Helden müssen draußen bleiben! – Nein, kein Dungeon Keeper

Helden müssen draussen bleiben!

Dungeon Keeper haben wir doch früher aller gefeiert. Ein cooles Aufbauspiel bei dem es unsere Aufgabe war unser Dungeon vor den bösen Helden zu beschützen, die einzudringen versuchten und unsere Schätze klauen wollten. Dabei mussten unsere geliebten Monster meist dran glauben. Der Titel von Helden müssen draussen bleiben! lässt eine ähnliche Prämisse vermuten und im Kern ist das auch richtig, denn auch hier müssen wir unseren Dungeon (oder eigentlich die Schätze darin) vor den eindringenden Heldenhorden beschützen. Nur die Herangehensweise ist eine andere. Wir bauen hier kein Dungeon mit Fallen und Abwehreinrichtungen auf, sondern spielen kooperativ mit anderen gegen das Spiel indem jede*r eine andere Monstersorte spielt und diese gegen die Helden in die Schlacht wirft. Der Mechanismus der Wahl ist dabei das Deck Building und so ziehen wir uns durch unsere Karten in der Hoffnung die goldgierigen Horden zu vertreiben.

Worum geht es?

Die Spieler*innen verkörpern in diesem kooperativen Spiel verschiedene Monsterarten mit unterschiedlichen Fähigkeiten, die sich in Figurenanzahl und Kartenstapeln unterscheiden. Runde für Runde spielen sie Fähigkeiten von ihren Handkarten aus, um den eindringenden Helden entgegenzuwirken, die darauf aus sind die Schätze aus dem modularen Dungeon zu stehlen. Halten sie lange genug durch, gewinnen sie alle zusammen gegen das Spiel, sollte es den Helden gelingen den wertvollen Schatz aus der Schatzkammer zu plündern haben sie verloren. Im Spielverlauf verändern die Spieler*innen den Inhalt ihres Decks und transportieren Ressourcen innerhalb des Dungeons, um neue Karten herzustellen. Ganz nebenbei beseitigen sie unliebsame Helden aus dem heimischen Gemäuer.

Helden müssen draussen bleiben! – Meeeeeples! / Foto: Spieltroll

Wie läuft das ab?

Helden müssen draussen bleiben! ist ein szenariobasiertes Spiel, das auch als Kampagne gespielt werden kann. Neben dem Regelheft finden wir ein weiteres Heft mit 20 Szenarios in der Schachtel. Ich würde aber dringend empfehlen auch mit dem ersten Szenario anzufangen, denn der Schwierigkeitsgrad ist nicht gering. Ganz im Gegensatz dazu lässt sich das Spiel aber recht schnell erklären, denn die Regeln sind sehr überschaubar.

Helden müssen draussen bleiben! – Spielaufbau Szenario 1 / Foto: Spieltroll

Nachdem feststeht welches Szenario gespielt wird, gibt das Szenario Heft vor, wie der Dungeon aufgebaut werden muss. 12 Quadratische Räume als Spielfeld sind im Spiel enthalten und diese werden gemäß der Vorgabe angeordnet und aufgebaut. Sämtliche Biest-, Schriftrollen-, Trank- und Ausrüstungskarten werden zum Beutestapel zusammengemischt und bereitgelegt. Schatztruhenplättchen werden ebenfalls gemäß der Vorgabe gemischt und in die Räume verteilt. Diese sind auf der einen Seite mit Nummern für ihre Stufe von eins bis vier gekennzeichnet. Auf der Rückseite zeigen sie Belohnungen für die eindringenden Helden an. Sobald die Stufe vier Truhe erbeutet wurde, ist das Spiel für alle verloren. Als letzter Schritt muss noch das Gildendeck vorbereitet werden. Hier werden die Heldenkarten mit den Szenario Karten vermischt und neben dem Dungeon platziert. Das Spiel ist damit vorbereitet.

Helden müssen draussen bleiben! – Unterschiedliche Monsterclan Karten / Foto: Spieltroll

Die Spieler*innen dürfen sich nun noch jeweils eine Monsterart aussuchen. Neun verschiedene hält das Spiel bereit. Von den kleinen Ratten, die mit ihrer großen Anzahl an Meeplen glänzen bis zum Drachen, der ganz allein ins Dungeon muss, gibt es alles Mögliche zu spielen. Ob Schleim, Echsenmensch oder Skelett, hier gibt es einiges zur Auswahl. Doch sollten die Monster auch ein bisschen aufeinander abgestimmt werden, denn sie besitzen verschiedene Eigenschaften. Auf der Clankarte des jeweiligen Monstertyps ist schon mal einiges angegeben. Darüber hinaus verfügt jeder Clan über ein eigenes Startdeck aus Spielkarten. Die Monster unterscheiden sich ganz offensichtlich erstmal durch die Meepleanzahl. Während die schon erwähnten Ratten ganze neun davon ins Spiel mitnehmen, verfügen die Poltergeister nur über drei und der Drache ist ganz allein. Die Clankarte zeigt an, welche Fähigkeit wir besitzen, wie viele Meeple wir haben, wie viele wir zu Beginn des Spiels einsetzen dürfen, aus wie vielen Karten das Monsterdeck besteht und wieviel Lebenspunkte einer unserer Meeple hat. Nachdem wir dann unser persönliches Monsterspielmaterial haben, mischen wir das Deck und ziehen jeweils fünf Karten.

Helden müssen draussen bleiben! – Schleimdeck / Foto: Spieltroll

Als letzte Handlung, bevor es wirklich losgeht müssen wir noch den Schwierigkeitsgrad für unsere Partie wählen. Helden müssen draussen bleiben! gibt drei vor und dieser wird über die Anzahl der zu ziehenden Gildenkarten gesteuert. Mit diesen agieren im Heldenzug die Eindringlinge. Im Einsteigergrad wird in der ersten Welle immer nur eine Karte gezogen und in der zweiten Welle zwei. Als Welle wird der Durchlauf des Stapels bezeichnet. Wir müssen es also schaffen den Gildenstapel zweimal durchzuspielen, bevor wir gewinnen können.

Helden müssen draussen bleiben! – Fünf Phasen des Spiels / Foto: Spieltroll

Wer an der Reihe ist durchläuft fünf simple Phasen, bevor der oder die nächste Spieler*in an der Reihe ist. Als erstes werden Karten von der Hand ausgespielt, danach muss die Beuteauslage aufgefrischt werden. Dann wird aufgeräumt und schließlich die Hand wieder aufgefüllt, bevor die Heldeninvasion beginnt. Ganz zum Schluss wird noch der Zugmarker an den oder die nächste Spieler*in weitergegeben.

Die erste Phase ist natürlich der Kern des Spiels. Hier können wir mit unseren Karten Aktionen ausführen. Mit ihnen bewegen wir die Monster lassen sie im Nah- oder Fernkampf angreifen, aktivieren Fähigkeiten oder Räume, ziehen Karten, legen Ressourcen in die Räume, benutzen Portale, platzieren Fallen oder verteidigen uns. Bewegen wir uns, so tun wir das von Raum zu Raum und können dabei eine Ressource mitnehmen. Räume können wir aktivieren um Ressourcen zu erzeugen. Die Ressourcen wiederum benötigen wir in bestimmten Räumen um neue Karten herzustellen, die wir in unsere Decks integrieren können. Ihr ahnt es wahrscheinlich schon, denn das Spiel ist vom spielerischen her wirklich nicht schwierig. Kooperativ und mit Deck Building Mechanismus müssen wir wieder einmal Feuerwehr spielen und dort hingehen wo zu viel Ärger droht. Die Karten sind dabei unsere Triebfeder über die wir regeln was wir tun. Neue Karten die wir über die Aktionen herstellen können und unserem Deck hinzufügen machen uns stärker und wenn wir zweimal den Heldenstapel durchspielen, haben wir gewonnen. Klingt einfach und das ist es auch, wenn wir ein paar Dinge beachten.

Helden müssen draussen bleiben! – Jägerinkarte / Foto: Spieltroll

Die Heldeninvasion ist der Teil, über den das Spiel versucht uns beizukommen. Wir drehen Heldenkarten um und setzen dadurch Heldenspielsteine in den Dungeon oder müssen vorhandene der gezogenen Sorte bewegen und ihre Aktionen ausführen. Dabei aktivieren Helden, sobald sie einen Raum betreten andere Helden und diese durchlaufen dann wieder ihre Aktionsroutine, die wir für jeden Heldenspielstein abhandeln müssen. Das führt zu Kettenreaktionen und einem gewissen Schneeballeffekt, der, sollte es dumm laufen oder wir nicht richtig aufpassen zu einer Lawine wird und uns gnadenlos überrollt. Im einfachsten Schwierigkeitsgrad ist das noch handhabbar, obwohl es auch da schon manchmal sehr haarig zu geht und wir ohne Probleme auch verlieren können. Schwierigkeitsgrad Nummer zwei ist dann schon herausfordernd und das ist fast schon untertrieben. Lediglich eine Karte mehr wird in der Heldeninvasion gezogen und das ganze wird schon zu einem fast nichtmehr beherrschbaren Durcheinander. Vom dritten Schwierigkeitsgrad ganz zu schweigen.

Helden müssen draussen bleiben! – Spielsituation / Foto: Spieltroll

Wie gesagt, wir gewinnen, sobald der Gildenstapel mit den Helden zweimal durchgespielt wurde und die Helden gewinnen, sobald sie die Truhe mit Stufe vier in der Schatzkammer geplündert haben. Erwähnt werden sollte noch, dass das jeweilige Szenario nicht nur Einfluss durch den Aufbau des Dungeons hat, sondern auch durch spezielle Szenario Karten, die mit in den Gildenstapel gemischt werden und spezielle Effekte auslösen.

Das Fazit

Helden müssen draussen bleiben! – Spielsituation / Foto: Spieltroll

Ich will hier bewusst gar nicht weiter in die Details gehen, denn ich glaube der Spielablauf von Helden müssen draussen bleiben! sollte klar geworden sein. Spielerisch bekommen wir hier nämlich eigentlich gar nichts Neues. Das altbekannte kooperative Feuerwehrspiel, welches schon von Pandemie in unsere Schädel gehämmert wurde. Geht hierhin, erledigt den Job, geht dorthin und erledigt den Job und beeilt euch dabei, sonst wird es böse. Das Prinzip ist auch hier nicht anders, wird nur nicht über ein Aktionspunktesystem, sondern über einen Deckbaumechanismus gesteuert, auf den ich gleich noch zu sprechen komme, ist er doch erschreckend schwach. Ich wäre wirklich froh, wenn die Autoren sich im kooperativen Bereich langsam mal etwas anderes einfallen lassen würden und dieses inzwischen altbekannte System nicht wieder und wieder durchkauen. Ich weiß, ich bin erklärter Fan von The Loop, welches auch nichts anderes macht, aber immerhin wirkt es da alles ein wenig frischer und dort macht der Deckbaumechanismus auch noch mehr Sinn und Spaß als hier. Ich möchte das auch nicht falsch verstanden wissen, Helden müssen draussen bleiben! ist bei Leibe kein schlechtes Spiel, aber so gut wie überall behauptet wird ist es eben auch nicht. Das Spiel wird nämlich in der Regel ziemlich gelobt und ich kann mir tatsächlich überhaupt nicht erklären warum.

Doch! Kann ich schon, denn es blendet mit seinem niedlichen, witzigen äußeren Werten. Die Monstermeeple sind herzallerliebst und sind für viele wahrscheinlich ein Kaufgrund gewesen. Dungeon Crawler oder Spiele mit Dungeonthematik stehen sowieso immer hoch im Kurs und dann noch kooperativ gegen eindringende Monster vorgehen und Dungeon Keeper oder von mir aus auch Dungeon Lords ins Gedächtnis zurückrufend, werden wir schnell geblendet. Auch der Rest des Spiels sieht gut aus und die Ausstattung ist wirklich sehr gelungen.

Trotzdem dürfen wir uns nicht täuschen lassen, Helden müssen draussen bleiben! hat darüber hinaus, meiner Meinung nach, nur Mittelprächtiges zu bieten. Das kooperative Spielgeschehen wird nämlich durch zwei Schwächen erschüttert. Zum einen, der schon erwähnte Schneeballeffekt, gegen den wir mitunter einfach auch gar nichts tun können, außer ihn hinzunehmen. Ist halt Glück oder Pech ob es gut geht oder eben nicht. Dagegen steuern können wir nur in ganz geringem Maß durch Vorbereitung. Wir haben kaum genug Zeit uns redlich abzumühen Ressourcen und Fallen so zu platzieren, dass wir etwas geschmeidiger durch die in jedem Zug stattfindende Invasion zu kommen. Die zweite große Schwäche ist der Deckbaumechanismus, der nämlich eigentlich viel zu wenig stattfindet. Es ist sehr schwierig und zeitaufwendig in diesem Spiel neue Karten herzustellen. Die richtigen Ressourcen müssen in die richtigen Räume gebracht werden und dann kann die Auslage ja auch nur Karten darbieten, die nicht optimal für die beteiligten Monsterclans sind. Es gab für uns durchaus Partien mit Spieler*innen die während der gesamten Partie mit ihren Startkarten spielten. Macht auch eigentlich kaum einen Unterschied, denn höchstens ein oder zwei Karten pro Spieler*in werden hergestellt. Mehr kann sich bei dem Zeitdruck durch die Heldenlawine eh keiner erlauben. Das macht die Karten dann relativ überflüssig und du stellst dir irgendwann die Frage ob du sie überhaupt brauchst oder die Zeit dafür nicht lieber einsparst und ja, das funktioniert auch.

Helden müssen draussen bleiben! – Ausrüstung, Gefährten, Schriftrollen, Waffen / Foto: Spieltroll

Wahrscheinlich bin ich das Problem. Vielleicht verstehe ich viele der neuen Spiele nicht. Aber hier habe ich ähnliche Gedanken wie im letzten Jahr mit Flamecraft, welches von vielen als spielerisches Highlight gefeiert wurde, aber für mich dennoch einfach nur ein hohler Blender ist. Helden müssen draussen bleiben! empfinde ich als ähnlichen Kandidaten nur mit dem Unterschied, dass das Spiel hier auf dem einfachen Schwierigkeitsgrad funktioniert, aber eben auch nicht mehr. Das Spielprinzip ist weder besonders innovativ, noch besonders gut. Es sieht aber einfach gut aus und alle jubeln. Auf den höheren Schwierigkeitsgraden wird das Spiel einfach nur lächerlich schwer und da sehe ich auch schon wieder die ersten in den Foren schreiben, dass es ganz einfach sei, wenn du das so und so machst. Geschenkt!

Nun habe ich noch gar nicht von den kleineren Problemchen geschrieben, die Helden müssen draussen bleiben! auch noch mitbringt. Das Spiel skaliert sehr schlecht. Zu zweit funktioniert es am besten, während es mit vier Spieler*innen zu einem unendlichen Spiel mit viel Downtime mutiert und die aufgedruckte Spielzeit sich als Farce herausstellt. Ganz zu schweigen davon, dass die Alphaspielerproblematik hier auch gnadenlos zuschlagen kann.

Ich fasse also nochmal zusammen: Helden müssen draussen bleiben! ist für mich ein funktionierendes kooperatives Spiel, das in seiner Gesamtheit über eine mittelprächtige Spielerfahrung nicht hinauskommt, dabei aber zuckersüß aussieht und durch schönes Material und Ausstattung glänzt.


  • Verlag: Mirakulus
  • Autor(en): Luís Brueh
  • Illustrator(en): Luís Brueh
  • Erscheinungsjahr: 2023
  • Spieleranzahl: 1 – 4 Spieler*innen
  • Dauer: 40 – 50 Minuten

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