Wildlands

Wildlands

Heute möchte ich eure Aufmerksamkeit auf ein großes Spiel lenken, bei dem auf den ersten und vielleicht auch sogar auf den zweiten Blick nicht allzuviel zu stimmen scheint. Was meine ich damit? Nun ja, zum einen handelt es sich bei Wildlands um ein, im Englischen sagt man wohl am ehesten Skirmish-Game dazu (Notiz an mich selbst: Neue Begriffserklärung), was soviel bedeutet, wie ein Konfrontatives Spiel mit wenigen Einheiten. Warum ist das so ungewöhnlich? Nun ja, der Name Martin Wallace steht ebenfalls auf der Packung und der ist nun eher nicht für diese Art von Spiel bekannt. Zum anderen stimmt das Verhältnis von Größe und Spielzeit hier nicht, auch der Preis ist hoch, für das, was man hier spielerisch bekommt. Hier liegt also in vielerlei Hinsicht ein fragwürdiges Produkt vor. Aber das ist wie gesagt nur der erste Blick, denn schaut man sich das alles ein wenig näher an, könnte man auch zu einem anderen Urteil kommen? Ich habe es getan, denn Spiele von Martin Wallace reizen mich irgendwie immer. Der Mann schafft es mich als Spieler ernst zu nehmen und mir durch seine unglaublich eleganten und geschliffenen Mechaniken einiges zuzutrauen. Schauen wir uns Wildlands von Osprey Games also mal etwas näher an.

Worum geht es?

Wildlands hat eine Hintergrundgeschichte in der es um eine Dunkelheit geht, die die Welt zerstören will, um auf diese Art die Kontrolle zu gewinnen. Klingt nach typischem Fantasy-Setting und das ist es im Kern auch. Die Welt wurde durch magische Kristalle geformt, die die Macht in sich tragen und nachdem die Dunkelheit fast alles besiegt hatte zerbrachen die letzten Überlebenden die Kristalle und zerstörten so die Dunkelheit selbst durch eine Well der reinen Magie. Nicht nur die Dunkelheit war besiegt, auch sämtliche Ordnung der Welt ging verloren. Städte und ganze Königreiche liegen zerstört da und die Splitter der geborstenen Kristalle liegen in der Welt herum und warten auf diejenigen, die sie zu nutzen wissen und hier kommen unsere Spieler ins Spiel. Die schlüpfen in umherziehende kleine Banden, die versuchen ein paar der Kristalle einzusammeln, mit denen sie etwas anfangen können. Das führt in Wildlands zu kleinen Gefechten auf kleinen Schlachtfeldern. Wer zuerst fünf Siegpunkte erspielt gewinnt und Siegpunkte gibt es in Wildlands für das Einsammeln eines eigenen Kristallsplitters oder das Bewzwingen eines gegnerischen Charakters. Jeder hat fünf Charaktere zur Verfügung und fünf Splitter die es zu erjagen gilt.

Wildlands – Dungeonseite des Spielbretts / Foto: Spieltroll

Wie läuft das ab?

Wildlands hat eine einfache Prämisse, die so auch aus einem Computerspiel kommen könnte, indem zwei Teams gegeneinander antreten. Wer zuerst fünf Punkte macht gewinnt. Ob man dafür Gegenspieler ausschaltet oder seine Kristalle einsammelt ist dabei total egal. Der Spielaufbau von Wildlands ist dabei schon wieder Martin Wallace üblich so einfach wie genial. Das Spiel lässt sich in jeder Besetzung von zwei bis vier Spielern gut spielen. Jeder sucht sich zu Spielbeginn eine der vier Fraktionen aus. Wir haben die sogenannte Gilde, die Bürgerwehr, das kleine Volk und die Kämpfer. Jede der Truppen hat einen leicht anderen Fokus und spielt sich etwas anders. Neben der Truppe sucht man sich auch eine Farbe aus und versieht seine Spielfiguren mit den farblich passenden Ringen und legt die fünf Charakterkarten vor sich aus. Jeder erhält fünf Kristallsplitter in der passenden Farbe und einen Satz Karten, der speziell für seine Truppe ist. Auf einer Übersichtskarte kann man sehen, wieviele Sambole eines bestimmten Typs man insgesamt in seinem Deck hat und wie sich diese Symbole auf welche Charaktere verteilen. Die Aktionskartendecks mischen die Spieler und leges sie vor sich ab.

Wildlands – Verdeckte Ortskarten auf Charakteren / Foto: Spieltroll

Dann wird der Ortskartenstapel gemischt und jeder Spieler erhält genau 10 Ortskarten, die man sich anschauen darf. Das Spielbrett liegt in der Mitte des Tisches und zeigt ein kleines Schlachtfeld mit lauter Räumen und Gängen. Einzelne Abschnitte sind nummeriert und die Ortskarten zeigen ebenfalls genau diese Nummerierung. Jeder Spieler weisst jedem seiner Charaktere verdeckt eine seiner Ortskarten zu. Die Nummer bestimmt später, wo der Charakter auf dem Spielfeld ins Spiel kommen wird. Die verbliebenen fünf Karten gibt er an seinen linken Nachbarn weiter. Die Karten die man von seinem rechten Nachbarn bekommt sind dann die fünf Karten, auf die man seine fünf Kristalle platzieren muss. Anschließend zeiht jeder sieben Karten von seinem Stapel und der Spieler dessen Kristall auf der niedrigsten Nummer liegt beginnt das Spiel.

Wildlands – Miniatur auf dem Spielfeld / Foto: Spieltroll

Ist man an der Reihe muss man drei Punkte der Reihe nach abhandeln. Als erstes, wenn man noch mindestens einen nicht aufgedeckten Charakter hat, muss man einen Charakter aufdecken. Das bedeutet soviel wie ins Spiel bringen. Seine Ortskarte wird aufgedeckt und seine Spielfigur auf das Spielfeld gestellt. Es ist aber durchaus auch erlaubt sofort alle Charaktere ins Spiel zu bringen, indem man alle Ortskarten umdreht. Das Spiel erlaubt es aber auch die Positionen geheimzuhalten und erst nach und nach alle Charakterpositionen preiszugeben. Als zweites darf man nämlich soviele Karten ausspielen wie man möchte und kann und das darf man mit beliebeigen Charakteren tun. Als drittes in seinem Zug, wenn man alles gemacht hat, was man tun möchte, zieht man drei Karten nach (maximal auf sieben Handkarten) und gibt den aktiven Spieler an den nächsten Spieler im Uhrzeigersinn weiter. So funktioniert ein Zug und wer in seinem Zug zuerst fünf Punkte erreicht gewinnt.

Wildlands – Die Gilde mit Übersichtskarte / Foto: Spieltroll

Das A und O in diesem Spiel sind also die Charatkere und die Aktionskarten. Die Charakterkarten, die vor den Spielern ausleigen zeigen im Grunde drei Dinge an, wenn wir das Aussehen eines Charakters mal ignorieren. Als erstes den unwichtigen Namen, damit man auch weiß, von wem man spricht. Zweitens oben links ein einmaliges Charaktersymbol. Kein anderer Charakter hat das gleiche und es findet sich auf der Übersichtskarte, sowie auf den Aktionskarten wieder. Oben rechts auf der Karte in einem Fähnchen finden wir eine Zahl, die uns angibt über wieviele Lebenspunkte dieser Charakter verfügt. Lebenspunkteverlust wird durch kleine rote Würfel angezeigt und wenn alle Punkte aufgebraucht sind, scheidet ein Charakter aus und der Spieler der ihn ausgeschaltet hat, erhält seine Figur um anzuzeigen, das man einen Siegpunkt verdient hat.

Wildlands – Aktionskarte / Foto: Spieltroll

Die Aktionskarten zeigen ein paar mehr Informationen und verwirren uns zusätzlich, denn zunächsteinmal zeigt jede Aktionskarte auf der rechten Seite ganz deutlich einen der fünf Charaktere eines Teams und das hat für das Spiel absolut keine Bedeutung. Das verwirrt gerade neue Spieler ziemlich. Die linke Seite einer jeden Karte ist die relevante Seite und dort finden wir nebeneinander zwei Spalten. Die erste Spalte zeigt auf kleinen Schwertspitzen die untereinander angeordnet sind die Charaktersymbole der Charaktere an, die diese Karte benutzen können. Die Symbole befinden sich dabei immer auf der gleichen Position. Diese Karte kann dann also für diese Charaktere als Bewegung genutzt werden und sie bewegen sich damit um ein Feld auf dem Spielfeld. Gibt es neben den Schwertern noch kleine Flaggen mit Symbolen, so kann der entsprechende Charakter diese Karte auch für die auf der Falgge angezeigte Aktion benutzen. Zusätzlich kann unter deisem Bereich auch noch eine Flagge angezeigt sein, die kein Charaktersymbole im forderen Bereich zeigt. Das bedeutet, dass diese Karte von jedem Charakter für die angezeigte Aktion genutzt werden kann.

Wildlands – mehrere Aktionskarten / Foto: Spieltroll

Grundsätzlich zu allen möglichen Aktionen, die durch Symbole auf den Karten angeziegt werden, müssen die Aktionskarten auch noch für das Einsammeln von Kristallsplittern benutzt werden. Man darf nur seine eigenen Kristallsplitter aufnehmen und benötigt dafür drei Aktionskarten des Charakters, der den Kristall auf dem Spielfeld aufnehmen möchte. Aktionskarten von Charakteren, die schon durch Gegenspieler ausgeschaltet wurden, können ebenfalls dazu benutzt werden.

Die Symbole die auf den Aktionskarten auftauchen können, teilen sich grob in vier Gruppen auf und sind auch so auf der Übersichtskarte angegeben. Die roten Symbole stehen für den Nahkampf und hier gibt es einen Angriff und einen Schweren Angriff. Für den Nahkampf muss man mit einer gegnerischen Figur auf dem gleichen Feld stehen und ein solches Symbol ausspielen. Der Angriff macht dabei einen Punkt Schaden und der schwere zwei. Der Gegner kann Angriffe mit Angriffssymbolen verteidigen, indem er diese als Reaktion auf den Angriff ablegt und so quasi pariert. Schwere Angriffe können aber nicht als Verteidigung benutzt werden. Die blauen Symbole stehen für den Fernkampf und hier gibt es drei Sorten. Normaler Fernkampf und hier darf auf einen Gegner mit Sichtlinie geschossen werden, schwerer Fernkampf darf maximal zwei Felder weit auf Sichtlinie gehen und verursacht zwei Schaden und als drittes gibt es noch Flächenangriffe, der alle Figuren auf einem Feld betrifft. Hhier bekommen alle Charaktere einen Schadenspunkt.

Wildlands – Miniaturen Die Gilde / Foto: Spieltroll

Dann gibt es noch zwei grüne Symbole für die Verteidigung. Ein Schild steht für das Abblocken eines Fernkampfangriffs und kann außerhalb der Reihe als Reaktion auf einen solchen gespielt werden. Das zweite Symbol zeigt eine Mauer, die besagt, dass man in Deckung geht. Auch dies kann nur gegen Fernkampf genutzt werden und darf nur auf Feldern genutzt wrden, auf denen man Deckung hat. Das wir auf dem Spielfeld angezeigt. Die Nummern auf dem Feldern sind entweder schwarze Zahlen in weißen Kreisen oder weiße Zahlen in durchsichtigen Kreisen. Letztere zeigen an das das Feld genügend Deckung enthält.

Die letzte Kategorie von Symbolen sind die gelben Manöver und die sind eher selten. Mit dem Fähnchen darf man gleich zwei Charaktere bewegen, die sich auf dem gleichen oder angrenzenden Feldern befinden müssen und das Flügelchen lässt einen Charkater fliegen und sich direkt zwei Felder weit bewegen, wobei auch Höhenunterschiede überwunden werden können. Diese werden durch Pfeile auf dem Spielfeld angezeigt und kosten uns normalerweise eine weitere Bewegung um zu klettern.

Wildlands – Spielfeld mit Nummern / Foto: Spieltroll

Viel mehr gibt es über Wildlands auch nicht zu wissen, außer natürlich wie ich es finde…

Das Fazit

Wildlands ist wirklich ein seltsames Spiel. Okay, es ist von Martin Wallace und solch ein Spiel hätte ich von ihm nicht erwartet, aber auch hier sieht man seine brilliante Art Spiele zu machen. Bereits bei der Charakteraufstellung und dem Draft der Ortskarten spürt man wieder diese Finesse, mit der er sich Mechaniken überlegt. Diese simple Aktion hat gleich mehrere Ebenen über die man sich Gedanken machen kann und das sind durchaus wichtige Entscheidungen, die man hier bereits in der frühen Phase zu treffen hat. In einem Spiel zu zweit, weiß ich dann zum Beispiel genau, wo die gegnerischen Kristalle liegen werden und wo ich meine Charaktere aufstelle. Zudem bestimmt die niedrigste Zahl des Kristalls wer anfängt. Wirklich schon in diesem Moment sehr gute Entscheidungen.

Das Spiel an sich läuft zeimlich schnörkellos und gradlinig ab. Wer dran ist spielt soviele Karten wie er will und muss zuerst, sofern noch nicht geschehen, eine weitere seiner Positionen preisgeben. Taktisch holt er eine Menge aus dem simplen Spiel heraus. Man darf auch keinen Hehl daraus machen, dass Wildlands durchaus schnell vorbei sein kann. Die fünf Punkte sind mitunter schnell ergattert, wenn ein Gegenspieler nicht richtig aufpasst oder einfach mal alles passt. Und hier wird es dann zum zweiten Mal ein wenig seltsam, denn Wildlands ist vom Spielgefühl her eher ein kleiner Füller, den man mal an einem Spieleabend einstreuen kann. Mehr auf gar keinen Fall, aber es sieht nach vielmehr aus. Die Ausstattung ist sehr gut. Die Box ist riesig und mit tollen Inlays ausgestattet. Die Figuren sind zum Teil stylisch und zum Teil zwar nicht mein Fall, aber rein qualitativ sehr gut und sie verfügen durch einen Farbeffekt gleich über ein wenig Tiefe. Das Spielbrett ist knallbunt und zweiseitig benutzbar mit zwei verschiedenen Schlachtfeldern. Insgesamt eine tolle Produktion und nichts für den schmalen Geldbeutel. Hier muss jeder überlegen, ob er bereit ist für ein solches Scharmützelspiel mit einer Spieldauer von vielleicht einer halben bis dreiviertel Stunde soviel Geld hinzulegen. Wenn man günstig drankommt kann ich es absolut empfehlen, wenn man auf diese konfrontativen Spiele steht. Wildlands ist ein Highlight innerhalb dieses Genres, weil ich kaum ein anderes Spiel kenne, dass mit sowenigen, so gut durchdachten Regeln daher kommt und auch mit drei oder vier Spielern soviel Spaß macht.

Wildlands – Zweites Schlachtfeld / Foto: Spieltroll

Wildlands ist nur im englischen Original erhältlich. Das Spiel ist aber weitestgehend sprachneutral und die Anleitung kann man sich in einer deutschen Version bei BGG herunterladen.


  • Verlag: Osprey Games
  • Autor(en): Martin Wallace
  • Illustrator(en): Alyn Spiller, Yann Tisseron
  • Erscheinungsjahr: 2018
  • Spieleranzahl: 2 – 4 Spieler
  • Dauer: 30 – 60 Minuten

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