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	<title>18xx &#8211; Spieltroll</title>
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	<description>Gedanken und Meinungen zu Brett- und Kartenspielen</description>
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		<title>Portrait &#8211; Martin Wallace</title>
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		<pubDate>Sun, 28 Nov 2021 16:40:22 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Ist schon ein wenig her, seit ich das letzte Portrait hier veröffentlicht habe, aber mir persönlich gefällt die Reihe, da sie mich dazu auffordert mich mit den Leuten zu beschäftigen, die etwas schaffen, dass mich so sehr beschäftigt und einen großen Teil meines Lebensmittelpunktes darstellt. Es ist natürlich die Leidenschaft für &#8222;mein Hobby&#8220; die mich &#8230; <a href="https://spieltroll.de/archiv/10002" class="more-link"><span class="screen-reader-text">„Portrait &#8211; Martin Wallace“ </span>weiterlesen</a>]]></description>
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<p>Ist schon ein wenig her, seit ich das letzte Portrait hier veröffentlicht habe, aber mir persönlich gefällt die Reihe, da sie mich dazu auffordert mich mit den Leuten zu beschäftigen, die etwas schaffen, dass mich so sehr beschäftigt und einen großen Teil meines Lebensmittelpunktes darstellt. Es ist natürlich die Leidenschaft für &#8222;mein Hobby&#8220; die mich das tun lässt. Aber diese Portraits sind für mich auch immer eine Reise in meine eigene Vergangenheit, mich damit auseinanderzusetzen, was ich eigentlich in den letzten vier Jahrzehnen so alles schon gesehen und gespielt habe. In diesem nun bereits sechsten Portrait ist der Engländer Marin Wallace an der Reihe, zu dem ich erst recht spät fand, aber der mich speziell in den letzten Jahren immer mehr fasziniert hat, weil er für mich ein wahrer Künstler ist, was Spielmechaniken angeht. Kaum einer versteht es wie Martin Wallace, elegante Mechaniken zu erschaffen, die gleich mehrere Dinge aufeinmal bewerkstelligen können. Dabei gehen sie meistens einfach von der Hand und sind doch von komplexer Tiefe, so dass ich mich mit seinen Spielen beschäftigen muss und je öfter ich sie spiele, desto besser kann ich werden. Martin Wallace ist ein Meister seines Fachs.</p>



<span id="more-10002"></span>



<p>Martin Wallace wurde 1962 nahe Southampton geboren. Seine Familie zog aber, als er sieben Jahre alt war, in die Nähe von Manchester, was für ihn nach eigener Aussage ein Kulturschock war. Aus der beschaulichen südenglischen Hafenstadt in das zu dieser Zeit nicht gerade wirtschaftlich blühende Nordengland zu kommen war ein einschneidendes Erlebnis für ihn. Als Kind hatte Martin mit Brettspielen auch noch gar nichts am Hut. Er interessierte sich eher für die normalen Dinge, mit denen sich Kinder zu dieser Zeit beschäftigten. Spielzeugsoldaten und Flugzeug- sowie Panzermodelle waren eher Dinge, mit denen er sich befasste. Als Teenager kam er dann zu den Wargames über einen Spieleclub eines Lehrers in der Schule. Besonders SPI´s<em> Starforce Air War</em> hat es ihm dabei angetan. Insgesamt war er aber noch immer eher zurückhaltend was Spiele anging. In der Highschool startete es dann, wie bei fast allen Geeks dieser Generation mit den ersten Rollenspielversuchen. So richtig mit dem Brettspielen ging es erst mit 30 Jahren bei ihm los, als die German Games mit dem Flagschiff <em>Catan</em> die Welt eroberten. Bis dahin war immer wieder das Wargaming für ihn interessant. Rein schulisch beendete er sein Studium mit einem Abschluss in Geschichtswissenschaften und wurde daraufhin zunächst Lehrer. Das gefiel ihm aber auf Dauer nicht und so jobbte er zunächst im Verkauf einer kleinen Spielefirma mit dem unbekanntem Namen Games Workshop, bevor er in die Computerspielbranche wechselte. </p>



<p>Ja, Martin Wallace war im Verkauf bei Games Workshop tätig und brachte kleine Metallfiguren unter das Volk. Mit seiner langjährigen Wargaming-Historie war das wohl die logische Konsequenz. Bei seinem Job als Computerspielprogrammierer lief es nicht so gut, denn er merkte recht schnell das seine Programmierskills zu schlecht waren, um dort langfristig Fuss zu fassen. So war auch dieser Job nach einem Jahr schon wieder Geschichte.</p>



<p>Da sich Martin Wallace doch zu einem Großteil seiner Zeit mit dem Hobby des Spielens auseinandersetzte dachte er 1990 daran ein eigenes Spiel zu entwickeln. Das war noch deutlich vor der German Game Invasion und er dachte in seinem Leichtsinn das es ganz einfach sei ein Spiel zu entwickeln. 1994 war es dann soweit und mit <em>Lords of Creation</em> hatte Martin Wallace sein erstes richtiges Spiel erfunden und fuhr damit gleichmal nach Essen zur Spielemesse. Er hatte eingie selbstgedruckte Kopien dabei und verkaufte sie gleich vor Ort und Stelle. Dies war der Moment indem es mit seiner Autorenkarriere begann.</p>



<p>Ein paar Jahre später fand er mit James Hamilton jemanden der bereit war Geld in seine Ideen zu investieren und so gründeten die beiden Warfrog Games. Einen Verlag bei dem die Spiele von Martin Wallace fortan veröffentlicht wurden. Martin Walalce sagte mal in einem Interview, dass er es liebt ein komplettes Produkt herstellen zu können. Als Mitinhaber von Warfrog war es dann eine weitere Begegnung mit John Bohrer, die ihn in die richtige Richtung schubste. Der Eigentümer von Winsome Games wollte nämlich das er ein Eisenbahnspiel für ihn macht und Wallace stellte fest, das dieses Thema sich perfekt für seine Mechaniken eignen würde. Er machte sich allsbald vor allem International einen Namen. Im Jahr 2003 gewann er den International Gamers Award für sein Eisenbahnspiel <em>Age of Steam</em>. Bereits im Jahr davor war er mit <em>Volldampf</em> und <em>Liberté</em> für den Preis nominiert. Auch in den Jahren 2004 (<em>Fürsten der Renaissance</em>) bis 2006 (2005 <em>Struggle of Empire</em>s, 2006<em> Railroad Tycoon</em>), sowie erneut jeweils zweimal 2008 (<em>Tinner´s Trail</em> und <em>Brass</em>) und 2009 (<em>Steam</em> und <em>Automobile</em>) war er für diesen Preis nominiert, konnte ihn aber nicht gewinnen.</p>



<p>Im Jahr 2007 entschloss er sich sein Hobby zu seinem Beruf zu machen. Zwischenzeitlich war er immer wieder in seinen ursprünglichen Beruf des Lehrers zurückgegangen, um Geld zu verdienen, denn seinen Lebensunterhalt als Autor von Brettspielen zu verdienen ist sehr hart. Außerdem gibt es Teile dieser Arbeit, die er verabscheut. So ließ er sich zu der Aussage hinreißen, dass er es hassen würde Regelhefte zu verfassen.</p>



<p>2008 wurde Warfrog dann in Treefrog umbenannt und 2017 musste Wallace seinen Verlag aufgeben und mit <em>A Handful of Stars</em> erschien das letzte Spiel unter diesem Namen.</p>



<p>Sein Ziel für ein Spiel ist es eigentlich immer, so zumindest seine Aussage, die Eleganz eines Eurogames mit der thematischen Immersion eines amerikanischen Spiels zu verbinden. Für ihn steht das Thema über der Mechanik. Das Thema ist für seine Designs der Ausgangspunkt. Danach beginnt für ihn die Recherche und viele seiner Ideen stammen aus Büchern. Spaß ist für ihn das wichtigste an einem Spiel und der resultiert seiner Meinung nach aus Interaktion, Spannung und Humor. Vielleicht ist das sein Geheimnis, denn seine Spiele fühlen sich wirklich, trotz all der Tiefe immer sehr thematisch an. Eine weitere seiner Maximen ist das Gebot: Weniger Regeln ist besser! Dies ist etwas, das man meiserhaft bei Brass vorfinden kann. Das Spiel hat wenig Regeln und ist sehr komplex und interaktiv. Es ist so sehr gestreamlined, dass es eine wahre Freude ist. Von dieser Art Spiele zu machen, können sich einige Autoren noch eine Scheibe abschneiden.</p>



<p>Der inzwischen in Australien lebende Autor nennt Spiele wie <em>Puerto Rico</em>, <a href="https://spieltroll.de/?p=3802" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Civilization</a>, <em>Slapshot</em> und <a href="https://spieltroll.de/?p=4488" target="_blank" rel="noreferrer noopener">El Grande</a> als große Einflüsse für sein Schaffen. Ich selbst bin in den letzten Jahren zu einem kleinen Martin Wallace Fan geworden, weil ich seine Art Spiele zu machen sehr schätze. Insgesamt kenne ich tatsächlich gar nicht so wahnsinnig viele seiner Werke und freue mich darauf in den nächsten Jahren noch das ein oder andere Spiel nachzuholen. Das erste Spiel, was ich von ihm in die Finger bekam war<em> Age of Steam</em>, das mir sehr gut gefiel, auch wenn ich zu der Zeit mit meiner 18XX-Phase schon durch war. Auch <em>Railroad Tycoon</em> <em>(Railways of the World)</em> konnte mich fesseln, allein schon durch die Tatsache, dass ich das Computerspiel verschlang. Ansonsten seien hier noch die <em>Fürsten der Renaissance</em>, sowie seine Discworld-Spiele erwähnt. <em>Brass</em> habe ich erst mit der Neuauflage so richtig nachgeholt und finde es großartig. Auch der Füller <em>Wildlands</em> hat ein hervorragendes Design und lässt jede Menge Klasse erkennen. Im letzten Jahr eroberte er mit der Umsetzung zu <em>Anno 1800</em> dann komplett mein Herz und zeigte das mit ihm natürlich immer noch zu rechnen ist. Dem Mann scheinen die Ideen solangsam nicht auszugehen und ich möchte mit einem Zitat aus einem Interview von Tom Vasel mit Martin Wallace enden, bevor ich noch seine bekanntesten Werke aufzeige, indem er ein wenig frustriert interessierten Neuspieleautoren sagt, auf was sie sich einzustellen haben.</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p>If you really want to be a game designer then you have to be patient, keep at it, don&#8217;t give in, get used to being rejected 99% of the time, be ready to dump designs that don&#8217;t quite make the cut, not get too depressed when you feel you&#8217;ve &#8218;run out of ideas&#8216;, not shocked at how small a royalty cheque can be, be relaxed when the games company changes your game to make it unplayable, learn to smile when they show you the awful cover artwork, and that in the end it&#8217;s not all that important, they&#8217;re just games.</p><cite>Interviews by an Optimist #68</cite></blockquote>



<p><strong>Bekannteste Werke von Martin Wallace</strong>:</p>



<ul class="wp-block-list"><li><strong><a href="https://spieltroll.de/?p=6453" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Brass Birmingham</a> </strong>(2018) / <strong>Brass Lancashire</strong> (2004)</li><li><strong>Age of Steam</strong> (2002)</li><li><strong>Railways of the World</strong> (2005)</li><li><strong>Steam</strong> (2007)</li><li><strong>London</strong> (2010/2017)</li><li><strong>A Few Acres of Snow</strong> (2011)</li><li><strong>Discworld: Ankh-Morpork</strong> (2011)</li><li><strong>Automobile</strong> (2009)</li><li><strong>Struggle of Empires</strong> (2004)</li><li><a href="https://spieltroll.de/?p=6794" target="_blank" rel="noreferrer noopener"><strong>Anno 1800 &#8211; Das Brettspiel</strong></a> (2020)</li><li><strong>Auztralia</strong> (2018)</li><li><strong>Tinner´s Trail</strong> (2008)</li><li><strong>Age of Industry</strong> (2010)</li><li><strong>Eine Studie in Smaragdgrün</strong> (2013)</li><li><strong>Via Nebula</strong> (2016)</li><li><a href="https://spieltroll.de/?p=8038" target="_blank" rel="noreferrer noopener"><strong>Wildlands</strong></a> (2018)</li><li><strong>Runebound: Zweite Edition</strong> (2005)</li><li><strong>Fürsten der Renaissance</strong> (2003)</li></ul>
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		<title>#40 Was ist eigentlich? &#8211; 18XX Spiele</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Spieltroll]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 13 Nov 2020 09:53:00 +0000</pubDate>
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<p>In den letzten Wochen habe ich mich in dieser Kategorie schon mit kryptischen Abkürzungen beschäftigt, da habe ich mir gedacht, ich füge noch eine hinzu, die man in Brettspielkreisen, zumindest wenn man sich etwas tiefer in die Materie einarbeitet, auch schon mal hier und da mitbekommt. Die Rede ist vom &#8222;Spielegenre&#8220; 18XX. Das ist mit nichten etwas versautes, wie man vielleicht denken könnte, nein, es ist eine Serie von Spielen, die sich im Laufe der Jahre zu einem quasi eigenen Genre entwickelt haben. Also, was sind eigentlich 18XX-Spiele?</p>



<span id="more-6516"></span>



<h6 class="wp-block-heading">18XX-Spiele</h6>



<p>Bei den 18XX-Spielen handelt es sich im Grunde um eine Art Eisenbahnwirtschaftssimulationen. Hier muss man ein wenig weiter ausholen, denn diese Spiele haben in der Tat schon eine recht lange Tradition. Francis G. Tresham, ein nahezu legendärer Spieleentwickler, schuf im Jahr 1974 das Spiel 1829, welches bei seinem eigenen Verlag Hartland Trefoil erschien und sich mit der Eissenbahngeschichte seines englischen Heimatlandes beschäftigen sollte. Die Landkarte auf der das Spiel stattfand zeigte den Spielern nur den Süden Englands mit verschiedenfarbigen Hexfeldern. Im Grunde ging es in diesem Spiel nur darum eine Eisenbahnlinie zu bauen und mit ihr Geld zu verdienen.</p>



<p>Hier hätte die Geschichte der 18XX-Spiele schon vorbei sein können, aber sieben Jahre später, 1981 kam eine erneute Auflage des Spiels mit einer Karte von England und Schottland auf den Markt. Dieses Spiel nennt man heutzutage 1829 North. Es zeigte, dass sich das Spielprinzip auch auf andere Karten erweitern ließ. 1986 dann kam der meines Erachtens nach wichtigste Schritt dieser Reihe. Tresham veröffentlichte beim amerikanischen Avalon Hill Verlag das Spiel 1830: Railroads &amp; Robberbarons. Auf deutsch hieß das Spiel 1830: Schienenleger &amp; Spekulanten. Dieses Spiel verheiratete das Bauen einer Eisenbahnlinie mit einer harten Börsen- und Wirtschaftssimulation. Das prägte diese Reihe ziemlich deutlich bis in die heutige Zeit.</p>



<p>Bis heute sind über 100 Varianten von diesem Spiel bei unterschiedlichen Verlagen und von unterschiedlichen Spielentwicklern erschienen. Das Grundprinzip und Thema ist immer gleich, bezieht sich jedoch meist auf eine andere Zeit und einen anderen Ort. Viele Designer haben versucht die Eisenbahngeschichte ihres Landes darzustellen. All diese Spiele unterscheiden sich in der Tat aber nciht nur durch die Landkarten, sondern auch im Spiel, da jeder Autor einen anderen Schwerpunkt auf das Spielgeschehen setzt. Manche finden den Bauteil der Eisenbahnlinie interessanter und beschäfigen sich mehr damit und die anderen finden den Wirtschaftspart interessanter und binden hier neue Komponenten mit ein. Das Feld ist sehr vielfältig und deshalb gibt es hier eine sehr treue Fangemeinde, die diese Spiele sehr verehrt. Nach wie vor erscheinen fast jedes Jahr ein paar neue Versionen dieser Serie.</p>



<p><strong><em>Bekannte Vertreter:</em></strong></p>



<ul class="wp-block-list"><li>1830: Schienenleger &amp; Spekulanten</li><li>1846: The Race for the Midwest</li><li>1889: History of Shikoku Railways</li><li>1856: Railroading in Upper Canada from 1856 </li></ul>



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		<title>Klassiker &#8211; Civilization</title>
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		<pubDate>Sun, 12 Jan 2020 14:03:00 +0000</pubDate>
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<p>Ein großer Teil der Spielerschaft mag das Genre der Zivilisationsspiele bis heute. Jedes Jahr erscheinen neue Versuche diesem Genre irgendwie neues Leben einzuhauchen und neue Ansätze das Thema in ein gangbares Spiel zu verwandeln. Die meisten Versuche scheitern dabei in meinen Augen recht kläglich, denn das Thema erfordert selbst bei einer flotten Umsetzung durchaus Zeit, denn man möchte ja auch den Aufstieg seiner Zivilisation gegenüber anderen in einem gewissen zeitlichen Rahmen beobachten können. Somit ist das Thema schon einmal hinderlich, um es in einem knackigen kurzen Spiel umzusetzen. Man sollte die Hoffnung nie aufgeben, aber in der Vergangenheit gab es durchaus schon Vertreter die einen richtig guten Job in der Umsetzung des Themas machten, nur leider blieb die Spieldauer dabei auf der Strecke und wir haben es oft mit Spieldauer-Monstern zu tun. Eines der besten Spiele, wenn nicht das beste, möchte ich heute in meiner kleinen Klassikerreihe vorstellen. Die Rede ist von Civilization, nein, nicht das Computerspiel von Sid Meier, sondern das Brettspiel von Francis G. Tresham, das wahrscheinlich den Anstoss zum Computerspiel geliefert haben dürfte.</p>



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<p>Civilization wird im Jahr 2020 seinen 40-jährigen Geburtstag feiern und qualifiziert sich aufgrund seines Alters schon für die Klassiker-Kategorie. Aber ein Klassiker muss in meinen Augen auch noch gespielt werden, um ein echter Klassiker zu sein und das trifft auch auf Civilization immer noch zu. Wenngleich der Aufwand zu einer gelungenen Partie durchaus etwas größer sein dürfte. Aus diesem Anlass habe ich mir die Foren von Boardgamegeek.com mal zu Gemüte geführt und fesgestellt das die Community dieses Spiel immer noch feiert und fördert. Für den Anfang diesen Jahres sind schon einige Partien überall in der Welt geplant. Die Menschen verabreden sich also immer noch, um eine Partie zu spielen. Warum das so aufwendig ist? Nun ja die Spielzeit liegt zwischen sechs bis zehn Stunden für eine Partie. Ich selbst habe es seit zig Jahren nicht mehr gespielt und habe meine Version des Spiels, die mehr als durchgenudelt war auch bereits verkauft, aber früher haben wir uns regelmäßig mehrmals im Jahr an einem Wochenende bei irgendwem eingeschlossen und über das ganze Wochenende eine Partie gespielt und man hat das immer Spaß gemacht. Natürlich geht sowas nicht ohne Pausen. Es war aber immer so eine Art Happening. Treffen an denen man nebenbei noch andere Dinge gespielt hat, zusammen gegessen usw. Ich habe wirklich nur gute Erinnerungen, wenn ich an diese Partien zurückdenke.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img data-recalc-dims="1" loading="lazy" decoding="async" width="840" height="451" data-attachment-id="3804" data-permalink="https://spieltroll.de/civneu" data-orig-file="https://i0.wp.com/spieltroll.de/wp-content/uploads/2020/01/civneu.jpg?fit=998%2C536&amp;ssl=1" data-orig-size="998,536" data-comments-opened="1" data-image-meta="{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}" data-image-title="civneu" data-image-description="" data-image-caption="" data-large-file="https://i0.wp.com/spieltroll.de/wp-content/uploads/2020/01/civneu.jpg?fit=840%2C451&amp;ssl=1" src="https://i0.wp.com/spieltroll.de/wp-content/uploads/2020/01/civneu.jpg?resize=840%2C451&#038;ssl=1" alt="" class="wp-image-3804" srcset="https://i0.wp.com/spieltroll.de/wp-content/uploads/2020/01/civneu.jpg?w=998&amp;ssl=1 998w, https://i0.wp.com/spieltroll.de/wp-content/uploads/2020/01/civneu.jpg?resize=300%2C161&amp;ssl=1 300w, https://i0.wp.com/spieltroll.de/wp-content/uploads/2020/01/civneu.jpg?resize=768%2C412&amp;ssl=1 768w" sizes="auto, (max-width: 709px) 85vw, (max-width: 909px) 67vw, (max-width: 1362px) 62vw, 840px" /><figcaption>Civilization &#8211; Version 2018 / Foto: boardgamegeek.com</figcaption></figure>



<p>Für diejenigen von euch, die aber bisher keinerlei Berührungspunkte mit Civilization hatten, sei ein kurzer Einblick in das Spielgeschehen gegeben. Das Spiel findet auf einer Karte des östlichen Mittelmeeres statt, das in verschiedene Gebiete mit Grenzen unterteilt ist. Diese Gebiete verfügen über verschiedene Fuchtbarkeiten und können verschiedene Mengen an Bevölkerungssteinen aufnehmen. Die Spieler übernehmen jeder die Rolle eines Volkes, das von den frühesten Anfängen der menschlichen Zivilisation bis in die Eisenzeit geführt werden muss. Das Spiel bedarf dafür auch kaum Glückselementen und wird ohne Würfel gespielt. Die Spieler starten zu Spielbeginn mit einem einzigen Bevölkerungsspielstein auf einem Startgebiet, das je nach Volk variiert. Die einzelnen Spielzüge sind zu Beginn noch recht kurz werden aber nach hinten raus deutlich länger. Spieler können sich mit ihren Steinen bewegen, müssen sie vermehren usw. Die Bevölkerung wächst stetig, wenn keine äußeren Einflüsse sie dezimieren. Wenn die Spieler genügend Bevölkerungssteine in einer Region zusammenziehen können, so entsteht eine Stadt, die den Spielern Zugang zu Handleskarten gibt, die man jede Runde erhält. Anschleißend darf gehandelt werden. Krieg führt man relaiv simpel und stellt keine primäre Mechanik dar. Wer viel Krieg führt, wird schneller zurückfallen, da sich die Bevölkerung zu langsam entwickelt. Hat man größere Sets von gleichen Handelskarten zusammengesammelt, so kann man diese in Technologien umwandeln und schreitet auf der Entwicklungstabelle voran. Wer es dabei als erstes schafft das Ende zu erreichen gewinnt. Verschiedene Stufen der Entwicklungstabelle können dabei erst überschritten werden, wenn bestimmte Vorraussetzungen erfüllt sind. Die Technologien bringen einem verschiedenste Vorteile und bauen aufeinander auf. Das ist es auch schon ganz grob. Als weitere Spielsteine gibt es ansonsten nur noch ein paar Schiffe, mit denen man sich über Wasser verbreiten kann. Katastrophen die man über die Handleskarten mitaufnehmen kann sorgen dabei für ständige Rückschläge. </p>



<p>Civilization in seiner Urform lässt sich mit bis zu sieben Spielern spielen und verfügt über insgesamt neun Zivilisationen, die man übernehmen kann. Diese Zivilisationen unterscheiden sich nicht in ihren Fähigkeiten, sndern hauptsächlich durch ihre Startpositionen auf dem Spielfeld. Der einzige weitere Unterschied besteht darin, dass ihre Epochenübergänge auf der Entwicklungstabelle an verschiedenen Stellen bestehen und das manche früher anhalten müssen als andere. Insgesamt müssen allerdings alle die gleiche Strecke zurücklegen, manche haben nur mehr Zeit um ein bestimmtes Ziel zu erreichen, hinterher aber wiederum weniger um bereits das nächste Ziel zu erreichen. Andere Unterschiede gibt es nicht.</p>



<p>1980 erschien die erste Version beim britischen Verlag Hartland Trefoil, welchen der Erfinder Francis G. Tresham Anfang der 70er Jahre gegründet hatte, um seine Spiele zu veröffentlichen. Tresham ist einer der Begründer der 18xx Spiele, die sich alle mit dem Thema Eisenbahn beschäftigen und bis heute eine große Anzahl an Titeln hervorgebracht haben, die sich damit beschäftigen Eisenbahnlinien zu betreiben. Ein völlig eigenständiger Bereich der Brettspielszene, der seit Jahren seine eingeschworenen Fans hat. Einige der Spiele dieses Bereichs sind ebenfalls echte Klassiker und sollten auch von anderen Geeks durchaus mal angetestet werden.</p>



<p>1981 wurde Civilization dann auch über Avalon Hill in den USA vertrieben und entwickelte sich in den kommenden Jahren zu einem Hit. 1988 erschien beim britischen Verlag Gibsons Games eine neue Version, die sich grafisch von den bisherigen Versionen abhob und einige Veränderungen enthielt, die bei vielen Hardcorefans des Spiels nicht so gut ankamen. Diese Version wurde aber in Deutschland und Österreich dann auch erstmals über Piatnik und Welt der Spiele veröffentlicht. Hier kommt auch der Spieltroll ins Spiel, denn er sah das Spiel im örtlichen Schreibwaren- und Buchladen im Fenster stehen. Damals total fasziniert musste er es haben und hat all seine Kröten zusammengekratzt, um dieses sehr schön aussehende Spiel zu kaufen. In den vielen Jahren danach habe ich es nie bereut.</p>



<p>In den nachfolgenden Jahren bekam Civilizaion auch noch eine französische sowie spanische Version. Das Spiel wurde in der originalen Version auch sogar noch erweitert. Die sogennante Civilization Western Expansion Map erschien und lieferte eine Karte, die man im westlichen Mittelmeerbereich anlegte, um es zu vergrößern. So kamen Spanien, Frankreich und England mit auf die Karte. Zusätzlich enthielt es eine weitere Zivilization (Iberer), die die Italer ersetzten und einige der Startpositionen der nordafrikanischen Zivilizationen wurden angepasst. Ein Trade Card Expension Pack mit sieben weiteren Handelswaren wurde ebenfalls noch veröffentlicht. Ein Freund von mir kaufte die deutsche Version von Piatnik, indem diese beiden Erweiterungen irgendwie zusammengefasst waren, aber ich kann mich nicht mehr genau daran erinnern, worin der Unterschied zur Avalon Hill-Version besteht.</p>



<p>1991 entwickelte man Civilisation dann aber weiter und eine Version mit dem Titel Advanced Civilization erschien, die eigentlich der Urversion mit Erweiterungen und einigen kleinen Veränderungen und Erweiterungen entsprach. Im gleichen Jahr erschien bei Microprose dann auch das Computerspiel Sid Meiers Civilization. Während das Computerspiel das Thema noch viel weiter trug, konnte es aber dennoch einige parallelen zum Brettspiel nicht verleugnen. Tresham zum Beispiel war der erste Spieledesigner der einen Technologiebaum in ein Spiel integrierte. Etwas für das Sid Meiers Spiel später weltberühmt wurde. All diese Kleinigkeiten entstanden aus dem Brettspiel und müssen Sid Meier beeinflusst haben. 1998 kaufte Microprose dann auch den Verlag von Tresham, Hartland Trefoil. Sid Meier wurde auch für ein weiteres Spiel zu der Zeit sehr bekannt, welches sich mit Eisenbahnen beschäftigte (Railroad Tycoon), das natürlich Spielelemente aus den 18xx Spielen aufwies. Somit sind die Ideen von Francis G. Tresham der Wegberieter für diese Klassiker der Videospielbranche, die von Sid Meier in die Tat umgesetzt wurden.</p>



<p>Die Geschichte führt das alles dann auch bei Hasbro noch zusammen, denn Avalon Hill wird nach dem Riesenerfolg von Magic The Gathering, dass Wizards of The Coast zu einer mächtigen Spielefirma machte, von diesen gekauft, bevor sich Hasbro auch die Wizards einverleibte. Auf der anderen Seite kaufte Microprose der Computerspielentwickler die kleine Brettspielfirma Hartland Trefoil mit den ganzen Eisenbahnspielen und wurde seinerseits von Hasbro Interactive, der Computerspielsparte von Hasbro übernommen. Später wurde der Computerspielbereich weiterverkauft, aber zu dieser Zeit lagen sämtliche Inhalte des Brettspiels, sowie des Computerspiels in der Hand einer Firma.</p>



<p>2015 kam dann der nächste Evolutionsschritt für Civilization in der Form der niederländischen Spielefirma 999 Games, die Mithilfe von Pegasus Spiele aus Deutschland Mega Civilization in einer 3000 Stück limitierten Version auf den Markt brachten. Mega Civilization ist dann der realgewordene Traum eines jeden Civilization-Spielers. Eine Holzbox mit Spielmaterial für 5-18 Spieler und einer Karte bestehend aus vier Spielbrettern, die alles vom westlichen Mittelmeer bis zum indischen Subkontinent umfasst. In dem Spiel sind fast 800 Spielkarten und über 1200 Spielmarker enthalten, um mit 18 Zivilisationen spielen zu können. Mega Civilization bringt fast 11 kg auf die Waage. Diese Version ist der Tatsache zu verdanken, dass ein Civilization Spiel in voller Besetzung am meisten Spaß bereitet, weil alle Zivilization in irgendeiner Form miteinander interagieren, sei es das sie von Katastrophen gemeinsam betroffen sind, sich um kleinere Gebiete streiten, um ihre Bevölkerung wachen zu lassen, oder einfach das Handeln mit den Handelskarten. Mehr Handelspartner bringt mehr Möglichkeiten und so stelle ich mir eine Runde mit 18 Parteien dann auch wie einen großen Basar vor.</p>



<p>2018 sei noch erwähnt bringt die Frima Gibsons Games zum 30-jährigen Jubiläum ihrer Version von Civilization eine neue Version auf den Markt und auch im letzten Jahr 2019 erscheint unter dem Namen Western Empires eine neue Version dieses Klassikers auf der Spiel 2019, dessen Veröffentlichung der Vater von Civilization, Francis G. Tresham, aber leider nicht mehr erlebt, stirbt er doch einen Tag vor der Messe im Alter von 83 Jahren. Civilization aber wird weiterleben und unvergessen bleiben, solange sich immer wieder spielbegeisterte Menschen zusammenfinden, um ein Wochenende mit diesem großartigen Spiel zu verbringen.</p>



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<ul class="wp-block-list"><li><strong>Verlag: </strong>Hartland Trefoil, Avalon Hill, Piatnik/Welt der Spiele</li><li><strong>Autor(en):</strong> Francis G. Tresham</li><li><strong>Illustrator(en): </strong>je nach Version</li><li><strong>Erscheinungsjahr:</strong> 1980</li><li><strong>Spieleranzahl:</strong> 2 – 7 Spieler</li><li><strong>Dauer:</strong> 6 – 10+  Stunden</li></ul>
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