
Arche Nova brachte vor ein paar Jahren in der Brettspielwelt einiges in Bewegung. Der unbekannte Autor Mathias Wigge kam plötzlich mit einem so großen und vielbeachteten Spiel um die Ecke mit einer Thematik die deutlich mehr Leute ansprach als abschreckte und mit einem, zwar nicht neuen, aber frischen Aktionsmechanismus der auf Anhieb viele Freunde fand. Darüber hinaus lagen Naturthemen eh gerade im Trend und Spiele die auf massiven Karteneinsatz basierten und dadurch viel Abwechslung versprachen sowieso. Arche Nova traf wohl einen Nerv zur richtigen Zeit. Kritik blieb aber natürlich auch nicht aus. Für viele dauerte eine Partie zu lang und mit mehr als drei Spielenden explodierte die Spieldauer gleich nochmal und überhaupt war das Spiel zu groß und das Thema Zoo galt auch als kontrovers.Artengarten erschien nun im letzten Jahr und stellt sich nach außen rein optisch und thematisch als eine Arche Nova Light dar, denn schaut es euch an, es ist nicht von der Hand zu weisen, dass beide Spiele dieselbe DNA teilen. Auch wenn ihr es auspackt, die Regeln lest und euch die Komponenten anschaut könnt ihr das vermuten. Sogar der Kernmechanismus ist derselbe. Dennoch behaupte ich ist das Spiel ein völlig anderes und sollte wirklich nur aufgrund seiner äußeren Werte mit dem großen Bruder verglichen werden.
Worum geht es?
Artengarten ist ein Legespiel. Wie im großen Bruder bauen wir einen Zoo auf unser Tableau. Wir tun das diesmal aber durch Hexplättchen, auf denen wir direkt alle Infos finden und nicht durch Karten die wir zunächst erwerben. Auf den Plättchen sind Tiere, Gebäude und Personen zu sehen, die wichtige Bestandteile unseres Zoos sind. Sie stehen in bestimmten Abhängigkeiten von einander und bringen uns auf diese Weise Punkte für den Sieg. Unsere Aufgabe ist es also den Platz in unserem Zoo so sinnvoll wie möglich zu nutzen.


Wie läuft das ab?
Artengarten ist im Kern ein recht einfaches und sogar erstaunlich schnelles Spiel, wenn die Regeln erstmal sitzen und ihr es nicht mit zu vielen Leuten spielt. Die Spieler*innen bauen ihren Zoo auf den Tableaus vor sich. Insgesamt 21 Plättchen haben auf ihnen Platz. Unter ihren Tableaus legen die Spieler*innen noch ihre vier Aktionskarten aus. Wie in Arche Nova sind diese zweiseitig und aufwertbar, es gibt allerdings nur noch vier. Das „Projekte“-Plättchen kommt nach ganz links und die anderen folgen in beliebiger Reihenfolge.

In die Mitte des Tisches wird das Auslagetableau gelegt, welches uns nur die Position der Plättchen in der Auslage anzeigt. Sechs Plättchen werden dort ausgelegt und bewegen sich von den verdeckten Stapeln, die wir zum Spielstart vorbereiten, über sechs Stufen entlang der Auslage. Neben dieser Auslage befindet sich noch ein kleines weiteres Tableau in der Tischmitte. Auf diesem ziehen wir verdeckt fünf der zehn Artenschutzziele des Spiels und decken sie für alle sichtbar auf.
Die Spieler*innen bekommen bei der Spielvorbereitung alle noch einen Plättchenhalter und jeweils vier Artenschutz- und Aufwertungsmarker.

Der Spielablauf ist ziemlich simpel, denn wir müssen in jedem Zug nur zwei Dinge tun. Eventuell ergeben sich daraus ein paar weitere Dinge die wir tun müssen und am Ende unseres Zuges müssen wir ein paar Verwaltungsdinge beachten. Was ich tun muss, ist ein Plättchen ziehen und eine Aktion ausführen. Welches Plättchen ich ziehen darf, gibt dabei die Position der „Projekte“-Aktion unterhalb meines Tableaus an. Die Stufe auf die es zeigt ist die maximale, bis zu der ich ein Plättchen aus der Auslage nehmen darf. Danach suche ich mir eine der vier Aktionen unter meinem Tableau aus und führe sie gemäß ihrer Stufe aus. Sämtliche Plättchen (außer Gebäude) zeigen eine Stufe, die ich benötige um sie zu spielen. Es gibt Tiere, Gebäude und Projekte in Plättchenform. Mit der „Projekte“-Aktion spiele ich entsprechend Projektplättchen aus und die drei anderen Aktionen sind Tieraktionen, für die unterschiedlichen Tiere in ihren verschiedenen Lebensräumen (Wasser, Wald und Gebirge). Mit diesen kann ich Tiere in meinen Zoo ausspielen oder alternativ verdeckt zwei Plättchen vom Stapel ziehen. Egal welche Aktion ich mache, das entsprechende Plättchen wandert an den Anfang der Reihe. Diese beiden Dinge führe ich in jeder Runde aus.

Sollte es mir möglich sein, kann ich danach noch ein Gebäude in meinen Zoo spielen, ein Artenschutzziel unterstützen oder meine Aktionsplättchen aufwerten. Gebäude haben meist irgendwelche Platzierungsvoraussetzungen, die es zu erfüllen gilt. So möchte ein Baumhaus zum Beispiel benachbart zu zwei Waldsymbolen im Zoo liegen. Diese Symbole bringen die Plättchen mit sich. Tiere bringen ganz oft drei Symbole mit sich, eines für ihre Kategorie, eines für ihre Herkunft und eines für ihren Lebensraum. All diese Symbole wollen sinnvoll in unserem Zoo untergebracht sein und sind nötig für die Artenschutzziele. Einige Plättchen bringen auch Pfeile mit, die auf benachbarte Felder zeigen. Diese Plättchen dürfen nur so platziert werden, dass an diesen Stellen Freiflächen im Zoo ausliegen. Freiflächen sind umgedrehte Plättchen, die am Spielende nur einen Siegpunkt wert sind, aber als Voraussetzung für viele Tiere benötigt werden. Die Freiflächen können dabei in der Auslage von mehreren Tieren benutzt werden. Es kommt also auf eine gute Positionierung an. Freiflächen spielen wir ebenfalls von unserer Hand, wenn wir ein entsprechendes Tier ins Spiel bringen wollen.

Die Artenschutzziele beziehen sich auf bestimmte Symbole, die ich in meinem Zoo haben muss. Ich kann bis zu vier der fünf Ziele unterstützen, muss mich aber entscheiden, wann ich welches meiner Plättchen auslege. Diese zeigen nämlich Werte von 2 bis 5 und geben somit die Anzahl der Symbole an die ich haben muss. Sie sind unterschiedlich viele Punkte Wert. Ich muss mich also irgendwann entscheiden, wann ich denke ich bekomme nicht mehr Symbole dieses Typs und eventuell eines der Plättchen ausspielen. Jedes, dass ich nicht platzieren konnte, ist auch keine Punkte wert.

Um meine Aktionsplättchen aufzuwerten muss ich bestimmte Dinge im Spiel erfüllen. Wenn ich z.B. mein erstes Artenschutzziel erfülle, darf ich ein Plättchen aufwerten, oder wenn ich zwei Projekte habe ein weiteres. Die Aktionen werden dadurch stärker und geben mir mehr Möglichkeiten.
Am Ende eines jeden Zuges werden noch drei Dinge überprüft. Erstens mein Handkartenlimit. Habe ich an diesem Punkt mehr als sechs Plättchen auf meinem Kartenhalter, muss ich welche ablegen. Danach wird die Auslage wieder aufgefüllt und ich überprüfe ob das Spielende eingetreten ist. Das passiert, wenn ich zu diesem Zeitpunkt vier Artenschutzziele unterstützt habe, mein Zootableau komplett gefüllt ist, oder aber es keine verdeckten Zooplättchen mehr gibt. Danach werden die Punkte gezählt und die erhalten wir hauptsächlich für die Dinge in unserem Zoo, sowie für die Artenschutzmarker.

Das Fazit
Sämtliche Vergleiche mit Arche Nova drängen sich natürlich auf. Gleicher Autor, gleiches Thema, gleicher Look, grundlegend gleiche Kernmechanik und dennoch sollten wir diesen Vergleich nicht machen, denn Artengarten ist tatsächlich ein völlig anderes Spiel. Fans des großen Bruders dürften sehr oft eher von diesem Spiel abgestoßen werden, denn für diese Gruppe von Spieler*innen hat Artengarten absolut nichts Neues zu bieten und scheint ein sehr gutes Spiel eher hier und da zu beschneiden. Diese Kritik aus dieser Sicht kann ich nachvollziehen, aber sie lässt die Sicht der anderen Spieler*innen, die Arche Nova eher überfrachtet, zu komplex und zu langatmig fanden außen vor.
Mit Artengarten gelingt Mathias Wigge etwas durchaus Faszinierendes. Etwas das nicht vielen Autoren gut gelingt. Er schafft es Arche Nova an den richtigen Stellen zu straffen, überflüssiges Fett abzuschneiden und bestimmte Dinge in den Fokus zu rücken, damit das Spiel für andere Zielgruppen interessant wird. Die Anordnung des Zoos auf dem kleinen Tableau in Arche Nova ist das Kernelement von Artengarten. Legespiele sind beliebt und rückst du den Puzzlecharakter in den Fokus wird ein völlig neues Spiel daraus. Die Karten werden zu den Plättchen die ausgelegt werden müssen und die Aktionsmechanik wurde komplett entschlackt, weil sie in Arche Nova für die ganzen Dinge wichtig war, die in Artengarten nur noch als Randerscheinungen auf den Plättchen existieren.
Das macht Artengarten zu einem sehr interessanten Spiel für spielfreudige Familien und die Kennerspieler*innen die keine Lust auf ein dreistündiges Spiel haben. Auch hier kann das passieren, wenn du in voller Besetzung spielst, was ich schon allein aus Platzgründen nicht empfehlen würde. Zu zweit oder dritt aber ist Artengarten ein außergewöhnlich gutes Legespiel mit starken Puzzle-Elementen, dass sich, wenn der Spielablauf bei allen erstmal sitzt auch ziemlich fluffig spielen lässt. Die Zeit auf der Schachtel kannst du allerdings wirklich erst einhalten, wenn alle das Spiel aus dem Effeff kennen. Ihr werdet aber erstaunt sein wie schnell sich das Spiel bereits innerhalb der Erstpartie beschleunigt. Spielen wir zu zweit ist das ein wirklich schneller Schlagabtausch.

Das Material ist sehr gut und steht in der Tradition von Arche Nova, was heißen soll, wenn ihr dort schon nicht auf die Stockfotos klarkamt, dann werdet ihr das hier auch nicht tun, denn es sind die Gleichen. Die Pappe ist sehr dick und lässt die Plättchen wertig erscheinen. Die Anleitung ist wieder nicht die Beste, was für Übersicht und Layout gilt, macht aber einen guten Job das Spiel zu erklären. Ach ja, bevor ich es vergesse, der einzige Punkt an dem Artengarten wie viele andere dieser Legepuzzles scheitert, ist die Punktevergabe am Ende, die ein bisschen chaotisch und unpräzise verläuft. Alles in Allem finde ich Artengarten sehr gelungen und spiele es wirklich gern. Es kommt deutlich öfter auf den Tisch als Arche Nova. Leute die diese Art von Legepuzzle lieben und denen Arche Nova zu viel Spiel ist, sollten hier definitiv mal einen Halt machen.
- Verlag: Feuerland
- Autor(en): Mathias Wigge
- Illustrator(en): Christof Tisch, Felix Wermke
- Erscheinungsjahr: 2025
- Spieleranzahl: 1 – 5 Spieler*innen
- Dauer: 20 Minuten pro Person (30 sind realistischer)