Calavera

Calavera / Foto: Spieltroll

Klaus-Jürgen Wrede ist wohl einer der erfolgreichsten Spieleautoren, obwohl er eigentlich nur ein Spiel erfunden hat, das richtige Erfolge feiern konnte. Er ist der Erfinder von Carcassonne und seit dem Erscheinen seines Millionensellers, ist er für mich nicht weiter sonderlich in Erscheinung getreten. Ich kenn zwar ein paar weitere Spiele von ihm, wie Bali oder Rapa Nui, aber dem Vergleich mit Carcassonne hält das alles nicht stand. Um so überraschter war ich, als ich unlängst dieses kleine Würfelspiel mit Namen Calavera beim Moses Verlag fand und fesstellte das es von Klaus-Jürgen Wrede ist. Calavera spricht mich von der mexikanisch anmutenden Optik mit dem namensgebenden Totenkopf gleich an und wie sollte es anders sein, es enthält Würfel und einen Block. Das nächste Roll & Write ist da! Inzwischen dürfte es wirklich kaum einen namhaften Autor geben, der noch kein Roll & Write veröffentlicht hat. Calavera hat aber eine kleine Besonderheit. Es ist ein bißchen gemein!

Worum geht es?

Rein thematisch spielt es mit der mexikanischen Sitte des Dia de los Muertos, dem Tag der Toten. Das wird durch die Symblik und das Aussehen ganz klar. Spielerisch hat es aber rein gar nichs damit zu tun und ist einfach ein weiteres Roll & Write, indem die Spieler versuchen mehr Punkte zu machen, als ihre Gegenspieler. Das Spiel verfügt dabei über ein paar durchaus interaktiv gemeine Momente.

Calavera – Punktezettel / Foto: Spieltroll

Wie läuft das ab?

Der Spielaufbau ist wie immer bei einem Roll & Write schnell erledigt. Jeder bekommt einen Zettel vom Spielblock und braucht einen Stift, die sind hier nciht mitgeliefert. Die sechs Würfel werden bereitgelegt und sind von ihren Seiten her identisch aufgebaut. Es gibt vier Farben im Spiel, türkis, rosa, orange und schwarz und je eine Seite zeigt eine Farbe. Auf einer Seite ist eine Rose und auf einer ein Totenkopf.

Calavera – Würfelsymbole /Foto: Spieltroll

Der jüngste Spieler beginnt und würfelt mit allen sechs Würfeln. Anschließend kann er sich entscheiden einen oder mehrere Würfel zur Seite zu legen und weiterzuwürfeln. Er darf sich später auch wieder umentscheiden und zur Seite gelegte Würfel wieder mitwerfen. In guter alter Kniffelmanier darf man drei Mal würfeln. Sollte man Totenköpfe würfeln, so müssen diese sogar rausgenommen werden. Schafft man es innerhalb seiner drei Würfe, drei Totenköpfe zu würfeln, so ist der eigene Wurf sofort vorbei und man selbst darf sich nichts auf seinem Zettel eintragen. Man muss allerdings auch nicht weiterwürfeln. Man kann jederzeit beenden. Anschließend trägt man sein Ergebnis auf seinem Zettel ein.

Calavera – Farbreihen / Foto: Spieltroll

Die Zettel sind so aufgebaut, dass es für jede Farbe eine Reihe gibt. Diese Reihen starten in einem grauen Bereich mit je fünf Kästchen. Dahinter kommt ein gelber Bereich aus ebenfalls fünf Kästchen und zum Schluß kommen nocheinmal drei etwas dunkelgrauere Kästchen. Für jeden Würfel einer Farbe die man gewürfelt hat, darf man ein Kreuz in ein Kästchen machen. Man muss sich natürlch für eine Farbe in seinem Wurf entscheiden. Schafft man zum Beispiel nach seinen drei Würfen drei grüne Seiten, so darf man sich drei Kreuze in der grünen Reihe machen. Man möchte als Spieler versuchen in den gelben Bereich zu kommen und dort möglichst weit nach hinten, denn je weiter desto mehr Punkte gibt es für die Reihe. Aber Vorsicht, schießt man über das Ziel hinaus und kommt in den dunkelgrauen Bereich, so erhält man Minuspunkte für die Reihe. Ebenfalls mehr, je weiter man nach hinten kommt. Zusätzlich wird eine Reihe immer geschlossen, wenn man in den dunklen Bereich kommt.

Calavera – Wurf / Foto: Spieltroll

So weit, so langweilig. Was Calavera aber interessant macht, ist die Tatsache das man einerseits seinen gelben Bereich sichern kann. Dazu ist der gelbe Bereich nocheinmal in zwei Teilbereiche unterteilt und man muss für die ersten drei Kästchen, zwei Rosen, und die letzten beiden sogar drei Rosen in einem Wurf erzielen, um eine Reihe auf ihrem Stand abzuspeichern. So kann man sich zwischen vier bis zehn Punkten pro Reihe sichern. Um das ganze nun aber noch interessanter zu machen kommen die Totenköpfe ins Spiel. Wann immer ein Totenkopf in einem Wurf auftaucht, müssen am Ende deiner drei Würfe deine Mitspieler ebenfalls Kreuze machen, unzwar in einer der Farben die du übrig lässt. Das können natürlich auch gar keine sein. Rosen zählen immer als Jokerfarbe und können in dieser Situation nicht von den Gegnern benutzt werden um Punkte zu speichern. So kann es passieren, das man ungewollt über das Ziel einer Leiste hinausgetrieben wird und Minuspunkte kassiert. Da ein Spieler immer die Möglichkeit hat aufzuhören, kann er das ein wenig steuern und so seinen Gegenspielern ungeliebte Farben überlassen.

Calavera – Bonuslinien / Foto: Spieltroll

Zu guter letzt gibt es auf dem Punktezettel noch drei eingezeichnete rote Linien, die den Spielern Punkte bringen, wenn sie überschritten werden. Der erste, der das schafft bekommt stets deutlich mehr als alle anderen, die es schaffen. Ganz schlecht ist es natürlich, wenn man es gar nich über diese Linien schafft, dann gehen einem viele Punkte verloren. Das Spiel endet sofort, wenn ein Spieler alle seine vier Reihen eingefroren hat, sei es durch das Überschreiten des gelben Bereichs oder durch das Sichern der Punkte. Am Ende werden alle Punkte der vier Reihen zusammengezählt und durch die Bonuspunkte ergänzt. Die höchste Punktezahl gewinnt.

Das Fazit

Calavera is ein kleines, gemeines Würfelspiel, das ich eher nicht in der Familienecke mit ganz kleinen Kindern sehe. Ab 8 Jahren steht zwar auf der Schachtel, aber das ist deutlich zu früh. Das Spiel kann einen nämlich schon ärgern und wenn man Frustmomente bei Kindern vermeiden möchte, dann sollte man es eher mit den etwas älteren spielen. Für Familien mit älteren Kindern die sich gerne mal gegenseitig was auswischen möchten, finde ich es aber ganz gelungen. Wir haben es einer unserer Arbeitskolleginnen empfohlen, die regelmäßige Spielabende hat, in denen es um die Urlaubskasse einiger Pärchen geht. Für solche Runden ist Calavera genau richtig. Es ist ein Roll & Write Spiel, bei dem die Spieler ständig involviert sind, weil jeder Wurf der Mitspieler interessant ist. Außerdem wird es mit steigender Spielerzahl schwieriger abschätzbar, wie weit man es in seinen Reihen vorantreiben soll. Bei vier Spielern zum Beispiel kann es theoretisch ja sein, dass man dreimal Kreuze bei der gleichen Farbe machen muss, bevor man wieder dran kommt. Die Mitspieler sehen das natürlich auch und hier kann das Spiel wie oben erwähnt auch gemein werden, wenn man nämlich einen Wurf hat, der einem selbst nicht viel bringt und man durch einen Totenkopf jemand anderem was reindrücken kann was er nicht gebraucht, um Minuspunkte zu forcieren, kann das mit den falschen Mitspielern gemein sein und zu Frust führen. Deswegen würde ich dem Spiel nicht nur die Push Your Luck-Mechanik attestieren, sondern auch von einer nicht zu verachtenden Take That-Komponente sprechen, die ich andernorts nicht so erwähnt fand.

Calavera – Endstand nach einer Partie
zu zweit / Foto: Spieltroll

Calavera ist kein schlechtes Spiel, angesichts der Spielweise finde ich es auch gelungen. Speziell für zwei Spieler ist es eine schöne taktische Harausforderung. Bei vier Spielern überwiegt der Push Your Luck-Moment deutlich und man sollte lieber ein wenig vorsichtiger spielen, bevor man sich allzuoft ärgert.

Zu guter letzt darf ich nicht unerwähnt lassen, das meine erste Version fehlerhaft war. Sie enthielt nur drei der sechs Würfel. Ebenso nicht unerwähnt lassen darf man den perfekten Kundenservice, der das kleine Spiel anstandslos nocheinmal an mich rausschickte.


  • Verlag: Moses
  • Autor(en): Klaus-Jürgen Wrede
  • Illustrator(en): Kreativbunker
  • Erscheinungsjahr: 2019
  • Spieleranzahl: 2 – 4 Spieler
  • Dauer: 10 – 20 Minuten

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