
Draft & Write Records ist mir recht früh aufgefallen und ich habe immer gehofft das es eine Version hier in Deutschland zu kaufen geben wird. Draft & Write Records habe ich zunächst nur auf der Boardgamearena gespielt und faszinierte mich gleich. Thematisch fand ich es gleich großartig, denn Musik ist eines meiner liebsten Dinge im Leben und Spiele die sich damit auseinandersetzen sind leider gar nicht so häufig. Zudem mag ich auch noch Roll & Writes, so dass hier gleich mehrere Faktoren für das Spiel sprechen, obwohl wir es hier, der Name verrät es schon, mit einem Draft & Write zu tun bekommen. Klingt alles durchaus erstmal frisch und ich war eine ziemliche Zeit lang sehr angetan von dem Spiel. Dann wurde es ruhig um eine etwaige deutsche Veröffentlichung, aber im letzten Jahr kam dann die Lösung. Die Brettspiellösung veröffentlichte das Spiel nun endlich für den deutschen Markt. Warum ihr Draft & Write Records durchaus mal ausprobieren solltet, wenn ihr auf das Genre der Roll & Writes steht, verrate ich euch in meiner Review.
Worum geht es?
Die Spieler*innen starten eine Karriere als Musiker*in. Die Band wird zusammengestellt und auch die spätere Crew ist wichtig, Arbeit wird geleistet, Skandale werden umschifft, während die Band sich aus der heimischen Garage auf Tour begibt und wenn alles gut läuft ganze Stadien füllen wird und mit entsprechenden Edelmetallplatten belohnt wird. Alle simuliert durch das simple Draften einiger Karten und das dadurch resultierende Markieren einiger Symbole auf dem eigenen Spielzettel. Am Ende geht es natürlich um die meisten Siegpunkte aber das Spiel kann auf verschiedene Arten beendet werden.

Wie läuft das ab?
Schauen wir uns zunächst das Spielmaterial etwas näher an. In der Spielschachtel finden wir neben dem sehr farbenfrohen, beidseitig bedruckten Spielblock, acht Buntstifte in vier Farben, einige Bleistifte mit Radiergummi, sowie einen kleinen Plastikanspitzer (sehr cool) und jede Menge Spielkarten in zwei Kategorien. Zu Beginn des Spiels werden die beiden Kartenstapel gut gemischt. Von den Zielkarten werden vier als offene Auslage aufgedeckt und der Rest als Stapel bereitgelegt. Die Mitspieler*innen erhalten anschließend je zwei Karten von diesem Staple und müssen sich ein persönliches Ziel aussuchen, welches sie verdeckt neben ihrem Spielzettel aufbewahren. Vom zweiten, größeren Stapel erhält jede* Mitspieler*in fünf Karten. Als letzte Vorbereitung markieren alle Spieler*innen den obersten Harmoniepunkt ihres Sängers in einer der vier Farben. Die Harmoniepunkte erkläre ich gleich noch ein wenig genauer.

Das Spiel läuft dann wie folgt. Es gibt eine Wochenphase, in der die Spieler*innen je eine ihrer Handkarten draften und den Rest weitergeben. Die gewählte Karte wird dann mit ihren Ergebnissen eingetragen. Dieser Vorgang findet insgesamt vier Mal statt. Die übrige Karte legen die Spieler*innen auf ihren persönlichen Ablagestapel. Dann folgt die Wochenendphase in der Ziele erfüllt werden können. zunächst die öffentlich ausliegenden, die am Ende durch neue ersetzt werden und danach die persönlichen, die nicht ersetzt werden. Es ist also im Spiel nur möglich ein einziges persönliches Ziel zu erfüllen. Insgesamt können sechs Ziele erfüllt werden. Sobald jemand das schafft ist das Spiel auch beendet. Ansonsten wird eine neue Woche mit einem neuen Draft begonnen.

Was können die Spieler*innen aber nun mit den gedrafteten Karten machen. Es gibt viele relevante Bereiche auf dem Spielzettel, jedoch sind über die Karten nur drei (bzw. vier, aber einen Bereich will man gar nicht anspielen) spielbar. Oben rechts gibt es den Agendabereich und für diesen können wir Karten draften, die uns erlauben ein Symbol im vier mal vier Raster anzukreuzen. Es gibt insgesamt auch nur vier unterschiedliche Symbole und sollten wir es schaffen hier Reihen, Spalten oder diagonalen anzukreuzen, so erhalten wir Boni, die uns wiederum erlauben weitere Kreuze in anderen Bereichen zu setzen, Punkte bringen oder besondere Boni einbringen. Der zweite Bereich befindet sich rechts am Rand in einer Handygrafik. Auch hier können wir jede Menge Symbole ankreuzen und sobald wir zwei benachbarte ankreuzen erhalten wir hier den jeweiligen Bonus dazwischen.

Der dritte Bereich für den es direkt Karten zu draften gibt, ist der Band & Crew Bereich in der Mitte des Zettels. Dort finden wir einen Bereich mit 12 Polaroid Fotos, mit Verbindungslinien. Dieser Bereich ist das Herzstück des Spiels, denn ohne Band keine Karriere. Ein Sänger, vier Musiker, drei Leute für das Management und vier Techniker können wir hier eintragen und sollten wir alle 12 Plätze befüllen, so löst das ebenfalls das Spielende aus. Die Karten für diesen Bereich sind etwas spezieller, denn sie liefern uns sofort ein bis fünf Punkte, die wir durch vorher erspielte Multiplikatorboni noch weiter erhöhen können, so sind bis zu 20 Punkte möglich. Die Punktezahl tragen wir direkt in die Mitte des Polaroids ein und dann dürfen wir noch ein paar Kreise ausmalen. Jede Karte bringt uns nämlich noch Harmoniepunkte in vier Farben. Wir malen also die Punkte in den entsprechenden Farben aus und sollten benachbarte Karten die gleichen Farben haben, so dürfen wir auch die Verbindungslinie einfärben und erhalten eine Harmonieverbindung, die es uns erlaubt im Harmoniebereich des Spielzettels Kreuze zu setzen. Auch hier gibt es wieder mächtige Reihen- und Spaltenboni zu verdienen.

Weitere Bereiche in denen wir Punkte verdienen können sind der Tour- und der Aufnahmebereich. Ganz oben links finden wir noch den Skandalbereich, welcher mit der vierten Kartenart angespielt wird, oder falls wir eine Karte nicht benutzen wollen oder können, ebenfalls angesprochen wird. Hier gibt es negative Punkte zu verdienen und auch wenn hier jemand das Ende der Leiste erreicht, wird das Spielende erreicht. Zusätzlich müssen alle Spieler*innen am Ende für jeden nicht besetzten Platz in ihrem Band- und Crewbereich ein Kreuz hinnehmen. Es ist also wichtig diesen Bereich auch parallel zu den anderen nicht zu vernachlässigen, bevor das Spiel schneller vorbei ist als man schauen kann und wir massive Minuspunkte kassieren.

Das Fazit
Im Prinzip also ein ganz normales Sonstwas & Write mit ein paar netten Twists, welches davon lebt an den richtigen Stellen die richtigen Boni zu verdienen, um Kombos freizuschalten. Das kann manchmal in längeren Ankreuzarien enden und sich sehr befriedigend anfühlen. Die Entscheidungen sind dabei meiner Meinung nach immer relativ spannend, obwohl wir eigentlich ja nur eine überschaubare Grundauswahl haben. Jedoch tun sich im Hintergrund weitere Entscheidungen auf, die wir für uns abwägen müssen. Vieles wird dabei durch die Ziele bestimmt, die momentan ausliegen und durch unsere Spielweise. Wir können zum Beispiel versuchen zunächst einige Multiplikatoren freizuspielen, um diese dann bereit zu haben, wenn punkteträchtige Bandkarten im Draft auftauchen, um die Punkte zu maximieren. Auch ist es möglich entweder auf viele Punkte bei der Band zu spielen oder lieber zu versuchen das Maximum bei der Harmonie herauszuholen, um die Bonis mitzunehmen. Die Entscheidungen sind nur auf den ersten Blick simpel.

Auch müssen wir immer unsere Mitspieler*innen im Auge behalten, wenn wir zu lange benötigen, um Punkte zu verdienen, können andere schon sehr weit mit ihrer Band fortgeschritten sein, oder viele kleine Ziele erfüllt haben, um überraschend das Spiel zu beenden. Besonders die fehlenden Bandmitglieder tun durch die Minuspunkte meist weh und ermöglichen auch im schnellen beenden des Spiels eine durchaus valide Taktik.
Thematisch ist hier versucht worden das Spiel durchaus faszinierend umzusetzen. Besonders der Band Part, bei dem wir versuchen müssen die verschiedenen Mitglieder aufeinander abzustimmen, um musikalische Harmonie zu erreichen, gefällt mir sehr. Die Optik rund um das Musikthema empfinde ich dabei ebenfalls als durchaus gelungen. Das Einzige, was mir nicht gefällt sind die wenigen Skandalkarten, die eigentlich überflüssig sind und umso mehr nerven, wenn sie doof verteilt auftauchen und du keine Möglichkeit hast ihnen auszuweichen.
Draft & Write Records gefällt mir ansonsten ziemlich gut und gehört für meinen Geschmack zu den besten Titeln des Genres da draußen. Fans des Genres sollten hier unbedingt einen Blick riskieren und auch solche die es vielleicht noch werden wollen.
- Verlag: Brettspiellösung
- Autor(en): Bruno Maciel
- Illustrator(en): Pedro A. Alberto
- Erscheinungsjahr: 2025
- Spieleranzahl: 1 – 6 Spieler*innen
- Dauer: 30-60 Minuten