Tag Team – Mit Planung auf die Fresse

Tag Team

Als Kind der 80er bin ich mit amerikanischem Wrestling aufgewachsen und auch wenn es heutzutage auf mich albern wirkt, fand ich das damals schon auch geil. Am liebsten mochte ich die Tag Team Fights, weil sie einfach das spannendere Spektakel waren. Ich weiß natürlich heute, und eigentlich auch schon damals, dass das alles nur Show war. Aber es war sehr unterhaltsam und damit bin ich auch schon bei diesem noch relativ neuen Spiel aus der KOSMOS Reihe für zwei Spieler*innen mit dem gleichen Namen. Tag Team von Scorpion Masque hat seinen Weg nach dem Erfolg von Sky Team ebenfalls zu KOSMOS geschafft und das nicht zu Unrecht, denn Tag Team ist der neue „heiße Scheiß“ am Zweispieler*innen Himmel. Dennoch war ich zunächst skeptisch, denn auch Tag Team hat sich dem Auto Battling verschrieben, einem Genre, dass ich eigentlich nicht besonders erfüllend finde. Challengers zum Beispiel fand ich mehr als öde und ich hab das Gefühl das Spiel ist nach seinem Kennerspielpreis sang- und klanglos wieder in der Versenkung verschwunden. Aber, nicht zu schnell urteilen, denn Tag Team behandelt das Thema Auto Battling mit einem Twist und der heißt Programmierung. Neugierig?

Worum geht es?

Tag Team ist ein Duellspiel und ein schnelles noch dazu. Hier treten zwei Spieler*innen gegeneinander an und wollen sich ihre Lebenspunkte so schnell wie möglich runterprügeln. Das mutet nicht nur an wie frühere Prügelspielorgien auf den diversen Computer- und Videospielsystemen, sondern ist auch genau das. Dazu haben beide jeweils ein Tag Team aus zwei Kämpfer*innen zur Verfügung, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Wer zuerst einen der Kämpfer des Gegenübers auf null Lebenspunkte bringt, also K.O. schlägt, gewinnt das Duell. Dazu werden jede Runde Fähigkeitskarten umgedreht und ausgeführt. Wie wir mit diesen verfahren ist aber der Clou des Spiels.

Tag Team – Zwölf unterschiedliche spielbare Kämpfer*innen / Foto: Spieltroll

Wie läuft das ab?

Tag Team – Ching Shih die Piratin / Foto: Spieltroll

Damit Tag Team auch nicht schnell langweilig wird, bieten uns die Autoren Corentin Lebrat und Gricha German gleich zwölf unterschiedliche Kämpfer*innen an, die hier in Duellen gegeneinander antreten. Der Kombinationsfreude ist also keine Grenze gesetzt. Die Charaktere können zufällig zugelost werden oder die Spieler*innen suchen sich einfach zwei aus. Die übergroßen Charakterkarten legen die Kontrahenten vor sich ab und wir finden auf diesen immer eine Lebenspunkteleiste, die wir mit einem Marker belegen, sowie einen Stärke Wert am oberen Rand. Wir erhalten Stärkewürfel ins dieser Anzahl und legen sie über der Karte ab. Im Verlauf des Spiels können wir weitere hinzu gewinnen oder auch verlieren und wann immer wir Schaden verursachen machen wir das in Höhe unserer Stärkewürfel, es sei denn ein Karteneffekt sagt etwas anderes.

Viele der Kämpfer*innen haben spezielle Effekte. Einige haben weitere Leisten auf denen wir etwas markieren müssen. Jeanne zum Beispiel hat ein Rondell auf dem ein Marker im Kreis herumbewegt wird und das eigene Team an bestimmten Stellen stärker werden lässt. Bödvar der „Bärserker“ hat eine Leiste auf der sich seine Wut steigert, wenn der Marker ganz oben angekommen ist verwandelt er sich in einen Bären. Andere Kämpfer*innen benutzen Spezialmarker für ihre Effekte. Shango zum Beispiel hat fünf Feuermarken, die auf Gegnern platziert werden und so seinen Schaden steigern und falls alle fünf Marken auf dem gleichen Gegner liegen ihn gar komplett verbrennen. Milady bereitet mit ihren Angriffen zufällige Fallenmarker vor, die wenn sie ausgelöst werden verschiedenste Effekte haben können. Die zwölf Charaktere könnten unterschiedlicher kaum sein.

Tag Team – Bödvar und Jeanne mit ihren unterschiedlichen Leisten / Foto: Spieltroll
Tag Team – Bödvars Deck / Foto: Spieltroll

Zu jedem Charakter gehört ein Kartendeck aus zehn Karten. Jeweils eine Karte ist als Startkarte markiert. Bis auf die Startkarten der beiden Kämpfer*innen mischen die Spieler*innen die Decks zusammen und legen sie als Nachzugstapel bereit. Das Spiel beginnt indem sie aus den beiden Startkarten ihrer Kämpfer*innen einen Zugstapel machen. Sind beide Teams bereit, so werden die Karten gleichzeitig umgedreht und die Kampfrunde startet. Die Karten werden gleichzeitig abgehandelt und ihre Effekte ausgelöst. Sollten wir Schaden machen, so wird dieser immer dem Charakter zugefügt, der gerade durch seine umgedrehte Karte aktiv ist. Air lösen dabei eventuelle Spezialeffekte aus, verteidigen uns, so dass evtl. kein Schaden entsteht, oder wir werden mitunter auch einfach nur stärker. Wir handeln so alle Karten ab und falls ein Charakter auf null Lebenspunkte fällt oder anderweitig ausgeschaltet wird gewinnen wir. Ist das aber nicht der Fall gehen wir in die Deckphase und ziehen drei Karten von unserem Nachziehstapel. Nun dürfen wir eine der Karten an einer beliebigen Stelle unseres Kampfstapels hinzufügen. Richtig gelesen, der Kampfstapel wird nicht gemischt. Er wird programmiert. Wir können die neue Karte also an den Anfang, an Ende oder zwischen die beiden Startkarten legen. Anschließend wird der Stapel nur umgedreht und die nächste Kampfrunde startet. Unser Gegenüber kann sich als Dinge des Ablaufs merken und weiß nur nicht, was Neues hinzukommt. Eventuell kann also auf Teile des Stapels reagiert werden, wenn ich die richtigen Karten in meinem Nachziehstapel finde. Die Karten die nicht einbaue wandern unter den Nachziehstapel.

Tag Team – Die erste Kampfrunde! / Foto: Spieltroll

Das ist auch schon das gesamte Spiel und macht für einen Auto Battler ganz schön Spaß.

Das Fazit

Das Spielgeschehen ist absolut simpel und schnell erklärt. Trotzdem fühlen sich die Entscheidungen die ich treffen muss so wichtig an, obwohl es natürlich letztlich Zufall ist, denn wissen kannst du nicht, wo dein Gegenüber den Ablauf der Reihe verändert. Dennoch kann das für bestimmte Teile des Ablaufs möglich sein. Wenn dein Gegner dir am Anfang starke Attacken entgegenwirft, wirst du versuchen diesen durch eine frühe Abwehrkarte entgegenzuwirken. Das kann funktionieren und das tut es auch erstaunlich oft, aber wenn das Gegenüber den Braten im richtigen Moment riecht, legt er genau gegen diese Karte einen Stärkungseffekt und die Angriffe können auch einfach noch stärker ausfallen. Wissen kannst du es nicht. Du hoffst es nur und das fühlt sich spannend an und sorgt für verschiedenste Spielverläufe. Die Partien sind dabei so kurzweilig, dass es auch gar nichts macht, wenn du verlierst. Dann werden neue Kämpfer ausgesucht und eine Revanche startet.

Die unterschiedlichen Charaktere sind dabei nicht nur optisch, sondern auch spieltechnisch so unterschiedlich, dass hier viel herumprobiert werden kann. Bestimmte Charaktere harmonieren besser zusammen und manche passen einfach auch überhaupt nicht gut in ein Team. Das finden die Spieler*innen aber recht schnell heraus. Bödvar der „Bärserker“ zum Beispiel hat sehr wenige Lebenspunkte und muss nur lang genug durchhalten, um sich in den Bär zu verwandeln, der dann einfach sehr schnell tötet, wenn er Angriffe ausführen kann. Stellt man hier einen Charakter zur Seite, der Bödvar gut schützen kann oder ihn ab und zu heilt, zahlt sich das schon aus. Im Netz kursieren schon Tierlisten für die Kämpfer*innen und ihre Kombinationen mit anderen Partnern. Das zeigt, wie viel in diesem kleinen, aber feinem Duellspiel für zwei Spieler*innen steckt und die erste Erweiterung mit sechs neuen Charakteren aus der Artussage ist schon im Anmarsch.

Tag Team könnte sich zu einem Dauerbrenner entwickeln. Mir gefällt es gut, aber eben auch nicht mehr. Ich habe meinen Spaß damit, aber insgesamt ist mir zu wenig echter Einfluss im Spiel. Das ist immer noch tausendmal besser als Challengers, aber auch hier spielt das Spiel immer noch dich und nicht du das Spiel. Es ist nur kurz genug, dass es nicht eklatant ins Gewicht fällt und gibt dir durch den Programmieraspekt das Gefühl Einfluss zu nehmen.


  • Verlag: KOSMOS
  • Autor(en): Gricha German, Corentin Lebrat
  • Illustrator(en): Xavier Gueniffey Durin
  • Erscheinungsjahr: 2025
  • Spieleranzahl: 2 Spieler*innen
  • Dauer: 15 Minuten

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