Project L

Project L

Ich gebe zu, es gab eine Zeit in der war ich ein wenig übersättigt von Polyominos. Gefühlt kamen vor ein paar Jahren wöchentlich neue Spiele mit den kleinen verschiedengeformten Steinchen oder Plättchen heraus. Inzwischen ist das mit Roll & Writes sogar noch schlimmer, da kommt gefühlt jeden Tag ein neues auf den Markt. Project L kam 2020 heraus und ich konnte die Steinchen einfach nicht mehr sehen. So verwundert es nicht, dass ich Project L zwar wahrgenommen habe, aber es mir wirklich ziemlich egal war. Inzwischen habe ich aber sehr viel Positives über das Spiel gehört, so dass ich es mir doch gerne nochmal anschauen wollte. Ich habe es kurzerhand einfach gekauft und erhoffte mir ein etwas anderes Erlebnis, als bei all den anderen Puzzle-Polyominosspielen zuvor, denn bei Project L handelt es sich um einen Engine Builder mit den kleinen Steinchen. Das fand ich dann doch so interessant, dass ich es nachholen musste. Als es dann ankam war ich bereits kurz nach dem Auspacken das erste mal überrascht: Project L ist wesentlich kleiner als ich vermutet hätte. Aber es sieht verdammt edel aus.

Worum geht es?

Ein Thema suchen wir hier vergebns und das braucht Project L auch nicht. Es bleibt zum Glück völlig abstrakt und versucht uns keine Bären aufzubinden. die Aufgabe der Spieler*innen ist ganz simpel und einfach. Wir versuchen soviele Punkte wie möglich aus den ausliegenden Aufgaben herauszuholen, bevor das Spiel endet. Das interessante dabei ist die Tatsache, das wir mit zwei kleinen Steinen das Spiel beginnen und uns langsam aber sicher durch das Lösen der Aufgaben neue Steine verdienen müssen, um größere Aufgaben zu bewältigen. So bauen wir uns in der Tat eine Engine auf, mit der wir uns immer weiter steigern und am Ende hoffentlich die meisten Punkte für uns verbuchen konnten.

Project L – Spielaufbau / Foto: Spieltroll

Wie läuft das ab?

Project L – Polyominos / Foto: Spieltroll

Project L ist nicht nur wahnsinnig attraktiv aufgrund seiner reduzierten Optik. Alles ist schwarz und weiß, nur die Polyominos sind knallbunt, so dass sie richtig stark hervorstechen. Nein, Project L ist auch supersimpel und schnell gespielt, sowie aufgebaut. Erwähnt sei noch das es sich um eine Multilinguale Version in drei Sprachen (Englisch, Deutsch, Französich) handelt, aber das Spielmaterial komplett sprachneutral ist. Normalerweise zähle ich ja kein Spielmaterial auf, aber in diesem Fall möchte ich verdeutlichen, dass es keinen Schnickschnack gibt und alles gradlinig und einfach gehalten wurde. Wir bekommen 32 weiße und 20 schwarze Puzzleteile, sowie 90 Polyominos in neun verschiedenen Formen und Farben. Pro sorte also jeweils zehn Stück. Für die bis zu vier Spieler*innen gibt es jeweils noch ein Tableau mit kurzen Regelerläuterungen und Anlegeflächen. Die schwarzen und weißen Puzzleteile sind mit Vertiefungen versehen, so das die Polyominos in ihnen versenkt werden können und nicht verrutschen.

Der Spielaufbau ist schnell erledigt, die Polyominos werden als Vorrat bereitgelegt und jede*r Spieler*in erhält ein Tableau. Die weißen und schwarzen Puzzleplättchen werden getrennt gemischt. Die schwarzen sind je nach Spieler*innenanzahl begrenzt und die entsprechende Menge wird abgezählt. Sie sind schwieriger zu lösen und dadurch auch mehr Punkte wert. Je vier werden als offene Auslage aufgedeckt. Jede*r Spieler*in erhält einen Level-1- und einen Level-2-Stein. Was ist das werdet ihr euch fragen? In Project L gibt es vier verschiedene Steinlevel und die sind abhängig von der Anzahl kleiner Quadrate, die sie abdecken können. Ein Level-1-Stein besteht also nur aus einem einzelnen Quadrat. Bei Level 3 und 4 wird es dann interessanter denn Level 3 gibt es in zwei verschiedenen Formen und Level 4 natürlich in 5.

Die weißen und schwarzen Puzzleplättchen zeigen neben der etwas versenkten Form, die ausgefüllt werden will noch zwei weitere Dinge. Oben links steht eine Zahl, die angibt wieviele Punkte ich bekomme, wenn ich das Rätsel bezwungen hab und oben rechts ist ein Stein abgebildet, den ich als Belohnung erhalte, wenn ich das Puzzle geschafft habe.

Der Spielablauf ist wirklich simpel. Wer an der Reihe ist darf bis zu drei Aktionen ausführen. Zur Auswahl stehen fünf, aber es ist durchaus erlaubt eine Aktion auch mehrfach auszuführen. Die erlauben Aktionen sind im einzelnen: Nimm ein Puzzle, Nimm einen Level-1-Stein, Werte einen Stein aus deinem Vorrat um ein Level auf, Setze einen Stein in ein Puzzle ein oder führe eine Meisteraktion durch. Die ersten vier Aktionen sind selbsterklärend. Eine Meisteraktion darf in jeder Runde als einzige nur einfach ausgeführt werden und erlaubt es in jedes Puzzle das vor dir liegt genau einen Stein einzusetzen. An das Tableau vor den Spieler*innen können maximal vier Puzzle angelegt werden.

Project L – Ein Meisterzug / Foto: Spieltroll

Ein Puzzle gilt als gelöst, wenn alle Felder von Steinen besetzt wurden. Dann nehme ich mir alle Steine aus dem Puzzle zurück in meinen Vorrat, lege das Teil auf meinen Punktestapel für das Spielende und nehme mir den angegebenen Belohnungsstein. Das wird im Uhrzeigersinn solange genauso weitergespielt, bis das Spielende eingeläutet wird und das tritt ein, wenn der schwarze Stapel aufgebraucht ist. Die Runde wird beendet und dann erhält ein*e jede*r noch einen Zug, bevor die Punkte gezählt werden. Dann folgt der sogenannte „Letzte Feinschliff“ bei dem es den Spieler*innen erlaubt ist, noch Steine aus ihrem Vorrat in die unfertigen Puzzle einzusetzen. Jeder Stein der auf diese Art benutzt wird kostet allerdings einen Minuspunkt, so dass es nur Sinn macht, wenn ich dadurch noch Puzzel abschließen kann. Zum Schluß werden sämtliche Puzzle des Stapels gezählt und die Punkte des Feinschliffs abgezogen und wer dann die meisten Punkte hat gewinnt.

Das Fazit

Wie gesagt, Project L ist nicht nur ein verdammt ansehnliches Spiel, nein, es spielt sich auch schön schnell und erfordert einige sinnige Entscheidungen von seinen Spieler*innen. Das ist alles gut durchdacht und das Material sucht wirklich seines Gleichen und jetzt kommt das dicke ABER. Aber, Project L hat ein kleines Problem, dass ich kennen muss, um dennoch viel Spaß damit zu haben. Ich werde gegen Spieler*innen die das Spiel besser und schneller erfassen auf jeden Fall verlieren, denn es gibt keinerlei Aufholmechanismus oder Ähnliches. In all meinen gespielten Testpartien stand irgendwann im Spielverlauf eine*r fest, die oder der nicht mehr eingeholt werden konnte, dass führt dazu, das Project L irgendwann an Spannung verliert und nur noch zu Ende gespielt wird. Zugegebenermaßen dauert eine Partie nicht so lang, so dass weitere meist folgen werden, denn das Spielprinzip erweckt den Kampfgeist, so dass sofort nochmal ausprobiert werden muss, was ich anders machen könnte.

Wir hatten und haben aktuell immer noch sehr viel Spaß mit Project L und damit gehört es immerhin in die Kategorie Spiel die öfter auf den Tisch kommt. Das können nicht viele von sich behaupten. Aber reicht das aus oder wird es irgendwann langweilig? Bisher kann ich keine Abnutzungserscheinungen feststellen. Optisch beeindruckend und spielerisch mehr als solide gehört es zu den besseren Polyomino-Spielen die es zu erwerben gibt.


  • Verlag: Boardcubator, Asmodee
  • Autor(en): Michal Mikeš, Jan Soukal, Adam Spanel
  • Illustrator(en): Jaroslav Jurica, Marek Loskot, Pavel Richter
  • Erscheinungsjahr: 2020
  • Spieleranzahl: 1 – 4 Spieler
  • Dauer: 20 – 40 Minuten

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