Der Herr der Ringe: Die Gefährten – Das Stichspiel

Der Herr der Ringe: Die Gefährten – Das Stichspiel

Bei dem Spieletitel weiß man wenigstens mal genau was man bekommt. Eigentlich lässt der ja keine Frage offen. Was mich dann aber doch neugierig gemacht hat war nicht unbedingt die IP, oder dass es ein kooperatives Stichspiel ist, nein, es war viel mehr die Tatsache, dass ich das Spiel auch solo spielen kann. Das fand ich ein wenig verblüffend und dann hat das Spiel auch noch für verhältnismäßig viel Aufsehen gesorgt, so dass ich es mir recht bald nach Veröffentlichung zugelegt habe. Dann verstaubte es allerdings erstmal im Regal, weil wir relativ selten Stichspiele ausprobieren, wenn wir Zeit haben und ich im vergangenen Jahr auch nicht so viel Muße hatte es alleine zu testen. Nun hatte ich aber in der letzten Zeit recht viel Freizeit und habe es mir mal vorgenommen. Verglichen wird das HdR-Stichspiel (sorry der ganze Name ist mir zu umständlich) des Öfteren mal mit Die Crew und das kommt nicht von ungefähr, da beide kooperativ gespielt werden, aber damit wird man diesem Spiel einfach nicht gerecht. Warum ich das so sehe, erfahrt ihr, wenn ihr ein wenig weiter lest.

Worum geht es?

Wir erleben in diesem kleinen Spiel im Prinzip eine Zusammenfassung der Ereignisse des ersten Teils der Herr der Ringe Trilogie. Umgesetzt in ein Stichspiel, in dem wir Spieler*innen in jeder der Runden in die Rollen bestimmter handelnder Charaktere schlüpfen und gemeinsam das zentrale Problem der Mission lösen. Aber nicht nur das, denn darüber hinaus haben die Charaktere auch noch verschiedenste Charakterziele die wir genauso erfüllen müssen, bevor wir keine Stiche mehr spielen können.

Der Herr der Ringe: Die Gefährten – Das Stichspiel: Spielschachtel / Foto: Spieltroll

Wie läuft das ab?

Ich erzähle hier beispielhaft nur Dinge aus der ersten Mission, weil ich den Rest nicht spoilern will. Wenn ihr auch davon nichts wissen wollt müsst ihr es einfach blind kaufen.

Also im Grunde ist dieses Spiel ein Stichspiel wie jedes andere auch. Es gibt Kartenfarben mit Werten von ein bis acht und die höheren Zahlen besiegen die niedrigeren. Die Kartenfarben repräsentieren dabei Landschaften (Wald, Hügel, Gebirge und Schatten) durch die die Protagonisten in der Geschichte reisen. Dazu gesellt sich eine fünfte Farbe (die Ringe) von der es aber nur fünf Karten gibt.

Der Herr der Ringe: Die Gefährten – Das Stichspiel: Die Spielkarten / Foto: Spieltroll
Der Herr der Ringe: Die Gefährten – Das Stichspiel: Die Charaktere des ersten Kapitels / Foto: Spieltroll

Gespielt werden einzelne Kapitel, von denen es 18 Stück gibt, die nach hinten raus immer ein bisschen schwieriger werden. Die jeweilige Kapitelkarte erzählt uns worum es geht und wie der Spielaufbau funktioniert. Wir spielen grob die Handlung des ersten Herrn der Ringe Buches nach. In Kapitel eins können vier Charaktere mitspielen, die wir dann auch als Karten vorfinden. Frodo, Bilbo, Gandalf und Pippin. Spielen wir solo, spielen wir eh alle Charaktere, dazu etwas später mehr. Bei den anderen Spieler*innenzahlen, dürfen wir wählen. Charaktere mit einem Sternchen müssen aber gespielt werden. Im Fall vom ersten Kapitel trifft das auf Frodo und Bilbo zu. Die Siegbedingung besagt, dass wir die Aufgaben aller Charaktere in einer kurzen Partie erfüllen müssen.

Es gibt kurze und lange Partien. Kurz bedeutet, dass wir nur eine Runde spielen und am Ende das Ziel erreicht haben müssen. Bei einer langen Partie spielen wir mehrere Runden um das Ziel zu erreichen. Diese Aufgaben können alles Mögliche umfassen, um beim ersten Kapitel zu bleiben, muss Bilbo zum Beispiel in der Partie mindestens drei Stiche gewinnen und Frodo muss am Ende in seinen gewonnenen Stichen mindestens zwei Ringkarten aufweisen. Klingt erst einmal nicht so schwierig.

Der Herr der Ringe: Die Gefährten – Das Stichspiel: Der Eine Ring /Foto: Spieltroll

Die Karten werden gemischt. Wer die Ringkarte mit der Nummer eins bekommt, welche den Einen Ring darstellt und über eine Sonderfähigkeit verfügt spielt Frodo. Im Grunde ist sie der einzige Trumpf, denn wer sie besitzt darf entscheiden den Stich zu gewinnen. Danach teilen wir je nach Spieler*innenanzahl die restlichen Karten gleichmäßig an alle Spieler*innen aus. Eine Karte bleibt dabei über. Sie ist die sogenannte verlorene Karte. Sie wird aufgedeckt neben die Kapitelkarte gelegt. Die Person links von Frodo wählt nun ihren Charakter aus und so weiter. Wenn alle einen Charakter gewählt haben, werden die Aufbau Aktionen der Charaktere ausgeführt. Wieder wird links von Frodo begonnen. Nicht alle Charaktere haben solche Aktionen, aber viele dürfen zum Beispiel Karten austauschen. Gandalf zum Beispiel darf die Verlorene Karte seiner Hand hinzufügen, spielt die Partie also mit einer Karte mehr, und tauscht anschließend eine Karte mit Frodo. Das bedeutet, er wählt eine Karte seiner Hand und gibt sie Frodo verdeckt. Sie wird der Hand hinzugefügt und anschließend wird eine verdeckt zurückgegeben.

Der Herr der Ringe: Die Gefährten – Das Stichspiel: Ring- und Sternmarker / Foto: Spieltroll

Dann geht es los. Es gibt noch ein paar Sonderregeln, die die Ringe betreffen. Diese dürfen zunächst nicht genutzt werden, um einen Stich anzuspielen. Um das Anzuzeigen gibt es einen großen Ringmarker. Die eine Seite ist grau und so wird er in die Tischmitte gelegt. Sobald ein Ring teil eines Stiches war, wird er auf die farbige Seite gedreht und ab jetzt darf auch mit Ringen angespielt werden. Sobald jemand das Charakterziel erfüllt bekommt er oder sie einen Sternmarker, der anzeigt dass dieses Ziel erfüllt ist. Die Partie wird dann wie ein ganz normales Stichspiel absolviert. Die Spieler*innen dürfen über alles was beim Spielaufbau bereits klar ist sprechen, sich aber nicht die Karten zeigen und auch nicht darüber reden, welchen Charakter sie gerne hätten.

Sind alle Sterne bis zum Spielende verteilt gewinnen die Spieler*innen die Partie und können zum nächsten Kapitel voranschreiten. Schaffen sie es nicht müssen sie es erneut probieren. Neue Kapitel warten mit neuen Charakteren, neuen Aufgaben und neuen Spielelementen auf.

Der Herr der Ringe: Die Gefährten – Das Stichspiel: Ringkarten dürfen nicht angespielt werden / Foto: Spieltroll

Das Spiel zu zweit wird im Grunde wie eine Partie zu dritt gehandhabt. Die Karten des dritten, werden allerdings als eine Pyramide mit zum Teil verdeckten Karten ausgelegt. Das ähnelt sehr dem Spielprinzip der zentralen Auslage in 7 Wonders Duel. Die Person die Ring 1 bekommen hat spielt auch Karten aus der Pyramide und verknüpft zum Spielstart einen Charakter mit der Pyramide. Falls niemand den einen Ring hat, ist es Frodos Pyramide und der oder die Spieler*in rechts davon übernimmt den Part des Pyramidenspielers. Auch diese Version funktioniert, ist für meinen Geschmack aber etwas ungelenk.

Kommen wir nun noch zum Solospiel, denn dieses Spiel eignet sich sehr gut dafür. Wir spielen alle Charaktere und verfügen so über viele Informationen. Der Spielaufbau funktioniert ähnlich. Auch hier erhält Frodo die Ring Eins, aber alle Charaktere bekommen nur vier Handkarten. Der Rest liegt als Nachziehstapel bereit. Alles andere des Spielaufbaus bleibt wie es ist. Ich spiele Stiche in der richtigen Reihenfolge und nachdem einer gespielt wurde, bekommen alle Charaktere eine neue Karte vom Nachziehstapel. Auch hier müssen alle Ziele erfüllt werden. Spätere Kapitel weisen dann kleine Extraregeln für das Solospiel aus.

Das Fazit

Das Spiel wird natürlich viel mit Die Crew und seinem Nachfolger verglichen und das ist auch korrekt. Das Spielprinzip ist natürlich absolut ähnlich. Dennoch gefällt mir das hier eindeutig besser. Woran liegt das? Da gibt es für mich viele Gründe. Zunächst mal das Material. Die Crew wirkt billig und gibt sich nicht viel Mühe mit seinem Material, dem Aussehen und seiner thematischen Rahmenhandlung, bietet dafür aber eine Menge mehr Aufgaben, die sich für mich aber deutlich repetitiver anfühlen. Das Herr der Ringe Stichspiel hat hier den großen Vorteil über Charaktere mit unterschiedlichen Zielen zu verfügen und in Kapiteln in denen mehr Charaktere zur Auswahl stehen, als Spieler*Innen teilnehmen können, fühlen sich die Partien auch je nach Wahl der Charaktere anders an.

Der Herr der Ringe: Die Gefährten – Das Stichspiel: Kapitelkarte / Foto: Spieltroll

Auch wenn wir hier „nur“ 18 Kapitel bekommen, so sind diese alle unterschiedlich und versuchen die Handlung des ersten Buches in ein mechanisches Gerüst zu pressen, was meiner Meinung nach auch ziemlich gut funktioniert. Ich bin eigentlich kein großer Fan anderer Stichspiele als Skat und Doppelkopf, aber dieses Spiel fasziniert mich schon ziemlich. Zu zweit finde ich es nicht so gelungen, aber dafür sticht es als Solospiel umso mehr hervor. Hier verwandelt sich das Spiel in ein großes Puzzle bei dem ich von Beginn an über viele Informationen verfüge und die bestmögliche Ausgangssituation herstellen kann. Dabei spielen auch Wahrscheinlichkeiten eine Rolle, die ich annehmen kann, um Entscheidungen zu treffen. Die ersten paar Kapitel gehen da noch recht leicht von der Hand, aber schon bald wird jedes weitere Kapitel zu einer Herausforderung. Der Aufwand den ich als Solist betreiben muss ist dabei absolut überschaubar und das macht es richtig gut.

Insgesamt hat mir Der Herr der Ringe: Die Gefährten – Das Stichspiel deutlich besser gefallen als Die Crew, was nicht nur an der thematischen Einbindung, sondern auch an dem schönen Material und dem guten Solomodus gelegen hat.


  • Verlag: Office Dog, Asmodee
  • Autor(en): Bryan Bornmueller
  • Illustrator(en): Elaine Ryan, Samuel R. Shimota
  • Erscheinungsjahr: 2025
  • Spieleranzahl: 1-4 Spieler*innen
  • Dauer: 20 Minuten

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