupt aus dem Beutel ziehen müssen.

Coffee Roaster – Alle Marker einer Kaffeesorte zu Beginn / Foto: Spieltroll

Nach der Vorbereitung legen wir los und ziehen einfach soviele Marker aus dem Beutel, wie uns das Thermostat vorgibt. Ziehen wir einen Feuchtigkeitsmarker, so legen wir ihn umgehend ab und entfernen ihn somit aus dem Spiel. Mit allen anderen Plättchen können wir auf unserem Röstbrett spielen. Ziel ist es einen bestimmten Röstgrad unserer Bohnen zu erreichen. Die Sorte braucht zum Beispiel einen Röstgrad von 14 und am Anfang befinden sich acht Kaffeebohnen mit Röstgrad null in unserem Beutel. Das reicht nicht. Am Ende einer Runde, wenn wir mit unseren Aktionen fertig sind, wird jede Bohne um eine Stufe im Röstgrad erhöht und wieder in den Beutel geschmissen. Harte Bohnen verwandeln sich in nuller Bohnen. Mit den Geschmacksplättchen, die es in drei Farben gibt können wir verschiedene Aktionen auf unserem Brett ausführen. Wichtig ist dabei, dass die Aktionen in zwei Bereiche getrennt sind. Die Aktionen links müssen immer zuerst gemacht werden. Sobald man eine der rechten Aktionen in einer Runde ausgeführt hat, darf man keine auf der linken Seite mehr ausführen. Erst wieder in späteren Runden. Die Aktionen links erfordern dabei immer nur die Abgabe eines Geschmacks- oder Bohnenplättchens, um einen Effekt zu erzielen, der sofort ausgeführt wird. Zum Beispiel darf man zwei weitere Marker aus dem Beutel ziehen, oder schmeist zwei Marker zurück in den Beutel und zieht zwei neue. Die Aktionen auf der rechten Seite erfordern immer zwei Geschmacksplättchen und hier müssen die Aktionen der Geschmacksplättchen zunächst ausgeführt werden, bevor wir zur Belohnung das Tassenplättchen erhalten, das uns die spätere Tassenprobe erleichtert.

Coffee Roaster – Röstbrett in Aktion / Foto: Spieltroll

Die Aktionen der Geschmacksplättchen haben immer mit den Bohnenmarkern zu tun. Für das blaue Aromaplättchen muss man zum Beispiel eine Bohne ablegen und erhält dafür zwei neue, die insgesamt den gleichen Wert haben müssen. Beim grünen Säureplättchen werden zwei Bohnenmarker in den Beutel zurückgeschmissen und werden somit in dieser Runde nicht geröstet. Die roten Körperplättchen sorgen dafür, das wir zwei Bohnen zu einer einzigen mit gleichem Wert umwandeln. Haben wir dann zwei dieser Geschmacksplättchen in einer Kategorie anusgelegt, so erhalten wir einen der ausliegenden Tasseneffekte, die Einfluss auf die Tassenprobe haben.

Coffee Roaster – Thermostat / Foto: Spieltroll

Nachdem wir alle Bohnen um eine Stufe erhöht haben, wandert alles wieder zurück in den Beutel und wir müssen uns entscheiden, ob wir eine weiter Runde rösten wollen oder unseren Kaffee verköstigen. Rösten wir weiter beginnt das Spiel von vorn. Dabei gibt es noch zwei besondere Runden, in denen der Thermostat soviel Rauch macht, das wir unsere Bohnen am Ende direkt um zwei Stufen erhöhen müssen und wir Rauchplättchen in den Beutel werfen müssen. Bohnen können immer nur bis zu Röstgrad vier gestigert werden, danach sind sie verkohlt und werden als verkohlte Bohnenplättchen in den Beutel geworfen. Hier muss man also wirklich aufpassen, was man macht und wie lange man röstet.

Coffee Roaster – Tassenprobe / Foto: Spieltroll

Bei der Tassenprobe muss nun die Tasse gefüllt werden. 10 Plätze wollen gefüllt werden. Wir ziehen hier nun einen Marker nach dem anderen aus dem Beutel und müssen uns für jeden Marker entscheiden, was wir tun wollen. Wir haben die Möglichkeit drei Marker auszusortieren, durch einen erspielten Tasseneffekt sogar fünf. Jetzt kommt die Skala auf der Sortenkarte zum Einsatz. Erwischen wir genau den richtigen Punkt an Röstung in unserer Tasse, so werden wir durch eine hohe Punktezahl belohnt. Bei etwas mehr oder weniger Röstung gibt es weniger Punkte. Zusätzlich gibt es immer noch eine Herausforderung durch eine Kombination aus drei Geschmacksplättchen, für die wir Extrapunkte bekommen, wenn sich diese ebenfalls in der Tasse befinden. Außerdem bekommen wir Bonuspunkte für Bohnen gleichen Röstgrades. so ergibt sich eine Gesamtpunktzahl anhand der wir beurteilt werden. Waren wir gut, so dürfen wir in der zweiten Röstung eine schwierigere Sorte ausprobieren usw.

Die 22 Sorten sorgen für eine Menge Abwechslung und der Schwierigkeitsgrad steigert sich enorm.

Das Fazit

Ich weiss das klingt alles etwas seltsam. Das Thema ist sehr speziell, aber es funktioniert. Ich glaube ich kenne kein zweites Spiel indem man sich spielerisch so detailiert mit einem Thema auseinsandersetzen muss und das Solo so einen Spaß macht. Man hat Lust es immer wieder zu probieren, wenn es nicht so hundertprozentig geklappt hat und dann probiert man etwas Schwierigeres und versagt wieder total. Ein wirklich forderndes kleines Puzzelspiel in einer großen Packung. dlp hat auch alles dafür getan, die Verwaltung des Spiels für den Spieler einfach zu halten, indem in der Schachtel eine Sortierhilfe für die Marker eingebaut ist und alle Marker immer an ihrem Platz bleiben. Wenn man die Anleitung zum ersten mal liest und das Spiel dann ausprobiert wirkt das alles irgendwie noch ein wenig umständlich und ich habe es nicht sofort alles durchschaut, aber wenn man es dann gespielt hat, weiss man wozu das alles dient und plötzlich ist das gar nciht mehr kompliziert und geht einem ziemlich flott von der Hand. Natürlich schafft man dann immer noch keine Topergebnisse, weil man doch erst schauen muss auf was man alles achten muss. Irgendwann hat man aber den Dreh raus und dann macht einen nur noch das Pech beim Ziehen das Leben win wenig schwer. Wenn man soweit ist, dann bietet Coffee Roaster aber schwierigere Röstungen und wenn man versuchen möchte eine Meisterröstung hinzubekommen, dann viel vergnügen. Das Spiel hat einiges an Stellschrauben für den Schwierigkeitsgrad zu bieten. Weniger Feuchtigkeit bedeutet weniger Runden Zeit zum Rösten. Ein hoher Röstwert muss über viele Bohnen mit entsprechenden Röstungen erreicht werden. Hohe punktzahlen sind eh nur durch die Geschmacksplättchen nötig und wenn man überhaut zuviele Plättchen im Beutel hat ist es auch wieder doof.

Coffee Roaster – Siegpunkte Übersicht / Foto: Spieltroll

Coffee Roaster ist für mich eines der besten reinen Solospiele die man in der Brettspielwelt finden kann. Mir mach es zwischendruch immer wieder Spaß eine Partie aus drei Sorten zu spielen und zu sehen wieviele Punkte ich erreichen kann. Leider sind es bisher nicht allzu viele. Ein wirklich tolles Solospiel mit tollem Material und in der Aufamchung von dlp Games mit dem ganzen Flavour rund ums Kaffeetrinken ein Spiel das auch den hohen Preis für ein Solospiel rechtfertigt. Ich könnte mir auch noch weitere Herausforderungen durch neue Kaffeesorten vorstellen. Meine absolute Empfehlung für Leute die sich gerne mal auch alleine vor ein Spiel setzen. Jeder Solospieler sollte Coffee Roaster von dlp zumindest mal ausprobiert haben.

Die Appumsetzung zum Spiel ist ebenfalls sehr gelungen.


  • Verlag: dlp Games
  • Autor(en): Saashi
  • Illustrator(en): Andrea Boekhoff
  • Erscheinungsjahr: 2019
  • Spieleranzahl: 1
  • Dauer: 10-30 Minuten

2 Gedanken zu „Coffee Roaster“

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