Le Havre – Der Binnenhafen

Le Havre – Der Binnenhafen / Foto: Spieltroll

Le Havre ist eines der Spiele von Uwe Rosenberg, das ich gerne mal spielen würde. Leider kenne ich in meinem Umfeld niemanden der es besitzt und ein Exemplar zu einem bezahlbaren Preis zu bekommen ist momentan auch nicht so einfach. Gleiches gilt fast genauso für die zwei Spieler Variante – Der Binnenhafen. Scher zu kriegen und wenn auch nicht gerade billig. Manchmal muss man aber auch Glück haben und so konnte ich bei Ebay ein noch eingeschweißtes Exemplar für einen durchaus noch guten Preis per Sofortkauf ergattern. Leider traf mich bei diessem Spiel dann wieder mein neuzeitlicher Fluch des fehlerhaften oder nicht vollständigen Spielmaterials. Wer Näheres dazu wissen möchte liest bitte – Unkomplette Spiele – Die Last mit den Ersatzteilen, wo ich darauf näher eingehe. Einer der zentralen Spielpläne mit Zeiger war leider nicht ganz komplett, der Plastiknupsie zum zusammenhalten fehlte leider. Das konnte ich allerdings selber reparieren und habe den Ersatzteilservice erst gar nicht bemüht.

Worum geht es ?

In Le Havre – Der Binnenhafen bauen zwei Spieler den Binnenhafen von Le Havre durch Gebäude aus und sammeln in ihrem Speicher Waren. Wer von ihnen am Ende des Spiels den größten Reichtum an Gebäuden, Waren und Geld besitzt gewinnt. Die Spieler müssen dabei geschickt mit ihren Waren haushalten und Gebäude errichten, deren Fähigkeiten sie benutzen können um mehr Waren und Geld zu generieren. Je länger manche Gebäude dabei nicht benutzt worden sind, desto besser fällt die Aktion aus.

Le Havre – Der Binnenhafen / Foto: Spieltroll

Wie läuft das ab ?

Le Havre – Der Binnenhafen ist ein reines 2-Personen-Spiel. Jeder Spieler bekommt zwei spezielle Tableaus. Eines, sein Lagerhaus, dient zum darstellen der vier verschiedenen Waren des Spiels und das andere ist ein Rondell mit einem Zeiger, das in sechs Abschnitte unterteilt ist. Im Lagerhaus werden die Waren durch kleine Holzwürfel dargestellt und die Spieler verschieben sie je nach Menge. Zieht man einen Würfel nach rechts so steigt die Anzahl um eins, schiebt man ihn nach oben, so steigt er um drei. Eine schräge Bewegung verändert den Warenbestand folglich um vier.

Le Havre – Der Binnenhafen Zeiger / Foto: Spieltroll

Das Rondell mit dem Zeiger nimmt hingegen die spielmechanisch zentrale Rolle des Spiels ein. Aufgeteilt in sechs Sektoren sagt der Zeiger einem Spieler jede Runde drei Dinge. Erstens wer in der Runde Startspieler ist, zweitens welche Gruppe Gebäude ins Spiel kommt und drittens wieviele Aktionen in einer Runde gespielt werden. Die Spieler haben neben diesen beiden Tableaus gar nicht soviel vorzubereiten, lediglich die kleinen Gebäudemarker, die alle Buchstaben tragen sollten nach diesen in Grüppchen gleicher Buchstaben sortiert werden. Ansonsten muss nur noch das Spielgeld bereitgelegt werden und das Spiel kann starten.

Le Havre – Der Binnenhafen Lagerhaus / Foto: Spieltroll

Beide Rondelle unterscheiden sich insofern, das sie andere Buchstaben zeigen, wenn der Zeiger weitergerückt wird. Ansonsten sind sie identisch. Dieses „Zeigerrondell“, dass in größerer Form schon in Rosenbergs Ora et Labora vorgekommen ist, ist das Spielelement, das es zu verstehen gilt. Der Zeiger wird von den Spielern im Spielverlauf gegen den Uhrzeigersinn bewegt. Die sechs Sektoren verschieben sich dabei immer wieder. Direkt rechts hinter dem Zeiger ist der erste Sektor mit einer „Null“ gekennzeichnet und hier werden sämtliche Gebäude die neu gebaut und auch die, die benutzt wurden abgelegt. Danach folgen drei Sektoren mit den Ziffern zwei, drei und vier, die angeben wie oft der Effekt des Gebäudes ausgeführt wird, wenn man es benutzen möchte. Der fünfte Sektor zeigt eine vier und ein Geldstück, was bedeutet, dass das Gebäude viermal benutzt wird und man einen Franc (Währung des Spiels) erhält. Der letzte Sektor, direkt vor dem Zeiger, zeigt ein Gebäudesymbol mit einem Ausrufezeichen und Gebäude sie sich am Rundenende noch hier befinden müssen Zwangsverkauft werden, weil sie augenscheinlich nicht so wichtig für den Hafen sind. Ein Zwangsverkauf bringt immer nur die Hälfte des Wertes des Gebäudes ein.

Le Havre – Der Binnenhafen Zeigerrondell mit Gebäuden / Foto: Spieltroll

Die Spieler spielen pro Runde immer eine ungerade Anzahl an Zügen, wobei mal der eine und mal der andere Spieler pro Runde einen Zug mehr hat. Im Endeffekt gleicht sich die Anzahl der Züge aber aus. Wenn man an der Reihe ist stehen einem zwei unterschiedliche Zugmöglichkeiten zur Verfügung, entweder man baut eines der noch zur Verfügung stehenden Gebäude, oder man benutzt eines der Gebäude auf seinem Rondell, die bereits gebaut wurden. Als zusätzliche Aktion ist es einem Spieler aber auch immer möglich ein Gebäude wieder zu verkaufen. Auch das wird wie ein Zwangsverkauf behandelt und der Spieler bekommt die Hälfte des Wertes in Franc. Das Gebäude steht dann wieder beiden zum Bau zur Verfügung.

Le Havre – Der Binnenhafen Neue Gebäude / Foto: Spieltroll

In jeder Runde kommen also neue Gebäude hinzu die gebaut werden können. Um sie zu bauen muss man allerdings auch ihre Baukosten bezahlen, die meistens aus Lehm und Holz bestehen. Dazu werden die entsprechenden Warenmarker im Lagerhaus gezogen. Möchte man eines seiner Gebäude benutzen, so führt man die entsprechende Gebäudeaktion, so oft aus, wie der Sektor vorgibt. Ein simples Beispiel ist dort der Holzbetrieb den man für zwei Lehm bauen kann. Liegt er in Sektor „3“, so darf ich den Holzwarenmarker dreimal um ein Feld in meinem Lagerhaus nach rechts verschieben. Ich erhalte also effektiv drei Holz. Es sei denn, mein Marker ist schon ganz rechts im Gebäude angefangen, in diesem Fall kann man Marker nicht weiterrücken und ich kann ihn nur noch nach oben bewegen, um mehr Holz zu bekommen. Natürlich gibt es auch Gebäude, die solche Fähigkeiten bereitstellen. Die Lehmbrennerei zum Beispiel erlaubt das Ziehen meines Lehmmarkers um ein Feld nach links oben, was bedeutet das ich das zwei- bis viermal machen darf, je nach Sektor in dem sich das Gebäude befindet.

Le Havre – Der Binnenhafen / Foto: Spieltroll

So erspiele ich mir nach und nach mehr Rohstoffe, die ich lagere und weider für neuere, bessere Gebäude ausgeben kann. In jeder neuen Runde kommen auch neue Gebäude hinzu die immer wertvoller werden. Am Ende zählt jeder Spieler den Wert seiner Gebäude zusammen und addiert seine Francs zum Ergebnis. Die meisten Francs gewinnen.

Das Fazit

Ich bewundere Uwe Rosenberg wirklich. Der Mann hat in einer Phase von unglaublicher Kreativität eine ganze Armada von Brettspielklassikern geschaffen, die Ihresgleichen suchen. Heutzutage kann man ihm vielleicht vorwerfen nichts Neues mehr hervorzubringen und sich endlos weiter selbst zu zitieren. Das ändert aber nichts daran, dass es eine Zeit gab, in der er ziemlich innovativ war. Seine Worker-Placemnet-Spiele suchen auch heute noch Ihresgleichen. Bohnanza noch viel früher war für ein Kartenspiel ebenfalls total neuartig und innovativ. Das erwähnte „Zeigerrondell“ aus Ora et Labora ist ebenfalls einer dieser sehr innovativen Mechanismen, bei dem ich mich in der Tat frage, warum es nicht viel mehr Spiele gibt die ihn benutzen. Le Havre – Der Binnenhafen ist ein typisches Uwe Rosenbergschises Zweitverwertungspiel. Man nehme das Thema von Le Havre und die Mechanik von Ora et Labora und schon hat man ein wirklich gelungenes Zweipersonenspiel. Es ist leider heutzutage optisch und vom Material her gesehen nicht mehr ganz uptodate, aber spielerisch immer noch sehr gelungen und gehört, jetzt wo ich es kennenlernen durfte zu meinen liebsten 2er Spielen. Der Binnenhafen bekommt eine dicke Empfehlung für alle Freunde des gepflegten 2er Spiels, dürfte allerdings eher schwierig zu bekommen sein.


  • Verlag: Lookout Spiele
  • Autor(en): Uwe Rosenberg
  • Illustrator(en): Klemens Franz
  • Erscheinungsjahr: 2012
  • Spieleranzahl: 2 Spieler
  • Dauer: 30 Minuten

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