Der Herr der Ringe: Das Schicksal der Gemeinschaft – Pandemie in Mittelerde

Der Herr der Ringe: Das Schicksal der Gemeinschaft

Als ich zum ersten Mal von diesem Spiel hörte, war ich in einem Zwiespalt gefangen. Einerseits bin ich ein großer Herr der Ringe Fan und probiere gerne neue Spiele, die sich mit Tolkiens Werk befassen aus. Andererseits aber bin ich definitiv kein großer Pandemie Fan. Ich finde das System zwar interessant aber auch zu anfällig. Bei Pandemie ist es halt möglich bei entsprechendem Pech, eine Partie sang- und klanglos zu verlieren, ohne auch nur irgendwas dagegen tun zu können. So etwas mag ich nicht. Die einzigen Spiele der Reihe, bei denen ich darüber hinwegsehen kann, sind die Pandemic Legacy Spiele, die mir so viel anderes Erlebnis bieten, dass mich eine Partie, in der es mal bescheiden läuft, nicht wirklich stört. Nun also Das Schicksal der Gemeinschaft und ich war schon ein wenig skeptisch, ob dass Spiel für mich funktioniert. Ich habe mich auch relativ lang nicht drangetraut. Inzwischen ist der Hype etwas vorbei und ich habe es aus dem Regal hervorgeholt und ausprobiert. Am Ende war ich wirklich ein bisschen erstaunt, denn Das Schicksal der Gemeinschaft hat zwar ein paar Probleme, aber dass es ein Pandemie-Spiel ist gehört definitiv nicht dazu. Insgesamt war ich tatsächlich ein wenig überrascht. Ich versuche mal zu erklären warum.

Worum geht es?

Wer den Herrn der Ringe kennt, weiß natürlich, dass es hier um den großen Kampf von Gut gegen Böse geht. Das Licht gegen die Dunkelheit und die freien Völker Mittelerdes gegen den großen Miesepeter Sauron. Verpackt wird die Geschichte hier im ganz großen Stil auf einer Mittelerdekarte auf der wir kleine Truppen und die großen Charaktere der Trilogie hin- und her bewegen, um verschiedene Aufgaben zu bewältigen. In jeder Partie muss allerdings der eine Ring durch Frodo & Sam zerstört werden. Die Spieler*innen machen sich dabei kooperativ auf die Socken, um Mittelerde zu befreien und steuern dabei die guten, während das Spiel den bösen Gegenpart übernimmt.

Der Herr der Ringe: Das Schicksal der Gemeinschaft – Das Spielbrett / Foto: Spieltroll

Wie läuft das ab?

Wer Pandemie kennt, weiß worauf es hinauslaufen wird. Wir spielen verschiedene Rollen mit verschiedenen Fähigkeiten und versuchen unsere Ziele zu erreichen, bevor das Spiel seine erreichen wird, was je länger die Partie dauert, immer wahrscheinlicher wird. Das Schicksal der Gemeinschaft wartet mit erstaunlich viel optischen Highlights auf und sieht, einmal aufgebaut erstmal ziemlich beeindruckend und auch recht komplex aus. Ich werde den Spielaufbau nicht im Detail erklären, aber das Spielbrett macht trotz seiner Kompaktheit Eindruck. Der Würfelturm im Barad- Dûr-Design mitsamt der hübschen Würfel sieht genauso fantastisch aus, wie die schönen Charakterbilder und die kleinen Nazgûl Figuren, die auf ihren geflügelten Unholden auf Flugständern dabei sind. Das alles verbreitet schon ein gewisses Flair und lässt nicht nur das Fan Herz höher schlagen.

Der Herr der Ringe: Das Schicksal der Gemeinschaft – Der Würfelturm / Foto: Spieltroll

Auf dem Spielfeld sind jede Menge Orte und Wege abgebildet die zu verschiedenen Gebieten gehören. Die Spielfiguren bewegen sich auf dieser Karte über die Wege fort. Daneben sind auch jede Menge bunte, verwirrende Pfeile auf dem Spielbrett abgebildet, die die Wege für die Truppen Saurons vorgeben. In jeder Partie haben die Spielenden, je nach Schwierigkeitsgrad verschieden viele Aufträge zu erfüllen. Einer davon ist natürlich immer der, den Ring am Schicksalsberg, tief im Feindesland zu zerstören. Andere Aufträge beziehen sich darauf irgendwo Truppen auszuheben, bestimmte Orte einzunehmen oder bestimmte Symbole auf Markern zu sammeln. Das erreichen die Spieler*innen über ihre Charaktere. Ja, richtig gelesen, Charaktere, denn jeder übernimmt gleich zwei Charaktere in diesem Spiel und wer an der Reihe ist, macht mit einem davon vier Aktionen und mit dem jeweils anderen lediglich eine. Das ändert sich während des Spiels nicht und wir dürfen in jeder Runde wieder frei wählen, welcher Charakter davon wie viele ausführt.

Der Herr der Ringe: Das Schicksal der Gemeinschaft – Die Regionskarten / Foto: Spieltroll

Wer Pandemie schon kennt, wird sich auch bei den Aktionen schnell reinfinden, denn die sind ähnlich. Wir reisen mit einer Aktion, müssen für manche Wege dabei noch ein entsprechendes Symbol als Marker oder Karte ablegen. Die Karten gibt es wieder für jede Region im Spiel aber mit den vier Symbolen für Freundschaft (Herz), Heldenmut (Schwerter), Heimlichkeit (Umhang) und Widerstandskraft (Ring). Neben der Reiseaktion können wir aber auch an einem Ort, an dem wir uns zu zweit befinden eine Karte der Region übergeben in der wir uns befinden. An Zufluchts-Orten, die besonders gekennzeichnet sind, können wir uns auch vorbereiten, was bedeutet, wir können eine Karte gegen einen Marker derselben Sorte austauschen. Das ist wichtig, da wir ein hartes Handkartenlimit von sieben Karten haben, Marken aber unbegrenzt in unserem Vorrat halten dürfen.

Es gibt auch spezielle Orte der einzelnen Fraktionen, an denen wir die Appell-Aktion durchführen können, womit wir Truppen ausheben und aufstellen dürfen. Das funktioniert natürlich nur, solange es noch Truppen gibt. Falls wir uns an einem Ort mit Schattentruppen befinden dürfen wir als Aktion auch einen Angriff durchführen. Dazu werden dann ein paar Würfel gerollt und durch das Ergebnis Truppen entfernt.

Der Herr der Ringe: Das Schicksal der Gemeinschaft – „Der Himmel verfinstert sich“-Karte / Foto: Spieltroll

Nachdem wir unsere Aktionen aufgebraucht haben, ziehen wir zwei Karten nach und das Spiel beginnt seine Phase. Die Pandemie-Mechanik fußt ja auf dem Kartenstapel und so ist es auch hier, nur dass es jetzt zwei gibt. Einen Gefährtenstapel von dem wir unsere Regionskarten bekommen. Hier sind die gefürchteten „Pandemie“-Karten, die hier „Der Himmel verfinstert sich“ heißen, enthalten. Sobald wir eine ziehen, setzt das Spiel Ereignisse in Gang. Zunächst wird der Bedrohungsmarker voran gezogen, der angibt, wie viele Schattenkarten wir gleich vom zweiten Stapel ziehen müssen. Dann wird das Auge von Sauron versetzt. Das ist ein Marker der in die Region gelegt wird, in der Frodo & Sam sich befinden gelegt wird. Ist dieser bereits dort, so schwindet die Hoffnung und der Marker dieser Leiste wird um zwei Felder herabgesetzt. Landet dieser je bei Wert null, haben wir verloren. Als drittes gibt diese Karte auch immer einen Ort an, an dem wir drei Schattentruppen ins Spiel bringen müssen und zu schlechter Letzt mischen wir den Schattenablagestapel und legen ihn oben auf das Schattendeck. Was der eigentliche Pandemie-Mechanismus ist. Orte an denen zuvor schon schlechte Dinge passiert sind, erscheinen so erneut schneller als andere, was die Situation meist nicht verbessert.

Der Herr der Ringe: Das Schicksal der Gemeinschaft – Schattenkarten / Foto: Spieltroll

Der Schattenstapel funktioniert dann wie folgt. Wir decken eine Karte nach der nächsten auf und handeln sie ab. Das machen wir mit so vielen Karten, wie die Bedrohungsleiste vorgibt. Die Rückseite der jeweils links liegenden, noch verdeckten, Karte gibt uns vor welche Aktion auf der rechtsliegenden, aufgedeckten Karte wir ausführen müssen. Dabei kann es sich um einen Vorstoss oder eine Verstärkung handeln. Bei einer Verstärkung setzen wir einfach zusätzliche Schattentruppen am gezeigten Ort ein. Sollte es zu einem Vorstoss kommen, so zeigt uns die Karte einen der farbigen Pfeile auf dem Spielbrett an. Auf diesem beginnen wir vom Startfeld an von Ort zu Ort entlang zu gehen. Sind an einem Ort Schattentruppen, so ziehen wir sie in Pfeilrichtung um einen Ort weiter. Sollten Truppen dabei auf gegnerische Truppen treffen so kommt es zum Angriff. Sind Zufluchten unbewacht und Schattentruppen komme dort zum Stehen, verwandeln sie diese in Schattenfestungen, was wiederum Hoffnung senkt.

Der Herr der Ringe: Das Schicksal der Gemeinschaft – Die Bedrohungsleiste / Foto: Spieltroll

Ich denke das reicht, um es grob zu verstehen. Wir gewinnen, wenn wir die Ziele erfüllt haben, die natürlich auch meist dazu beitragen die Hoffnung wieder zu steigern. Unerwähnt möchte ich an dieser Stelle aber auch nicht lassen, dass Das Schicksal der Gemeinschaft nicht nur mit 13 unterschiedlichen Charakteren und 24 verschiedenen Zielen daherkommt, sondern auch noch über einen wirklich sehr guten Solomodus verfügt. Die Pandemiespiele an sich funktionierten schon immer ganz gut allein, aber das hier ist ein wenig ausgeklügelter. Im Solomodus übernehmen wir neben Frodo & Sam noch vier weitere Charaktere gleichzeitig und von Runde zu Runde wird durch einen Marker angezeigt, welcher Charakter an der Reihe ist und vier Aktionen ausführt. Die Einzelaktion fällt dann immer auf Frodo & Sam zu. Die Gemeinschaftsaktion fällt natürlich weg, da sich alle Karten aus dem gleichen Pool bedienen. Funktioniert klasse.

Der Herr der Ringe: Das Schicksal der Gemeinschaft – Charakterkarte / Foto: Spieltroll

Das Fazit

Der Herr der Ringe: Das Schicksal der Gemeinschaft – Verschiedene Größen / Foto: Spieltroll

Die Kritiken für dieses Spiel sind meist sehr überborden positiv und ich kann da zum Teil miteinstimmen und das dürfte einige Leser*innen überraschen, die wissen, welche innige Feindschaft mich mit Pandemie verbindet. Das Herr der Ringe Setting hilft natürlich ungemein, das gebe ich frei zu, aber abseits dessen hatte ich noch kein „Pandemie“-Spiel, bei dem diese Mechanik und ihre Anfälligkeit mich so wenig gestört hat. Ich sagte ja eingangs bereits, dass die Probleme des Spiels nicht die sind, das es ein Pandemie-Ableger ist. Nein, das funktioniert gut und hat für meinen Geschmack in diesem Spiel auch genügend Stellschrauben, schlechte Verläufe vorzubeugen. Natürlich kannst du auch hier immer noch genügend Pech haben, das alles den Bach runter geht. Dafür sorgt auch das nächste Glückselement das hinzugefügt wurde: die Schicksalswürfel, die wir immer Würfeln müssen um Frodo zu testen und die wir natürlich für dem Kampf zu Rate ziehen müssen. Aber auch das finde ich wirklich alles ganz gut. Die Probleme sind eher auf der gestalterischen Ebene zu suchen und die hatte ich doch vorhin noch so gelobt.

Der Herr der Ringe: Das Schicksal der Gemeinschaft – Das überfüllte Rhudaur / Foto: Spieltroll

Dem folgt ein „Ja, aber…“, denn das Spielbrett ist eine Katastrophe der Unübersichtlichkeit. Natürlich ergibt das alles Sinn, wenn du erstmal drin bist, aber das schreckt echt ab, denn eine klare Struktur ist erstmal nicht wirklich zu erkennen. Für das, was da abgeht, ist das Spielfeld auch viel zu klein (und so klein ist es gar nicht). Das wird einem schnell bewusst, wenn du mit Frodo & Sam mal in Bruchtal festsitzt, das Auge von Sauron nach Rhudaur gelegt wird und nach und nach in das sehr kleine Gebiet sämtliche Nazgûl gezogen werden. Wegen Überfüllung geschlossen. Ständig schmeißt du was um und musst wieder alles aufstellen. Der Maßstab stimmt einfach nicht. Am anderen Ende sind die Meeple, damit das mit den Truppenmassen der Schatten und der Freien Völker nicht noch schlimmer wird, mikroskopisch klein und flutschen dir immer wieder durch die Finger. Optisch wirkt das, bis auf das Spielbrett (welches einfach nur verwirrt), erstmal alles so stimmig und toll, bis du spielst und merkst, dass das eigentlich alles nur Zugeständnisse sind. Die Nazgûl sollten halt toll wirken und gut zum Barad-Dûr passen, sind aber eigentlich unpassend. Die Meeple wurden wegen des Platzmangels geschrumpft, was zu Kosten der Spielbarkeit ging.

Dennoch finde ich das Spiel ebenfalls gut gelungen und muss in den Tenor miteinstimmen, wenn auch nicht ganz so laut und Vehement, wie das andere tun. Das Herr der Ringe Setting ist toll umgesetzt worden und das Spiel verzeiht mehr als manch anderes der Reihe. Die Optik passt und das Spielgefühl ist nicht nur in einer Partie spannungsgeladen, sondern durch die Vielfalt der Ziele und die total unterschiedlichen Charaktere auch immer wieder anders und erlaubt recht viele unterschiedliche Spielverläufe, weswegen ich Das Schicksal der Gemeinschaft auch loben möchte. Am besten gefallen hat mir tatsächlich der Solomodus, obwohl es ein großes Spiel ist. Nach dem Aufbau hast du keinerlei Probleme auch ein so großes Spiel simpel zu handhaben ohne großen Aufwand zu betreiben. An einem Orden schrappt es aber wegen der aufgezählten Probleme vorbei, ist aber dennoch nah dran.


  • Verlag: Z-Man Games, Asmodee
  • Autor(en): Matt Leacock
  • Illustrator(en): Jared Blando, Cory Godbey
  • Erscheinungsjahr: 2025
  • Spieleranzahl: 1-5 Spieler*innen
  • Dauer: 60-150 Minuten

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