Die Abenteuer des Robin Hood

Die Abenteuer des Robin Hood

Michael Menzel ist seit Jahren ein sehr guter und vielbeschäftigter Illustrator von Brettspielen. Besonders seine Spielbretter sind immer wieder kleine Meisterwerke. Vor Jahren überraschte er aber mit seinen Legenden von Andor einfach alle. Ein Spiel komplett aus seiner Hand. Das Spiel gewann auf Anhieb den Kennerspiel des Jahres Preis und war von seiner Machart ein ziemlich einzigartiges Spiel. Im letzten Jahr rumorte es in der Szene, denn es wurde bekannt, dass er wieder an einem Spiel arbeitet, für das er sich so richtig viel Zeit gelassen hat. Es sollte alles ausgefeilt sein und dann erscheinen, wenn alles richtig gut ist. Dann wurde das Thema bekannt und auch erste Bilder tauchten auf die ein dickes, hübsch gebundenes Buch in Lederoptik zeigten und der Hype ging los. Man konnte sich zwar noch nicht so richtig was darunter vorstellen, aber es konnte nur gut werden. Nun liegt es vor und sieht optisch auf jeden Fall sehr beeindruckend aus, aber kann es dem Hype gerechtwerden und aus dem Schatten des übermächtigen Vorgängers heraustreten? Die Antwort ist eindeutig: Ja!

Worum geht es?

Man sollte es kaum glauben, aber in Die Abenteuer des Robin Hood geht es tatsächlich um die Abenteuer des Robin Hood. Ganz klassisch wird hier die Geschichte des Sherwood Banditen, der von den Reichen nimmt, um es den Armen zu geben, erzählt. Die Spieler schlüpfen dabei in die Rollen von Robin Hood, Little John, Will Scarlett und Maid Marian und erleben rund um die Stadt Nottingham zusammen einige Abenteuer. Das Spiel versetzt die Spieler dabei von Anfang an in die Lage sofort loszuspielen, ohne erst Regeln zu erlernen. Das passiert mit einer Einführung ganz nebenbei. Die Spieler erleben diese Abenteuer kooperativ und müssen sämtliche Probleme zusammen lösen, jeder steuert dabei aber seine eigene Figur.

Die Abenteuer des Robin Hood – Spielmaterial / Foto: Spieltroll

Wie läuft das ab?

Die Abenteuer des Robin Hood erklärt sich am Anfang ersteinmal selbst. Wenn wir die Schachtel öffnen begrüßt uns ein Zettel mit den Worten: „Willkommen in Sherwood Forest!“ und erklärt uns in ein paar einfachen Schritten, wie wir das Spiel aufzubauen haben und dabei beginnt dann schon einmal das Staunen über das, was wir da in der Schachtel so vorfinden. Zuoberst liegt ein großer Schuber, indem die Spielplanteile aufbewahrt werden. Acht Stück gibt es davon und sie sollten am besten immer liegend in diesem Schuber aufbewahrt werden, denn das sind keine normalen Spielplanteile. Haben wir sie zusammengebaut, so sieht das ganze aus, wie ein überdimensionaler Adventskalender. Überall sind kleine nummerierte Plättchen, die sich rausnehmen lassen. Was wir aber natürlich nicht tun, das uns das Einführungsblatt bittet es nicht zu tun. Als zweites fördern wir dieses dicke, wertig wirkende Buch aus der Schachtel. Das sämtliche Geschichten und Abenteuer für uns bereithalten soll. Dann finden wir auch noch jede Menge Holzsteinchen, Spielfiguren und anderes Material. Die Spielfiguren wirken ersteinmal recht seltsam, weil sie so lange Fortsätze aufweisen, die man ersteinmal nciht so richtig zuordnen kann.

Die Abenteuer des Robin Hood – Spielplan / Foto: Spieltroll

Das Blatt erklärt uns dann vier einfache Dinge vorab. Als erstes teilt es uns mit, dass wir das Spiel nicht gegeneinander spielen, sondern wir im selben Team unterwegs sind und versuchen das Spiel zu schlagen (wir haben es also mit einem kooperativen Spiel zu tun…). Dann erklärt es uns die Bewegung der SPielfiguren, denn auf dem Spielplan sind keinerlei Felder zu erkennen. Jede der vier Rollen verfügt über einen Satz von fünf Spielfiguren. Zu erkennen an Form und Farbe. Zwei Spielfiguren stehen und drei scheinen zu laufen. Dabei unterscheiden sich die laufenden Figuren noch in zwei mittlere und eine lange, und damit ist dieser Fortsatz gemeint, den die Figuren scheinbar hintersichherziehen. Plötzlich wird klar, das es sich dabei um Strecken handelt, die die Figuren zurücklegen. Mit der langen Figur überbrückt man eine längere Distanz auf dem Spielbrett. Das erklärt uns das Blatt auf der Rückseite ziemlich ausführlich und bebildert. Unsere Figur steht auf dem Spielbrett und wenn wir am Zug sind können wir uns bewegen und stellen je nachdem wie weit wir uns bewegen möchten eine Figur nach der nächsten in eine Reihe voreinander. Dabei dürfen wir Kurven laufen. Die Figuren müssen sich nur an einer Kante berühren. Wir dürfen allerdings nicht über Wald und andere Hindernisse und Figuren hinwegziehen. Somit wissen wir, wie wir uns bewegen können.

Die Abenteuer des Robin Hood – verschiedene Robin Hood Spielfiguren / Foto: Spieltroll

Als drittes wird uns noch erklärt, dass wir Kräfte sparen können, wenn wir in unserem Zug auf die lange Figur verzichten. Was das bedeutet ist uns zwar zu diesem Zeitpunkt noch nicht ganz klar, aber es wird uns verraten, dass wir einen weißen Holzwürfel in den beigefügten Beutel werfen dürfen, wenn wir es tun. Der vierte Punkt verrät uns dann nur noch wo es losgeht, nämlich auf Seite 8 im Buch und das Spiel nimmt mit dem ersten Kapitel „Die Flucht“ seinen Lauf.

Ich werde jetzt von der Story nichts verraten, aber in dieser Art geht es weiter. Wir werden Schritt für Schritt an das Spiel herangeführt und spielen ganz nebenbei das erste Kapitel. Auch im späteren Verlauf lernen wir ab und zu noch neue Dinge hinzu, die das Spiel leicht verändern. Mit unseren Figuren bewegen wir uns über das Spielfeld und bekommen durch das Buch eine Aufgabe gestellt. Wenn wir auf dem Spielfeld eines der herausnehmbaren Plättchen erreichen und es ein Fragezeichen hat, dann können wir damit über das Buch interagieren, indem wir an entsprechender Stelle nachschlagen. Bei manchen Figuren folgt dann noch eine Kapitelübersicht, die uns auf eine andere Seite verweist, so dass eine figur in jedem Kapitel unterschiedliche Dinge für uns bereithalten kann.

Die Abenteuer des Robin Hood – Burg / Foto: Spieltroll

Grundsätzlich sehen wir auf dem Spielplan die Stadt Nottingham mit der Burg und einigen Gebäuden, sowie kleineren und größeren Waldflächen und einzelnen Lichtungen. Menzel hat den Spielplan so gestaltet, das sich Schatten und Licht abwechseln und so einzelen Felder ganz natürlich entstehen. Die Lichtungen sind dabei von großer Bedeutung für uns, denn auf diesen steht auch immer eine Wache, die uns nicht erwischen sollte, wenn wir auf der Lichtung stehen, denn dann nimmt sie uns gefangen und erschert uns das Spiel, aber um das näher zu erläutern muss ich den Kernmechanismus erklären und der hat mit dem beigefügten Beutel zu tun.

Die Abenteuer des Robin Hood – Würfelprobe / Foto: Spieltroll

Der ominöse Beutel ist quasi der Mechanismus. In diesem Spiel schmeißen wir diverse Spielteile in diesen Beutel und werden immer wieder aufgefordert darauß Dinge zu ziehen. Zu Beginn eines normalen Kapitels wandern ersteinmal pro teilnehmenden Spieler sechs violette und ein weißer Holzwürfel in den Beutel. Diese Holzwürfel benötigen wir für Aktionen. Kommen wir zurück zu der Wache die uns gefangen genommen hat. Wir werden auf ihr Feld gelegt und das einzige was wir dann noch tun können, wenn wir an der Reihe sind, ist es sie versuchen zu überwältigen. Dazu dürfen wir nacheinander drei Würfel aus dem Beutel ziehen. Die violetten sind Misserfolge und die weißen Erfolge. Wir benötigen einen weißen, um eine Wache zu überwältigen. Schaffen wir es dürfen wir uns wieder aufstellen und das Plättchen der Wache wird umgedreht in den Spielplan zurückgedrückt. Anschließend kommt ein Sanduhrspielstein darauf um anzuzeigen, dass diese Wache etwas länger außer Gefecht gesetzt ist.

Die Abenteuer des Robin Hood – Little John wird von Gisbourne erwischt / Foto: Spieltroll

Auf diese Art und Weise absolvieren wir also quasi Proben in diesem Spiel. Die können auch noch schwieriger Ausfallen, je nach dem, wie es das Kapitel verlangt. Hier erklärt sich dann jetzt auch, warum es Sinn macht Kräfte zu sparen. Wir dürfen einen weißen Erfolgswürfel in den Beutel werfen und erhöhen so die Chancen für uns. Zusätzlich schmeißen wir zu Beginn des Spiels noch bunte große Holzscheiben in den Beutel, die man nicht mit den Würfeln verwechseln kann. So wird bestimmt, wer wann an der Reihe ist. Jeder Spieler hat eine in seiner Farbe im Beutel. Hinzu kommen noch eine weiße, eine graue, eine rote und eine violette. Später können noch eine weitere violette und eine graue hinzukommen. Ziehen wir eine in Spielerfarbe, ist der entsprechende Spieler an der Reihe. Die Scheiben werden unten rechts auf dem Spielplan auf dem Wasserrad der Mühle gestapelt. Ziehen wir eine graue Scheibe, dürfen sich die Spieler einen Spieler aussuchen, der einen Zug machen darf. Bei Weiß sind sogar alle in beliebiger Reihenfolge dran. Violett ist die Farbe von Guy von Gisbourne, der mit einer eigenen Figur auf dem Spielfeld umherreitet und die Spieler nicht erwischen sollte. Rot steht für die Wachen und somit für das Spiel selbst. Ziehen wir diese Scheibe, passieren einige Dinge in einer vorgegebenen Reihenfolge. Die Zeit in Form von Sanduhren verstreicht und einige Wachen sind an der Reihe. Welche das sind, wird durch ein weiteres Beutelelement bestimmt. Oben im Spielplan sind acht Siegel abgebildet und diese werden zu Beginn ebenfalls aus dem Spielbrett herausgenommen und in den Beutel geschmissen. Ziehen wir die rote Scheibe, so müssen wir an einem bestimmten Punkt der vorgegebenen Ereignisse auch ein Siegel aus dem Beutel ziehen, dass uns zeigt welche Wachen auf dem Spielplan umgedreht werden. Gleiches gilt auch für Adlige, die sich auf dem Spielfeld befinden und von Robin und seinen Gesellen überfallen werden können.

Die Abenteuer des Robin Hood – Nach und nach stapeln sich die Zugscheiben / Foto: Spieltroll

Warum tun wir das? Die Adligen tragen lukrative Beute in Form von Gegenständen mit sich herum, die uns Helfen können und was meist noch wichtiger ist, sie bringen uns Zeit. Es gibt nämlich noch ein letztes wichtiges Element, das unsere Spielzeit bestimmt und das Spiel erst so richtig schön fordernd macht. Wir spielen unter Zeitdruck und das wird durch die Sanduhren und eine Leiste am unteren Spielfeldrand gesteuert. Die Sanduhren, von denen wir von Beginn an einen Vorrat erhalten liegen am Ende der Leiste auf einem abgebildeten Buch. Entfernen wir die letzte Uhr von dem Buch, so haben wir verloren. Manche Ereignisse erfodern es, dass wir eine Uhr entfernen müssen. Manchmal bekommen wir auch eine hinzu. Bei den Ereignissen der roten Scheibe müssen wir immer eine Sanduhr entfernen. Das heißt wir haben nicht unbegrenzt Zeit. Zusätzlich befindet sich neben dem Buch auch noch eine Skala auf der ein kleines rotes Pöppelchen gezogen wird. Auch hier haben wir zu Beginn einen Wert, auf dem der Pöppel startet. Sollten wir ihn auf Null setzen müssen, so verlieren wir ebenfalls eine Sanduhr. Auch diesen Pöppel müssen wir bei den Ereignissen der roten Scheibe immer um soviele Positionen Richtung Null ziehen, wie Spieler teilnehmen. Wir können ihn aber auch in die andere Richtung bewegen und da helfen uns die Wachen und Adligen, die, sollten wir sie besiegen, den Pöppel nach rechts bewegen und uns mehr Zeit verschaffen. Ein wirklich schönes System, das die Spieler herausfordert.

Die Abenteuer des Robin Hood – Zeitleiste / Foto: Spieltroll

Mehr will ich nicht verraten. Die Geschichte ist zwar bekannt, aber wie das hier alles spielerisch umgesetzt wird, soll nicht weiter verraten werden. Wir scheitern entweder, weil uns die Zeit ausgeht oder erfüllen die uns gestellte Aufgabe und können zum nächsten Abenteuer fortschreiten.

Das Fazit

Die Abenteuer des Robin Hood ist ganz großes Kino als Brettspiel. Das meine ich sowohl mechanisch, als auch erzählerisch. Die Geschichte ist nicht neu, wird hier aber mechanisch wirklich schön und spannend umgesetzt, weil wir die Protagonisten spielen und alles in unserer Hand liegt. Dabei sind die Mechaniken so simpel wie wirkungsvoll. Die Idee mit dem allmächtigen Beutel, in den wir einfach alles hineinwerfen und das was wir benötigen, sei es Würfel für eine Probe, Scheiben für die Zugreihenfolge oder der Progress des Spiels durch ein Siegel, ist schon ziemlich gut gelungen. Hinzu gesellt sich die druckvolle Zeitmechanik die uns herausfordert indem sie uns immer wieder spannende Entscheidungen abringt. Man muss die Skala gut im Blick haben, ob man es riskieren kann, eine Aktion zu machen, die uns mal keine Zeit einbringt, oder ob man isch mal wieder um einen Adligen „kümmern“ muss, um ein bißchen Zeit herauszuholen, denn die rote Scheibe wiegt schwer.

Ebenso gelungen ist das „Kräftesparen“, dass unsere Chancen auf eine gut Probe erhöhen kann. Es gibt nicht nur die normalen Proben, die ich oben beschrieben habe, sondern auch durchaus schwierigere, bei denen man auf drei gezogene Würfel zwei Erfolge benötigt. Das ist ganz schön knackig, wenn man die violetten nicht aus dem Beutel bekommt oder genug weiße rein. Es liegt in der Hand der Spieler, die Chancen zu maximieren. Ein kleines Glücksmoment bleibt aber natürlich doch und das ist auch gut so, sonst wäre es ja nicht so spannend.

Ich kann Michael Menzel zu diesem Spiel nur beglückwünschen. Es scheint sehr viel Arbeit hineingeflossen zu sein und ihm ist hier ein außergewöhnliches Spiel gelungen (wiedermal), dass für staunende Augen bei manchen sorgen wird, weil sie mit solchen Mechaniken noch nie konfrontiert wurden. Ich fühlte mich an ganz früher erinnert, als ich mit meinen Freunden und Playmobilmänchen unser erstes Tabletop auf dem Fußboden gespielt habe. Lineale zum abmessen der Entfernungen und einen Würfel für den Revolverschuß. hier bringen die Figuren ihr Lineal gleich mit und der Würfel wird durch den Beutel ersetzt. Dieses Spiel zu spielen hat uns großen Spaß gemacht und wir haben es in einem Rutsch durchgespielt. Aber was ist dann? Das Spiel liefert ab einem gewissen Punkt zwei unterschiedliche Handlungsstränge, so dass man es noch ein zweites mal spielen kann und immer noch Neues entdeckt. Danach gibt es noch einen herausfordernden Modus mit dem man einen weiteren Durchlauf zubringen kann. Es wurde also probiert Wiederspielreiz zu schaffen und es sind auf der Website zum Spiel bereits weitere Szenarien vorhanden.

Die Abenteuer des Robin Hood – Spielfeld nach Beendigung der Kampagne (deutliche Abnutzungserscheinungen) / Foto: Spieltroll

Ein viel größeres Problem habe ich letzlich mit dem Material des Spielfelds. Zum einen sind die einzelnen Platten zu dünn, denn sie beginnen sich zu biegen, so dass man irgendwann mit gewölbten Puzzleteilen spielen muss. Auch wenn man sie immer wieder beschwert, biegen sie sich zurück. Die Pappplättchen sind recht fest drin, was ich grundsätzlich begrüße, aber somit braucht man manchmal ein wenig Druck um sie rauszuholen und dann rutscht man auch gerne mal ab und so sehen die Teile dann auch aus. Überall sind Spuren zu erkennen und so sieht das Spielbrett dann nach einiger Zeit auch sehr gebraucht aus. Läßt sich bei der Materialqualität glaube ich nicht vermeiden. Ob dickere Pappe es unbedingt besser macht, wage ich fast zu bezweifeln. Das restliche Material ist super. Das Buch sieht sehr wertig aus und die Illustrationen sind ebenfalls sehr gelungen. Das Holzmaterial sieht auch richtig gut aus.

Uns hat das Spiel insgesamt äußerst gut gefallen und ich würde hier auch meinen Orden verleihen, wenn ich nicht die Probleme der Wiederspielbarkeit und des Materials sehen würde. So würde ich mich ein wenig schlecht fühlen, wenn ich ihn zücken würde. Aber eine sehr gute Spielerfahrung hat man auf jeden Fall und es müsste schon einiges schiefgehen, wenn das hier nicht einer der Toppkandidaten für das Spiel des Jahres 2021 werden würde.


  • Verlag: KOSMOS
  • Autor(en): Michael Menzel
  • Illustrator(en): Michael Menzel
  • Erscheinungsjahr: 2021
  • Spieleranzahl: 2 – 4 Spieler
  • Dauer: 60 Minuten

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