Azul

Azul Titelbild
Azul / Foto: Spieltroll

Als ich Azul zum ersten Mal sah, war ich total von seiner Optik und dem schönen Material begeistert, so sehr das ich es unbedingt haben musste. Das wiederum war gar nicht so einfach wie es klingt. Seitdem Azul auf der „Spiele des Jahres Auswahlliste“ steht ist es überall ziemlich vergriffen und einige Händler verlangen Fantasiepreise für dieses außergewöhnliche Spiel. Nach längerer Suche ist es mir dann doch gelungen ein Exemplar zu einem vernünftigen Preis zu ergattern und ich nehme es an dieser Stelle schon mal vorweg, alles andere als die Auszeichnung zum Spiel des Jahres für Azul würde mich stark verwundern.

Aber fangen wir Vorne an. Azul ist ein Familienspiel für zwei bis vier Personen mit einer Spieldauer von einer halben bis dreiviertel Stunde. Die Regeln sind wirklich sehr überschaubar und schnell erklärt. Trotzdem ist es im Segment der Familienspiele eines das ein wenig mehr taktische Tiefe hat, als es im ersten Moment vermuten lässt.

Worum geht es?

Wir verkörpern quasi einen königlichen Fliesenleger der die Alhambra seines Herrschers mit schönen neuen Fliesen versehen soll. Das Muster ist je nach Variante des Spiels bereits vorgegeben oder wir dürfen es selber an die Wand bringen (dazu später mehr). Das Anbringen der Fliesen an der Wand wird mit Punkten belohnt und wer das am besten meistert, der gewinnt diesen Wettstreit der Fliesenleger.

Wie läuft das Spiel ab?

Jeder Spieler erhält ein Tableau auf dem er seine Punkte zählen kann, auf dem sich seine zu fliesende Wand aus 5×5 Fliesen befindet und wo er das Fliesen in der sogenannten Musterphase planen muss. Der Startspieler bekommt auch noch eine besondere Fliese die bei Azul eine tatsächliche Rolle im Spiel einnimmt und nicht einfach nur blöde vor einem rumliegt, um anzuzeigen, dass man der erste in der Runde ist. In der Mitte des Tisches werden noch runde Manufakturplättchen, je nach Spieleranzahl zwischen fünf und neun Stück, aufgebaut auf denen jeweils vier Fliesensteine platziert werden.

Spielaufbau Azul
Spielsituation / Foto: Spieltroll

Wenn ein Spieler an die Reihe kommt darf er sich nun für eine Fliesensorte (es gibt fünf verschiedene) von einem der Plättchen entscheiden und nimmt sich sämtliche Fliesensteine dieser Sorte. Alle übrigen Fliesen von diesem Plättchen werden nun in die Mitte gelegt. Alle Spieler nach dem ersten haben nun die Wahl, ob sie eine Sorte Fliesen von einem der übrigen Plättchen nehmen oder sich für eine der Sorten aus der Mitte entscheiden. Der Startspieler legt seine Startfliese zusätzlich als erstes in die Mitte bevor er sich für eine Sorte von einem Plättchen entscheidet und der Spieler, der sich als erstes für eine Sorte aus der Mitte und nicht von den Plättchen entscheidet, muss auch zusätzlich die Startspielerfliese an sich nehmen. Was macht man nun mit den Fliesensteinen? Ganz einfach, man legt sie auf sein Tableau in den Musterbereich. Dieser besteht aus fünf Reihen die von oben nach unten immer länger werden. Die oberste besteht nur aus einem Feld in das man eine Fliese legen kann, die anderen dann immer aus jeweils einem Feld mehr. Ganz unten auf dem Tableau befindet sich noch eine weitere Reihe mit insgesamt sieben Feldern, die sogenannte Bodenreihe. Man darf in einer Reihe mit Ausnahme der Bodenreihe immer nur Fliesen einer Sorte ablegen. Wenn man die Startspielerfliese genommen hat, muss man sie in die Bodenreihe platzieren.

Wie macht man nun Punkte? Wenn alle Spieler ihre Fliesen platziert haben beginnt die nächste Phase in der man die Fliesen nun an seine Wand anbringt. Diese Phase können alle Spieler im Prinzip gleichzeitig absolvieren. Man geht seine Musterreihen von oben nach unten durch und aus jeder die komplett ist entfernt man die am weitesten rechte und legt sie in seinen Wandbereich. Bildet man dabei horizontale und vertikale längere Reihen macht man mehr Punkte. Reihen in den nun ganz rechts keine Fliesen mehr liegen werden genauso wie die Bodenreihe komplett abgeräumt.

Man spielt solange bis ein Spieler auf seiner Wand eine horizontale Fliesenreihe komplett hat. Die Runde wird noch beendet und danach ein Sieger durch Punkte ermittelt. Am Ende bekommt man noch Sonderpunkte für horizontal und vertikal komplette Reihen, sowie für eine komplett an die Wand gebrachte Fliesensorte.

Der Mechanismus erfordert bereits bei der Auswahl der Fliesen eine tiefergehende Vorausplanung, weil nicht nur die Art der Fliese, sondern auch die Position an der Wand, sowie auch die Reihenfolge des Einsetzens an die Wand entscheidend sind. Das führt dann tatsächlich zu einem erstaunlich taktischen Spiel, was man im ersten Moment nicht so erwartet hätte. Wer genug von dem vorgegebenen Muster hat, kann das Tableau umdrehen und findet eine Seite ohne Muster vor, auf der man dann sogar noch mehr planen muss, da pro Reihe und Spalte des Musters jede Fliese wie bei einem Sudoku nur einmal vorkommen darf.

Das Fazit

Für die Troll Familie also genau das richtige Spiel, nicht zu seicht und mit einem guten Mechanismus und wirklich wunderschönem Spielmaterial ausgestattet. Auch sehr gut als Zweipersonenspiel geeignet.


  • Verlag: Plan B Games
  • Autor(en): Michael Kiesling
  • Erscheinungsjahr: 2018
  • Spieleranzahl: 2 – 4
  • Dauer: 30 – 45 Minuten

2 Gedanken zu „Azul“

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