Klassiker – El Grande

In meiner kleinen Klassikerrubrik soll es heute um eines der einflussreichsten Spiele in der Spielelandschaft gehen, dass aus Deutschland stammt und einen spanischen Titel trägt: El Grande. Das Spiel wurde im Jahr 1995, ein Jahr nachdem Catan erschien, veröffentlicht und hat wahrscheinlich einen fast genauso großen Einfluß auf die Brettspielszene und verstärkt den German Boardgame Boom, der zu dieser Zeit die Welt der Spiele aufwühlte. Aber warum war das Spiel von Wolfgang Kramer und Richard Ulrich ein so großer Wurf und ist auch heute noch eines der besten Spiele weltweit, wo selbst Klaus Teubers Catan inzwischen langsam verblasst? In meinen Augen ist es ganz einfach, denn El Grande ist nahezu zeitlos und im Prinzip ist es ein abstraktes Spiel, dessen Thema relativ egal ist. Aus heutiger Sicht ist El Grande nichtmal mehr ein schönes Spiel, war es nie, weswegen sich so viele Spieler selber Bretter herstellen, die das Spiel ansehnlicher machen.

Eine Schönheit ist El Grande tatsächlich gar nicht. Unlängst haben wir es zu hause mal wieder ausgepackt und ich sage euch, wenn deine Mitspieler die neue bunte Brettspielwelt gewohnt sind, dann wirkt El Grande wirklich antiquiert und erntet zum Teil gar angewiderte Blicke. Ist mir tatsächlich auch ein Rätsel, warum es bis heute kein neues Design für dieses tolle Spiel gibt. Es befindet sich nach wie vor im Portfolio von Hans im Glück und ist wahrscheinlich neben Carcassonne der größte Erfolg der Firma (nur meine Mutmaßung, Zahlen habe ich nicht gefunden), also sollte man doch denken, nach über fünfundzwanzig Jahren könnte man mal eine neue Version auf den Markt schmeißen.

El Grande – Spielaufbau für zwei Spieler / Foto: Spieltroll

El Grande ist deswegen so berühmt, weil es den Begriff der Area Control in einem Eurogame nicht nur salonfähig, sondern sogar neu definiert hat. Denkt man an Area Control, also Gebietskontrolle, so kommen einem so „tolle“ Spiele wie Risiko und Axis & Allies in den Sinn. Meistens geht es darum, dass sich einer gegen die anderen durchsetzen muss. Leider ist es in diesen Spielen immer so, dass ein Spieler, um zum Erfolg zu kommen, den anderen Schaden muss. El Grande zeigt einen Weg, wie Area Control eben auch funktionieren kann. Hier dominiert einer nicht die anderen, es liegt ganz einfach in der Hand eines jeden Spielers selbst. Dieser Ansatz war 1995 tatsächlich wirklich neu und wurde seit dem sehr oft kopiert oder in abgewandelter Form in anderen Spielen aufgegriffen.

El Grande – Wichtiges Spielelement – Das Castillo
/Foto: Spieltroll

Für diejenigen von euch die El Grande noch nicht kennen hier ein kurzer Abriss des Spielgeschehens. Das Spielfeld besteht aus der Karte Spaniens, die in Provinzen unterteilt ist. Diese Provinzen verfügen über bestimmte Wertigkeiten, die in einer Punkteleiste im jeweiligen Gebiet angegeben sind. Manche Provinzen bringen dem erst-, zweit- und drittplatzierten Punkte bei einer Wertung, manch andere nur den ersten beiden. Zusätzlich zu den Provinzen existiert auch noch ein Turm, das sogenannte Castillo auf dem Spielfeld. Dieser Turm verfügt ebenfalls über eine Wertung. Die Spieler bekommen jeder einen Satz von 13 Spielkarten, die Werte von eins bis 13 aufweisen und neben der Zahl auch noch dafür sorgen das wir Spielsteine, die sogeannten Caballeros, in unseren Vorrat bekommen. Die Caballeros sind kleine Holzwürfel mit denen wir unsere Macht auf dem Spielbrett in einer bestimmten Region anzeigen. Zu Beginn des Spiels stellen wir einen größeren Spielstein, den Granden in ein Gebiet das unsere Heimatprovinz darstellt.

Ein großer Pöppel, der König zeigt während des ganzen Spiels die Königsregion an. Der König kann bewegt werden und die Region, in der er sich aufhält ist tabu. Keine Caballeros dürfen hier eingesetzt oder herausgenommen werden. Außerdem dürfen Steine nur in Provinzen eingesetzt werden, die benachbart zur Königsregion sind. Das letzte Spielelement sind fünf Aktionskarten die neben dem Spielbrett ausliegen. Von eins bis fünf zeigen sie zum einen, wieviele Caballeros wir in dieser Runde in die Provinzen bringen dürfen und zum anderen haben sie eine Fähigkeit. In jeder Runde wird von jedem Stapel immer eine neue Karte aufgedeckt, außer die Fünfer Karte – die Königskarte -, mit ihr dürfen wir den König in eine beliebige Provinz versetzen.

El Grande – Der König / Foto: Spieltroll

Eine besondere Bedeutung hat in El Grande das Castillo, in das man immer Würfel einwerfen kann. Man sieht nur leider nicht wieviele sich in ihm befinden. Nach jeweils drei gespielten Runden gibt es eine Wertungsrunde in der die Spieler Punkte für die Provinzen erhalten. Das Castillo wird hier immer zuerst gewertet und das Geheimnis um die Würfel wird gelüftet. Zuvor stellen die Spieler auf Wählscheiben eine Provinz ein, in die sie ihre Würfel aus dem Castillo gerne hinzufügen würden. Die Caballeros werden nach der Castillowertung in die entsprechenden Provinzen gestellt und bringen so eventuelle Mehrheitsverhältnisse nocheinmal durcheinander.

So grob ist das Spielgeschehen. Ein wirklich einfaches Prinzip um die Vorherrschaft in den einzelnen Provinzen. Enfach und genial. Wirklich zeitlos und im Prinzip nicht auf Spanien begrenzt. Andere thematische Szenraien wären denkbar. Nur gibt es sie nicht. Aufgrund der Häßlichkeit gibt es aber findige Bastler, die sich neues Spielmaterial gebaut haben.

Einer der größten Belege für die hohe Akzeptanz unter den Brettspielern ist die Tatsache, dass El Grande in der Boardgamegeek Top 100 immer noch das höchstplatzierte Spiel von vor der Jahrtausendwende ist. Das Spielprinzip altert nicht wirklich und macht immer noch Spaß, wenn man es denn mag. Aber mir sind diese Formen der Area Control deutlich lieber, da so alle Spieler bis zum Ende gleichermaßen am Spiel beteiligt sind und Chancen haben.

El Grande – Spielsituation

Allen Spielern die diesen Klassiker bisher nicht kennen, lege ich ihn deutlich ans Herz. Einfach mal ausprobieren. Spiele von Wolfgang Kramer sind meistens sehr zugänglich. Nicht umsonst hat der Mann in seiner langen Karriere schon vier Spiele des Jahres hervorgebracht. El Grande ist zusammen mit Richard Ulrich entstanden. Aus dieser Partnerscahft ist zum Beispiel auch noch „Die Fürsten von Florenz“ entstanden. Ein paar Jahre später machten die Kramer/Kiesling-Spiele auf sich aufmerksam.

Für El Grande sind in den folgenden Jahren noch zwei Erweiterungen erschienen, von denen die erste, König & Intrigant, das Spiel insofern verändert, das die Spieler- und Aktionskarten des Hauptspiels durch die Karten aus diesem Set ersetzt werden. Die Spieler haben nun einen größeren Kartensatz auf der Hand, der alles in einem Abwasch erledigt, sowohl das Holen der Caballeros an den eigenen Hof, das Einsetzen in die Provinen, sowie die Zugreihenfolge durch die Kartenwerte, als auch die Sonderfähigkeiten der Aktionskarten. Mir persönlich gefällt das Grundspiel besser, aber das ist sicherlich eine Geschmacksfrage. Die zweite Erweiterung bläht das Spiel dann durch ein paar neue Gebiete, die Kolonien und eine weitere Spielfigur den Inquisitor auf. Für mich reicht das Grundspiel völlig aus. Heutzutage wird aber eine Bigbox-Version mit beiden Erweiterungen verkauft.

Also meine Empfehlung: Dringend mal ausprobieren! Ein wahrer Klassiker.


  • Verlag: Hans im Glück
  • Autor(en): Wolfgang Kramer, Richard Ulrich
  • Illustrator(en): Doris Matthäus
  • Erscheinungsjahr: 1995
  • Spieleranzahl: 2 – 5 Spieler
  • Dauer: 60 – 90 Minuten

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