
Tja, wie komme ich auf dieses Thema? Wie schon öfters erwähnt sind die Gedanken wirr und Manches kommt einfach so und ich schreib dann drauf los. Also, bisher versuche ich ja immer relativ viel Ordnung in meinem Spielregal zu halten und lasse es nie einreißen, dass da plötzlich zu viele Spiele rumstehen und ich der Lage nicht mehr Herr werde. Zu diesem Zweck verkaufe ich „regelmäßig“ Spiele über ebay. In Anführungszeichen gesetzt heißt regelmäßig zwei- bis dreimal pro Jahr. Dann aber auch immer einen ganzen Schwung, der richtig Platz schafft. Meistens, so hat es sich in den vergangenen Jahren manifestiert, einmal so um Ostern herum und einmal in den Herbstferien. Falls sich nochmal ein Haufen ergibt, schiebe ich auch nochmal einen Verkauf im Sommer rein, aber der fand jetzt eher unregelmäßiger statt. So weit so gut. Nun würde wieder ein Verkauf anstehen und der ist auch dringend notwendig, da ist mir allerdings eine Mail eingefallen, die ich mal erhalten habe und zufällig las ich auch einen Artikel auf spielbar.com vom 1. März, der hier auch ein wenig mit hereinspielt. Dort geht es nämlich auch um das Verkaufen von Brettspielen durch Spielekritiker, die Rezensionsexemplare bekommen haben und diese dann irgendwann wieder veräußern. Ist das ethisch vertretbar. Georgios Panagiotidis geht dem nach und verfolgt dort ein paar Interessante Gedanken.
Nun läuft der Hase bei mir ein wenig anders und besagte Mail veranlasst mich das hier vielleicht auch nochmal etwas näher auszuführen. Bin ich ein Spielekritiker? Hmmm, ja wahrscheinlich schon, denn offensichtlicher Weise kritisiere ich Spiele auf diesem Blog. Ich selbst würde mich so allerdings nie bezeichnen. Ich bin Hobbyist, Brettspieler aus Leidenschaft und beschäftige mich auf diese Weise mit meinem Hobby. Der Blog hier ist ein reines Hobbyprojekt, in den ich ausschließlich meine Freizeit und Geld stecke. Ich verdiene nichts daran und habe das auch nicht vor. Nun bekomme ich wirklich immer mal wieder Mails, die in mir Zweifel wecken, ob das den Leuten bewusst ist, die hier mitlesen. Eigentlich bin ich der Meinung daraus keinen Hehl zu machen. Dennoch steht dann in solchen Mails „du und dein Team“, „ihr könnt doch mal“, „bringt mal was darüber“. Das Team besteht aus mir und meiner Frau, die selbst gerne spielt und somit eine Hilfe beim Reflektieren ist. Dann natürlich noch die ein oder andere private Spielrunde, in der ich dann auch Eindrücke zu den Spielen sammle. Aber das ist alles der normale Teil des Hobbys, wie bei jedem anderen auch. Ehrt mich das, dass Leute diesen Eindruck haben, oder lesen sie einfach nur zufällig hier, weil sie irgendwo im Netz auf einen geteilten Beitrag gestoßen sind? Wahrscheinlich eher Letzteres.
Nun, ich möchte an dieser Stelle auch darauf hinweisen, dass ich Spiele, die ich hier bespreche und zum Teil auch deutlich kritisiere, wenn ich sie nicht gut finde, in der Regel selbst kaufe. Rezensionsexemplare fordere ich nicht an und bekomme nur ganz selten mal welche ungefragt zugeschickt. Wenn ich ein solches Spiel bespreche, steht das auch in der Review drin. Ich habe zum Beispiel schon ab und zu ein Krimispiel zugeschickt bekommen und das dann dort auch erwähnt. Einzige Ausnahmen bisher waren das Spiel Mom´s Bluff aus der Anfangszeit meines Blogs, welches ich für einen netten Menschen reviewt habe, der mich darum bat und Teil zwei und drei der Next Station- Reihe von HCM Kinzel, denen die erste Review so gut gefallen hat, dass sie nachfragten, ob ich das machen würde. Habe ich gemacht, aber danach auch eine Entscheidung getroffen. Ich habe mich dazu entschlossen das nicht mehr zu tun, weil es für mich selbst komisch wirkte. Was ich aber dennoch weiterhin nutze und hier völlig offen sage, ist ein Presserabatt, den mir Pegasus eingeräumt hat. Ich kaufe also ab und zu dort über den Shop ein verbilligtes Spiel. Deshalb fühle ich mich aber Pegasus nicht besonders verpflichtet und ich kaufe trotzdem nur Spiele die mich interessieren. Dennoch habe auch ich den Vorwurf schon mal bekommen mich irgendwie daran zu bereichern. Ich kann diesen „Neid“ allerdings nicht ganz nachvollziehen und Georgios Panagiotidis hat da ein paar interessante Ansätze in seinem Artikel verfasst.
Ich werde und muss trotzdem weiter meine Spiele verkaufen. Auch wenn vielleicht das ein oder andere Spiel von Pegasus dabei sein wird, dass ich vergünstigt gekauft habe. Inzwischen sind über 500 Rezensionen hier auf dem Blog von mir verfasst worden. Meine Sammlung umfasst zwischen 160 und 200 Spielen, je nachdem wie viele ich gerade nur bis zum nächsten Verkauf „aufbewahre“. Ich habe einfach keinen Platz für eine größere Sammlung und will auch nicht mehr Spiele hier rumstehen haben. Spiele sind dazu da gespielt zu werden. Meine Sammlung umfasst immer einen guten Querschnitt und einige alte Klassiker, die ich immer wieder gerne hervorhole. Auch das ein oder andere Sammlerstück von dem ich mich schwer trennen kann ist dabei. Da ich aber weiterhin vorhabe hier über Spiele zu schreiben ist ein Teil des Platzes für die Sammlung für Neuheiten reserviert. Entweder ziehen sie danach in die Sammlung ein und ich muss etwas rausschmeißen, oder sie wandern gleich auf den Ablagestapel, der beim nächsten Verkauf rausfliegt. Ich muss also verkaufen und fühle mich auch nicht schlecht dabei, denn ich sehe mich als Privatperson mit einem Drang sich über ein bestimmtes Thema (Spiele), öffentlich zu äußern.
Ich kann diesen Gedanken nachvollziehen, sobald jemand ganz klar ein Influencer ist und damit Geld verdienen will. Bezahlte Kritiken sind etwas völlig anderes, aber ich vermute genau dort liegt die Krux. Die Leser*innen müssen den Unterschied erkennen können. Das Problem ist zum Teil von den Blogger*innen aber auch selbst gemacht. Wenn ich Kritiken lese und der Text erstmal gar nicht so positiv klingt und dann doch eine 7,5 (von 10) als Punktewert unter einer Kritik steht, dann Frage ich mich schon, was das soll. Natürlich kann ich das Bedürfnis verstehen niemanden auf den Schlips treten zu wollen, aber was bringt das. Die Leute schauen eher auf die Wertung als auf den Text und schnell könnten sie denken, hier wird für gute Bewertung bezahlt, weil alles immer irgendwie positiv wegkommt. Das ist auch der Grund, warum ich mich gegen ein Bewertungssystem entschieden habe. Die Leute sollen lesen, warum ich es feiere oder es eben nicht gut finde. Und für Spiele die ich nicht gut finde, habe ich dann leider auch keinen Platz und sie müssen ausziehen, egal, ob ich es vergünstigt gekauft, zur Verfügung gestellt oder von mir aus auch geschenkt bekommen habe.
Demnächst also Frühjahrsputz. Spiele gibt es bei Ebay. Spielt schön.