In der Welt der Geeks gibt es so wahnsinnig viele Begriffe, die man Außenstehenden erklären sollte, damit keine Missverständnisse entstehen. Dazu dient diese Serie und heute werde ich mich in ihr einem Begriff annehmen, der Spiele bezeichnet, die wahrscheinlich fast jeder von uns schonmal gespielt hat, denn einige sind natürlich in unsere Kultur übergegangen, denn sie sind schon alt. Die Brettspieler reden von abstrakten Spielen oder auch abstrakten Strategiespielen. Schach, Dame und Go. Aber damit hört es in der Welt der Brettspieler noch nicht auf.
Mandalas sind hier im Westen meistens aus Kindermalbüchern bekannt. Im Hindu- und Buddhismus sind diese meist symetrischen, konzentrischen Bilder tief in der Religion und Philosophie verankert und sollen den Gläubigen helfen durch Meditation tiefere religöse Zusammenhänge zu verstehen und zu verinnerlichen. Trevor Benjamin und Brett J. Gilbert haben nun ein Spiel rund um diese farbenfrohen Bildchen gemacht. Mandala ist ein Spiel für zwei Personen geworden und ist in der, inzwischen auch schon recht umfangreichen Sammlung der Zweispielerspiele, von Lookout Spiele erschienen. Bei Mandala handelt es sich um ein abstraktes Spiel, dass durch seinen extrem einfachen Zugang besticht und über außergewöhnliches Material verfügt.
Abstrakte Spiele, die man mit mehr als zwei Spielern sinnvoll spielen kann, gibt es gar nicht mal so viele da draußen. Oftmals sind es nur Notlösungen, die ein Spiel, das eigentlich nur für zwei Personen gedacht ist, für mehr Spieler spielbar machen. So zum Beispiel bei Santorini, was man zu dritt spielen kann, aber eigentlich ein zwei Personen Spiel ist. Oder aber ein Spiel ist für zwei oder vier Spieler spielbar. Das schon alte Focus zum Beispiel ist ein gutes Beispiel für ein solches Spiel, das man auch mit drei oder vier Spielern gut spielen kann. Bumúntú von Tim Blank versucht sich ebenfalls in diesem Segment zu positionieren und wird dabei allein durch seine Optik schon zum Hingucker. Wenn man im Spieleladen an dem farbenfrohen, afrikanisch anmutendem, Cover vorbeigeht, schaut man sich das Spiel unweigerlich an. Irgendwie wird das Interesse geweckt und man schaut sich auch die Rückseite an und ist geneigt Bumúntú eine Chance zu geben. Zumindest geht es mir so…
Bruno Cathala hat bewiesen, dass er aus traditionellen Spielen durchaus etwas rausholen kann und die zum Teil etwas angestaubten Prinzipien durchaus in moderne Spiele verwandeln kann. So geschehen mit seinem Meisterstück Five Tribes, dass im Grunde ja eine Weiterentwicklung des Manacala (Bohnenspiel) darstellt und wer Five Tribes bis heute nicht kennt, sollte es ausprobieren, denn er hat etwas verpasst. Ein paar Jahre davor hat er sich bereits an einem, zugegbenermaßen noch einfacheren und in meinen Augen viel ausgelutscheren Spiel probiert: Tic Tac Toe. Ja, richtig gelesen, ich hätte nicht gedacht das man aus diesem, nennen wir es mal Klassiker, denn ich denke jeder hat es schon mal gespielt, noch irgendwas rausholen kann oder sollte. Ich war zunächst einmal skeptisch, aber meine Frau steht auf Spiele mit japanischem Thema und deshalb haben wir Okiya eine Chance gegeben uns davon zu überzeugen, dass in Tic Tac Toe noch etwas mehr stecken kann.
Abstrakte Strategiespiele führen ein kleines nieschiges Dasein im großen Spielekosmos. Woran das liegt kann ich gar nicht so genau sagen. Meine Vermutung ist, dass man natürlich sehr lange üben muß, um in einem abstrakten Strategiespiel Erfolg zu haben. Wer sich einmal etwas intensiver mit Schach oder Go beschäftigt hat, wird wissen, was ich meine. Deshalb haben neue Spiele, die sich in diesem Sektor aausprobieren wollen es wahrscheinlich auch etwas schwerer, als Spiele im normalen Segment. Außerdem gibt es wahrscheinlich nicht so viele Spieler in diesem Bereich. Vor ein paar Jahren kam aber ein Spiel auf den Markt, was für all diejenigen interessant sein dürfte, die sich gerne mit solchen Spielen beschäftigen. Onitama mutet ein bißchen an, wie ein japanisches Schachspiel und in der Tat kann man es am ehesten auch so beschreiben. allerdings verfügt es über ein weiteres Element, was bei Freunden dieses Genres, wenn nicht gleich auf Ablehnung, dann zumindest aber auf Skepsis stößt: Karten. „Sowas gehört nicht in ein abstraktes Strategiespiel“, höre ich da doch schon wieder die ersten unken! „Doch!“, sage ich und kann nur allen empfehlen mal eine Kleinigkeit über den Tellerrand hinauszuschauen.
Mahjong habe ich auf dem Handy oder Smartphone immer sehr gerne gespielt, auch wenn das Teilchen-Rätselspiel mit dem richtigen Mahjong eigentlich nichts zu tun hat, so benutzt es immerhin die schönen Steine um verschiedenste Formen aufs Brett zu legen, die wir als Spieler versuchen müssen bis zum letzten Stein abzubauen, indem wir immer passende Pärchen bilden. Nun haben sich mit Dragon Castle, Horrible Games dieser Mahjong-Variante angenommen und daraus ein, durch diese Mahjong-Spiele inspiriertes, neues Brettspiel für bis zu vier Personen konzipiert. Jeder der einmal eine aufgebaute Partie Dragon Castle gesehen hat, wird das kaum leugnen können. Aber das Spiel weisst nur einige Ähnlichkeiten auf, spielt sich ansonsten aber ganz anders und gehörte für mich zu den interessantesten Releases des Jahres 2017.
Santorini ist eine griechische Insel in der Ägäis, die berühmt für ihre weißen Gebäude mit den blauen Kuppeldächern ist, die zum Teil an den Klippen der Insel gebaut worden sind. Bereits 2004 nahm sich der kanadische Spieleerfinder Gordon Hamilton des Themas dieser Insel an und entwickelte Santorini als abstraktes Spiel. Dreizehn Jahre später und dank einer Kickstarter-Kampagne kam das Spiel in der vorliegenden Version nun mächtig aufgehübscht in die Verkaufsregale und wurde so auch endlich einer breiteren Masse zugänglich. Durch seine Aufmachung wirkt das Spiel sehr kindlich und an jüngere Käuferschichten gerichtet, doch da sollte man sich nicht täuschen lassen, es ist zwar für junge Spieler geeignet, ist aber von enormer strategischer Tiefe. Im Kern ist es ein abstraktes strategisches Bauspiel für zwei Personen, dass man auch zu dritt oder viert spielen kann. „Santorini“ weiterlesen