Cold Case: Eine Prise Mord

Cold Case: Eine Prise Mord

Das gute alte „Who done it?“-Genre feierte in den letzten Jahren ein Comeback, dass ich nicht mehr für nötig gehalten habe. „Who done it?“, also „Wer wars?“ oder auch Murder Mystery, oder ganz einfach Detektivspiel ist etwas, dass ich bereits als Kind sehr geliebt habe. Agatha Cristies Romane, Verfilmungen und vor allem alles was mit Sherlock Holmes zu tun hat, erweckte schon damals meine Aufmerksamkeit. Für mich sind solche Detektivgeschichten und Fälle ein Fest und ich bin überglücklich, dass sich inzwischen viele Verlage daran versuchen, soetwas auch auf den Spieltisch zu bringen. Vor allem die Adlerstein-Fälle und die Hidden Games Tatort – Reihe hebten dieses Genre auf ein neues Level, indem sie die Fälle interaktiver gestalteten. Neue Medien wurden gezielt mit eingesetzt und auch Anrufe und Videos gehörten zum Repertoire dieser Fälle. Besonders mein alter Feund Marc, dessen gesamte Familie ebenfalls Krimiverrückt ist, beliefert mich regelmäßig mit neuem Input und bringt mir Spiele nahe, die ansonsten vielleicht sogar an mir vorbei gezogen wären. So auch die Cold Case Fälle von Thinkfun bzw. Ravensburger, um die es heute gehen soll. Genauer gesagt um den zweiten Fall aus dieser Reihe, Eine Prise Mord, den wir uns als erstes vorgeknöpft haben. Worin der Unterschied zu den Fällen anderer Anbieter beseteht und wie wir diesen ier fanden erfahrt ihr wenn ihr weiterlest.

Worum geht es?

Der Aufmacher für diese Fälle sind die sogenannten Cold Cases. Das sind Fälle, für die sich lange keiner mehr interessiert hat, bei denen alle Spuren kalt geworden sind und die natürlich nie gelöst werden konnten. Genreüblich sind wir private Ermittler, die den Behörden unter die Arme greifen, um den Fall zu klären. In diesem Fall läuft es genauso ab, wir erhalten eine Akte mit dreißig Beweismitteln und einem einführenden Brief, der uns drei Fragen stellt. Sollten wir diese beantworten können, können wir auf der Homepage von Thinkfun unsere Anworten überprüfen und uns die Lösung durchlesen. Bzw. erfahren, was aus den handelnden Personen geworden ist, denn der Fall ist in diesem Fall ja schon fast 40 Jahre her. Die Spieler*innen handeln und lösen den Fall zusammen, indem sie einfach sämtliches Material nach Anhaltspunkten durchforsten und versuchen den Fall lösen.

Cold Case: Eine Prise Mord – Spielmaterial / Foto: Spieltroll

Wie läuft das ab?

Der Rentner Harold, genannt Harry, Green ist in seiner Wohnung ermordet worden. Er bereitete gerade ein Früchtebrot zu, dass auf einem Fest der Kirchengemeinde für einen guten Zweck verkauft werden sollte. Er war sehr aktiv in seiner Kirchengemeinde. Die Ermittler sollen der Polizei von Melmbury dabei unter die Arme greifen nach fast 40 Jahren herauszufinden, was Harold Green genau widerfahren ist und wer den alten Herrn umgebracht hat. Darüberhinaus gilt es den verbleib einer Armbanduhr zu klären, die aus der Wohnung des Rentners entwendet worden ist. Als dritte Aufgabe tauchte in den damaligen Ermittlungen noch eine gestohlene Spendenkasse der Kirchengemeinde auf, die aber anonym zurückgegeben wurde. Auch hier möchte die Polizei von uns wissen, wer die Kasse ursprünglich entwendet hat.

Cold Case: Eine Prise Mord – Komplette Akte und einleitender Brief

Diese drei kleinen Aufgaben reichen aus, um uns voll in die Geschichte zu ziehen. Die Akte ist voll mit Unterlagen und da finden wir von sachlichen Schreibmaschinenabschriften von Vermehmungsprotokollen, über Polaroidfotos bis hin zu Kirchenbroschüren, Versicherungspapieren und Parktickets, alles, was das Ermittlerherz höher schlagen lässt. Die Optik finde ich dabei sogar sehr gelungen, da alles einen alten vergilbten Look hat, der auf mich rein optisch so wirkt, als ob das alles schon ewig in einer versifften Kammer gelagert wurde. Haptisch passt das leider nicht immer, aber das wäre auch zuviel verlangt. Das Material macht also einen sehr soliden Eindruck auf mich und ist sehr reichhaltig vorhanden. Mehr gibt es hier nicht zu berichten, ohne zu spoilern.

Erwähnen möchte ich noch, das im Gegensatz zu den oben erwähnten anderen Systemen von den Detective Stories aus Adlerstein und den Hidden Games Tatort Fällen hier ein Stück zurückgerudert wird und alles vollkommen analog gehalten ist. Das macht natürlich für so alte Fälle erstmal auch thematisch Sinn, nimmt ihnen aber auch den interaktiven Touch und lässt die Ermittler ganz nach der alten Schule agieren, jede Menge Papier wälzen und nach Hinweisen durchforsten. Ob das in allen Teilen der Serie so ist, kann ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht sagen, werde ich aber berichten, sobald ich einen weiteren Teil auf dem Tisch hatte.

Das Fazit

Mehr gibt es rein spelerisch nicht zu berichten. Das System an sich ist altbekannt und auch Cold Case bietet nichts Neues an. Das was es hier macht, macht es aber aus meiner Sicht sehr gut. Der Fall der sich hier nach und nach aufbaut, ist spannend und lässt zunächst viele Verdächtige zu, bevor es immer weiter eingeengt werden kann, nachdem sämtliche Hinweise miteinander verknüpft wurden. Das Material ist in meinen Augen recht gut und für den Preis von 10 bis 12 Euro ist Cold Case auch fast schon unschlagbar günstig und kann für Fans des Genres nur empfohlen werden. Du darfst allerdings auch nichts Außergewöhnliches erwarten. Das hier ist grundsolide Krimikost mit einem soliden Fall, der dich an einem Abend ein bis zwei Stunden gut beschäftigt. Der Schwierigkeitsgrad ist auch nicht hoch, so dass auch Neulinge im Krimispielgenre hier gut hereinkommen.

Thinkfun wäre mit diesem Produkt total an mir vorbeigerauscht, weil es auch nicht so präsent beworben wird, wie die anderen Vertreter des Genres. Ich freue mich schon auf die weiteren Fälle dieser Serie und auf solide Krimiabende mit meiner Frau.


  • Verlag: Thinkfun, Ravensburger
  • Autor(en): unbekannt
  • Illustrator(en): unbekannt
  • Erscheinungsjahr: 2021
  • Spieleranzahl: 1 – 4 Spieler*innen
  • Dauer: 60-120 Minuten

Ein Gedanke zu „Cold Case: Eine Prise Mord“

  1. Für mich kommt die Reihe ja etwas zu spät. Mit den von dir erwähnten Beispielen gibt es einfach Detektivspiele, die die Lösungssuche deutlich spannender inszenieren. Wer in das Genre einsteigt, macht allerdings wenig falsch, da diese Reihe hier eben auch nicht überfordert mit der Verknüpfung zum Internet.

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