Klassiker – World of Warcraft TCG

Beim nächsten Klassiker in dieser Serie handelt es sich mehr um eine Herzensangelegenheit, denn viele da draußen werden von diesem Spiel entweder gar nichts wissen, oder sich nicht dafür interessieren. Es ist nämlich eines dieser bösen Sammelkartenspiele für die man viel Geld ausgeben kann. Darüber hinaus ist es auch noch im Universum des bösen MMORPGs World of Warcraft angesiedelt. World of Warcraft das Trading Card Game ist in meinen Augen eine oft übersehene Perle des Genres und sollte auch heute noch gespielt werden. Das Spiel hat alle Eigenschaften, die ein Klassiker haben sollte, nur leider ist es Out of Print und wir wohl auch nie wieder aufgelegt werden, so dass ein Einstieg auf jeden Fall mit Kosten verbunden ist. Da es aber Zeit seines Bestehens nie so superpopulär war, gibt es heutzutage durchaus die Möglichkeit an gebrauchte Sammlungen heranzukommen. Meine steht im Schrank und ich gebe sie nicht her, auch wenn es keiner mit mir spielt.

Das WOW TCG erblickt am 25.10.2006 das Licht der Welt. Zu diesem Zeitpunkt ist World of Warcraft selbst zu einem massiven Phänomen in der Welt geworden. Noch nie zuvor haben soviele Spieler weltweit ein Online-Rollenspiel gespielt und waren in der Parallelwelt versunken. Auch mich selbst hat dieses Spiel ziemlich lange in seinen Bann gezogen und es waren Jahre, die ich nicht missen möchte. Kommen wir aber zurück zum Kartenspiel. Das wurde 2006 von vier Designers für Blizzard und Upper Deck entwickelt. Beteiligt waren mit Mike Hummel und Ben Cichoski zwei Upper Deck Mitarbeiter von denen Cichoski später Hero Realms entwickeln sollte, sowie Daniel Mandel, der mit Legendary Encounters und den Vs Systems weitere Duftmarken setzen konnte, sowie Brian Kibler, der vielen Magicspielern ein Begriff sein dürfte, weil er Professioneller Magic-Spieler war und ist. Sie wollten eine Konkurrenz für den Platzhirschen Magic The Gathering werden. Das klappte allerdings genausowenig, wie es jahrelang kein anderes Online-Rollenspiel schaffte WOW vom Thron zu stoßen.

Dabei hatte das WOW TCG alle Chancen das zu schaffen und war so designed, dass es viel mehr Leute hätte ansprechen können und vielleicht sogar müssen. Es hat, auch heute noch, ein paar Vorteile, die es Magic deutlich überlegen machen. Das ist einer der Gründe warum ich es als Klassiker empfinde und es vielen da draußen, die es nicht kennen, ans Herz legen möchte.

WOW Trading Card Game –
Heldenkarte / Foto: Spieltroll

Für diejenigen, die es nicht kennen, mal kurz das Spiel zusammengefasst. Ein typisches Duellspiel wie Magic auch, indem sich die Kontrahenten versuchen gegenseitig auszuschalten. Dieser Kampf stellt im Online-Rollenspiel die Arenakämpfe dar. Die Spieler bauen sich ein Deck rund um einen Heldencharakter, der einer der Klassen aus dem Computerspiel entspricht und einer der beiden Fraktionen, Horde und Allianz, angehört. Zudem gibt es natürlich auch alle Völker, die das Spiel zu bieten hat, so dass es eine sehr große Anzahl an verschiedenen Charakteren zu spielen gibt. Diese Helden haben unterschiedliche Lebenspunkte und jeweils eine einzigartige Heldenfähigkeit, die sie einmal pro Spiel einsetzen können, danach wird ihre Heldenkarte umgedreht. Der Spieler beginnt das Spiel lediglich mit der Heldenkrate auf dem Tisch.

WOW Trading Card Game -Verschiedene
Kartentypen / Foto: Spieltroll

In seinem Deck ist alles mögliche zu finden, Karten die die Fähigkeiten der Klasse und auch der speziellen Ausrichtung der Klasse repräsentieren. Das heißt zum Beispiel, das man einen Paladin bei WOW sowohl als Heiler, als auch als Schadensklasse spielen kann. Dazu gesellen sich Ausrüstung und Waffen sowie besondere Questkarten, auf die ich gleich noch genauer eingehen werde. Im Grunde also erstmal nichts Besonderes, außer das man hier seinem Charakter schonmal mehr Gesicht verleiht als bei Magic. Bei Magic ist der Spieler selbst der Duellant und bekam erst später durch die Planeswalker ein Gesicht.

Während man bei Magic allerdings die richtigen Manasorten in seinem Deck haben muss, um die entsprechenden Zaubersprüche ausspielen zu können, was dazu führen kann, das man rundenlang nichts ausspielen kann, weil man nicht die richtige Farbe bekommt oder noch schlimmer einfach nicht genug Mana erhält, der Fachmann spricht in diesem Fall von Manascrewed, kann das bei WOW so nicht vorkommen. Beim WOW TCG kann man grundsätzlich jede Karte des Decks als Ressource ausspielen, indem man sie einfach verdeckt vor sich auslegt. Mit einer Ressource bezahlt man die Kosten in Höhe von eins. Dieses System ist so einfach wie genial und bringt zusätzlich Tiefe mit ins Spiel, denn man muss immer selbst entscheiden ob man etwas opfert um andere Karten ausspielen zu können oder ob man abwartet um die eventuell teurere, bessere Karte ausspielen zu können. Man kann also immer was ausspielen und das ist erstmal weniger frustrierend.

Die schon erwähnten Questkarten sind eine besondere Form von Ressource, sie sind nur im Deck, um als Ressource gespielt zu werden und haben einen besonderen Effekt, wenn man die Quest erfüllen kann. Einmal erfüllt werden sie wie andere Ressourcen einfach umgedreht. Aber auch unerfüllte Quests können schon zur Bezahlung herangezogen werden. Das Ressorcensystem und die extrem vielfältigen Decks führen dazu, dass man in diesem Spiel eine große Bandbreite an Decks spielen kann, die alle Konkurrenzfähig sind. Es gibt zwar auch hier ssehr mächtige Karten, aber keine vorherrschende Taktik oder Mechanik. Heiler haben genauso Chancen, wie Schadensdecks oder spezielle Spielideen. Hinzu kommen sehr spielstarke nicht seltene Karten, so dass der Einstieg für jeden gegeben ist. Die starken Karten begünstigen eher spezielle Mechaniken, als das sie einem den Sieg näher bringen.

WOW Trading Card Game – Raiddeck für den Mehrspielermodus / Foto: Spieltroll

Die dritte Sache neben den vielfältigen Decks und dem Ressourcensystem, die das WOW TCG zu einem so guten Speil machen ist der Mehrspielermodus. Ja, auch im Computerspiel ist der Raid die Königsdisziplin, in der bis zu 40 Spieler koordieniert einen großen Bossgegner bezwingen müssen. Das Kartenspiel simuliert solche Raidbosse mit eigenen Kartensets. Hier übernimmt ein Spieler das Raiddeck mit dem Boss oder den Bossen eines Schalchtzugs. Die Spieler stellen eine möglichst schlagkräftige Gruppe zusammen und versuchen sich gegen den Boss durchzusetzen. Das funktioniert hervorragend und ist je nach Set auch besonders schwierig. Ihr seht also es gibt ein paar gute Gründe dieses Spiel mal wieder aus der Versenkung zu holen.

WOW Trading Card Game – Verschiedene Raiddecks / Foto: Spieltroll

WOW TCG wurde von 2006 bis 2010 von Upper Deck Eintertainment hergestellt und wechselte 2010 zu Cryptozoic Entertainment, die es dann noch bis 2013 weiterführten. Dann fand es ein jähes Ende und wurde nach 7 Blöcken mit insgesamt 21 erschienenden Sets eingestellt. Das ist ein deutlich größerer Kartenpool, als andere Spiele erreicht haben. In den Anfangsjahren verkaufte sich das Spiel vor allen Dingen so gut, weil die Booster Beutekarten für das Computerspiel enthalten konnten, die einem tolle Goddies im Spiel bereitstellten. Diese sogenannten Lootkarten wurden für wirklich viel Geld verkauft, so dass ein Großteil des Kartenspiels von Händlern aufgekauft wurde, um diese Karten zu erhalten. Schade eigentlich.

2010 bei Cryptozoic kam noch Corey Jones als Entwickler hinzu, was aber letztlich nichts half, denn 2013 wurde das WOW Trading Card Game nach sieben Blöcken mit insgesamt 21 Sets eingestellt. Cryptozoic ist heute als ein Rechteverwerter für Brettspiele bekannt und hat hauptsächlich Spyfall und Love Letter-Versionen, sowie The Walking Dead – Spiele im Programm.

WOW Trading Card Game – Box voll mit Decks / Foto: Spieltroll

Ich selbst bin großer Fan vom WOW Trading Card Game und hoffe ich habe klar dargelegt warum, denn dieses Spiel hat einiges zu bieten, dass man sonst bei der Trading-Card-Standardkost nicht bekommt. Solltet ihr die Chance haben mal an ein paar Karten heranzukommen, so kann ich es nur empfehlen. Die Vielfalt der Möglichkeiten von unterschiedlichen Decks, die man bei WOW Spielen kann ist einfach enorm. Leider habe ich heutzutage keinen mehr der Lust hat mit mir eine Runde zu spielen und so steht die Sammlung unbenutzt im Schrank. Schade…

Manche fragen sich wohl, warum ich dieses Spiel in dieser Reihe mit aufnehme, denn es hatte zwar einigen Erfolg für ein paar Jahre, geriet aber auch schnell in Vergessenheit, was eigentlich nicht für einen Klassiker spricht. Da kann ich nur sagen, ihr habt vollkommen recht, aber vertraut mir, das Spiel ist zu gut, um vergessen zu werden. Ach ja, das Spiel hat absolut nichts mit Hearthstone zu tun, lediglich Artworks wurden in Hearthstone übernommen.


  • Verlag: Cryptozoic Entertainment, Upper Deck Entertainment
  • Autor(en): Ben Cichoski, Mike Hummel, Cory Jones, Brian M. Kibler, Daniel Mandel
  • Illustrator(en): Rebecca Guay-Mitchell, Dave Kendall, Mike Krahulik, Todd McFarlane, Steve Prescott, James Ryman, Chris Seaman, Cyril Van Der Haegen
  • Erscheinungsjahr: 2006
  • Spieleranzahl: 2 – 6 Spieler
  • Dauer: 20 – 40 Minuten (Schlachtzüge dauern länger)

3 Gedanken zu „Klassiker – World of Warcraft TCG“

  1. Interessant, dass du jetzt ein Review zu World of Warcraft TCG geschrieben hast. Anfang diesen Jahres war ich auf der Suche nach einer Deckklopperei für mich und meinen Sohn abseits von Magic. Etwas was auch mal mit in den Urlaub kann (welcher dann ausgefallen ist). Dabei bin ich auf World of Warcraft TCG gestoßen. Starterdecks bzw. Starter-Boxen bekommt man noch zu fairen oder gar günstigen Preisen. In den Starter-Boxen waren normalerweise immer auch 2 Booster-Packs enthalten, so dass man dadurch auf jeden Fall noch weitere Karten bekommt. Im Idealfall hat der Verkäufer noch weitere Booster-Packs mit beigefügt. Bei einem großen Onlineversandhändler gibt es zudem einen Anbieter, welcher 9 Starterdecks (ohne Quests) zu einem kleinen Preis verkauft. Die ganz große Sammlung (insbesondere mit seltenen Karten) bekommt man nicht mehr so einfach zusammen, ausreichend Karten, um verschiedene Decks zu bauen aber auf jeden Fall.

    Als großen Vorteil von World of Warcraft TCG finde ich im Vergleich zu Magic, dass die Kartenfähigkeiten leichter zu verstehen sind und nicht so häufig nachgeschlagen werden muss. Und wenn doch, kommt man in fast allen Fällen mit der Anleitung weiter und muss nicht noch extra im Internet nachsehen. Das erleichter auch den Deckbau. Auch, dass jede Karte als Mana eingesetzt werden kann, ist ein großer Vorteil, auch wenn man dadurch manchmal verzwickte Entscheidungen treffen muss. World of Warcraft TCG ist nicht ganz ohne Tücken. Manche Regeln muss man mehrmals lesen, um sie zu verstehen und es taucht doch immer mal wieder eine Frage auf, wie man das jetzt spielen muss. Als Tipp sei noch mitgegeben, dass man einige Marker beim Spielen braucht. Die sollte man vorrätig haben.

    World of Warcraft TCG gefällt mir ganz gut und ist eine schöne Alternative zu Magic. An Keyforge kommt es aber für mich nicht heran.

    Was hältst du eigentlich von Dice Masters? Das ist für mich eine flüffige Würfelalternative zu Magic & Co., welche auch leider etwas untergegangen ist.

    1. Magic bleibt für mich das stärkste und kompletteste all dieser Spiele, dafür habe ich es zulange gespielt. Bei Keyforge fühle ich mich immer zu sehr gespielt vom Spiel, weil die Decks eben vorgefertigt sind und die Karten zuwenig taktische Tiefe besaßen. Kann sein das das inzwischen mit einem größeren Kartenpool anders ist. Bei Dice Masters bin ich raus, das ging bisher immer komplett an mir vorbei.

      1. Hinsichtlich dem gespielt werden bei Keyforge hast du schon recht. Der Vorteil ist aber halt, dass der Zugang leichter als bei Magic ist und der Reiz liegt ja darin, dass die Spielweise an die fertigen Decks angepasst werden muss. Ich habe erst letztes Jahr mit Magic angefangen, weil mein Junge es mal probieren wollte, also erst ziemlich spät. Dadurch habe ich vielleicht eine andere Blickweise als du darauf. Magic macht definitiv auch viel Spaß, was mich aber immer wieder nervt ist, dass ich Karten in den Händen halte, wo ich einfach nicht weiß wie die gespielt werden sollen. Bei Magic ist sehr viel Recherche im Internet notwendig. Die Zugänglichkeit könnte echt besser sein.

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