
In meinem Blogbuch geht es um mich und Sachen die mich gerade so beschäftigen. Meistens haben sie natürlich mit diesem Hobby zu tun, auch wenn ich manchmal ziemlich abschweife. Aber so sind sie halt die wirren Gedanken eines alten Manns. Im Moment beschäftigt mich eigentlich nur eins und das ist meine linke Hand. Früher einmal sagte ich immer, weil meine linke Hand im Vergleich zu ihrer rechten Schwester völlig unkoordiniert und untrainiert zu sein schien, das ich sie nur habe, um mich irgendwo festzuhalten und einen Sturz abzufedern. Heute weiß ich, dass das nicht stimmt. In meinem Job brauche ich sie tatsächlich fast mehr als die Rechte, drückt sie doch ständig irgendwelche Tasten, während ich mit der Rechten „nur“ die Maus dirigiere. Nicht schön. Auch sehr banale Dinge, wie das Waschen oder sich die Hose zuzumachen wird zu einer Anstrengung sondergleichen, wenn die Linke sich nur unter Schmerzen bewegen lässt. Das alles nervt und ich finde momentan nicht einmal Ablenkung in meinem Hobby, weil alles schwer fällt. Das beginnt schon beim Öffnen einer Spieleschachtel.
Ja, da jammert er der alte, weiße cis-Mann. Karten mischen, Karten halten, Zip-Beutel öffnen – der Spielaufbau wird zu einem Akt. Zum Glück ist meine liebe Frau da, die mir hilft. Im Moment kommen also nur wenige Spiele überhaupt auf den Tisch. Was schon ärgerlich ist, weil ich nun gerade Zeit im Überfluss habe, etwas das mir vorher immer wieder einen Strich durch die Spiele-Rechnung gemacht hat, wenn ich eigentlich mehr spielen wollte.
Auch das Schreiben über mein Hobby fällt mir gerade nicht so leicht. Alles was hier seit Mitte Dezember erschienen ist, habe ich einhändig getippt, was wirklich antrengend ist, wenn du es nicht gewohnt bist. Dennoch ist das eines der wenigen Dinge, die ich gerade im Zusammenhang mit diesem Hobby tun kann, auch wenn ich vor längeren Beiträgen zurückschrecke, da ich die rechte Hand natürlich nun nicht überanstrengen möchte.
Was kann ich also ohne Probleme in dieser Zeit tun, um das Hobby auszuleben: Ich spiele digital, denn dort brauche ich nur eine Hand zur Bedienung. „Ihhh“ werden jetzt die Puristen unseres Hobbys voller Abscheu von sich geben. Digitales kommt ihnen nicht ins Haus. Das ist Verrat an dem Hobby und was da nicht alles gezetert wird. Wer das nicht glaubt kann sich gerne mal in den Wertungskommentaren bei Boardgamegeek bei App-unterstützten Spielen umschauen. Okay da gibt es natürlich einen Unterschied zwischen komplett digitalisierten Versionen und digitalen Komponenten bei Brettspielen. Mir ist das egal. Analog und digital macht mir beides Spaß und sollte auch nicht miteinander verglichen werden. Die Interaktion und der soziale Kontakt sind für mich natürlich das Schöne an unserem analogen Brettspiel-Hobby. Es gibt nicht viel spaßigeres als sich mit Freunden und Bekannten auf eine Partie an einen Tisch zu setzen. Dennoch haben digitale Versionen auch Vorteile. Ich kann sie einhändig spielen, finde meist sofort Mit- und Gegenspieler*innen, viele Spiele sind deutlich schneller zu spielen und ich kann auch erstmal Spiele ausprobieren. Aber es ist etwas anderes und wer das nicht mag, sollte es auch lassen.
Anders finde ich die Sache mit den analogen Spielen, die digitale Komponenten aufweisen. Da finde ich die kategorische Ablehnung erstmal absolut bescheuert und nahezu alle Argumente die einem da entgegenschallen sind Scheinargumente. „Da kann ich ja gleich ein Videospiel spielen!“, „Der Inhalt gehört mir dann ja gar nicht richtig!“, „Was ist wenn die App in 10 Jahren nicht mehr funktioniert!“ oder „Da starren alle nur noch auf Bildschirme!“. Alles schon gehört und ich verstehe es wirklich nicht. Die Apps sind in den meisten Fällen Werkzeuge um das spielen reibungsloser zu ermöglichen. Nehmen wir mal Chronicles of Crime, eines der ersten Spiele das QR-Codes sinnvoll nutzte. Die Handys werden hier direkt zu Werkzeugen, die wir benutzen um Dinge zu verknüpfen. Die Geschichte wird dann gleich von der App weitererzählt. Die Puristen bräuchten an dieser Stelle einen Haufen Karten für jede Eventualität oder ein Geschichtenbuch in dem wir dann durch Querverweise die richtige Stelle heraussuchen müssten. Da hätte ich gar keine Lust mehr überhaupt zu spielen. Chronicles of Crime hat schon acht Jahre geschafft und existiert noch immer. Boss Fighters QR funktioniert auch über QR-Codes und ist ganz neu. Auch hier dient die App als Verwaltung des Bosses. Alles was mit unseren Helden zu tun hat regeln wir analog über Karten und Lebenspunkteanzeiger. Die alternative wäre hier sicherlich ein Rollenspiel mit einem Gamemaster und vielen Regeltabellen und Würfelwürfen. Macht auch Spaß ist aber etwas vollkommen anderes.
Ich habe immer gar keine Ahnung woher solch eine generelle Ablehnung vor Technik in Brettspielen kommt. Technik generell scheinen sie ja nicht abzulehnen, weil sie ihre Gedanken ja doch mit dieser in Onlineforen posten. Na ja.
Auffällig finde ich auf der anderen Seite aber auch das es irgendwie immer mehr von diesen riesengroßen „Open World/Sandbox“ Rollenspielen, Bossbattlern und Dungeoncrawlern gibt, die versuchen ein Computerspiel vollkommen analog abzubilden (siehe Arydia und co.). So faszinierend ich das rein vom Aufwand der Entwicklung her finde, genauso schwachsinnig finde ich den Aufwand beim Spielen. Warum sollte ich mir so etwas antun? Antwort: weil es Spaß bringt! Zumindest für einige. Garantiert nicht für alle. Solche Spiele müssen für die Digitalverweigerer der heilige Gral sein. Egal.
Digital kommt übrigens vom lateinischen Digitus für Finger und da wäre ich wieder bei meiner Hand. So schließt sich der Kreis und ich glaube ich sollte weniger Schmerzmittel nehmen…
Spielt schön!