Paris – Die Stadt der Lichter

Paris – Stadt der Lichter / Foto: Spieltroll

Die KOSMOS-Zweispielerserie geht in die nächste Runde und bringt uns diesmal nach Paris und zu einem weiteren taktischen Legespiel. Die Serie von KOSMOS ist für ziemlich viele sehr gelungene Spiele bekannt und besteht nun schon seit zig Jahren. Mittlerweile kommen nicht mehr ganz so häufig Spiele in dieser Serie auf den Markt, aber mit Aqualin und jetzt Paris – Die Stadt der Lichter gab es unlängst erst zwei Veröffentlichungen in dieser Sparte. Erstmals aufgefallen ist mir das Spiel vor etwas über einem Jahr bei einer Vorstellung von Neuheiten aus Spanien/Portugal. Der Autor José Antonio Abascal ist bisher noch nicht großartig in Erscheinung getreten, aber Paris – Die Stadt der Lichter wird mit die Aufnahme in diese Serie schon fast geadelt und, ich bin mir sicher, auch weitere Käufer finden. Das Spiel ist sowohl im Regal als auch auf dem Tisch ein echter hingucker, wenngleich auch aus verschiedenen Gründen. Für das Artwork zeichnet sein spanischer Landsmann Oriol Hernández verantwortlich, das hervorragend zu Paris und dem Thema des Spiels passt. Auf dem Tisch liegt es eher an der Einbindung der Spielschachtel. Neugierig?

Worum geht es?

Das Thema, so schön es auch optisch hervorgehoben wurde, ist schon ziemlich an den Haaren herbeigezogen. Es geht um die Bezeichnung von Paris als Stadt der Lichter, einen Titel den die Stadt schon zu Beginn des 19. Jahrhunderts, aufgrund seiner Gaslaternen-Beleuchtung innehatte. Dieser wurde durch die Umstellung auf elektrisches Licht zur Weltausstellung in Paris noch verstärkt. In diesem Zeitraum soll dieses Spiel stattfinden und darstellen, wie sehr sich Künstler und Bevölkerung von dieser Tatsache haben inspirieren lassen. Nun ja, viel Thema für so ein kleines Legespiel. Im Kern geht es darum seine Plättchen so günstig auszulegen, das wir am Ende die meisten Punkte erhalten und dabei spielen Laternen im Stadtbild eine gewichtige Rolle.

Paris: Die Stadt der Lichter – Spielaufbau / Foto: Spieltroll

Wie läuft das ab?

Für ein so kleines Brettspiel gibt es relativ viel verschiedenes Material. Die beiden Spieler erhalten jeweils einen Satz aus acht quadratischen Plättchen, 7 Schornsteinen und 4 Markern in ihrer Farbe. Orange und blau wurden gewählt und mit dem Symbol der Sonne und des Mondes belegt. Zu diesem Material gesellt sich ein Satz von 14 verschiedenartigen Gebäudeplättchen im Tetrisstil nur viel variantenreicher. Diese Plättchen werden neben dem Spielfeld für beide Spieler bereitgelgt. Das Spielfeld befindet sich festverbaut in der Schachtel und besteht aus einem etwas häher liegendem Rand und Platz für genau die 16 quadratischen Plättchen der beiden Spieler, so dass sie hier ein vier mal vier Felder großes Spielfeld entstehen lassen können. Rundherum um die Schachtel werden an jeder Seite zwei Postkarten ausgelegt. Diese Postkarten zeigen mit schönen Bildern immer ein Wahrzeichen von Paris auf der einen Seite und auf der anderen Seite eine Sonderfähigkeit, die einer der beiden Spieler im Laufe des Spiels benutzen kann. Insgesamt gibt es zwölf dieser Postkarten, auf die sich die Spieler vor Spielbeginn einigen müssen. Einige von ihnen zeigen auch noch Briefmarken und geben damit an, das diese Sonderfähigkeiten für die Wertung am Ende relevant sind. Im Zusammenhang mit diesen Postkarten gibt es auch noch weitere Spezialplättchen und zwei aufstellbare Pappfiguren, die wir persönlich immer direkt zu den Postkarten stellen/legen, die sie ins Spiel bringen.

Paris: Die Stadt der Lichter – Spielsituation Phase 1 / Foto: Spieltroll

Paris – Die Stadt der Lichter ist ein besonderes Spiel, denn es zeichnet sich durch zwei völlig unterschiedliche Phasen aus, die nacheinander, jede für sich gespielt werden, bevor das Spiel endet. Die Spieler wählen einen Startspieler und dieser beginnt mit der ersten Phase, in der beide immer abwechselnd am Zug sind. Zu Beginn ziehen beide Spieler noch zwei ihrer acht Plättchen, die sie vorher gemischt und als verdeckten Stapel vor sich gelegt haben auf die Hand. In Phase eins hat man die Wahl entweder eines seiner Plättchen von seiner Hand auf das Spielfeld auszuspielen oder aber eines der im Vorrat liegenden Gebäudeplättchen vor sich abzulegen. Die quadratischen Plättchen zeigen dabei vier Flächen, die entweder blau, orange oder lila gefärbt sind. Als vierte Möglichkeit können sie noch eine Straßenlaterne zeigen. Blau oder orange sind später Flächen, die nur von dem jeweiligen spieler bebaut werden dürfen und die lila Flächen dürfen von beiden Spielern genutzt werden. Die Laternen spielen später eine wichtige Rolle für die Wertung. Auf dem Spielfeld kommt es nun also für die Spieler darauf an, sich mögliche Flächen zu generieren, die sie in Phase zwei bebauen können. Die Schwierigkeit besteht nun aber darin, dass man sich mit der zweiten Zugmöglichkeit bereits in Phase eins die Gebäude sichern muss, die man später bauen möchte. Phase eins dauert nun solange an, bis beide Spieler alle Plättchen gelegt haben und keiner mehr Gebäude ziehen möchte.

Paris: Die Stadt der Lichter – Spielsituation Phase 2 / Foto: Spieltroll

Dann beginnt Phase zwei und in dieser hat man wieder genau zwei Zugmöglichkeiten. Entweder man baut eines der Gebäude, die man vor sich gelegt hat, indem man es auf das Spielfeld legt. Dabei dürfen nur Felder der eigenen Farbe, sowie lila Felder belegt werden. Achten sollte man darauf, dass man möglichst viele Straßenlaternen angrenzend zu seinen Gebäuden hat, denn diese fungieren als Multiplikatoren mit der Größe der Gebäude. Zum Anzeigen des Besitzes stellt man noch einen seiner Schornsteine auf das Gebäude. Als zweite Zugmöglichkeit können die Spieler einen ihrer vier Marker nehmen und auf einer noch nicht belegten Postkarte platzieren, um die Spezialfähigkeit zu benutzen. Diese können wie bereits angedeutet sehr vielfältig sein. Manchmal darf man die Bauregeln ignorieren, oder man bringt besondere Teile, wie einen Brunnen oder eine eine große Straßenlaterne ins Spiel. Der Maler und die Tänzerin als Figuren sind zusätzliche Punktebringer. Die zweite Phase endet, wenn keiner der beiden Spieler mehr ein Gebäude setzen oder einen Aktionsmarker benutzen kann.

Paris: Die Stadt der Lichter – Spielende / Foto: Spieltroll

Nach Phase zwei werten wir unsere Punkte aus. Es gibt vier Möglichkeiten zu punkten. Als erstes bekommen wir Punkte für beleuchtete Gebäude und hierfür zählen wir die Felder, die sie auf dem Spielfeld einnehmen und muliplizieren diese mit der Anzahl der angrenzenden Laternen. Zweitens gibt es Punkte für unseren größten Gebäudekomplex. Hierbei werden angrenzenden Gebäude benötigt und der flächenmäßig größte Bereich wird gezählt. Für jedes Gebäude, dass man nicht bauen konnte verliert man drei Siegpunkte und zum Schluß gibt es noch Extrapunkte für die Spezialkarten. Der Spieler mit den meisten Punkten gewinnt.

Das Fazit

Paris: Die Stadt der Lichter – Postkarten
/ Foto: Spieltroll

Taktische Legespiele gibt es viele und auch die KOSMOS-Zweierserie enthält gleich mehrere davon, aber Paris – Die Stadt der Lichter gefällt mir ziemlich gut. Es hat eine nicht zu unterschätzende Tiefe, da es seine beiden Phasen schön verzahnt. Man muss bereits von Beginn an aufpassen was man macht, denn alle Möglichkeiten liegen von Beginn an auf dem Tisch. Die Plättchen zeigen zwar nur vier Flächen, können aber natürlich komplett gedreht werden und daraus ergeben sich viele Möglichkeiten. Man darf aber auch nie den Moment verpassen sich die richtigen Gebäude zu sichern, denn sonst freut sich der Gegner. Das A und O sind aber die Straßenlaternen die wir aufs Spielfeld selbst aufbringen, denn je mehr wir uns durch das Platzieren der Gebäude als Multiplikator sichern können, desto besser für unsere Punkte. Hier darf man dann auch die Postkarten nicht aus den Augen verlieren und kann sich schon in Phase eins überlegen, welche man eventuell benutzen will, damit die nicht ins Leere laufen. Jede Menge Entscheidungen wollen getroffen werden und man muss sich immer wieder taktisch auf den Zug seines Gegners neu einstellen. Eine Strategie lässt sich hier kaum entwickeln, dafür gibt es einfach zu viele nicht berechenbare Faktoren, aber taktisch ist das Spiel ein wahrer Leckerbissen.

Paris: Die Stadt der Lichter – Plättchen
/ Foto: Spieltroll

Hinzu kommt wie bereits erwähnt, das es optisch ebenfalls etwas her macht und auch aufgrund dieser Optik auf dem Tisch toll aussieht. Spiele, die die Schachtel miteinbeziehen, ziehen immer die Blicke auf sich. Dafür passiert das einfach immer noch viel zu selten. Hier passt einfach das Gesamtpaket und macht Paris – Die Stadt der Lichter zu einem gelungenen Gesamtpaket. Mir gefällt es auf jeden Fall. Kein riesen Überflieger, aber eines das sich die Freunde des gepflegten Zweipersonenspiels nciht entgehen lassen sollten.

Das einzige Haar in der ansonsten sehr schmackhaften Suppe ist die Tatsache das hier ein kleiner Wertungsblock nicht weh getan hätte. Aber das ist Jammern auf hohem Niveau.


  • Verlag: KOSMOS
  • Autor(en): José Antonio Abascal
  • Illustrator(en): Oriol Hernández
  • Erscheinungsjahr: 2020
  • Spieleranzahl: 2 Spieler
  • Dauer: 20-30 Minuten

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