Harry Potter: Death Eaters Rising

Harry Potter: Death Eaters Rising

The Op oder USAopoly, wie sie früher hießen, haben eine ganze Menge für alle Harry Potter Fans da draußen geschafft. Sie zauberten mit Harry Potter Hogwarts Battle zum ersten mal ein Spiel herbei, bei dem man nicht gleich abwinkend davon lief. Die Merchandisingmaschine wurde zwar nicht müde alles, was es gab, mit Harry Potter Logo zu versehen, aber die meisten erwachsenen Fans waren davon eher nicht so begeistert. Hogwarts Battle war dann für viele, mich eingeschlossen, der Befreiungsschlag für die wundervolle Zaubererwelt in einem erstzunehmenden Spiel. Wir spielen es bis heute immer wieder gern. KOSMOS nahm sich dem Titel in Deutschland an und stellte wohl fest, das sich Harry Potter Titel ganz gut verkaufen und so folgten nicht nur die Erweiterungen für Hogwarts Battle und das Zweipersonenspiel Defence Against the Dark Arts. Mit Death Eaters Rising namen sie erst unlängst ein von The Op erdachtes Spiel unter ihre Fittiche und mit Wettstreit um den Hauspokal erscheint im nächsten Jahr gleich das nächste Spiel. Heute soll es um Harry Potter: Death Eaters Rising gehen, welches auf dem Spiel Thanos Rising basiert und inzwischen in fünf Franchises zu hause ist: Neben Harry Potter und Marvel gehören natürlich noch Star Wars, Batman und Spongebob dazu. Was ich von dem Spiel halte? Leider nicht viel.

Worum geht es?

Um Würfel, Glück und das bestehen der Zaubererwelt. Also bis auf die ersten zwei natürlich um das ganz normale Harry Potter Thema. Voldemort will die Welt unterjochen und die Macht an sich reißen. Drei Organisationen stellen sich ihm dabei in den Weg: Der Orden des Phönix, Dumbledores Armee und Die Zauberer und Hexen von Hogwarts. Diese Schlacht wird auf drei Schlachtfeldern geschlagen und wir müssen versuchen Voldemorts Todesser zu besiegen, unsere eigenen Zauberer und Hexen zu beschützen und schlußendlich Voldemort zu töten. Das alles tun wir aber kooperativ mit Würfeln und Glück.

Harry Potter: Death Eaters Rising – Spielaufbau / Foto: Spieltroll

Wie läuft das ab?

Bis zu vier Spieler*innen können teilnehmen. Jede*r sucht sich eine der drei Organisationen aus mit der gespielt werden woll. Die drei Organistaionen sind jeweils doppelt vorhanden, mit je einem männlichen und weiblichen Vertreter als Hauptcharakter. Bei Hogwarts sind das Dumbledore und McGonagall, in Dumbledores Armee natürlich Harry und Hermine und im Orden des Phönix Sirius und Tonks. Neben dem kleinen Tableau seiner Fraktion, auf dem die Startwürfel und zwei Fähigkeiten angegeben sind, erhält man noch die Karte des gewählten Startcharakters, sowie einen Chip mit Logo der Fraktion. Das runde Spielbrett wird in der Mitte zusammengebaut und die große 3D-Figur von Voldemort, der seinen Zauberstab in eine Richtung zeigen lässt, kommt in die Mitte des Brettes. Das Ding, da brauchen wir hier gar kein Aufhebens darum machen, ist der Selling Point des Spiels und der Aufhänger des Ganzen. Das Ding sieht gut aus und verleiht dem Spiel ganz enorme Tischpräsenz. Er ist dabei auch nicht so groß, das er die Sicht behindern würde. Gleichzeitig ist er aber für seinen Zweck als Richtungsanzeiger auch völlig überdimensioniert und für dieses Spiel überproduziert.

Harry Potter: Death Eaters Rising – Voldemort zeigt die Richtung an / Foto: Spieltroll

Auf dem Spielbrett sind drei Orte aufgemalt. Hogsmeade, das Zaubereiministerium und die Winkelgasse, welche die Schlachtfelder darstellen. Auf jedem dieser Orte werden je zwei Karten in beliebiger Reihenfolge für die Orte platziert. Auf diese Karten wird die Korruption gezählt. Sollten fünf Stück am Ende einer Runde auf einer Karte liegen, so gilt die Karte als zerstört und die nächste wird sichtbar. Die Schadensmarker und Zaubereichips werden ebenfalls bereitgelegt. Die großformatige Voldemort Karte, auf der zunächst nur ein Schatten von ihm zu sehen ist, wird abseits bereitgelegt. Neben dieser Karte wird noch Platz benötigt, da hier sowohl die besiegten Todesser, als auch besiegte Zauberer und vernichtete Orte gesammelt werden.

Nun werden die Zaubererkarten gemischt und an jeden der drei Orte rund um das Brett werden drei Zauberer ausgelegt. Hierbei spielt ihre Fraktion keine Rolle. Neben den drei Organisationen befinden sich natürlich auch Todesser in dem Stapel. Nachdem die neun Zauberer sich an Ort und Stelle befinden, wird Voldemort einfach in das untere Drittel des Stapels gesteckt und die Würfel werden an die Startspielerin übergeben. Der Kartenstapel wird als Nachziehstapel bereitgelegt.

Harry Potter: Death Eaters Rising – Spielmaterial / Foto: Spieltroll

Das Spiel sieht vier Dinge vor, die jede*r Spieler*in ausführen muss. Als erstes wird ein Ort besucht. Dazu wird der Spielchip an einen der drei Orte gelegt. An diesem Ort hält sich die Truppe nun auf. Als zweites wird der grüne, achtseitige Voldemort-Würfel geworfen. Dieser zeigt drei Symbole die die Voldemort Figur nach links bewegen, genauso wie drei Symbole für nach rechts. Die zwei weiteren Symbole sind das dunkle Mal, bei dem die bösen Charaktere im Spiel ihre Fähigkeiten auslösen. Muss die Figur rotiert werden passiert das direkt im Anschluss. Jeder Zauberer der sich nun dort befindet, wo der Arm Voldemorts hinzeigt, erhält einen Schadensmarker auf seine Karte. Am rechten Rand befindet sich dafür eine Leiste. Ist sie gefüllt, wird der Charakter am Ende des Zuges ausgeschaltet. Sollte sich der Chip eines*r Spieler*in hier befinden, so erhalten auch alle Zauberer im Team einen Schadenspunkt. Außerdem wird ein Korruptionsmarker auf den Ort gelegt. Befinden sich Todesser an dem Ort benutzen diese nun ihre Fähigkeiten, die auf diesen aufgedruckt sind. Wurde das Dunkle Mal gewürfelt, bewegt sich Voldemort nicht und zusätzlich zu den Todessern an seiner Position, setzen alle anderen Todesser, die sich im Spiel befinden, ihre Fähigkeiten ebenfalls ein. Anschließend werden auch noch die negativen Eigenschaften bereits vernichteter Orte eingesetzt.

Harry Potter: Death Eaters Rising – Voldemorts Würfel / Foto: Spieltroll

Nun dürfen die Spieler*innen die Zaubererwürfel werfen. Diese gibt es in vier Farben und auf jedem Würfel herrscht ein Symbol vor. Freundschaft, Loyalität, Wissen und Mut nennen sich die vier Symbole und diese finden sich überall. Auf unserem Tableau gibt es zwei Fähigkeiten, die wir durch bestimmte Symbole in bestimmter Anzahl auslösen. Auf allen Charakterkarten, inklusive den Todessern finden wir sie ebenfalls. Wir Würfeln soviele Würfel wie wir dürfen. Zu Beginn sind das die vier unseres Starttableaus. Einige Fähigkeiten von Zauberern ermöglichen uns weitere Würfel zu benutzen. Je größer unser Team wird, desto mehr Würfel haben wir in der Regel zu Verfügung. Wir sind dabei nur durch die Würfel des Spiels begrenzt. Insgesamt gibt es vierzehn Stück und bis auf den Mutwürfel gibt es jeden Würfel viermal. Auf jedem Würfel gibt es doppelte Symbole der eigenen Art. Auf dem Freundschaftswürfel also doppelte Freundschaftssymbole usw. Wir schauen uns also den Wurf an und müssen mindestens einen Würfel zuweisen. Wir können ihn einer Fähigkeit zuweisen oder einem Zauberer neben dem Spielbrett. Dann würfeln wir die restlichen würfel erneut und müssen dann wieder mindestens einen Würfel zuordnen. Das machen wir solange, bis wir alle zugeordnet haben. Wir dürfen die einmal getroffene Zuordnung aber später nicht wieder lösen. Haben wir alle erforderlichen, aufgedruckten Würfelsymbole bei einem Zauberer oder einer Hexe erwürfelt, so rekrutieren wir sie für unser Team. Etwaiger Schaden auf der Karte wird abgelegt. Haben wir alle Symbole bei einem Todesser erwürfelt, so legen wir einen Schadensmarker auf diese Karte. Fähigkeiten auf unserem Tableau lösen wir einfach aus. Es gibt auch Charakterkarten die Fähigkeiten haben, die auf diese Weise genutzt werden können.

Harry Potter: Death Eaters Rising – Rekrutierung von Mr. Shaklebolt / Foto: Spieltroll

Als letztes in einem Zug muss ein*e Spieler*in noch aufräumen. Orte die voll mit Korruption sind werden zerstört. Zauberer und Todesser mit vollem Schaden werden neben der Voldemort Karte abgelegt. Sie sind entweder im Krankenflügel oder aber in Askaban. Das Spielende tritt an dieser Stelle ein, wenn wir je nach Spieler*innenzahl eine bestimmte Anzahl an Zauberern verloren haben, ein Ort komplett, also insgesamt dreimal, zerstört worden ist, oder aber insgesamt vier Orte zerstört worden sind. Außerdem verlieren wir, falls ein Spieler alle Zauberer seines Teams verliert.

Harry Potter: Death Eaters Rising – Voldemort ist endlich da / Foto: Spieltroll

Gewinnen können wir nur wenn Voldemort auftaucht und da wir die Karte relativ weit nach unten gesteckt haben, wird das ein wenig dauern. Taucht er auf dürfen wir ihn angreifen und müssen ihn genauso ausschalten wie jeden anderen Todesser. Ist er im Spiel gilt für die Spieler*innen eine neue Regel, da er seine Aktionen ja immer erst nach den Spieler*innenbewegungen ausführt, ist es schwierig ihn nach den einfachen Regeln zu erwischen, deshalb dürfen sich die Spieler*innen, nachdem der Dunkle Lord sich bewegt hat, erneut auf seine Position bewegen, um ihn angreifen zu können. Voldemort verträgt fünf Schadenspunkte im normalen Schwierigkeitsgrad und für jeden dieser Schadenspunkte müssen wir vorher im Spiel bereits einen Todesser ausgeschaltet haben. Sonst können wir nicht den vollständigen Schaden zufügen.

Harry Potter: Death Eaters Rising – Zaubererchips / Foto: Spieltroll

Das ist aber auch schon alles an Regeln. Es gibt noch die Zaubererchips, die wir ab und zu für Fähigkeiten bekommen und auch immer, wenn wir einem Todesser Schaden zufügen. Diese Chips versorgen uns mit zusätzlichen Symbolen, Würfeln, Heilung usw.

Das Fazit

Was soll ich zu diesem Spiel sagen? Ehrlich gesagt, weiss ich gar nicht, wo ich da anfangen soll. Harry Potter: Death Eaters Rising ist keine Beschäftigungstherapie der guten Sorte. Brettspiele sind ja im besten Fall immer etwas mit dem man sich die Zeit vertreiben möchte. Etwas das Spaß machen soll und im besten Fall beschäfigt es auch unser Gehirn noch etwas. Death Eaters Rising tut einem also nicht gut. Es beschäfigt das Gehirn nach ein paar Runden nicht mehr und was noch viel schlimmer ist, es langweilt bereits nach ein paar Runden so dermaßen, das es nur noch in Abarbeiten der gestellten Aufgabe ausartet.

Harry Potter: Death Eaters Rising – Zaubererkarten / Foto: Spieltroll

Eine Partie Death Eaters Rising, und wahrscheinlich auch jedes andere Derivat dieses Spiels, läuft immer nach dem gleichen Schema ab. Am Anfang bekommt man nur aufs Maul und muss dafür sorgen das seine Leute möglichst nicht sterben. Unweigerlich tun das aber meistens doch ein paar. Irgendwann hat man dann ein Team aufgebaut, mit dem man zurückschlägt. Todesser fallen unterdessen, bei der Dauer des Spiels, genug zum Opfer und dann baut man sein Team immer weiter aus, weil ja der doofe Lord nicht auftaucht. Ist er dann doch endlich da, geht es nur noch darum, wer schnellstmöglich die meisten geforderten Symbole erwürfelt. Auch das dauert meist nicht mehr solange, weil inzwischen jeder mit sovielen Würfeln hantiert, dass es weder spannend noch herausfordernd ist.

Um das Spiel härter zu machen wird empfohlen die Lebenspunkte von Voldemort auf sechs zu erhöhen. Das macht das Spiel aber nicht im geringsten schwieriger, sondern nur zäher und noch länger. Das größte Problem des Spiels ist nämlich mit nichten seine glücksbasierte Würfelorgie sondern die Spiellänge. Wenn man schon etwas nicht herausforderndes tut, dann sollte sich das nicht ewig ausdehnen und das passiert hier leider. Das Spielprinzip von Harry Potter: Death Eaters Rising trägt kein Spiel von über einer Stunde Länge, und ja, die dauert es immer, auch zu zweit, da geht es zwar am schnellsten, aber es dauert immer noch viel zu lang.

Der Rest ist stumpfes Würfeln und nichts anderes als kooperatives kniffeln. Das ist ja auch nicht schlimm, denn beim kooperativen Spiel ist es mir tatsächlich egal, wie gut der andere und wie schlecht ich würfel, Hauptsache wir bekommen das Spiel besiegt. Wenn das ganze dann eine Halbe- oder Dreiviertelstunde dauert und einen spannenden Spielverlauf bietet wäre das auch okay, aber so ist das einfach nichts. Vielleicht soll es sich ja episch anfühlen, aber leider ist das nur zähes abwürfeln zum Ende hin.

Harry Potter: Death Eaters Rising – Voldemort / Foto: Spieltroll

Schade um das Thema, das schöne Material und auch Schade um das schöne Cover, dass uns mit Schuber die beiden Konterfeits der Protagonisten als Scherenschnitt zeigt und sobald der Schuber entfernt wird, kommt der sprechenden Hut aus Hogwarts zum Vorschein. Schade auch um die riesige Materialverschwendung für einen überdimensionierten Voldemort, der nichts anderes tut als böse in eine Richtung zu zeigen. Für mich ist Harry Potter Death Eaters Rising eine große Enttäuschung und das bisher schlechteste Spiel, das ich in diesem Jahr gespielt habe.


  • Verlag: KOSMOS
  • Autor(en): Patrick Marino, Andrew Wolf
  • Illustrator(en): nicht genannt
  • Erscheinungsjahr: 2021
  • Spieleranzahl: 2 – 4 Spieler
  • Dauer: 60-100 Minuten

3 Gedanken zu „Harry Potter: Death Eaters Rising“

  1. Puh, danke für die Warnung. Ich habe überlegt mir das Spiel in der nächsten Zeit mal zu kaufen. Klingt aber nicht so gut, was hier von dir zu lesen ist. Da hole ich lieber Roll for Adventure noch mal heraus. Da scheint das gemeinsame Kniffeln stimmiger auszufallen.

    1. Ich sollte an diesser Stelle aber auch noch erwähnen, das ich kniffelartige Spiele normalerweise meide, weil Kniffel für mich eines der schlimmsten Spiele überhaupt ist. Kooperative Varianten schienen mir da nicht so schlimm. Mag sein das durchfärbt und für jemanden, der damit kein Problem hat, Death Eaters Rising eine durchaus lohnenswerte Erfahrung darstellt. Hier war es aber wirklich nicht das Würfeln an sich, das mich genervt hat, sondern das das Spiel einfach mit dem immer gleichen monotonen Vorgang einfach nicht enden wollte.

      1. Die Kritikpunkte hast du sehr gut vorgetragen, so dass erkennbar ist, dass es nicht primär am Kniffel-Aspekt liegt, dass das Spiel bei dir durchgefallen ist. Das was du in der Kritik erläuterst, erscheint mir nachvollziehbar. Da ist dein Review doch sehr hilfreich. Antesten kann ich es ja vielleicht mal. Blind kaufen muss ich es aber nicht.

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