Die Insel der Katzen

Die Insel der Katzen / Foto: Spieltroll

Ich weiss noch irgendwann 2019 hieß es plötzlich überall, die Insel der Katzen wäre ein ziemlicher Kracher. Gleichsam Familienspiel, aber auch für Vielspieler interessant. Eine schöne Verschmelzung von verschiedenen Mechanismen sollte es sein. Der Hype war relativ groß und es dauerte noch bis ins Jahr 2020, bis das Spiel bei Skellig Games auf Deutsch erschien. Ich war ziemlich angefixt von der Beschreibung der Mechanismen dieses Spiels. Ein bunter Mix aus Drafting-Spiel mit Puzzlelementen sollte es sein. Die Optik kam auch ganz gelungen rüber, aber ist das Spiel wirklich so gut? Frank West, der Autor, war mir bisher eigentlich nur durch sein Vorgängerspiel The City of Kings bekannt. Das aber keinen bleibenden Eindruck hinterlassen hatte. Meine Frau gab unterdessen zu bedenken, dass das alles egal ist, denn es gab ein unschlagbares Argument für dieses Spiel: Katzen! Ich bin zwar eher ein Hundemensch aber auch wir haben eines dieser seltsamen Lebewesen als Mitbewohner. Na ja, wir sind Dosenöffner und Streichelsklaven. Aber ich schweife ab. Schauen wir uns die Insel voller Katzen einmal etwas genauer an.

Worum geht es ?

Katzen! Das muss doch reichen oder? Das Regelwerk gibt uns eine kleine Vorgeschichte zum besten, in der es eine Legende von einer Insel gibt, auf der eine weise, alte Rasse von Katzen lebt. Die Insel aber ist in Gefahr, denn die Armeen von Vesh Düsterhand sind auf dem Weg die Insel und den Rest der Welt zu zerstören. Wer? Wieso? Was ist hier los? Dabei bleibt es dann aber auch. Genug der Exposition und des Themas. Es gibt Hoffnung das die Katzen gerettet werden können. Aha! Da kommen die Spieler ins Spiel. Also wenn man einem Spiel schon ein wenig Story verpassen möchte und so eine Geschichte anreißt, dann darf es auch gerne ein bißchen mehr sein, oder man läßt es gleich ganz bleiben. So wirkt das ein wenig lächerlich. Egal. Aufgabe der Spieler wird es sein, ein Schiff mit Katzen voll zu laden und von der Insel zu fliehen, bevor der besagte Vesh Düsterhand hier alles kurz und klein schlägt. Wer das am besten hinbekommt, wird mit den meisten Punkten das Spiel gewinnen.

Die Insel der Katzen – Spielaufbau Insel / Foto: Spieltroll

Wie läuft das ab?

Der Aufbau der Insel der Katzen ist auf jeden Fall ein wenig aufwendiger und man benötigt viel Platz. Auf unserem kleinen Wohnzimmertisch können wir es mit vier Personen auf gar keinen Fall spielen. Jeder Spieler bekommt nämlich sein eigenes Spielbrett mit einem Schiff darauf. Das Schiff ist in einzelne Räume unterteilt, zeigt uns Ratten auf bestimmten Feldern und enthält ebenso eine Schatzkarte in jeder der fünf Farben auf fünf verschiedenen Feldern. Diese Bretter sind ziemlich groß. Auf ihnen puzzeln die Spieler später ihre Katzenplättchen möglichst punkteträchtig zum Abtransport. Zusätzlich zu den großen Spielerbrettern gibt es noch einen kleinen Inselspielplan auf dem Veshs Boot uns die Runden anzeigt. Links und rechts neben der Insel wird aber noch weiterer Platz benötigt, denn hier liegen die Katzenplättchen auf beiden Seiten aus. Diese Auslagen werden Gebiete genannt.

Die Insel der Katzen – Erkundungsbeutel / Foto: Spieltroll

Zur Vorbereitung kommt das Schiff auf das erste Feld und die Plättchen für die gewöhnlichen Schätze, die man neben den Katzen auf der Insel finden kann, werden unterhalb der Insel nach ihren vier Formen sortiert und ausgelegt. Die gewöhnlichen Schätze haben eine rötliche Färbung und heben sich deutlich von den seltenen Schätzen, die sich bei den Katzen befinden ab. Die Anzahl der gewöhnlichen Schätze die ergattert werden können ist zusätzlich abhängig von der Spielerzahl. Die seltenen Schätze, sowie die Katzenplättchen kommen in den riesigen Entdeckungsbeutel und werden gut durchgemischt. Im Spielverlauf werden immer wieder Katzen aus diesem Beutel in die Auslage gezogen. Die Katzenplättchen haben verschiedene Formen und Farben. Die Katzen gehören fünf unterschiedlichen Familien an, die sich in ihrer Farbe unterscheiden.

Die Insel der Katzen – Die Oshax / Foto: Spieltroll

Eine sechste Katzenfamilie sind die Oshax. Ihre Farbe ist weiß und sie sind die älteste und mythischte Katzenfamilie der Insel. Die sechs Oshaxplättchen werden ebenfalls unterhalb der Insel als Auslage für alle sichtbar ausgelegt. Die Spieler können sie im Spielverlauf über besondere Karten erhalten. Die restlichen Spielmaterialien wie Katzenfiguren, Fischplättchen und Körbe werden ebenfalls bereitgelegt. Von den Korbplättchen erhält nun noch jeder Spieler einen, den er vor sich auslegt.

Die Insel der Katzen – Spielerbrett / Foto: Spieltroll

Der zweite Hauptspielbestandteil ist ein ziemlich umfangreiches Kartendeck, das wir je nach Spiel auch erst noch ein wenig vorbereiten müssen. Es gibt einen Stapel Solokarten, die nicht mit in den Stapel gehören, wenn man es nicht alleine spielt und es gibt Modulkarten. Von denen die 14 Kernlektionen immer ins Spiel gehören, man sich aber dann noch für nur drei der anderen Module entscheiden soll. Diese Module sind durch Buchstaben gekennzeichnet. Diese Modul-Lektionskarten sind im späteren Spielverlauf für uns Möglichkeiten Punkte zu machen. Nachdem wir alles raus- und umsorteiert haben kann der Stapel gemischt und bereitgelegt werden. Ein Startspieler wird bestimmt und wählt sich eine der fünf Farben und nimmt die entsprechende Katzenfigur und stellt sie auf die erste Position der Insel. Die anderen Spieler folgen im Uhrzeigersinn.

Die Insel der Katzen – Inseltableau / Foto: Spieltroll

Dann kann es auch losgehen und der Spielverlauf ist dann recht schnell erklärt. Die Spieler haben genau fünf Tage/Runden Zeit, bis Vesh auf die Insel kommt. Jeder dieser Tage gestaltet sich für die Spieler in fünf Phasen, von denen einige parallel und andere wiederum in Reihenfolge abgehandelt werden. Ein Tag beginnt damit, das der Startspieler Katzenplättchen aus dem Beutel zieht. Zwei Plättchen pro Spieler in jedes Gebiet. Schatzplättchen zählen hier nicht mit und werden wie die anderen unterhalb der Insel ausgelegt. Danach geht es mit der Fischfang-Phase los, in der sich jeder Spieler einfach 20 Fische aus dem Vorrat nimmt. In Phase zwei wird dann erkundet und die Phase gestaltet sich in zwei Bereiche. Zunächst teilt der Startspieler an jeden Spieler sieben Karten vom Stapel aus. Die Spieler schauen sich die Karten an, wählen zwei aus, die sie vor sich ablegen und geben die restlichen nach links oder rechts (je nachdem in welcher Runde man sich gerade befindet) an den nächsten Spieler weiter. Dieser Vorgang wird zweimal wiederholt, bis jeder nur noch eine einzelne Karte erhält, die er ebenfalls verdeckt vor sich ablegt. Anschließend nehmen die Spieler die sieben Karten auf die Hand und entscheiden sich dafür, welche Karten sie behalten wollen. Jede Karte hat oben links eine Zahl stehen, die angibt wie teuer die Karte in Fisch ist. Die Spieler legen die entsprechende Menge Fisch in den Vorrat zurück und die Karten die sie nicht kaufen wollten, werden auf einen verdeckten Ablagestapel gelegt.

Die Insel der Katzen – Lektionskarte / Foto: Spieltroll

Phase drei ist dann das Lektionen Lesen. Hier spielen die Spieler ihre blauen Handkarten aus. Offene Lektionen werden für alle sichtbar offen in die Mitte gelegt, denn diese Lektionen können dann von allen Spielern ausgeführt werden. Zur Erinnerung: Die Lektionen sind Möglichkeiten am Spielende zu punkten. Alle anderen Lektionen dürfen die Spieler verdeckt in ihren Bereich spielen. Es muss nur sichtbar sein, wieviele Lektionskarten ein Spieler bereits ausgespielt hat. Diese Karten werden in der Wertung zum Schluß aufgedeckt.

Die vierte Phase ist dann der eigentliche Kern des Spiels: Das Katzenretten. Die Rettungskarten sind immer grün und die Spieler müssen sich in dieser Phase dafür entscheiden, welche grünen Karten sie verdeckt vor sich ausspielen wollen. Nachdem alle ausgewählt haben, werden sie gleichzeitig umgedreht und abgehandelt. Diese grünen Karten zeigen verschiedene Dinge. Zum einen ein Stiefelsymbol mit einer Zahl, welches die Geschiwindigkeit angibt und zum anderen ganze oder halbe Körbe. Die Spielfiguren auf der Insel werden nach der erzielten Geschwindigkeit neugeordnet (Bei Gleichstand bleibt die Reihenfolge zueinander) und die Spieler nehmen ihre Züge in der neuen Reihenfolge. Pro Zug darf ein Spieler nur eine Katze retten und dafür benötigt man einen Korb. Einen haben die Spieler von Beginn an und können sich durch die Karten weitere erspielen. Er wählt sich eine Katze die er möchte und muss sie mit Fisch anlocken. Katzen aus dem linken Gebiet kosten drei Fische und die aus dem rechten fünf. Wer nicht genug Fisch hat geht leer aus. Gerettete Katezn müssen sofort auf Boot gelegt werden. Diese Phase endet, sobald beide Gebiete leer sind, oder aber keiner mehr Katzen retten kann oder will.

Die Insel der Katzen – Rettungskarten / Foto: Spieltroll

In der fünften Phase können die Spieler nun ihre seltenen Funde ausspielen. Braune Oshax-Karten und gelbe Schatzkarten. Spielt er eine Oshaxkarte, so darf er sich eines der Oshax-Plättchen nehmen und es auf seinem Schiff einbauen. Er muss eine Farbe für die Oshax wählen und stellt zum Zeichen für die Farbe eine passende Katzenfigur auf die Oshax. Schätze müssen, genau wie Katzen, ebenfalls sofort auf das Schiff geladen werden.

Die Insel der Katzen – Schätze auf dem Boot / Foto: Spieltroll

Am Ende des Tages wird Veshs Boot ein Feld vorgezogen, die Gebiete geleert und die Spieler dürfen nicht verbrauchte Karten und Fisch auf der Hand behalten und später benutzen. Am Ende des Spiels geht es dann aber um Punkte und wir erhalten natürlich nicht nur Punkte für unsere Lektionen. Nein, wir müssen versuchen möglichst gut unsere Schiffsbereiche auszunutzen. Die am Anfang erwähnten Ratten bringen uns nämlich am Spielende Minuspunkte ein und je mehr wir von ihnen abdecken desto besser. Auch die einzelnen Räume auf unserem Schiff bringen uns Minuspunkte, wenn wir sie nicht komplett füllen können. So starten wir also zu Beginn bereits mit jeder Menge Minuspunkte, die wir im Spielverlauf negieren müssen. Die Katzen und Schätze dienen zum Abdecken der einzelnen Felder. Dabei müssen wir stets aufpassen, denn natürlich muss alles, erstens passen, und zweitens wollen die Katzen gerne in ihren Familien beisammen sein, so dass wir mehr Punkte bekommen, je mehr Katzen einer Farbe wir nebeneinander auf dem Schiff platzieren konnten. Zu guter letzt bringen uns auch noch seltene Schätze jeweils drei Punkte ein, wohingegen normale Schätze nur Platz verbrauchen, was aber auch nicht zu verachten ist.

Die Insel der Katzen – Oshax schließt sich der blauen Familie an / Foto: Spieltroll

Das ist es im Grunde. Bleibt noch zu erwähnen, dass die Insel der Katzen auch einen sehr schönen Solomodus enthält und eine vereinfachte Familienvariante für Spieler, die es nicht ganz so komplex mögen.

Das Fazit

Die Insel der Katzen – Raum auf dem Boot / Foto: Spieltroll

Okay, das war jetzt erstmal ganz viel Durcheinander. Grundsätzlich finde ich das Spiel schon gelungen, kann aber nicht komplett in die Lobgesänge miteinstimmen. Dafür finde ich einige Dinge ein wenig zu seltsam von ihren Entscheidungen her. Also grundsätzlich finde ich die Vermischung der beiden Hauptmechaniken in die Insel der Katzen sehr gut. Drafting ist prinzipiell immer gut, wenn man ein Spiel für Einsteiger interessant machen will, dazu kommt das beliebte Puzzle-Lege-Element, dass sich ja ebenfalls großer Beliebtheit erfreut und fertig ist eine an sich tolle Mischung. Die Herausforderung diese Spielelemente mit den Punktemöglichkeiten unter einen Hut zu bekommen macht Die Insel der Katzen in meinen Augen zu einem gelungenen Kennerspiel. Das Familienspiel an sich finde ich weniger interessant. Hier fallen die Karten komplett raus und sämtliche Mechaniken die mit ihnen zu tun haben, sei es das Bezahlen mit Fisch, das Draften an sich oder aber die Körbe zum Ausspielen der Katzen. Alles ist gestrichen. Die Spieler ziehen zu Beginn einer Runde Katzen aus dem Entdeckungsbeutel und legen sie um die Insel herum und dann werden sie einfach so verdraftet. Das ist mir dann doch zu langweilig, mag aber für Familien angemessen sein, ich empfinde es dann aber als kein gutes Spiel mehr. Gerade die Verknüpfung der Mechaniken mit den Fischen macht doch einen erheblichen Reiz des Spiels aus. Fisch als Währung überhaupt ist von emormer Wichtigkeit für den Erfolg in diesem Spiel. Man benötigt ihn sowohl zur Bezahlung der Karten als auch zum Retten der Katzen überhaupt. Sehr gelungen.

Die Insel der Katzen – Schatzkarten / Foto: Spieltroll

Was gefällt mir denn dann nicht so gut an Der Insel der Katzen und das ist eine recht schwierige Frage, weil ich sie glaube ich nur recht difus beantworten kann. Die Optik und das Material ist zum Teil sehr gelungen. Die Spielbretter mit den Booten sind super und auch die Katzenplättchen sehe cool aus. Die Karten tun es aber nicht. Sie passen rein optisch überhaupt nicht ins Bild und die Karten fühlen sich irgendwie auch nicht gut an. Das Spiel ist eindeutig überproduziert und wirkt halt doch irgendwie nicht aus einem Guss. Auch spielerisch gibt es aber ein paar Mängel die mich stören. Zum einen finde ich es seltsam große und kleine Plättchen aus dem gleichen Sack ziehen zu müssen, die sich auch noch erheblich in den Formen unterscheiden. Man muss nicht mal Schummeln um den Unterschied mit der Hand im Beutel sofort zu fühlen und wenn man dann doch eine Lektion auf der Hand hat für die man viele seltene Schätze benötigt… ihr wisst was ich meine. Das wirkt nicht richtig zu Ende gedacht. Außerdem ist die Spieldauer für das was man da eigentlich tut ein wenig zu lang. Irgendwie kommt es mir so vor, als hätte das Spiel nicht nur optisch sondern auch Spielerisch ein wenig kleiner ausfallen können.

Ich möchte nochmal betonen das die negativen Punkte auf hohem Niveau angemerkt sein wollen. Die Insel der Katzen ist ein wirklich tolles Spiel für Kenner mit ein paar kleineren Ungereimtheiten. Mir gefällt es trotzdem gut und nicht deswegen schlecht.


  • Verlag: Skellig Games
  • Autor(en): Frank West
  • Illustrator(en): Frank West
  • Erscheinungsjahr: 2020
  • Spieleranzahl: 1 – 4 Spieler
  • Dauer: 60 – 90 Minuten

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