Palm Island

Kein anderes Spiel habe ich in der letzten Zeit öfter gespielt als Palm Island. Dafür musste ich mein Tablet nicht mehr so oft mit neuem Strom versorgen. Palm Island ist ein Spiel für Zwischendurch. Eines das man ganz allein in einer Hand spielen kann. Ja, richtig gelesen. Man fühlt sich sogar so, als hält man ein Smartphone in der Hand und geübte Spieler brauchen höchstens 15 Minuten für eine Partie. Ganz ehrlich, etwas Vergleichbares als analoges Spiel habe ich zuvor noch nie gespielt, weswegen ich es wahrscheinlich so faszinierend finde und im Moment kaum davon loskomme. Aber was genau ist Palm Island eigentlich für ein Spiel? Auf jedenfall eines das in jede Tasche passt. Das kleine Kartenspiel ist gerade einmal 12 mal 10 cm groß und um es für unterwegs mitzunehmen braucht man sogar nur halbsoviel Platz.

Worum geht es?

Palm Island ist eigentlich ein Solospiel. Auch wenn auf der Packung steht das man es zu zweit spielen kann, so bleibt es eigentlich eine Soloerfahrung, denn selbst im Spiel zu zweit spielt jeder für sich und man muss nur versuchen quasi nebenbei Katastrophen, die unsere namensgebende Insel bedrohen abzuwenden. Ein Solospiel also, bei dem wir mit einem siebzehn Karten starken Deck unsere Insel mit Gebäuden aufbauen. Für den Spieler geht es dabei um das richtige Karten- und Ressourcenmanagement. Eine kleine Memorykomponente kommt auch noch hinzu und voilá ein kleiner Süchtigmacher ist geboren.

Palm Island – Kartendeck / Foto: Spieltroll

Wie läuft das ab?

Ok, ganz ruhig, bevor ich mich hier vor Begeisterung überschlage. In der kleinen Schachtel befinden sich zwei Kartendecks, die sich nur durch einen farbigen Balken unterschieden. Beide Decks sind für jeweils einen Spieler und enthalten jeweils 17 Karten mit denen man spielt. insgesamt befinden sich aber 50 Karten in der Schachtel. Die restlichen Karten teilen sich auf. Es gibt ein paar Karten für das kooperative Spiel und einige Errungenschaftskarten, die man sich durch eine erfolgreiche Partie erspielen kann. So bleibt eine gewisse Langzeitmotivation, bis man sich alle Errungenschaften erspielt hat und das, ich nehme es mal vorneweg, dauert schon ein Weilchen, denn es bedarf schon einiger Übung und ein bißchen Spielgefühl, bis man die Aufgaben erledigt hat.

Palm Island – Karten / Foto: Spieltroll

Die Karten des Spieldecks sind quasi viergeteilt. Auf jeder Seite der Karte gibt es einen oberen und einen unteren Bereich. Zu Beginn einer Runde werden alle Karten gleich ausgerichtet. In einem der vier Bereiche befindet sich dazu ein graues Symbol. Anschließend werden 16 der 17 Karten gemischt und als Stapel in die Hand genommen. Die siebzehnte Karte ist die Rundenkarte, die so ausgerichtet wird, dass Feld Nummer 1 oben zu sehen ist. Die Rundenkarte wird ganz ans Ende des Stapels gelegt. So hält man die Karten in der Hand und es kann auch schon losgehen.

Palm Island – Die vordersten Karten / Foto: Spieltroll

Während des gesamten Spiels darf man immer maximal drei Karten sehen die vorne sind. Das heisst, man schiebt die vordersten Karetn ein Stück nach unten, so dass man drei obere Kartenhälften sieht. Nun gibt es ein paar Möglichkeiten die man auswählen kann. Du darfst entweder die vorderste Karte ungenutzt ablegen, was in diesem Fall bedeutet, dass die Karte nach hinten gesteckt wird, oder aber man nutzt eine Aktion auf einer der beiden vorderen Karten. Das wird auch nicht immer möglich sein. Sollte man keine Aktion machen können, so wird die vorderste Karte nach hinten gesteckt und man muss warten, bis eine Aktion auf einer Karte auftaucht, die man ausführen kann und will. Die Rundenkarte ist ein Sonderfall, diese darf immer erst benutzt werden, wenn sie sich ganz vorne in deiner Hand befindet.

Palm Island – gelagerte Karte / Foto: Spieltroll

Drei weitere Aktionen können auftauchen. Lagern durch ein Kippen der Karte auf die Seite um 90 Grad. So können wir Rohstoffe lagern, die auf den Karten abgebildet sind. Es gibt Holz, Stein und Fisch als Rohstoffe. Maximal darf man vier Karten auf diese Art lagern, egal wieviele Rohstoffe sich auf den einzelnen Karten befinden. Die zweite Aktion ist das Rotieren, hier wird die Karte auf den Kopf gedreht, so dass die untere Hälfte zukünftig oben ist. Als dritte Möglichkeit gibt es noch das Wenden, wo die Karte gleich komplett auf die Rückseite gedreht wird. Nach all diesen drei Aktionen wird die Karte anschließend ans Ende gesteckt. Beim Lagern schaut der Rohstoff nun an der Seite heraus, so dass man immer schön sieht, welche und wieviel Rohstoffe man zur Verfügung hat.

Palm Island – Markt benutzen durch Fisch bezahlen / Foto: Spieltroll

Die meisten dieser Aktionen erfordern als Bezahlung Rohstoffe und wann immer man welche ausgibt, werden die gelagerten Rohstoffe wieder um die 90 Grad zurück gedreht. So wertet man nach und nach seine Karten auf und viele von ihnen bringen auf höheren Ausbaustufen Punkte und/oder mehr Rohstoffe ein. Ziel ist es, zumindest am Anfang möglichst viele Punkte zu erzielen. Man spielt sich auf die beschriebene Weise durch sein Deck. Auch die Rundenkarte ist dabei keine Ausnahme, liegt sie vorne befolgt man die Anweisung, entweder sie wird rotiert oder gewendet. Wenn wir bei der acht ankommen ist Schluß und die Punkte werden gezählt.

Die Anleitung hält eine Tabelle zur Einschätzung der Punkte bereit, auf die schaut man allerdings nur zu beginn. Nach ein paar Eingewöhnungspartien geht es dann los, dass man versucht die Errungenschaften freizuspielen. Das läuft zunächsteinmal genauso ab wie vorher. Am Ende der Partie nimmt man dann alle Errungenschaftskarten auch mit der Startseite in der gleichen Richtung und schaut sie durch. Auf ihnen stehen Bedingungen, wie zum Beispiel „mindestens 30 Siegpunkte erreicht“ oder „alle Gebäude auf Ausbaustufe 2“, die man durchschaut. Hat man die Bedingung erfüllt, so darf man sie Aufschließen und um 180 Grad drehen und so im nächsten Spiel in seinem Deck als zusätzliche Karte benutzen. Manche Errungenschaften gehen auch nicht ins Deck, sondern erlauben es eine bestimmte Karte vor Spielbeginn bereits aufzuwerten. So wird das Spiel ein wenig einfacher und man kann schwierigere Errungenschaften erreichen.

Palm Island – Errungenschaften / Foto: Spieltroll

Das kooperative Spiel funktioniert im Grunde genauso, nur das man eine von drei Katastrophen gemeinsam abwenden muss. Diese Karte wird zwischen die beiden Spieler gelegt und zeigt drei Aufwertungen, für die die Spieler Rohstoffe abgeben müssen. Dies können die Spieler aber nur gemeinsam am Ende einer Runde tun. Das heisst sie spielen parallel eigentlich eine Solorunde und schauen danach, ob sie die Katastrophe abwenden wollen oder können. Auf die gleiche Weise können sie auch entscheiden mit einer der Gemeinschaftskarten zu spielen, die ihnen Vorteile bringen sollen. Das Spielziel hier ist es bis zur achten Runde die Katastrophe dreimal abzuwenden. Wer möchte kann auch im Solomodus mit den Katastrophen spielen.

Palm Island – Katastrophen / Foto: Spieltroll

Das Fazit

Okay, vergesst den zweiten Spieler, das ist kein wirkliches kooperatives Spiel. Selbst zu zweit bleibt es eigentlich eine Soloerfahrung. Somit bekommt man hier zwei Kartensets für zwei Spieler, die es solo spielen können. Nur wenn später einmal beide Spieler Errungenschaften im Deck haben wollen, müssen sie sich eventuell einigen, wenn sie parallel spielen. Nachdem ich das aus dem Weg geräumt habe muss ich sagen, dass ich Palm Island als Solobeschäftigung großartig finde. Wie eingangs schon erwähnt, mein Tablet muss deutlich weniger geladen werden, denn wenn ich nun mal ein paar Minuten Zeit habe und einfach nur auf der Couch versacke, liegt neuerdings diese kleine blaue Schachtel in Griffweite und ich spiele gerne mal ein oder zwei Runden Palm Island. Lustig ist dabei, dass sogar die Haltung bei dem Spiel die eines Spielers gleicht, der ein Smartphone bedienen würde. Palm Island kommt mir wirklich wie eine Zwischendurchapp auf dem Smartphone vor, nur eben als analoge Variante. Das finde ich irgendwie schön, weil es zeigt, das es auch ohne Strom geht.

Dafür liebe ich Palm Island. Es ist denke ich aber auch nicht mehr als es ist. Wie eine App, mit der man sich eine zeitlang recht intensiv beschäftigt, ist auch Palm Island etwas, dass man quasi durchspielt und dann weglegt, um es irgendwann mal wieder rauszuholen. Das ist aber auch nicht wirklich schlimm, denn das Spiel ist für sechs bis acht Euro zu haben und immerhin zwei Spieler können sich damit eine zeitlang gut beschäftigen.

Das mit den Errungenschaften klappt dabei auch erstaunlich gut. Es hält mich auf jedenfall solange bei der Stange, dass ich es immer wieder probieren will, bis ich alle Errungenschaften in meinem Deck haben will. Palm Island erfordert dabei nicht nur ein bißchen Fingerfertigkeit beim halten, sondern vor allem ein gewisses Ressourcenmanagement. Hinzu kommt tatsächlich auch eine kleine Memorykomponente, da es von Vorteil sein kann zu wissen, wann welche Karte wieder auftauchen wird. Eine Partie ist sehr schnell gespielt, wenn man sich erstmal daran gewöhnt hat. Maximal 15 Minuten und man ist durch. Für Leute die nicht so große Hände haben, ist es auch möglich das Spiel mit minimalem Platzbedarf auf einem Tisch zu spielen.

Für den Preis steckt für mich eine Menge Spaß in der kleinen Schachtel und ich finde hier kann man nicht viel verkehrt machen. Wenn man gerne mal sonst am Handy oder Tablet gespielt und sich ein bißchen abgelenkt hat, dann kann man sich auch hinsetzen und Palm Island spielen. Volle Empfehlung für dieses kleine, in meinen Augen innovative und spaßige Spiel.


  • Verlag: KOSMOS
  • Autor(en): Jon Mietling
  • Illustrator(en): Jon Mietling
  • Erscheinungsjahr: 2019
  • Spieleranzahl: 1 – 2 Spieler
  • Dauer: 15 Minuten

3 Gedanken zu „Palm Island“

  1. Erst einmal ein herzliches Hallo und ein Lob für diese großartige Seite. Ich meine zwar in der Vergangenheit hier schon einmal vorbei geschaut zu haben, irgendwie ist der Spieltroll aber doch ganz gut in den weiten des Netzes versteckt. Jedenfalls war mir die Seite bisher doch recht unbekannt, was schade ist, da die Artikel zu Rezensionen und Meinungen wirklich gut geschrieben sind.

    Das ist nun ausgerechnet zu Palm Island meinen ersten Senf hinzu gebe, wo ich in der Meinung doch etwas abweiche sei mir verziehen.

    Palm Island ist für mich ein gutes Spiel. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Vielleicht hab ich mir auch zu viel davon erhofft. Das Spiel lässt sich ganz gut in einer Hand spielen, ist aber doch etwas unhandlich. Die Idee hinter dem Spiel ist auch interessant, der ganz große Spielspaß hat sich bei mir aber nicht eingestellt. Vornehmlich liegt das an der Zufälligkeit der Kartenfolge. Ich bin mitnichten ein Hardcore-Eurogamer. Glück im Spiel ist für mich an sich überhaupt kein Problem. Hier ist es aber etwas kritisch, da die zufällige Abfolge der Karten praktisch die maximal schaffbare Höchstpunktzahl festlegt. So kann es durchaus sein, dass man mal recht einfach effektive Ketten aufbauen kann und ein anderes mal nur schlecht von der Stelle kommt, bzw. erst mal eins / zwei Runden braucht, um die Maschine zum Laufen zu bringen. Will man halbwegs ernsthaft auf die Punktzahl spielen, ist das dann doch recht hinderlich und vor allem geht dadurch die Zielsetzung verloren, was den Wiederspielreiz senkt (dagegen steht aber, dass die zufällige Kartenfolge das Spiel variabel macht). Die große Motivation auf Punktejagd zu gehen ist dadurch für mich etwas verloren gegangen. Für ein entspanntes Spiel zwischendurch (vor allem ohne Handy, Tablet etc.) ist Palm Island aber wirklich gut geeignet. Hoffentlich fällt irgendwann mal jemanden noch etwas Besseres zu dieser Idee ein.

    1. Danke das du dich hierher verirrt hast um meinen Gedanken zu folgen.

      Ich sehe es nicht ganz so kritisch wie du, aber im Grunde schon ähnlich und ich hoffe es kommt einigermaßen so rüber. Die Idee, die hinter Palm Island steckt finde ich ziemlich gut und auch die Umsetzung gefällt mir. Aber ich sehe es ähnlich, Palm Island ist kein großes (nee wirklich nicht) Spiel, sondern eher ein gelungener kleiner Zeitvertreib für eine Weile. Ich würde mich aber, wie du anscheinend auch, über weitere Spiele dieser Art freuen, die spielerisch noch ein wenig mehr auf dem Kasten haben. Momentan greife ich aber immer mal wieder zum Spiel, um weitere Errungenschaften zu erreichen.

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