Top Ten – Wie antwortest Du? Von Mist bis Einhorn!

Top Ten

Kaum ein Partyspiel ist momentan so in aller Munde, wie Top Ten von Aurélien Picolet. Überall fallen Topbewertungen und auch zum Spiel des Jahres 2022 wurde Top Ten nominiert. Letzteres ist keine Seltenheit, denn in den letzten Jahren wird immer wieder auch ein Partyspiel mit auf die Liste genommen. Ich persönlich hätte in diesem Jahr wohl eher So Kleever! gewählt, aber das bleibt letztlich eine Geschmacksfrage. Damit möchte ich nicht vorwegnehmen wie ich Top Ten finde, aber der ein oder andere, der meinen Blog verfolgt dürfte sich wohl wundern, dass hier überhaupt ein Partyspiel zu einer Rezension auftaucht. Ein riesiger Fan von solchen Spielen bin ich nämlich zur Zeit einfach nicht und somit für Fans des Genres auch absolut kein Maßstab. Früher in der Steinzeit, als ich noch in einer Höhle gewohnt habe und mit Fingerfarben die Wände bemalte, haben wir in unseren Spielgruppen gerne mal ein Partyspiel gespielt. Inzwischen fühle ich mich dem ein bißchen entwachsen. Das ist aber mein ganz persönliches empfinden und soll nicht für die Allgemeinheit gelten. Trotzdem habe ich Top Ten spielen können, denn meine Arbeitskollegin hat es uns für einen Spieleabend ausgeliehen und deshalb habe ich mich entschieden hier auchmal meinen Senf zu Top Ten abzugeben.

Worum geht es?

Wer jetzt ein Spiel um Hitlisten erwartet, was der Titel suggerieren könnte, liegt ein wenig daneben, denn um solche geht es eher nicht. Dennoch wird von den Spieler*innen verlangt Antworten zu geben, die sich in eine Reihenfolge von eins bis zehn einordnen lassen. Das entspricht aber keiner Top Ten, die ja die Spitze darstellen soll, sondern umfasst eher das gesamte Spektrum. Ein Thema gibt es hier natürlich nicht. Hier steht rein der Ratespaß im Vordergrund.

Top Ten – Spielmaterial / Foto: Spieltroll

Wie läuft das ab?

Partyspiele sind ja nie sonderlich komplex und alles was sich die Teilnehmer hier merken müssen ist die Tatsache, das die eins (grün) ganz schlecht/wenig etc. und die zehn (rot) ganz gut/viel/toll bedeutet. Dennoch gibt es Zeitgenossen, die sich das nicht merken können und so eine Partie Top Ten ganz schön durcheinander wirbeln. Das vorweggeschickt, sieht eine Partie Top Ten folgendermaßen aus. In die Mitte des Tisches wird die kleine Spielmatte gelegt, die ein Feld für die Karten und je eines mit Einhorn und Kackhaufen zeigt, gelegt. Fünf Aufgabenkarten werden aus dem Stapel der Aufgaben genommen und in der Mitte geparkt. Auf das Einhornfeld werden soviele Chips mit der Einhornseite nach oben gelegt, wie Spieler*innen teilnehmen. Bei neun Spieler*innen bleibt es bei acht Chips.

Top Ten – Spielmatte vorbereitet für eine Partie zu fünft / Foto: spieltroll

Ein*e Käpten wird gewählt und beginnt das Spiel indem von einer der Karten, eines der Themen laut vorgelesen wird. Die zehn Zahlenkarten, die nichts anderes zeigen als eine Zahl von eins bis zehn, werden gemischt und an jede*n Spieler*in eine ausgeteilt. Die Spieler*innen behalten die Zahl vor den anderen geheim. Der/Die Käpten gibt die Antwort auf das Thema und muss die Antwort so wählen, dass sie der Zahl auf der gezogenen Karte entspricht und sich in der Zehnerskala einsortiert. Danach geben alle anderen in beliebiger Reihenfolge ihre Antworten und der/die Käpten muss versuchen die Antworten der Reihenfolge nach von niedrig nach hoch zu sortieren. Zur Kontrolle wird immer die entsprechende Karte umgedreht. Sollte es stimmen wird einfach weitergemacht, stimmt die Einordnung nicht, so wird ein Chip von der Einhornseite auf den Kackhaufen umgedreht.

Top Ten – Zahlenkarten eins bis zehn / Foto: Spieltroll

Die Spieler*innen spielen alle zusammen und wenn nach fünf Runden noch Chips im Einhornbereich liegen haben sie gewonnen. Sollte zu irgendeiner Zeit keines mehr im Einhornbereich liegen, so haben sie sofort verloren.

Top Ten kommt auch noch mit einer Expertenvariante daher, in der die genaue Zahl vom Käpten erraten werden muss um es ein wenig schwieriger zu machen.

Das Fazit

Ein Partyspiel zu beschreiben ist meistens sehr schnell erledigt, denn besonders viel passiert dort eigentlich nicht. Ehrlich gesagt empfinde ich es als große Kunst ein gutes Partyspiel zu entwickeln, denn die Möglichkeiten sind beschränkt und alles muss einfach zu erklären sein. Partyspiele erlebten gerade in den letzten Jahren nach Codenames eine Renaissance und in jedem Jahr kommen ein paar gute und ganz viele schlechte dabei heraus.

Top Ten ist definitv ein gutes, auch wenn ich diesen Riesenhype nicht ganz mitgehen kann. Ich spiele gerne kooperative Spiele, von daher verstehe ich den Ansatz hier und ich spiele ungern Partyspiele und das liegt selten daran, das ich mich nicht zum Affen machen will. Ich komme von den Rollenspielen der Achtziger und Neunziger Jahre, natürlich mache ich mich gern zum Affen, aber ich finde Partyspiele in den meisten Fällen genau ein oder zwei Runden spannend und danach geben sie mir nichts mehr. Es sei denn sie sind irgendwie außergewöhnlich, wie Codenames seiner Zeit oder auch Just One, das so simpel war, das es fast weh tat, das niemand vorher auf die Idee gekommen ist.

Top Ten – Aufgabenkarten / Foto: Spieltroll

Bei Top Ten habe ich definitv kein Verlangen es öfter zu spielen und immer wieder aus dem Schrank zu holen. Die Idee kommt mir auch nicht sonderlich innovativ vor, denn Wavelength von Wolfgang Warsch und auch das alte Bühne frei!/Freeze weisen Ähnlichkeiten auf, auch wenn sie natürlich nicht identisch sind. Ich sehe es als gelungen an, für Spieler*innen die solche Spiele wirklich mögen und für die eine solche Erfahrung an einem Spielabend dazugehört. Ich habe es meiner Arbeitskollegin blind empfohlen, weil ich aus diversen Erzählungen weiss, dass es genau das richtige Spiel für ihre Spielgruppe ist. Top Ten wird keinen Partyspielmuffel dazu bewegen ein Fan zu werden, denn seine Zutaten sind genauso gewöhnlich, wie von anderen Partyspielen.

Das Material von Top Ten ist allerdings absolut erste Sahne. Nicht nur das hier mit 500 Aufgaben wirklich viel Futter für viele Runden mitgeliefert wird. Die Aufgaben fühlen sich auch sehr abwechslungsreich an. Die Chips sind sehr wertig und machen einen guten Eindruck, auch das „Spielbrett“, dass eher an ein zu klein geratenes Mousepad erinnert, ist von guter Qualität. Gut mitgedacht wurde auch im Fall von den Punktekarten, die ja viel häufiger im Gebrauch sind, als die Aufgabenkarten, denn diese sind aus Kunststoff, so dass die Haltbarkeit erhöht wurde und die Abnutzungsspuren, die nach einiger Zeit bestimmten Karten zugeordnet werden könnten, minimiert werden.

Top Ten – Spielchips / Foto: Spieltroll

Seine stärksten Momente hat Top Ten aber in gar nicht mal so großen Gruppen (Es kann auch sehr gut zu viert gespielt werden), wenn die Zahlen dicht beieinander liegen, dann wird es spaßig. Umgekehrt kann die Kartenverteilung mit ganz schlecht und ganz gut, sowie zwei Werten dazwischen recht langweilig sein. Ich würde übrigens empfehlen, die Regel, dass alle wild durcheinander Antworten dürfen, durch eine strickte Reihenfolge zu ersetzen, denn das hilft den schüchternen und zurückhaltenen Mitspieler*innen deutlich, denn diese könnten sich von sehr kommunikativen Menschen ein wenig erdrückt fühlen.

Top Ten ist ohne Zweifel ein sehr solides Partyspiel, aber für mich tatsächlich kein so Außergewöhnliches. Fans des Genres können ohne Bedenken zugreifen für alle anderen bleibt es eine Geschmacksfrage.


  • Verlag: Cocktail Games, Asmodee
  • Autor*in(en): Aurélien Picolet
  • Illustrator*in(en): Laura Michaud
  • Erscheinungsjahr: 2021
  • Spieler*innenanzahl: 4 – 9 Spieler*innen
  • Dauer: 30 Minuten

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