Brettspiel Apps #02 – Würfel, Ozeane und Zivilisationen

Meine Kollegen versorgen mich ja immer zum Geburtstag mit Google-Guthaben und so kann ich mir jede Menge Brettspielapps aus dem Playstore gönnen. Im zweiten Teil der Serie möchte ich euch auch heute wieder drei Apps vorstellen, die ich in den letzten Monaten gespielt habe. Ich versuche dabei möglichst eine breite Streuung der Apps hinzubekommen, sodass ich nicht in jeder Ausgabe Apps zum gleichen Thema oder der selben Mechanik vorstelle. Heute geht es um eine sehr beliebte Roll ´n Write Serie, einen konfrontativen Engine Builder und um einen richtigen Brecher im Aufbau-Genre.

Würfel – Ganz schön clever!
Ganz schön clever! App

(Brettspielwelt GmbH – Android & IOS)

Das erste Spiel in diesem Monat ist eines das 2018 für den Kennerspielpreis des Jahres vorgeschlagen worden ist. Ganz schön clever! ist inzwischen schon zu einem kleinen Klassiker geworden. Ein Spiel das einfach zu erlernen ist und seinen enormen Reiz aus seinem ausgeklügelten Spielzettel bekommt. Hier muss man gemäß des Titels wirklich clever sein und möglichst viele der auf dem Zettel aufgedruckten Boni mitnehmen. Dabei ist die Reihenfolge in der man diese erlangt durchaus von Belang. Eine Review zur analogen Version befindet sich schon seit geraumer Zeit hier auf dem Blog. Wer also wissen möchte, wie sich Ganz schön clever! spielt, sollte sich dort informieren, ob das Spiel etwas sein könnte.

In der Appversion kann man allerdings nur alleine spielen. Ein Mehrspielermodus fehlt leider komplett. Das ist so ziemlich das einzige Manko, dass ich hier galten machen könnte. Allein die Soloversion erzeugt eine enorme Sogwirkung, wie ich finde. Man versucht immer wieder noch besser zu werden und eine höhere Punktewertung zu erzielen. Dabei helfen hier in der Tat die Bestenlisten, mit denen man sich vergleichen kann und zusätzlich werden die eigenen Versuche aufgezeichnet. Man sieht immer seine letzten und besten Versuche und zu Beginn fragt man sich regelmäßig, wie man so hohe Punktezahlen erreichen kann, die da von den anderen Spielern in der Community erzielt werden. Das ist für mich immer ein Anporn gewesen, das Spiel weiter auszuloten und zu versuchen ansatzweise ebensoviele Punkte zu erzielen. Macht einfach Spaß.

Ganz schön clever! App

Man kann die Spielerfahrung noch erweitern, denn auch die beiden Nachfolger Doppelt so clever und Clever hoch drei sind verfügbar und bieten neue Herausforderungen. Hinzu kommen auch noch neue Zettelvarianten, die tatsächlich auch wieder individuelle Herausforderungen darstellen. Der Preis ist sehr human und ich spiele es immer wieder Zwischendurch und habe inzwischen mehrere Hundert Partien auf dem Tacho, denn eine Solopartie dauert mit dieser App keine zehn Minuten. Rein optisch bewegt sich die App auf funktionalem Niveau in Spielfarben. Für Fans des analogen Spiels eine sehr gute Ergänzung und auch für Leute die einen außergewöhnlichen Knobelspaß für sich alleine am Tablet oder Telefon haben möchten eine gelungene Investition.


Ozeane – Oceans Lite

(North Star Digital Studios – Android & IOS)

Oceans Lite App

Oceans Lite ist die digitale Variante des Brettspiels Ozeane, dass im letzten Jahr beim Schwerkraft-Verlag auf deutsch erschien. Ozeane ist der Nachfolger von Evolution und beschäftigt sich mit der Evolution im Meer. Die Spieler sind aufgefordert ihre Spezies durch Karten weiterzuentwickeln, um im Meer gegen die Spezies der anderen Spieler zu bestehen. Hier ist es wichtig, wo welche Spezies liegt, da sie die Benachbarten beeinflusst. Das ist auch spielerübergreifend möglich und macht Ozeane zu einem Spiel mit kleinen Gemeinheiten.

Oceans Lite ist nun die Appversion und wie der Titelteil „Lite“ schon verrät, bekommt man hier nicht das ganze Spiel. Dafür ist die Liteversion erst einmal kostenfrei. Man kann das Spiel durch weitere Käufe noch ausbauen, aber davon bin ich generell kein Fan. Ich kannte die Brettversion und den Vorgänger bisher nicht und bin auch von der Appversion nich sonderlich begeistert. Das Spiel ist mir eine Spur zu gemein. Wie ich schon angedeutet habe, kann man seinen Gegenspielern schon ganz schön übel mitspielen. Auch davon bin ich selten ein Fan. Hauptsächlich geht es in dem Spiel darum, seine Spezies durch Karten auszubauen. Sämtliche Kosten werden mit Fischen bezahlt, die den Lebensraum für alle begrenzen. Es gibt also nur Nahrung für wenige und manche benötigen viel Nahrung und fressen andere Spezies. Das Spiel ist insgesamt gar nicht so kompliziert, aber die Erklärung, die die App liefert ist leider in meinen Augen nicht besonders gut gelöst. Man kommt relativ schwer in das Spiel hinein. Wenn man nach ein paar Partien drin ist, hört die Faszination aber auch schon wieder auf. Es fesselt mich einfach nicht nachhaltig.

Oceans Lite App

Rein optisch bin ich von dem Spiel ebenfalls nicht begeistert und ich weiß, damit stehe ich ebenfalls allein da, denn bei anderen liegt das Spiel wegen seiner Optik hoch im Kurs. Ich finde es zu bunt, zu quietschig und mag den Stil der Zeichnungen einfach nicht. Das ist in der App aber nur nebensächlich. Oceans Lite fällt bei mir leider aus den genannten Gründen ziemlich durch.


Zivilisation – Through the Ages (Im Wandel der Zeitalter)
Through the Ages App

(Czech Games Edition – Steam, Android & IOS)

Ich habe einen Faible für Zivilisationsspiele und spiele sie eigentlich sehr gerne. Die meisten guten Spiele dieses Genres haben aber Spieldauern, die mir heutzutage für ein Brettspiel nicht mehr gefallen. Früher war das anders, da konnten die gar nicht lang und detailiert genug sein. Through the Ages oder zu deutsch Im Wandel der Zeitalter ist einer dieser Vertreter. Das Spiel ist schon als Brettspiel der absolute Hammer. In der Rangliste bei Boardgamegeek rangiert es momentan auf Platz 8. Es erfreut sich also ziemlicher Beliebtheit, aber, mit dieser App ist dem Herausgeber Czech Games Edition ein wahres Meisterwerk gelungen. 11 Euro bezahlt man für diese App und sie ist jeden Cent wert. Auf einem Telefon sollte man sie allerdings nicht spielen, das ist ein wenig zu fummelig, aber auf einem Tablet entfaltet sich die ganze Power dieses Spiels.

Man spielt in diesem Spiel eine nicht näher benannte Zivilisation, die sich durch ihre Anführer in den unterschiedlichen Epochen definiert. Es gibt also keine Völker oder Nationen die man spielt sondern nur eine neutrale Zivilisation, der man durch die Anführer die man sich auswählt in eine Richtung bewegt. Das ganze Spiel basiert auf Karten, die in einer langen Reihe zum Kauf ausliegen. Vorne aus der Reihe werden immer Karten abgeworfen, wenn man sie nicht gekauft hat und von hinten kommt ein stätiger Nachschub in die Reihe. Sie füllt sich von Epochenstapeln, die dafür sorgen das wir nach und nach in andere Zeitalter rutschen. Auf den Karten finden wir dann Anführer, Gebäude, Staatsformen, Weltwunder und Ereigniskarten wieder, die wir für Aktionspunkte kaufen können. All diese Karten haben Einfluß auf unsere Ressourcen und deren Produktion, auf unsere Punkte usw.

Through the Ages App

Auf dem Tisch ist das alles ein ziemlicher Verwaltungsaufwand, den man aber gerne bereit ist in Kauf zu nehmen, um das tolle Spiel zu genießen. Auch hier ist man aber mehrere Stunden beschäftigt. Der App gelingt jetzt aber das Kunststück all das für einen zu übernehmen und man kann eine Partie, in unter 30 Minuten absolvieren. Die KI ist dabei auch noch sehr fordernd und ein Herausforderungsmodus bringt mich immer noch regelmäßig zur Verzweiflung, weil es mir auf manchen Stufen einfach nicht gelingt, die KI zu bezwingen.

Das größte Plus ist aber das Tutorial, durch das man von Vlaada Chvátil geführt wird. Bis man durch ist dauert es zwar schon eine ganze Weile, denn das Spiel an sich hat wirklich viel zu bieten, aber dafür lernt man das Spiel dabei sehr gut kennen und ist bereit es sofort zu spielen. Kein langwieriges, langweiliges Lesen, aber dafür spaßige Einführung in ein Spiel das es Wert ist. Optisch zwar ein wenig angestaubt, aber alles ist total funktional. Ich kann Im Wandel der Zeitalter nicht genug loben und möchte eine absolute Empfehlung aussprechen. Der hohe Preis für eine App lohnt sich aber total. Wenn man dieses Spiel schon immer einmal ausprobieren wollte, dann würde ich tatsächlich dazu raten, es als App zu spielen, es sei denn man scheut lange Erklärungsarien und lange Spielzeiten in Gesellschaft nicht.

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