Botanists

Botanists / Foto: Spieltroll

Botanists ist ein Spiel das trotz einer gescheiterten Kickstarter-Finanzierung seinen Weg zu und fand. Meistens hat meine Frau einen guten Riecher, wenn sie sich ein Spiel aussucht und bei Botanists hatte sie ein gutes Gefühl. Die Beschreibung gefiel und die Optik passte auch, so dass wir ein Exemplar orderten. Bei Kickstarter wollten allerdings nur 60 Leute das Spiel mitfinanzieren. Kann sich der Schwarm täuschen? Manchmal schon… Den Verlag Agie Games kannte ich jedenfalls bis zu diesem Erstkontakt nicht und nach der Recherche fand ich auch nur ein weiteres Spiel, das im Portfolio dieses Verlages zu finden ist. Spiele übers Gärtnern haben uns in der Vergangenheit schon des öfteren positiv überrascht und so hofften wir, dass auch Botanists von Violaine Malié uns postiv überraschen wird. Ziemlich erstaunt waren wir, die wir das Spiel nur von Fotos kannten über das Spiel, dass uns dann erreichte. Ein ziemlich großer und schwerer Karton in Hochglanzoptik schaute uns an und wir waren tatsächlich ein bißchen überrascht, denn wir hatten ein deutlich kleineres Spiel erwartet. Rein Optisch schon mal sehr schön, aber macht das Spiel auch Spaß?

Worum geht es?

In Botanists spielen wir Gärtner, die am lokalen Markt Blumensamen kaufen und sie auf ihren Beeten einpflanzen, nur um sie dann später wieder zu verkaufen. Unzwar für Aufträge, die wir erhalten. Wir müssen versuchen mit unserem begrenzten Platz hauszuhalten und am Ende gewinnt der Gärtner, der seine Kunden am besten bedienen konnte.

Botanists – Spielaufbau / Foto: Spieltroll

Wie läuft das ab?

In der sehr schweren Schachtel finden wir zunächst einiges an hervorragend produziertem Material. Das Spielbrett ist riesig und für das eigentliche Spiel viel zu groß. Das Spiel findet nur auf 25 ausliegenden Plättchen statt, die in der Mitte des Spielfeldes zufällig aus einem Beutel gezogen ausgelegt werden. Diese Plättchen zeigen eine von fünf Blumensorten. Die Spielfiguren, die als einziges nicht so ganz zum Rest des hochwertigen Materials passen, denn sie sind einfache Pappaufsteller in Kunststofffüßen, werden neben diesem relevanten Bereich platziert. Es gibt noch ein paar Ablagefelder für Karten, bei denen aber sowohl die bebilderte Schnellstartanleitung, als auch das Regelheft sich darüber ausschweigen was man wohin legen soll. So richtig scheint aber keine der Kartensorten auf einen der eingezeichneten Plätze zu gehören.

Botanists – Auftragskarten und Punkteleiste / Foto: Spieltroll

Insgesamt gibt es zwei verschiedene Kartenarten, die Markt- und die Auftragskarten. Die unabhängig voneinander gemischt und in verdeckten Stapeln bereitgelegt werden. Jeder Spieler erhält ein Tableau, das zu seiner Spielfigur passt und diese Tableaus sind allesamt unterschiedlich. Man kann rechterhand drei Auftragskarten auslegen und links zeigen sie drei Beete auf denen wir als Gärtener unsere Blumen anpflanzen können. Insgesamt pro Beet fünf Stück und man sieht hier farblich welche Blume als nächstes gepflanzt werden sollte. Diese kann man auf dem Markt bekommen. Sollte es nicht klappen, so müssen wir eine Blume umdrehen und sehen eine verwelkte Blume, die wir dann platzieren müssen. Passiert das, so lösen wir eine Sonderaktion aus, die aber immer irgendwie negativ für uns verläuft. Also heisst es für uns das zu vermeiden.

Botanists – Spielertableau / Foto: Spieltroll

Unter unserer Auftragsablage befindet sich das unfruchtbare Land, aufdem wir zusätzlich bekommene Blumen ablegen können. Hiermit erfüllen wir Aufträge, diese Ablage ist also soetwas wie ein Blumenlager. Bis zu drei Aufträge können wir auf unserem Tableau aufbewahren die nur wir erfüllen können. Die Aufträge in der allgemeinen Auslage können wir aber ebenfalls erfüllen. Alle Aufträge bringen uns Punkte.

Botanists – Spielfiguren / Foto: Spieltroll

Blumen erhalten wir vom Markt durch eine Bewegung mit unserer Spielfigur, die sich ein oder zwei Felder diagonal oder orthogonal bewegen kann. Auf dem Feld auf dem man zu stehen kommt, spielt man dann eine seiner Marktkarten aus und sammelt die Blumen ein, die der Form auf der Karte entsprechen. Diese Karten haben tetrisartige Formen abgebildet und ein Feld in dieser Form bezeichnet immer das Feld der Spielfigur. Diese Karten dürfen nicht gedreht werden. Von anderen Spielern besetzte Felder werden nicht geerntet Da auch das Feld unter der eigenen Spielfigur geerntet wird, ist es möglich ein bis vier Blumen zu bekommen. Es stellt sich im Spielverlauf allerdings als äußerst unpraktikabel heraus, das man immer erst seine Spielfigur zur Seite nehmen muss, um an das Plättchen darunter zu kommen. Außerdem wird danach noch neu befüllt und die Figur steht eigentlich immer im Weg. Eine merkwürdige Designentscheidung, die mir nicht ganz einleuchten will.

Botanists – Beete / Foto: Spieltroll

Der Zug eines Spielers läuft dann in etwa so ab: Ich schaue wo im Markt eine Blume ist, die ich als nächstes in mein Beet einbauen muss, um nicht mit negativen Konsequenzen leben zu müssen. Dann Schaue ich, ob und wie ich mit meiner Gärtnerfigur dahin komme und schaue mir meine Handkarten an, ob ich sie mit meinen Marktkarten auch bekommen kann. Zusätzlich schaue ich mir die anderen Blumen an, die ich damit bekomme und wie diese zu meinen schon vorhandenen Blumen und den Aufträgen passen. Habe ich eine Entscheidung getroffen muss ich das auch alles noch ausführen, ziehe also meine Figur, Spiele die Karte, stelle meine Figur zur Seite und ernte die Blumen. Anschließend ziehe ich neue Plättchen, lege sie aus und stelle meine Figur zurück. Danach entscheide ich, wie ich meine Blumen vom Markt verwende. Erfülle ich einen allgemeinen Auftrag, so wird ein neuer ausgelegt. Das ist es dann auch und so gestalten sich fünfzehn Runden.

Am Ende der Partie, nachdem alle Spieler ihre drei Beete mit je 15 Blumen befüllt haben, bekommen wir Punkte. Fünf Punkte pro erledigten Auftrag und 5 Minuspunkte für jeden unserer persönlichen Aufträge den wir nicht erfüllen konnten. Für jedes komplette Beet ohne verwelkte Blumen gibt es Bonuspunkte und für jede Blumen die wir am Ende eingelageert haben und nciht verwenden konnten gibt es Minuspunkte. Zusätzlich bringen uns Welke Blumen in den Beeten zusätzliche Minuspunkte.

Das Fazit

Oh man, tut mir ein wenig leid für dieses Spiel, aber es ist einfach nicht gut. Jede Menge sehr zweifelhafte Designentscheidungen führen leider zu einem total misslungen Spiel, das allerdings ziemlich gut aussieht und auf seine Art absolut überproduziert ist. Das geht mit ddiesem lächerlich großen Spelbrett los, auf dem man soviel leeren Raum hat, der für nichts gut ist. Alle Teile sind hochglänzend und aus sehr dickem, hochwertigem Material. Schade, bei dem gebotenen Spiel kommt mir da des öfteren nur Materialverschwendung in den Sinn. Das zugrunde liegende Spiel ist im Kern gar nicht mal so schlecht allerdings hat die Designerin das Spiel einfach zuwenig getestet. Schon nach ein bis zwei Runden fällt einem auf, dass es total doof ist seine Figur auf ein Feld zu ziehen auf dem ein Plättchen liegt, das man danach abräumen muss. Das klingt nach einer Kleinigkeit, aber das ist einfach nicht gut gelöst.

Die auf den Spielertableaus festgelegt Reihenfolge der Blumen ist zwar als Vorgabe okay, aber die negativen Effekte sind irgendwie zu zufällig verteilt und bestrafen einen so sehr, das man es als Option nicht in Erwägung zieht mal eine Blume auszulassen. Sollte mal eine Blume nicht verfügbar sein, kann man das Spiel schnell abhaken, denn man kann keine Bonuspunkte für das Beet mehr bekommen, kriegt negative Punkte für die welke Blume und kriegt eine meist seltsame Sonderaktion. Der Auftragsstapel ist lächerlich groß und absolut überflüssig. Die angegebene Spielzeit von 15 Minuten pro Spieler spottet jeder Beschreibung, denn das Spiel geht 15 Runden mit dem Spielverlauf den ich oben beschrieben habe unmöglich. Das wäre eine Minute pro Spielzug. Drei bis vier wären eher realistisch, da man ja im Vorfeld nichts planen kann. Man muss immer erst abwarten was die Spieler vor einem machen. Die Downtime ist somit erschrekend hoch. Bei gutgerechneten drei Minuten pro Zug kommen wir also auf 45 Minuten pro Spieler. Eine Vier Spielerpartie kommt so auf 180 Minuten. Da sind Spieler die alles totanalysieren noch nicht miteingerechnet. Für diese Spieldauer ist das Spielprinzip einfach viel zu dünn.

Botanists acht so einfach keinen Spaß. Die Ansätze sind alle ganz gut aber irgendwie nicht richtig bis zu Ende gedacht und bleiben leider weit hinter dem Material zurück. Ich kann wirklich verstehen, warum das Spiel auf Kickstarter keiner unterstützen wollte. Ein Wunder, das das Spiel trotzdem existiert. Für mich eine herbe Enttäuschung und eines der schlechtesten Spiele der letzten Zeit.


  • Verlag: Agie Games
  • Autor(en): Violaine Malié
  • Illustrator(en): Pedro Codeço
  • Erscheinungsjahr: 2019
  • Spieleranzahl: 2 – 4
  • Dauer: 30 – 60 Minuten laut Verlag. Eher 120+!

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