Sprawlopolis

Sprawlopolis / Foto: Spieltroll

Im Moment beschäftige ich mich gerne mit dem Genre der Micro-Games. Was ist das denn? Das sind Spiele die durch nur recht wenig Spielmaterial und eigentlich recht simple Mechaniken, ziemlich viel Spiel entwickeln. Vor zig Jahren zeigte Love Letter, was mit wenig Spielmaterial und Mechanik doch möglich ist. Das Spiel wurde zu einem weltweiten Hit. Palm Island, auch wenn es ganz anders gelagert ist, gehört ebenfalls in diese Kategorie. Letztlich war ich ziemlich fasziniert von diesen kleinen Spielen, so dass ich mich mit ein paar weiteren beschäftigt habe. Sprawlopolis von Quined Games, die eine ganze Serie von diesen kleinen Spielen ins Leben gerufen haben ist das nächste Spiel was meine Aufmerksamkeit erregte. Ich mag Stadtaufbauspiele und Sprawlopolis ist tatsächlich ein solches, das es schafft dieses komplexe Genre so weit herunterzubrechen, dass es lediglich mit 18 Karten gespielt werden kann. Der Rest ist ein Punkteblock und eine englische Anleitung.

Worum geht es ?

In Sprawlopolis müssen wir versuchen eine Stadt zu entwickeln, die den Bedürfnissen unserer Bürger entspricht. Das wird natürlich durch Punkte repräsentiert und wir bekommen in jedem Spiel eine Punktevorgabe, die wir, um zu gewinnen, erfüllen müssen. Sind wir nicht gut genug müssen wir es mit einer neuen Stadt und neuen Vorraussetzungen erneut versuchen.

Sprawlopolis – Spielaufbau / Foto: Spieltroll

Wie läuft das ab ?

In einem Microgame haben wir nicht besonders viel Spielmaterial zur Verfügung und so glänzt Sprawlopolis mit gerade einmal 18 doppelseitig bedruckten Karten als Spielmaterial. Man kann das Spiel zwar in einer Gruppe spielen, aber im Kern ist es ein reines Solospiel. Zurück zu den Karten. Diese sind auf der einen Seite mit jeweils vier Rechtecken versehen, die für vier unterschiedliche Bezirke stehen: Industrie, Kommerziell, Wohngebiete und Parks. Jede Karte hat jeweils diese vier in unterschiedlichen Anordnungen auf der Karte. Dazu gesellen sich noch Straßen, die in verschiedenen Geraden und Kurven über die Karte laufen. Mehr gibt diese Seite nicht her. Die zweite Seite hingegen ist mit Zahlen von 1 bis 18 versehen und beschreibt Siegbedingungen, die erfüllt werden wollen, um Punkte zu bekommen.

Sprawlopolis – Zielkarten
/ Foto: Spieltroll

Wie macht man daraus nun ein forderndes Spiel? Man mischt die Karten und deckt sich drei Karten als Vorgaben für die Siegbedingungen aus. Die Siegbedingungen sind sehr vielfältig und wirklich fordernd. Da gibt es sehr unterschiedliche Dinge, wie zum Beispiel den Strip, bei dem man möglichst viele kommerzielle Bezirke in einer Reihe ansammeln möchte. Übersetzt ist das dann eine große bekannte Einkaufsstraße oder man soll starke Arbeiterbezirke bauen, indem man versuchen muss möglichst immer zwei Industriebezirke angrenzend an einen Wohnbezirk zu bauen. Insgesamt 18 verschiedene Siegbedingungen, von denen in jedem Spiel drei benutzt werden. Ziemlich viele unterschiedliche Kombinationen sind möglich und manche dieser Siegbedingungen machen sich gegenseitig auch noch das Leben schwer.

Sprawlopolis – Spielkarten /
Foto: Spieltroll

Sprawlopolis verfolgt dabei einen interessanten Ansatz mit den Siegpunkten. Die Karten zeigen durch ihre Nummer an, wieviele Siegpunkte wir am Schluß haben müssen. Wir zählen also die drei Kartennummern einfach zusammen und erhalten unsseren Zielsiegpunktwert. Dabei wurde darauf geachtet, dass auf Karten mit tiefer Zahl auch nur schwer Punkte gemacht werden können und auf höheren Karten dementsprechend mehr. Das ist punktetechnisch aber natürlich auch noch nicht alles, denn in unserer Stadt verdienen wir auch noch über unseren jeweils größten Bezirk jeder Sorte Punkte.

Aber kommen wir erstmal zum Spielverlauf und dem Spielgeschehen an sich, bevor ich das Punkten erkläre. Der Spieler legt eine Karte als Startkarte in die Mitte und zieht drei Karten auf die Hand. Der Kartenstapel ist offen, so dass man die nächste Karte sehen kann. Nun muss der Spieler eine seiner Handkarten an die offene Karte möglichst sinnvoll anlegen. Dabei muss beachtet werden, dass mindestns an einer Kante der gleiche Bezirk angelegt wird oder man mit dem gleichen Bezirk die ausliegende Karte abdecken kann. Das drunterschieben ist hingegen nicht erlaubt. Anschließend wir die nächste Karte vom Stapel gezogen und solange fortgefahren bis der Stapel aufgebraucht und alle Handkarten angelegt worden sind. Das ist wirklich alles und das Spiel ist total faszinierend, denn die Spannung entsteht aus der gestellten Aufgabe. Nicht nur die besonderen Punkte der Zielvorgabe können gepunktet werden, sondern auch die jeweils größten Gebiete zählen einen Punkt pro Größe. Was wiederum zum Hindernis wird ist die Anzahl an Straßen in unserer Stadt. Natürlich mögen die Bürger ein gut ausgebautes Straßennetz, aber zuviele kleine unnötige Straßen bedeutet zu viel Verkehr und den mögen sie nicht. Auf unsere Karten übertragen bedeutet das, wir sollten versuchen möglichst wenig einzelne Straßenabschnitte zu produzieren und mehr zusammenhängende Straßen mit unserer Auslage erzeugen, denn beim Punkten bringt uns jede Straße, egal wie lang einen Minuspunkt ein. Manche der Siegbedingungen zielen natürlich auch auf Straßen ab.

Sprawlopolis – Spielsituation / Foto: Spieltroll

Wir versuchen also 18 Karten so aneinander zu puzzeln, dass sich daraus eine Stadt ergibt, die den Vorgaben unserer Bürger genügt. Jede Partei ist dabei anders, denn die Kombinationen der Siegbedingungen ist natürlich grundverschieden und die Reihenfolge in der wir die Karten ziehen ebenfalls. Wichtig noch zu erwähnen ist, das die Karten immer nur quer ausgelegt werden dürfen und nicht mal hochkant und mal anders. Alle Karten liegen in der gleichen Ausrichtung. Schafft man die Vorgabe ist man siegreich, schafft man es nicht, muss man es neu versuchen und das werdet ihr. Denn, oh man, ist Sprawlopolis hart.

Das Fazit

Man darf sich von dieser kleinen, niedlichen Verpackung nicht täuschen lassen. Wie hart kann ein Puzzle aus 18 Spiekarten schon sein? Oh man, ihr habt keine Vorstellung. Ich musste ungefähr zehn Partien spielen, bevor ich überhaupt erst in die Nähe von annehmbaren Punkten kam. Sprawlopolis ist wiklich extrem fordernd und man muss sich immer eiens im Hinterkopf behalten, um zu gewinnen muss man mit jeder Siegpunktekarte ihren Wert an Punkten einspielen, ansonsten wird es eng, wenn man es nicht schafft besonders große, zusammenhängende Bezirke zu bauen oder die verflixten Straßen unter Kontrolle zu kriegen, die überall in der Stadt rumwuchern. Sprawlopolis ist ein wirklich hartes, kleines, immer wieder neues Rätsel von dem ich im Moment nicht genug bekommen kann und damit wird es zum ersten Spiel in meiner Sammlung bei dem ein beiligender Punkteblock sich dem Ende nähert. Inzwischen bin ich dazu übergegangen mir die Punkte auf kleienen Schmierzetteln zu notieren.

Sprawlopolis – Punkteblock /
Foto: Spieltroll

Eine Partie Sprawlopolis kann man innerhalb von 5 Minuten spielen, aber ob das zum Erfolg führt, will ich mal dahin gestellt lassen. Man sollte schon ein wenig intensiver drüber nachdenken, wo man welche Karte platziert, denn ansonsten wird das mit den Vorgaben mal wieder nichts. Das wirklich tolle an Sprawlopolis ist das es sich jedesmal anders spielt. Manchmal hat man Glück und muss eigentlich nur 8 Punkte machen, dann fällt einem auf, das es aber wirklich schwierig ist hier zu Punkten und selbst das simple Ziel große Bezirke zu bauen funktioniert nicht, weil es die Vorgaben nahezu unmöglich machen, weil sie das das mit Minuspunkten bestrafen. In wieder einer anderen Partie muss man 42 Punkte machen und hier ist es einfach viele Punkte zu erezuegen, aber ob das in der Kombination die man da bauen muss funktioniert, steht wieder auf einem ganz anderen Blatt, denn manchmal stehen sich die Vorgaben selbst im Weg.

Sprawlopolis ist ein herrliches kleines Spiel für die halbe Stunde Zwischendurch, schnell ausgepackt und gespielt. Eine Herausforderung genauso für geübte Vielspieler, als auch für den Gelegenheitsspieler. Die Optik ist nicht hübsch aber zweckmäßig. Warum Quined Games das Spiel auf der Schachtelrückseite in vier Sprachen beschreiben, die Regeln dann aber nur in Englisch beilegen bleibt mir ein Rätsel. Im Spiel sind lediglich die Texte auf den Siegbedingungsseiten auf Englisch und die sind einfach gehalten, wollen aber dennoch genau verstanden werden. Die Regeln können aber bei boardgamegeek.com in den anderen Sprachen runtergeladen werden.


  • Verlag: Quined Games
  • Autor(en): Steven Aramini, Danny Devine, Paul Kluka
  • Illustrator(en): Loïc Billiau, Danny Devine
  • Erscheinungsjahr: 2018
  • Spieleranzahl: 1 – (4) Spieler
  • Dauer: 15 Minuten

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