Little Town

Little Town / Foto: Spieltroll

Die Tatsache das Little Town auf der Empfehlungsliste zum Spiel des Jahres 2020 steht ist noch ganz frisch und hat in der Tat dazu beigetragen, dass ich diese Review noch nicht früher Online gestellt und noch ein bißchen daran gearbeitet habe. Nicht weil mich die Empfehlung in meinem Urteil beeinflusst hätte, aber ich wollte für mich noch klären, ob ich es ebenfalls dort sehe. Little Town sollte man nicht mit Tiny Town verwechseln, denn beide sind tatsächlich ziemlich unterschiedlich. Little Town ist dabei ein Worker-Placement-Spiel mit einem kleinen Kniff, der das Städtebauspiel zu einem netten Familienspiel macht, was auch von der recht familienfreundlichen Grafik unterstrichen wird.

Worum geht es?

In Little Town bauen die Spieler gemeinsam auf einem Feld eine Stadt. Jeder verfolgt dabei eigene Interessen und versucht seine Ziele in der Stadt umzusetzen. Durch Einsetzen von Arbeitern bekommen die Spieler gleichzeitig Ressourcen, die sie zum Bau neuer Gebäude benötigen und lösen Aktionen der bereits bestehenden, benachbarten Gebäude aus. Wer nach vier Runden die meisten Punkte erspielt hat gewinnt Little Town.

Little Town – Spielaufbau / Foto: Spieltroll

Wie läuft das ab?

Der Spielaufbau geht recht schnell von statten. Jeder der bis zu vier Spieler bekommt das Spielmaterial seiner Farbe, dass aus fünf Arbeitern und sieben Häusern, sowie drei Münzen besteht. Ein Punktezähler wird auf die Punkteleiste gestellt. Die Gebäudeplättchen werden verdeckt gemischt und dann zwölf Stück in die Auslage im unteren Bereich des Spielbretts ausgelegt. Die Getreidefelderplättchen kommen daneben auf einen offenen Stapel. Die Zielkarten werden gemischt und jeder Spieler erhält verdeckt, je nach Spieleranzahl, eine Anzahl von ihnen. Hierbei taucht gleich ein kleiner negativer Punkt auf, denn es gibt viele Zielkarten, die sich auf bestimmte Gebäudearten beziehen und wenn diese nicht im Spiel seien sollten, da man die Gebäudeplättchen ja zufällig auslegen soll, hat man mitunter ein Problem. Die Spielregel weisst aber darauf hin und empfiehlt die Zielkarten auszutauschen. Die Ressourcenwürfel und Münzplättchen werden neben dem Spielbrett bereitgelegt. Mehr ist nicht zu tun.

Little Town – Spielfeld Baubereich / Foto: Spieltroll

Das Spielbrett zeigt neben dem unteren Bereich, wo die Plättchen ausliegen und Punkte gezählt werden im oberen Bereich das eigentliche Spielfeld mit einem Raster. Hier gibt es leere Landschaftsfelder und manche die bereits eine Form von Gelände zeigen. Es gibt Steine, Bäume und Seen die uns mit Stein, Holz und Fisch als Ressourcen versorgen. Die letzte Ressource Getreide können wir von den Getreideplättchen bekommen, wenn wir sie denn gebaut haben. Das Spielbrett ist doppelseitig bedruckt und die beiden Seiten unterscheiden sich nur in der Anordnung der Rohstoffe im oberen Teil des Bretts.

Little Town – Spielsituation / Foto: Spieltroll

Die Spieler setzen nun reihum einen ihrer Arbeiter ein, dabei haben sie die Wahl ihn entweder im oberen Bereich in das Raster zu stellen, wodurch sie alle acht benachbarten Felder ansprechen. Von den Landschaftsfeldern bekommt man in diesem Fall jeweils die entsprechende Ressource und sollten dort Gebäude stehen, so bekommt man auch hier die Möglichkeit alle Aktionen auszuführen. Alternativ zum Landschaftsraster kann man seinen Arbeiter aber auch im unteren Bereich auf das Baufeld stellen. Macht man das, so darf man eines der Bauplättchen errichten. Diese haben Kosten die bezahlt werden müssen. Danach darf man das Plättchen auf ein leeres Feld im Raster legen und setzt zum Zeichen dafür, wem das Gebäude gehört, ein Haus auf das Plättchen.

Little Town – Bauaktion / Foto: Spieltroll

Möchte man Aktionen von Gebäuden nutzen, so haben diese oftmals ebenfalls Kosten die bezahlt werden müssen, um einen bestimmten Effekt zu erzielen. Zum Beispiel muss man bei einem Gebäude eine Münze bezahlen, um ein Getreide und einen Fisch zu bekommen. Manche Gebäude liefern aber auch nur Rohstoffe und Siegpunkte ohne irgendwelche Kosten. Sollten einem eines oder mehrere der angrenzenden Gebäude nicht gehören, so dürfen wir sie jeweils für die Kosten einer Münze benutzen und der Besitzer des entsprechenden Gebäudes bekommt die Münze von uns. So ergeben sich interessante Konstellationen auf dem Spielbrett, da der zur Verfügung stehende Bauplatz allen gehört und gut genutzt werden will.

Little Town – Nahrung für Arbeiter / Foto: Spieltroll

Als zusätzliche Herausforderung muss man in einer Runde genug Nahrungsmittel (Fisch und Getreide) erwirtschaften, um seine Arbeiter am Ende der Runde bezahlen zu können, denn sollte eine Nahrung fehlen, so muss man dies mit drei Minuspunkten pro fehlender Nahrung bezahlen. Am Rundenende nehmen alle Spieler ihre Arbeiter wieder vom Spielbrett zurück in ihren Vorrat. Jeder verfolgt natürlich seine persönlichen Ziele, die durch die Zielkarten vorgegeben sind. Die gebauten Gebäude bringen außerdem weitere Siegpunkte. Nach nur vier relativ kurzen Runden ist Little Town auch schon vorbei und derjenige Spieler mit den meisten Siegpunkten gewinnt, wobei man am Spielende auch noch einen Siegpunkt für je drei Münzen bekommt.

Das Fazit

Irgendwie kommt mir die Spielbeschreibung viel zu kurz vor, aber es ist tatsächlich nicht mehr! Das dürfte auch erklären, warum Little Town auf der Empfehlungsliste zum Spiel des Jahres auftaucht. Es spielt sich ziemlich schnell und ist innerhalb von ein paar Minuten erklärt. Eine gewisse Spieltiefe erhält Little Town durch den kleinen Kniff mit den Arbeitern, die sowohl zum Ressourcen einsammeln, als auch zum Gebäude aktivieren benutzt werden und man kann mit einer Figur relativ viel rausholen. Dabei ist das Spiel auch noch ziemlich interaktiv, denn man schnappt sich schnell begehrte Plätze weg, verbaut sich gegenseitig gute Gelegenheiten und muss seine Mitspieler mitunter für gute Gebäudeaktionen bezahlen. Das größte zu bewältigende Problem stellt aber in jeder Runde die Nahrungsmittelbeschaffung dar, denn wer das zu lax handhabt, der verliert schnell wertvolle Punkte.

Little Town – Spielsituation / Foto: Spieltroll

Insgesamt gefällt mir Little Town recht gut, es macht einfach Spaß zu spielen, auch wenn es für Vielspieler nur ein kurzes Füllerspiel für Zwischendurch sein wird. Dafür ist die Weiderspielbarkeit aber gegeben, da es doppelt soviele Gebäudeplättchen gibt, wie in einer Partie mitspielen. Das Material ist topp und die Optik sehr auf niedlich getrimmt, aber an Iello spielen habe ich optisch selten etwas auszusetzen. Eigentlich ist es ein bißchen seltsam das mir Little Town so gut gefällt, denn es hat ein paar Schwächen, die nicht von der Hand zuweisen sind. Für zwei Spieler ist es am schwächsten, denn der Platz auf dem Spielfeld ist dafür einfach zu groß. Littel Town lebt von der Interaktion zwischen den Spielern und die kommt dabei einfach zu wenig auf. Zu dritt oder viert will Little Town gespielt werden. Die Sache mit den Zielkarten haben wir durch einen Gebäudedraft vor dem Spiel gehausregelt. Jeder Spieler bekam verdeckt immer zwei Gebäudeplättchen und durfte sich eines aussuchen. So kann man zumindest dafür sorgen, dass ein paar der Gebäude die man benötigt es ins Spiel schaffen, aber ansonsten finde ich es ein bißchen schwach, das hier keine andere Lösung gefunden wurde. Trotz dieser kleinen Makel gefällt mir Little Town gut und ich kann verstehen warum es auf der Empfehlungsliste gelandet ist. Little Town zeigt mir dann auch ziemlich deutlich, warum Tiny Town kein Spiel des Jahres, sondern zum Kennerspiel hätte nominiert werden müssen.


  • Verlag: Iello
  • Autor(en): Shun Taguchi, Aya Taguchi
  • Illustrator(en): Ryan Laukat
  • Erscheinungsjahr: 2019
  • Spieleranzahl: 2 – 4 Spieler
  • Dauer: 30 – 45 Minuten

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