
Bin ich wohl der einzige, der bei diesem Spiel von Ravensburger das Verlangen hat den Ortsnamen mit französischem Akzent auszusprechen, obwohl der Name dann auch falsch geschrieben wäre? Warum schreibe ich das überhaupt? Was sagt das über meinen verwirrten Geist aus? Egal. Die glorreichen Gilden von Buttonville ist ein Spiel auf das ich vor der Messe in Essen aufmerksam geworden bin, weil es genau meine liebsten Bestandteile enthielt: viele verschiedene Karten mit Fähigkeiten, die in bestimmten Kombinationen gespielt zu gewinnbringenden Effekten ausgespielt werden müssen. Klasse! Das Einzige was mich ein wenig stutzig werden ließ, war die Tatsache, dass es sich wohl um ein Familienspiel handeln solle und das machte mich erst richtig neugierig, denn in meiner Vorstellung ging das irgendwie nicht zusammen. Geht doch!
Worum geht es?
Das Setting (in Form des Königs) verlangt von uns das wundervolle Dorf Buttonville mit Leben zu füllen und so fragen wir bei den großen Gilden des Landes nach, ob sie nicht Bewohner*innen in unsere Stadt entsenden wollen. Ihr merkt schon, da ist nicht wirklich ein thematischer Zusammenhang vorhanden. Aber braucht es ja auch nicht unbedingt. Wer am Ende die meisten Punkte durch Kartensets und Knöpfe gesammelt hat gewinnt.

Wie läuft das ab?
Die Anleitung ist wirklich nicht besonders umfangreich und die Spielmechanik ist das auch nicht. Öffnen wir die Spielschachtel und haben wir die unterschiedlichen Karten in die Sortierhilfe einsortiert, dachte ich zunächst daran, ich hätte eine neue Dominion-Erweiterung vor mir. Das Spiel besteht zu einem großen Teil wirklich nur aus Karten. 25 verschiedene Bewohner*innen finden wir in der Schachtel und jede Karte ist 12-mal vorhanden, was uns immerhin auf stattliche dreihundert Karten bringt.


Die Bewohner*innen sind sechs Gilden zugeordnet. Je drei einer von fünf speziellen und dann gibt es noch die Gilde der Gemeinen, die mit zehn Bewohner*innen den größten Anteil aufweist. Zu Spielbeginn müssen wir den Spielstapel erstellen und dazu fügen wir eine*n Bewohner*in pro Gilde, sowie drei oder vier (nach Anzahl der Spieler*innen) der Gemeinen in einen Stapel zusammen und mischen diesen gut durch. Jemand erhält den Startspielermarker, der tatsächlich auch mal eine Funktion hat. Dieser wird benutzt, um einen Teil des Stapels abzutrennen. Seitlich neben den Stapel gestellt und dann gegen diese gedrückt, teilt er den Stapel in zwei Teile. Einen großen Spiel- und einen Finalstapel. Der Finalstapel wird zunächst zur Seite gelegt und der Spielstapel kommt in die Tischmitte. Neben diesem werden fünf Karten aufgedeckt. Die Spieler*innen ziehen vier Karten verdeckt vom Stapel und alle erhalten zwei Knöpfe aus dem Vorrat.
Spielvorbereitung erledigt, es geht los. Reihum wird gespielt und wer an der Reihe ist zieht zwei Karten. Entweder von den offen ausliegenden oder verdeckt vom Stapel und nimmt die Karten auf die Hand. Dann darf ein Set gleicher Karten in die eigene Auslage gespielt werden. Je größer das Set, desto mehr Punkte bringt es am Ende des Spiels. Die Fähigkeit der Karte wird genutzt, sofern es ein Ausspieleffekt ist. Die meisten Karten haben solche Effekte. Es gibt aber auch Andauernde-, Spielende- und Aktivierbare Effekte. Die Effekte können Regeln des Spiels außer Kraft setzen. Zum Schluss wird das eigene Handkartenlimit, das bei sieben Karten liegt, überprüft und eventuell abgeworfen. In der Auslage liegen immer fünf Karten. Liegen nun zwei Sets derselben Karte vor mir, so muss ich eines abwerfen. Ich darf von jeder Karte nur ein Set besitzen und normaler Weise nicht anlegen, außer ein Karteneffekt erlaubt mir das.

Die Fähigkeiten der Karten bringen mir die verschiedensten Dinge. So erhalte ich Knöpfe, Karten, irgendwelche Tauschmöglichkeiten oder auch Sets zu verändern. Jede Karte hat etwas völlig Eigenständiges.
Ist der Spielstapel aufgebraucht, kommt der Finalstapel zum Einsatz und das Spiel endet, wenn alle Spieler*innen gleich oft an der Reihe waren. Zum Schluss werden die Punkte gezählt. Die Sets sind je nach Anzahl der Karten einen bis 17 Punkte wert und zusätzlich bringen uns je zwei Knöpfe einen weiteren Punkt.

Das Fazit
Wie bei Dominion auch, solltet ihr, nachdem ihr die Karten in den Kasten sortiert habt, die Schachtel nur noch waagerecht liegend transportieren, sonst habt ihr ein großes Durcheinander. Durch das modulare Zusammensetzen der Dorfbewohner*innen, haben wir hier eine große Variabilität und genau wie schon beim erwähnten Dominion auch, ändert sich die Tonalität des Spiels mit den gewählten Karten. Da kann es eine Partie geben, bei der wahnsinnig schnell Karten gezogen werden, oder die Knöpfe eine wichtigere Rolle spielen. Für die Erstpartie schlägt das Spiel genauso ein Set vor, wie weitere Zusammenstellungen die durch ihre Titel schon verraten in welche Richtung es gehen wird: „Knöpfe wachsen auf Bäumen“, „Die synergetische Explosion“ oder auch „Irrwitzige Interaktionen“.

So einfach das Spielprinzip nun auch ist, zwei Karten ziehen, ein Set ausspielen, das versteht wirklich jeder, aber, größere Sets zusammenzubekommen ist dann doch gar nicht so leicht. Das Handkartenlimit bremst uns ziemlich aus und sich auf das Glück verlassen kann auch nicht so viel. Ganz oft macht es einfach Sinn auch kleine Sets erstmal auszuspielen und die Effekte zu nutzen. Manche Effekte wollen auch vielleicht oft benutzt werden und so halte ich das gespielte Set bewusst klein. Da ich aber auch immer nur ein Set spielen kann muss ich auch meine Mitspieler*innen beobachten und den Spielstapel natürlich. Die glorreichen Gilden von Buttonville ist ein interessantes Spiel das wirklich einfach auf Familien-Niveau zu spielen ist, dich aber mitunter verblüfft wenn jemand eine Kombo spielt, die du nicht hast kommen sehen. Die Spieltiefe bleibt aber überschaubar und entlockt Vielspieler*innen sicher nur ein schwaches Lächeln, wobei ich noch keine Klagen von diesen gehört habe und auch sie hier gerne mitspielen.

Von Nicht- oder Wenigspieler*innen höre ich oft die Ausrede, dass sie sich nicht dumm fühlen wollen oder Angst davor haben sich zu blamieren, wenn sie Spiele spielen. Die glorreichen Gilden von Buttonville erzeugt eher das Gegenteil. Es lässt dich gut fühlen, wenn du durch einen Effekt oder eine Kombo mehr machen kannst als nur zwei Karten zu ziehen und ein Set auszuspielen.
Es spielt sich gut und schnell und eine Partie dauert nie besonders lang. Schnell wird eine Revanche gespielt oder ein anderes Setup ausprobiert. Mir gefällt es, obwohl es nichts außergewöhnlich herausragendes tut, sondern grundsolide das liefert, was es verspricht und wenn es sich verkauft besteht auf jeden Fall die Chance, das durch weitere Karten die Spieltiefe noch gesteigert werden kann.
- Verlag: Ravensburger
- Autor(en): Christian Kudahl, Erik Andersson Sundén
- Illustrator(en): Matt Owen
- Erscheinungsjahr: 2025
- Spieleranzahl: 2 – 4 Spieler*innen
- Dauer: 30 Minuten